Sprache kann einiges: informieren, verletzen, unterhalten und uns gedanklich in ferne Welten versetzen. Vorausgesetzt, der Autor versteht sein Handwerk. Die Autoren Sebastian Pertsch und Udo Stiehl verstehen ihres und sind Meister darin, Floskeln aufzuspüren und deren Unsinn zu entlarven – wie ihr Buch “Ihr Anliegen ist uns wichtig!” beweist. Doch anders als so manch andere Sprachpuristen tun sie das nicht verbissen und schulmeisterlich, sondern witzig und gleichzeitig so erhellend, dass man sich dabei ertappt, mit dem gedanklichen Rotstift (sicherlich eine Floskel) entsprechende Formulierungen zu redigieren oder wahlweise gemurmelt zu kommentieren.

“Auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Union haben sich die Außenminister gestritten wie die Kesselflicker.” stattdessen liest man: “Es sei ein intensiver Meinungsaustausch gewesen.”

Nun kann man sicherlich darüber diskutieren, ob Formulierungen falsch verwendet werden, weil man gerade zu faul ist, sich der Richtigkeit zu vergewissern oder ob man es nicht besser weiß. Letzteres kann man bei so manchem englischen Begriff unterstellen, der offenbar einfach nur deshalb verwendet wird, weil er besser klingt als seine deutsche Entsprechung. “Lifehacks” statt “Haushaltstipp”, “Think Tank” statt “Arbeitsgruppe”, “Gate” oder “Leaks” statt “Skandal” (wenn es denn einer ist) wirkt offenbar viel gebildeter oder cooler. Blöd nur, wenn die Übersetzung im Deutschen schräg klingt wie “Da bin ich ganz bei Ihnen” für “I’m all with you”, “massiv” für “massive” (was korrekt “stark”, “groß” oder “viel” bedeutet) oder “das macht Sinn” für “that makes sense” – wo es doch das schöne Wort “sinnvoll” gibt. Freilich: Englisch ist eine wunderbare Sprache und es gibt sicherlich englische Begriffe, die konkreter und weniger umständlich sind als ihre deutschen Entsprechungen. Wenn man aber das Kapitel gelesen hat, fragt man sich unwillkürlich, ob man nicht auf den Anglizismus  verzichten kann, den man gerade verwenden möchte.

Überhaupt ertappt man sich dabei, ähnliche Gedanken beim Lesen des Buchs zu haben, zu unmissverständich sind die im freundlichen Plauderton  gehaltenen Hinweise (oder sollte man Vorwürfe schreiben?), sich doch bitte Gedanken zu machen, wie man Sprache richtig nutzt, ohne, ja ohne Floskeln zu produzieren.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Pertsch, Udo Stiehl: Ihr Anliegen ist uns wichtig! So lügt man mit Sprache, Piper, 9,99 Euro
(Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper-Verlag zur Verfügung gestellt.)