Ein deutscher Mönch, der sich nicht um Autoritäten schert und eine mehr als direkte Sprache pflegt  – so beschreibt Sabine Appelt in ihrem Buch „König Heinz und Junker Jörg“ den Reformator Martin Luther. Doch was sich nach einer leicht lesbaren Biografie anhört, entpuppt sich spätestens nach einigen Kapiteln als eine nicht einfache Lektüre, die faktenschwer daherkommt und dem Leser volle Aufmerksamkeit abfordert. Wer also nach einem anstrengendem Arbeitstag nach Feierabend schnell ein paar Seiten über Martin Luthers Leben lesen möchte, ist bei diesem Buch falsch.

„Lausiger kleiner Klosterbruder“

Dabei schreibt Sabine Appelt keineswegs abgehoben. Mit zahlreichen Beispielen und Zitaten versucht die Germanistin die Zeit von Luthers Geburt im Jahr 1483 bis zum Tod des englische Königs Heinrich VIII 1547 lebendig werden zu lassen. Das gelingt ihr am besten mit direkten Auszügen aus den Schriften, die die beiden Männer verfasst haben und die sich mit nichts geringerem als dem Seelenheil beschäftigen. Und beide haben kein Blatt vor dem Mund genommen. Wie sonst könnte es sein, dass der Deutsche den Monarchen als „König Heinz“ bis hin zum „Lügenkönig“ bezeichnet hat, muss selbst für damalige deftige Sprachgewohnheiten eine Ungeheuerlichkeit gewesen sein. Freilich stand Heinrich VIII und die Autoren, die er im Laufe des Disputs mit einer Entgegnung beauftragt hat, dem in nichts nach. Thomas Morus, Staatsmann, humanistischer Autor und bis zu seiner Hinrichtung Vertrauter des Königs, antwortete in dessen Namen, vielleicht weil Heinrich nicht selbst auf die Unverschämtheiten Luthers antworten wollte. Morus wählt dafür eine umso kräftigere Sprache und bezeichnet Luther als einen „lausigen kleinen Klosterbruder“, „schmutziger als ein Schwein und dümmer als ein Esel“, der lediglich „mit seiner Frontseite das Hinterteil eines weiblichen Maultiers zu lecken“.

Fazit: Wer vielleicht schon mit einigem Vorwissen mehr über Martin Luther und seine Zeit erfahren will und bereit ist, sich das Buch und seinen Inhalt zu erarbeiten, der ist bei diesem Buch richtig.

 

Sabine Appelt: König Heinz und Junker Jörg, Theiss, 22,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Theiss-Verlag zur Verfügung gestellt.