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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Autor: DieBedra (Seite 1 von 15)

Ben Urwand: Der Pakt

Faktensatt ist ein Wort, das etwas hilflos und vage klingt, weshalb ich es eigentlich nicht gerne verwende. Eigentlich. Im Fall von „Der Pakt“ trifft es aber genau zu. Denn das, was Ben Urwand in seinem Buch vorlegt, ist genau das. Akribisch werden Fakten aufgeführt, Belege und Fußnoten im üppigen Anhang dem Leser an die Hand gegeben, der mehr über die Abmachungen lesen will, die führende Hollywood-Filmstudios mit dem Regime des Dritten Reichs trafen.

Magische Wirkung

Mag es noch wenig überraschen, dass Hitler sich der magischen Wirkung des damals noch neuen Mediums Film sehr wohl bewusst war und  in Auftrag gegebenen Filme wie „Triumph des Willens“ ganz gezielt für seine Nazi-Propaganda einsetzte, so ist mag es doch den ein oder anderen Leser  überraschen, dass der Diktator von Filmen gar nicht genug bekommen konnte: „Jeden Abend sah sich Adolf Hitler vor dem Zubettgehen einen Film an. Er selbst wählte den Titel aus einer Liste, die ihm beim Abendessen überreicht wurde und führte seine Gäste dann in sein Privatkino (…).“ Nach Filmende gab er sofort seine Einschätzung ab, seine Assistenten notierten die Kategorien von „ausgezeichnet“ bis „ausserordentlich (!) „schlecht“ oder „abgebrochen“. Er und Propagandaminister Goebbels waren gleichermaßen von Hollywood-Filmen fasziniert und führten sie  deutschen Filmproduzenten als Beispiel für gute Filme vor. Gute Filme, das waren Filme, die das Weltbild der Nazis passten und Deutschland weder kritisch oder gar negativ darstellten. Wie Ben Urwand aber sehr einleuchtend ausführt, trennte der Diktator strikt zwischen Kunst und Propaganda – freilich nur solange er in dem Film keine Bedrohung für Deutschland sah.

„Obwohl er jeden Abend Filme ansah, obwohl seine Faszination für diese Filme auf einer tieferen Verbindung zu seinen eigenen Erfahrungen als Redner beruhte, kam er bei der Mehrzahl davon nicht auf die Idee, sie könnten irgendetwas mit Propaganda zu tun haben.“

Hollywoods Filmindustrie war wiederum daran interessiert, mit Deutschland gute Geschäfte zu machen und ihre Filme erfolgreich in die Kinos zu bringen und wenn möglich die finanziellen Schwierigkeiten, denen sie sich seit dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt sahen, wenn nicht aus der Welt zu schaffen, so doch möglichst zu minimieren. Deshalb nahmen sie es unter anderem in Kauf, dass das Regime ihnen vorschrieb, mehr Arier zu beschäftigen (zunächst konnten sie die Hälfte ihrer jüdischen Arbeiter behalten). Später entließen Hollywoods Filmproduzenten jüdische Mitarbeiter, schnitten Bezüge auf Juden aus Filmen heraus – wie sie überhaupt bereit waren, ihre Produktionen zu zensieren. Dieser Pakt endete erst mit dem Kriegseintritt der USA 1941, und Hollywood produzierte von 1942 bis 1945 Stoffe, um die Truppen im Kampf zu unterstützen.

Das Werk des amerikanischen Historikers Ben Urwand räumt mit der Meinung auf, Hollywood habe sich von Nazi-Deutschland distanziert und stattdessen alles getan, um freiheitliche Werte zu verteidigen. Der Autor tut das in einer überaus lesbaren und zum Teil sogar witzigen Art und Weise – wenn er etwa beschreibt, dass der Film „Tarzan“ in Deutschland nicht gezeigt werden durfte, weil der Film das deutsche Rasseempfinden verletze. Das Buch mag an manchen Stellen zu detailreich sein, es liefert aber einen guten und wichtigen Überblick über das Thema, das nicht nur für Filmfreunde interessant sein dürfte.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ben Urwand: Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler. Theiss-Verlag, 29, 95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Es ist das „Zentrum der Welt“, „die großartige Stadt London“ ist Ziel all ihrer Sehnsüchte. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts kamen zehntausende Zuwanderer aus den westindischen Inseln in die britische Hauptstadt, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, so wie die Landsleute vor ihnen, die von der Regierung 1948 als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. In London mussten sie sich nicht nur in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie waren auch gezwungen, sich mit vorher vollkommen unbekannten Gegebenheiten auseinandersetzen. Statt im heißen Klima der Tropen mussten sie lernen, mit den Wetterkapriolen zu leben und sich gegen die winterliche Kälte zu schützen.

„Was hat eine Stadt, was hat irgendein Ort in der Welt, dass man ihn so sehr mag und nirgendwo anders hinwill?“

Moses ist einer dieser „Mokkas“, der vor ein paar Jahren nach London gekommen ist. Ihn lässt Samuel Selvon seinen Roman „Die Taugenichtse“ erzählen. Das tut er so, wie er seinen Freunden etwas erzählen würde, im gebrochenen Englisch der Einwanderer, manchmal auch über längere Absätze ohne jegliche Satzzeichen. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Charme und auf jeden Fall viel direkter als wenn ein allwissender Autor gleichsam als Sprachfilter fungieren würde.  Und so erreichen Sorgen und Frust der Einwanderer den Leser unmittelbar, das Unverständnis darüber, dass sie obwohl sie in den Fabriken schuften, von den Einheimischen nicht anerkannt werden:  „In London akzeptiert uns keiner.  Nicht richtig“, sagt Moses und ist froh, dass wenigstens die regelmäßigen Treffen der Einwanderer Gemeinschaft schaffen.

Die Originalausgabe ist schon 1956 erschienen. Angesichts der vielen Übersetzungen aus dem Englischen, die bei uns im Handel sind, ist es eigentlich unverständlich, weshalb die deutsche erst jetzt erschienen ist.  Die wunderbare Ausgabe, die jetzt vorliegt, verdient ein breites Publikum.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Samuel Selvon: Die Taugenichtse, dtv, 14, 90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Gartenfräulein: Stadtbalkon

Mit Ratgeber-Büchern ist es so eine Sache. Sie können so belehrend sein, dass man sich wahlweise schlecht oder absolut dumm fühlt, weil man das entsprechende Thema falsch angegangen ist oder noch nie irgendetwas davon gehört hat. Oder sie können liebevoll aufgemacht sein und den Ton haben, den die beste Freundin anschlägt, wenn sie einem ihr Lieblingsrezept für das beste aller Tiramisus verrät. So ähnlich klingt Silvia Appel wenn sie auf ihrem Blog Tipps rund um ihren Stadtbalkon mit ihren Lesern online teilt, und so klingt sie auch in den beiden Büchern „Mein kreativer Stadtbalkon“ und dem „Journal“.

Beiden gemeinsam ist eine liebevolle Ausstattung, die jede Seite dank unterschiedlicher Zeichnungen und Layouts ein eigenes, handgemachtes Aussehen verleiht. Das passt wunderbar zu dem, was der Leser schon beim flüchtigen Durchblättern mitnimmt: viele Tipps, wie man auf einem schon länger bewohnenden Balkon mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen kann (und man sich fragt, weshalb man nicht selbst darauf gekommen ist) und Ratschläge, worauf man bei der Gestaltung eines neuen Balkons achten soll. Wer vorher noch nie etwas mit grünen Bewohnern auf einem Balkon zu tun hatte, bekommt etwa im Buch Geräte vorgestellt, die für die notwendigen Arbeiten hilfreich sein können und den Hinweis, dass man am Anfang statt einer Rosenschere (die auch Kräuter schneidet) eine scharfe Haushaltsschere verwenden kann.

Von Geranien bis Radieschen

Für Einsteiger unerlässlich und für Erfahrenere hilfreich ist die Auswahl an Pflanzen, die man auf dem Balkon kultivieren kann. Wobei nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Geranien, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse erwähnt werden, sondern auch unterschiedliche Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Radieschen. Ungewöhnliche Tipps gibt es auch im Journal dazu, das man als Merkhilfe für anstehende Arbeiten oder das erneute Anpflanzen im nächsten Jahr verwenden kann. Genügend freie Seiten dafür – chronologisch nach Jahreszeiten geordnet  – gibt es vorausgesetzt, man überwindet sich und beschreibt die mit liebevollen Zeichnungen ausgestatteten Seiten tatsächlich.

 

Mein kreativer Stadtbalkon (19,99 Euro) und Mein kreativer Stadtbalkon –  Das Journal (14,99 Euro), Edition Michael Fischer.
Beide Bücher wurden mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Graham Swift: Ein Festtag

Jane Fairchild ist Waise und kam mit 14 Jahren als Dienstmädchen in ihren ersten Haushalt. 1917 wechselten sie zu dem Ehepaar Niven, die  im Ersten Weltkrieg zwei Söhne verloren haben. Zwar wollten sie ein junges Dienstmädchen, weil sie sich in den schwierigen Jahren nur eine billige Kraft leisten konnten, als sie aber entdecken, dass Jane besser lesen und schreiben kann als die meisten ihres Standes, nehmen sie sich ihrer Bediensteten mehr an als üblich. Gerührt von der Wissbegierde des Dienstmädchens erlaubt ihr Mr Niven, sich Bücher aus der Bibliothek auszuleihen. Und er wundert sich, dass Jane an manchen Tagen einfach verschwunden ist oder sie länger als gedacht braucht, um Besorgungen zu machen. Denn Jane hat ein Verhältnis mit Paul Sheringham. Dass seine standesgemäße Heirat stattfinden wird, steht für Jane nie in Frage. Und so genießt sie das Privileg, sich an diesem „Festtag“, dem Muttertag (der dem Buch im Original seinen Namen gibt) nackt durch das große Haus zu gehen. Dass sich ihr Leben verändern wird, weiß Jane, aber nicht auf welche Weise.

Untergegangene Welt

Graham Swift entführt den Leser in eine Welt, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unterging. Die Welt einer Gesellschaftsordnung, in der jeder wusste, welchen Platz er innerhalb seines Standes innehatte, eine Welt, die in dieser Geschichte mindestens genauso  britisch ist wie die Fernsehserie „Downtown Abbey“ des Senders ITV. Ein Vergleich, der sich mir auch deshalb aufgedrängt hat, als ich die ersten Seiten gelesen habe, weil die Figuren so lebendig und perfekt in ihre detailreich geschilderte Umgebung passen, dass man sich fühlt, als komme man als Leser gerade dazu. Wie schon der Band  „England und andere Stories“ , der in gleicher hochwertiger Ausstattung und sorgfältiger Übersetzung vorliegt hat auch „Ein Festtag“ nur den Makel, den nämlich, dass die Geschichte viel zu kurz ist.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Graham Swift: Ein Festtag, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben

Roseanne McNulty ist alt und legt Zeugnis ab über ihr Leben und auch darüber, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik in  Roscommon ist. Nach und nach enthüllt sie in ihren Aufzeichnungen, ihrem „Selbstzeugnis“, ihr Leben, erzählt von ihrem Vater, den sie verehrt und von ihrem Mann. Doch ist sie wirklich zu unrecht  eingewiesen worden? Oder ist sie eine Verbrecherin wie ihr behandelnder Arzt, Dr. Grene herausfindet? Am Leser ist es nun, aus den jeweiligen Aufzeichnungen der beiden schlau zu werden, sich seinen eigenen Reim auf die wirklichen Ereignisse in „Ein verborgenes Leben“ zu machen.

„Ich bin nur ein Überbleibsel, das Relikt einer Frau, und sehe auch gar nicht mehr so aus wie ein menschliches Wesen (…)“

Das ist nicht immer einfach, denn die scheinbar so oberflächliche und ruhig dahinplätschernde Sprache Sebastian Barrys, die Hans-Christian Oeser  in einer sehr gelungenen Übersetzung vorlegt, verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers. Denn er muss nicht nur den jeweiligen Perspektivenwechsel mitmachen. Vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs im 20. Jahrhundert werden zwar die Figuren begreifbar. Ohne geschichtliches Wissen um diesen Konflikt kann man aber die Handlung nur schwer einordnen. Umso verdienstvoller ist die chronologische Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben, dtv, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführer: MM-City Hamburg

Es gibt Städte, in denen man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur kurz bleibt oder vorher noch nicht dort war. Eine davon ist für mich London, eine andere ist Hamburg. Und deshalb habe ich mir bei meinen bisherigen dienstlichen Trips immer ein paar Stunden Zeit genommen, die Stadt zu Fuß zu erlaufen.

Daher kenne ich ein paar der Tipps und Touren, die Matthias Kröner in seinem Städteführer Hamburg vorstellt, zumindest zum Teil.  Wer sich einen  Eindruck von der Hansestadt machen will, die durch Feuer und Bombenangriffe zerstört wurde, sollte vom Rathaus aus zum Jungfernstieg laufen und bei schönem Wetter dort auf den Freitreppen die Gegend genießen. Die Tour 4, die Kröner beschreibt, beginnt praktischerweise beim Hauptbahnhof und endet am Rathaus. Eine andere Tour führt durch die Speicherstadt und die HafenCity, auf der man an der erst kürzlich eröffneten Elbphilharmonie vorbeikommt. Von dort aus ist es nicht weit zum „Michel“, der Kirche St. Michaelis, die man auch spätabends besichtigen kann. Diesen als „Nachtmichel“ bekannten Tipp nehme ich auf meine Liste, bisher bin ich nur an dem Wahrzeichen Hamburgs vorbeigelaufen.

Neben den Touren durch die Stadt sind es vor allem die Tipps zum Einkaufen, Essen und Trinken oder den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Reiseführer  zu einem praktischen Helfer als Vorbereitung auf einen Städtetrip nach Hamburg machen. Das liegt nicht nur an den unterhaltsamen Sprache, sondern auch an den Tipps, die fernab von Klischees und Werbung eine echte Hilfestellung bieten. Abgerundet wird der handliche Führer durch einen herausnehmbaren Stadtplan und eine Übersicht über Busse und Bahnen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Matthias Kröner: Städteführer Hamburg MM-City, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink  beim Verlag bestellen.

Anthony McCarten: Licht

Die Zukunft – sie ist hell. Jedenfalls wenn man sich vor Augen hält, welchen Eindruck das erste elektrische Licht auf die Zeitgenossen gemacht haben muss und wie aufregend es war, zuzusehen wie Glühstrümpfe in Gaslampen durch elektrische Birnen ersetzt und wie Leitungen verlegt wurden. Jedenfalls empfindet das der Banker J.P. Morgan so, als er sein New Yorker Haus elektrifizieren lässt. Fassungslos und verblüfft reagieren die Gäste, als sie zu Silvester das für die damalige Zeit hypermoderne Haus besichtigen dürfen. Möglich gemacht hat das der geniale, schwerhörige Erfinder Thomas Alva Edison, der aber im Gegensatz zu Morgan nicht geschäftstüchtig ist.

„Er steckte das Buch unter den Arm und griff unwillkürlich hinter sich, um seine berühmteste Erfindung auszuschalten. Im Zimmer kehrte das Dunkel der Jahrhunderte wieder ein.“

Anthony McCarten lässt die Zeit zwischen der ersten Elektrifizierung in New York 1878 und 1929 (zwei Jahre vor Edisons Tod)  in seinem Roman „Licht“ lebendig werden, zusammen mit weiteren berühmten Namen wie Carnegie, Tesla und Vanderbilt. Dabei ist „Licht“ keine Biografie, sollte es nach den Worten von Anthony McCarten auch nie sein, wie er in den Nachbemerkungen schreibt. Er versucht vielmehr, Edison gerecht zu werden, indem er dessen Art, sich zu erinnern durch Vor- und Rückblenden darstellt. Das macht es dem Leser nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, zumal eine ganze Reihe an technischem Wissen ebenfalls vermittelt wird. Wer dran bleibt (und nicht allzu viel Zeit zwischen den Lesesitzungen verstreichen lässt), bekommt Einblick in eine Epoche, die die Welt für immer verändert hat.

Eine Anmerkung zum E-Book: Ich habe das Buch auf meinem Tolino gelesen, der beim erstmaligen Öffnen darauf hinwies, dass nicht alles korrekt dargestellt werden könne. Daher dachte ich,  die grauen Zahlen im Text seien eine Art Konvertierungsfehler – bis ich am Ende des Buches den Hinweis fand, dass die Seiten der Buchausgabe sind. Ob die manchmal verzögerte Reaktion des Tolinos auf irgendeine Weise damit zu tun hat, ist mir nicht klar.

 

Anthony McCarten: Licht, Diogenes, 24 Euro, E-Book: 20,99 Euro
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

#Bloggerliebe: Ach, Bloggen!

Es ist immer etwas merkwürdig, wenn ich Auskunft darüber geben soll, seit wann genau ich mit dem Bloggen angefangen habe. Merkwürdig deshalb, weil mein Zeitgefühl mich trügt und ich sehr genau überlegen muss, wann ich mit meinem ersten Blog angefangen habe. Sicher weiß ich, dass mein erster Blog damals schon DieBedra hieß und das Licht des Internets auf Googles Blogspot erblickte. Ich fand es damals praktisch, weil ich als Google-Nutzerin den Werkzeugkasten gleichsam bekommen, aber noch nicht geöffnet hatte. Das muss wohl irgendwann zwischen 2010 und 2011 gewesen sein, vielleicht auch ein oder zwei Jahre früher.  Der Name – „DieBedra“ stand von Anfang an fest, ich wollte die Verbindung zwischen meinem Blog und meinem Twitter-Account herstellen (der Name wiederum ist die fränkische Variante meines Vornamens und hat schon viele freudige Reaktionen ausgelöst).

„DieBedra“ war ursprünglich gedacht als eine Nerd-Blog, der sich mit allen möglichen Technik-Themen beschäftigen sollte, die ich beruflich schreibend nicht abdecken konnte und die auf jeden Fall eine sehr persönliche Färbung haben sollten.  Ich erinnere mich noch sehr genau, wie aufgeregt ich war, als ich den ersten Beitrag veröffentlichte. Und wie erstaunt, dass ich tatsächlich Reaktionen bekam. Freilich waren und sind das bis heute wenige im Vergleich zu größeren Blogs, aber für mich war es Ansporn genug, mich näher mit der Technik hinter dem Bloggen zu beschäftigen und zu merken, dass mir Blogspot zu umständlich war und mir gleichzeitig zu wenige Möglichkeiten bot. „WordPress musst Du nutzen“, sagten mir dann Leute, die wirklich eine Ahnung haben von Technik – verbunden mit dem Hinweis, dass ich damit keine Schwierigkeiten haben würde. DieBedra zog also um zu WordPress und ich änderte den Inhalt, schrieb weniger über Technik , dafür mehr über Filme und Bücher und über Benedict Cumberbatch, der mich dazu gebracht hat, meine Kenntnisse der englischen Sprache aufzufrischen, mehr in Englisch zu lesen – und zu schreiben.  Seit bald zwei Jahren hat DieBedra eine eigene URL und wieder hab ich gelernt, wie es ist, Inhalte mitzunehmen und worauf man beim Hosten achten muss (mein innerer Nerd war stolz).

Neben dem Spaß an der Technik ist natürlich der Spaß am Schreiben über das, was mir wichtig ist, geblieben. Und die durchweg netten und freundlichen Reaktionen von Lesern und (Twitter-)Followern, von denen ich einige im realen Leben kennenlernen durfte. „Deinem Urteil vertraue ich“, ist denn auch eine der schönsten Reaktionen, die ich bisher bekommen habe – und ein wunderbarer Ansporn weiterzumachen mit dem Bloggen.

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen der „#Bloggerliebe“ für Stefanie Leo entstanden.

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen

Gefühle und die Verwirrungen, die sie auslösen. Das ist das Thema unter dem sich Stefan Zweigs Erzählungen zusammenfassen lassen. Dabei muss es nicht einmal um die Gefühle gehen, die Erwachsene bewegen. In der 1911 erstmals erschienen Erzählung „Brennendes Geheimnis“ steht der zwölfjährige Edgar im Mittelpunkt, der zwar nicht mehr Kind sein will, aber merkt, dass er auch noch nicht erwachsen ist. Jedenfalls nicht so erwachsen, dass er den Avancen, die der Baron seiner Mutter macht, zwar als solche erkennt, aber anders begegnen kann als mit dem Trotz eines Kindes, das einen ersten Blick in die für ihn noch geheimnisvolle Welt der Erwachsenen wirft.

„Sein böses Schweigen zerriß wie eine Säure ihre gute Laune, sein Blick vergällte ihnen das Gespräch von den Lippen weg.“
(„Brennendes Geheimnis“)

Liegt der Schwerpunkt in „Brennendes Geheimnis“ mehr auf den Problemen, mit denen die Figuren in der realen Welt zurechtkommen müssen, so steht in „Die unsichtbare Sammlung“ die Welt im Mittelpunkt, die sich in der Vorstellungskraft abspielt. Ein alter, blinder Kunstsammler hat seine geliebten Grafiken so  sehr verinnerlicht, dass er jede genau beschreiben kann – ohne zu wissen, dass er sie gar nicht vor sich hat. Ganz ähnlich ist die Konstellation auch  in der „Schachnovelle“, vielleicht Stefan Zweigs berühmtestes Werk, in der das imaginäre Schachspiel das Leben eines Menschen  rettet und entscheidend verändert.

Die großen Erzählungen, die der dtv hier versammelt, sind eine Einladung, den Schriftsteller und Europäer Stefan Zweig (neu) zu entdecken. Aber Obacht! Dieses Entdecken bedeutet gleichzeitig auch ein Einlassen auf eine etwas bedächtige, ja altertümlich anmutende Sprache, die aber trotz ihres Alters nichts von ihrer Klarheit und Tiefe verloren hat.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen, dtv, 9,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführertipp: MM-City London

London ist so vielfältig und unerschöpflich wie die Zahl der erhältlichen Reiseführer, die scheinbar jede einzelne Ecke der Weltstadt an der Themse in ihre Bestandteile zerlegen und jedes Besucherbedürfnis befriedigen.  Wer ein handliches Buch sucht, das sich sowohl fürs Planen der Reise als auch für ein Schwelgen in Erinnerungen eignet (einen darauf hinweist, was man noch nicht gesehen hat und man demzufolge unbedingt bald wieder hin muss), der sollte dem „MM-City London“ von Ralf Nestmeyer eine Chance geben. Er bietet nicht nur insgesamt 18 Tourenvorschläge, mit deren Hilfe man Londons Stadtteile erlaufen kann und quasi im Vorbeigehen einiges über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erfährt. Man findet auch Hinweise darauf, wo man was essen oder einkaufen kann und wann welche Museen geöffnet haben. Dazu gibt es für den schnellen Überblick jeweils eine Karte, auf der der Tourenverlauf eingezeichnet ist. Zusätzlich hat der Reiseführer aber auch einen großen Stadtplan und eine Streckenkarte der Tube zum Herausnehmen.  Mit Hilfe von Verweisen innerhalb der Tourenbeschreibungen findet man sich leicht zurecht und kann die Ausgangspunkte der Erkundungstouren beispielsweise anhand von Tube-Haltestellen planen.

Oyster-Card und Stromadapter

Zusätzlich bietet Nestmeyer eine Fülle von nützlichen Informationen, die nicht nur für den ersten Londonbesuch hilfreich sind. Das reicht beispielsweise vom Tipp, eine Oyster-Karte für den Nahverkehr zu kaufen (was man auch vor Reiseantritt machen kann), sich einen kostenlosen Tube-Übersichtsplan an einer Station zu holen, über Hinweise zu Zimmerbezeichnungen für die Buchung (Double oder Twin beds) und Hoteltipps bis zur Erinnerung daran, dass man mindestens einen Stromadapter braucht, um Smartphone und Kamera an den britischen Zweistiftsteckdosen aufzuladen (und man auf den kleinen Schalter achten soll, der so eingestellt sein muss, dass ein roter Punkt sichtbar ist, damit Strom fließt).

Fazit: Der neu überarbeitete London-Führer ist absolut empfehlenswert. Zwar hat diese Neuauflage im Gegensatz zu einem seiner Vorgänger jetzt auch eine Web-App, die man über einen QR-Code laden kann und so schnell Zugriff auf Online-Karten erhält, die mit denen im Buch korrespondieren. Allerdings reicht das Buch meiner Ansicht nach vollkommen aus, vor allem wenn man wie ich ohnehin gerne über Google Maps navigiert.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ralf Nestmeyer: London, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro, Neuauflage 2017. Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.

Der Reiseführer wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Mehr von mir über London gibt es hier

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