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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Autor: DieBedra (Seite 1 von 17)

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete

Ach, was für ein schönes Buch! Ein glitzernder Schutzumschlag, der innen mit liebevollen Zeichnungen geschmückt ist. Zeichnungen, die Chris Mould für das ganze Buch entworfen hat – weshalb sich Elfen und Wichtel, der Weihnachtsmann und Rentiere und natürlich Amelia auf ganzen Seiten oder mitten im Text breit machen und die Geschichte wunderbar illustrieren.

Foto: Petra Breunig

Eine Zeichnung aus “Das Mädchen, das Weihnachten rettete”. Foto: Petra Breunig

Im  Mittelpunkt der Geschichte steht Amelia, die nach dem Tod ihrer Mutter versucht, als Kaminkehrermädchen zurecht zu kommen. Sie hofft auf die Hilfe  – und ein Wunder – des Weihnachtsmanns. Doch der Zauber der Weihnachtszeit ist nicht mehr so stark wie er einmal war. Das bekommt nicht nur Amelia zu spüren. Auch der Weihnachtsmann selbst muss sich mit allerlei Problemen herumschlagen.

“Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist das, was man als Kinderbuch bezeichnen würde, wäre da nicht der dtv selbst, der es klugerweise als “Buch für die ganze Familie” beschreibt. Denn Matt Haigs zweites Weihnachtsbuch ist ein Märchen, von dem sich auch Erwachsene verzaubern lassen und ein paar Stunden lang in eine Welt voller Wunder eintauchen sollten.

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete. Mit Illustrationen von Chris Mould, dtv, 17 Euro

Foto: Petra Breunig

 

John Green: Turtles all the way down

Some books leave you in wonder, in despair, in tears or in joy. And some books leave you thinking about the story you just finished. John Greens “Turtles all the way down” is one of those. This is not only because of Aza, a teenage girl who struggles with her anxiety, endless thoughts and life itself because she wants to be a good daughter, a good friend and a good student. She and her best friend Daisy decide to investigate the case of billionaire Russell Picket.

“The world is billion of years old, and life is a product of nucleotide mutation and everything. But the world is also the stories we tell about it.”

Aza’s  story is the story of a teenager trying to understand and getting along with life. And even if we are lucky enough living without any panic attacks or are grown ups with a regular life, “Turtles” touches us because it doesn’t matter if you are a teenager like Aza or a famous actor, author or just an ordinary guy, living a decent but ordinary life. All that matters in the end are values like love and friendships that will stay with us – and authors like John Green telling stories that we will remember for a very long time.

Photo: Petra Breunig

Photo: Petra Breunig

John Green: Turtles all the way down, Penguin, 7£

Bücher für Weihnachten 2017

Jawoll, es ist wieder soweit. Weihnachten ist nicht mehr weit – spätestens wenn diverse Märkte öffnen und die Straßen wieder in mehr oder weniger kitschiger Beleuchtung erstrahlen, wird es Zeit, sich über Geschenke Gedanken zu machen. Wer selber gern und viel liest, für den liegt es durchaus nahe ein Buch zu verschenken, auch wenn das für manche einfallslos sein mag.
Für die, die ein Buch verschenken möchte, hier meine Empfehlungen:

Für Fantasyleser:
Matt Haig: Ich und die Menschen, dtv, 9,95 Euro.
Ich habe die E-Book-Version auf einer langen Zugfahrt gelesen und habe mich selten so gut unterhalten gefühlt. Der Mathematikprofessor Andrew Martin wird nachts nackt aufgegriffen, als er an der Autobahn entlang wandert. Wie sich herausstellt, hat ein Außerirdischer von ihm Besitz ergriffen, der fasziniert ist von dem Leben dieser merkwürdigen Spezies.

Für Bücherliebhaber:
Charlie Lovett: Das Buch der Fälscher, Insel, 9,99 Euro.
Der deutsche Titel mag etwas am Original “The Bookman’s Tale” vorbeigehen und die Geschichte zu sehr auf ein Manuskript zuspitzen, das handschriftliche Notizen von William Shakespeare enthalten soll und beweisen könnte, dass es den großen englischen Autoren tatsächlich gegeben hat. Denn es geht vor allem um den Buchhändler Patrick Byerly, der den Tod seiner geliebten Frau verkraften muss und sich deshalb in die walisische Provinz zurückzieht.

Für Fans von Downton Abbey:
Julian Fellowes: Belgravia, Penguin, 10 Euro.
Zugegeben: ohne den Hinweis “Vom Autor der Serie Downton Abbey” hätte ich das englische Taschenbuch in der Buchhandlung nicht in die Hand genommen. So aber habe ich es gekauft und ein paar wunderbare Stunden verbracht im London des 19. Jahrhunderts, in dem es noch Dienstboten gab, alten Hochadel und Neureiche. Und wo natürlich die Liebe so manchem Standesdünkel entgegen steht.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro.
Der erste Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike, der versucht, herauszufinden, ob der Balkonsturz eines Models ein Unfall oder Mord war und der gleichzeitig sein Leben neu ordnen muss.  “The Cuckoo’s Calling”, das ich dank dem Tipp einer englischen Freundin gelesen und kaum weglegen konnte, ist der Auftakt einer vorerst dreiteiligen Reihe von Joanne K. Rowling, die gerade am vierten Band schreibt. Kürzlich lief die Verfilmung auf BBC One mit Tom Burke in der Hauptrolle.

Sherlock: “The Essential Arthur Conan Doyle”, selected and introduced by Mark Gatiss and Steven Moffat, Volume One, BBC-Books ca. 8 Euro.
Fans der BBC-Serie “Sherlock” wissen, dass die viele Zitate aus den Geschichten und Sherlock-Holmes-Erfinders Sir Arthur Conan Doyle enthält.  Ein Sherlock-Fan wird sich über dieses Buch freuen,  zumal Sherlock das Titelbild ziert. Für einen Fan, der lieber auf Deutsch liest, sind die Ausgaben bei Insel ein gutes Geschenk.

Für Entdecker:
Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro:
Billy ist ein Junge, der begierig alles Wissen aufsaugt, das ihm begegnet. Die Titelfigur wird jüngster Harvard-Student, auch weil er von seinen Eltern gezielt gefördert wurde. Die 644 Seiten lange Geschichte  beruht auf wahren Begebenheiten und ist ideal für lange Lesetage.

 

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Es geht um ein Genie, sagt der Buchtitel, doch wer ist die geniale Figur,  die der Leser begleiten wird? Das ist eine ganze Weile nicht klar, schließlich hat Boris Sidis, der ukrainische Einwanderer, der 1886 in New York ankommt, um sich ein besseres Leben aufzubauen, selbst einen überragenden Geist. Ausgestattet mit einem schier unersättlichen Wissensdurst, liest sich Boris Sidis durch öffentliche Bibliotheken und schafft unter anderem einen Harvard-Abschluss. Überzeugt davon, dass man die Welt verbessern und Kriege abschaffen kann, wenn man den Menschen nur Bildung ermöglicht, erzieht er seinen Sohn William James nach einer eigenen Methode. Von Anfang an behandeln Boris und seine Frau Sarah den Jungen wie einen Erwachsenen, sprechen vollständige Sätze, lesen ihm das vor, was andere nur für Erwachsene geeignet erachten.

“Seinen Wissensdrang ließ Billy vornehmlich an Sarah aus. Sie musste sich von ihm den ganzen Tag Löcher in den Bauch fragen lassen.”

Das zeigt Wirkung. Billy, wie William bald genannt wird, ist nicht nur ein aufgeweckter, wissbegieriger Junge. Er saugt scheinbar das Wissen der Menschheit in sich auf und wird der jüngste Harvard-Absolvent aller Zeiten. Je älter Billy wird, desto kauziger wird er – und er beginnt, die Forderungen einer Eltern, immer nur zu lernen und seinen Verstand zum Wohle der Menschheit einzusetzen, immer mehr in Frage zu stellen. Billy will selbstbestimmt leben und stellt diesen Wunsch über alles.

“Das Genie” ist ein Bildungsroman. Doch wer spätestens jetzt gelangweilt aufstöhnt und sich an einen quälend langweiligen Deutschunterricht erinnert, dem sei gesagt, dass sich der Roman nicht nur an wahren Ereignissen und Personen orientiert. Klaus Cäser Zehrers Debütroman ist auch so unterhaltsam wie lehrreich und so skurril wie überraschend. “Das Genie” ist eines dieser Bücher, die den Leser in die 644 Seiten lange Geschichte ziehen. Trotz der Länge mag man das Buch nur ungern aus der Hand legen.

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Es kann mit Hilfe der Papego-App auch digital weitergelesen werden. Wie das geht, habe ich hier beschrieben.

Die App Papego

Die Idee ist so einfach wie genial. Was, wenn ich ein Buch, das ist gerade anlog – also als gedrucktes Buch – lese, einfach auf meinem Smartphone oder Tablet weiterlesen könnte? An genau der Stelle, an der ich das Buch zugeklappt habe? Was bisher nur umständlich funktionierte, wenn man neben dem Buch auch noch dessen E-Book-Version gekauft und sich mehr oder weniger schnell zu der Stelle durchgescrollt hat, an der man weiterlesen möchte, erledigt die App Papego.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Verlage ihre Bücher für die App, die von der Hamburger briends gmbh in Zusammenarbeit mit Thalia entwickelt wird, freigeben – und dass die Leser darüber informiert werden, dass sie das gekaufte Buch auch digital lesen können. In meinem Fall war es zusätzlich zum Aufkleber auf der Folie, in die Klaus Cäsar Zehrers “Das Genie” (Diogenes) eingeschweißt war, noch ein Lesezeichen, das mich endgültig neugierig gemacht hat. “Lesen Sie jetzt wie Sie wollen” heißt es da. Was es mit dem Papego-Logo neben dem roten Diogenes-Schriftzug auf sich hat, wird auf der Rückseite ebenso erklärt wie die Handhabung der App, die man im Apple– und Google-Store herunterladen kann.

Erst scannen, dann lesen

Nach dem Installieren muss man lediglich die Seite das Papego-fähige Buchs scannen, auf der man digital weiterlesen will. Dass man das im Querformat tun muss und darauf achten soll, dass eine bestimmte Anzahl von Zeilen gescannt werden, zeigt die App, ehe sich nach dem erfolgreichen Scannen das Fenster schließt. Nach einer kurzen Zeit, in der die nächsten gut 100 Seiten heruntergeladen werden, öffnet sich die Seite, deren Anfang man gerade gescannt hat,  auf dem Smartphone oder Tablet. Die anfängliche Verwirrung, den Zeilen- oder Satzanfang zu finden, an dem man weiterlesen möchte, klärt sich schnell auf, denn in geschweiften Klammern sind im Text selber die Seitenzahlen des Buches zu finden, so dass man sich leicht orientieren und hin- und herspringen kann, obwohl die erste Zeile oben auf der virtuellen Seite nicht die gleiche ist wie die im gedruckten Buch. Zusätzlich werden jeweils unten die aktuelle Seitenzahl und die noch verbleibenden Seiten angezeigt.

Als Android-Nutzer kann ich das Verhalten der App auf Apple-Geräten nicht beurteilen. Auf meinem Nexus 7 mit Android 6.0.1 funktioniert die App ohne Hakeln. Lediglich beim schnellen Durchblättern wird die nächste Seite mit einer leichten Verzögerung dargestellt, was aber beim Lesen nicht auffällt. Auf meinem Pixel 5 mit Android 8.0.0 sind diese Verzögerungen praktisch nicht vorhanden. Die Darstellung ist im Vergleich zu anderen Lese-Apps – wie etwa der Kindle oder der von mir favorisierten Google-Play-Books – minimalistisch. Denn die Einstellungen ermöglichen es lediglich die Schriftgröße zu variieren. Der Zeilenabstand oder die Farbe des Hintergrunds können ebenso wenig verändert werden wie die Helligkeit innerhalb der App.

Fazit: Wer den dicken Schmöker nicht mitnehmen, aber nicht aufs Weiterlesen verzichten will, der sollte die kostenlose App ausprobieren. Zumindest solange bis man sich zum gedruckten Buch für wenig Geld auch die digitale Version dazukaufen kann. Freilich: perfekt wäre es, wenn man entweder auf seinem E-Reader oder in einer ohnehin schon vorhandenen App weiterlesen könnte. Und wenn noch mehr Bücher auf dieser Weise greifbar wären.

Eine Seite aus “Das Genie” im gedruckten Buch und in der Papego-App auf dem Nexus 7. Foto: Petra Breunig

Das Lesezeichen, das auf die App hinweist. Foto: Petra Breunig

 

Walk With Me – erzählt von Benedict Cumberbatch

Es ist alles andere als ein üblicher Film. Doch wer auf Action-Szenen nicht verzichten kann, für den ist “Walk With Me” nicht unbedingt die erste Wahl, wenn es um eine gute abendliche Unterhaltung geht. Es sei denn, man sucht Ruhe und Entspannung, die weder etwas mit  Kitsch noch  mit platter Unterhaltung zu tun hat. Das Publikum soll das Kino mit einem Gefühl des inneren Friedens und der Zufriedenheit verlassen, wenn es den Film gesehen hat, schreiben die Macher von “Walk With Me”,  Marc J. Francis und Max Pugh, im Presseheft, das die Veröffentlichung der DVD begleitet.

Das ist ihnen auf eine wunderbare Weise gelungen. Die Bilder wirken, als seien sie soeben entstanden, als sei man als Zuschauer unmittelbar dabei, als könne man den buddhistischen Mönchen über die Schulter schauen. Miterleben, wie sie innehalten wenn Glocken läuten oder eine Uhr mit dem Glockenschlag von Big Ben die Zeit anzeigt. Profane, alltägliche Dinge wie das Tippen am Laptop oder das Rasieren der Haare bekommen auf diese Weise genauso eine beruhigende Wirkung wie Szenen mit in unterschiedlichen Haltungen meditierenden Mönchen oder Szenen mit Landschaftsbildern.

“Thich Nhat Hanhs Leben hat mich zutiefst berührt.”
Benedict Cumberbatch

Zum Glück wurde die Stimme des Erzählers Benedict Cumberbatch nicht wie leider so oft bei uns üblich synchronisiert, sondern wie der gesamte Film mit deutschen Untertitel versehen. Und so entfalten die Zitate,  die der britische Schauspieler aus den frühen Tagebüchern des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh vorträgt, ihre volle Wirkung, geben sie doch tiefe Einblicke in die Zeit, als der Meister nur ein einfacher Mönch war, der noch dabei war, seinen Weg  und das Geheimnis der Achtsamkeit zu finden.  “Thich Nhat Hanhs Leben hat mich zutiefst berührt”, sagt Benedict Cumberbatch (Bild/Foto: Getty Images)  über seine Arbeit an dem Film und ist davon überzeugt, dass das Publikum von dem Film bewegt sein wird.  “Walk With Me” ist einer dieser ruhigen Filme, die den Zuschauer noch eine ganze Weile begleiten und an den man immer wieder denken wird.

Embed from Getty Images

 

Ich habe den Film vorab per Sichtungslink gesehen.

Annette Dittert: London Calling

Ach, London! Diese wunderbare, laute, dreckige und wunderschöne Stadt, die sich seit 2000 Jahren immer wieder neu erfindet – und die für viele die  Stadt überhaupt ist. Sie hat es Anne Dittert angetan. So sehr, dass die ARD-Korrespondentin beschlossen hat, sich dort niederzulassen, genauer gesagt auf einem dieser bunten Hausboote, die Little Venice seinen ganz eigenen Charme verleihen und die mindestens so exzentrisch sind wie man sich Einheimische vorstellt.

“London ist ein Zuhause geworden. Eine Stadt, in der ich seit fast zehn Jahren lebe. Länger bin ich noch nie an einem Ort gewesen.”

In ihrem Buch “London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel” zeigt Annette Dittert ihrem  Leser, weshalb sie sich in die britische Hauptstadt verliebt hat. Das liegt nicht nur an der Kulisse, die jeder aus dem Fernsehen oder aus dem Urlaub kennt. Es sind die Menschen und ihre unaufgeregte Art mit einem leckenden Hausboot genauso pragmatisch umzugehen wie mit einem überraschend einsetzenden Regen oder dem berühmten Nebel. Einige von ihnen stellt Annette Dittert mit der nötigen Distanz, aber auch mit der  Liebenswürdigkeit vor, die einem in London in der Tube genauso begegnen kann wie an der Theke des Schnellrestaurants, an der man seinen Kaffee in Empfang nimmt. Die Entschuldigungen, die die Wahl-Londonerin ob des Brexit-Referendums im Zug entgegenschlagen, sind genauso typisch wie der Blumenstrauß, den sie nach ihrer Rückkehr auf ihrem Hausboot vorfindet. Selbstverständlich gibt sich keiner der Nachbarn als Urheber zu erkennen.

Neben den Menschen ist es natürlich auch die Stadt selber, die in den Beschreibungen ihren Charme entfaltet – und so ganz nebenbei die ein oder andere Besichtigungstour abseits der üblichen Touristenpfade bereithält. Und so ist das Buch eine Liebeserklärung an London, die Fans der Hauptstadt nachvollziehen können.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Annette Dittert: London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel. Hoffmann und Campe, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

John Williams: Nichts als die Nacht

Arthur Maxley tut den lieben langen Tag –  nichts. Nicht, dass er zu alt oder zu krank für einen Beruf wäre. Aber er leidet seit seiner Kindheit an einem Trauma und kann offenbar  nur durch Trinken und Müßiggang damit leben. Und dann ist da noch sein Vater, den er seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hat und der plötzlich um ein Treffen bittet.

“Sonnenhelles Morgenlicht stocherte mit neugierigen Fingern durch die halb geöffneten Lamellen der Jalousie und strich warm, sanft und unpersönlich über sein Gesicht.”

“Nichts als die Nacht” ist das erste Werk des amerikanischen Autors John Williams, dessen Roman “Stoner” zu Unrecht vergessen wurde. Sein Debüt ist alles andere als ein Schreibversuch eines jungen Schriftstellers, denn es verrät schon die Meisterschaft eines großen Erzählers, der berührt, ohne kitschig zu sein und der erzählt, ohne zu langweilen. Dank des dtv ist die Novelle nicht nur in einer wunderbaren Übersetzung (aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben), sondern auch in einer guten Ausstattung greifbar.

Mehr zu John Williams gibt es hier.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

John Williams: Nichts als die Nacht, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures

Über 2500 Ergebnisse erhält, wer bei Amazon nach Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sucht. Weshalb also noch eine weitere englischsprachige Ausgabe? Die Lust, besonders schöne Bücher zu machen, kann es nicht gewesen sein, die die Herausgeber bewogen haben zwei Bände unter dem Titel „Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle“ als BBC Books zu veröffentlichen. Denn wie oft bei englischen Büchern ist weder die Qualität des Papiers noch die des Layouts – hin und wieder scheint der Text entweder gesperrt oder spationiert zu sein, damit er eine Zeile ausfüllt – das entscheidende Kaufkriterium. Doch die Titelbilder machen klar, dass es hier um den Kultfaktor geht, den die britische BBC-Serie „Sherlock“ unter Fans hat und diese Fans sind es auch, die die Macher als Käufer und Leser im Visier haben.

„Impossible not to love.“

Die Produzenten, Drehbuchschreiber und Erfinder des modernen Sherlock, Steven Moffat und Mark Gatiss, haben ihre Lieblingsgeschichten um den größten Detektiv aller Zeiten gesammelt und ihnen jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt. Und allein diese Einführungen sind trotz der Kürze wunderbar witzig und ironisch, aber auch gleichzeitig kenntnisreich. „Die Geschichte macht zwar nicht wirklich Sinn, sie ist aber atemberaubend frech, stimmungsvoll und furchterregend.“ („It makes no real sense but it’s breathtakenly cheeky, atmospheric and scary.“) schreiben die Autoren der Einleitung beispielsweise über „Das gesprenkelte Band“ („The Adventure of the Speckled Band“) und finden, dass man „Der blaue Karfunkel“ („The Adventure of the Blue Carbuncle“) einfach „lieben muss“ („Impossible not to love.“). Einiges, was in „Eine Frage der Identität“ („A Case of Identity“) auftaucht, haben die beiden für ihre Sherlock-Version verwendet und wenn man so will, eine Art Perlenpickerei („small gems“) betrieben.

Dass in der Fernsehserie zum Teil wörtliche oder abgewandelte Zitat aus einer der Originalgeschichten verwendet werden, merkt man freilich nur dann, wenn man den Kanon kennt. Oder doch zumindest die Geschichten, die Steven Moffat und Mark Gatiss als solche ausgemacht und in den beiden Bänden vorgelegt haben. Die insgesamt 19 Kurzgeschichten sind  auch ideal für Sherlock-Fans, die sich Arthur Conan Doyles Original nähern wollen, denn sie sollen schlichtweg Begleiter der BBC-Serie sein. Wer schon diverse Ausgaben im Regal stehen hat, wird sich über vergleichsweise günstige Buchzuwächse freuen. Dank der Buchcover, die Promo-Fotos zur Erstausstrahlung der vierten Sherlock-Staffel zieren, sind diese beiden Bände aber für Sherlock-Fans schon fast Pflicht.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

The Essential Arthur Conan Doyle Adventures, zwei Bände, BBC Books/Penguin, jeweils ca 8 Euro

Ach, hört doch auf!

Verallgemeinerungen regen mich auf. Denn es gibt weder die Netzgemeinde (die sich in diesem Internet ausnahmslos über ein Thema aufregt) noch die Frauen (die keine Ahnung von Technik haben) oder die Männer (die alle Fußballfans sind). Und es gibt schon gleich gar nicht Blogger im allgemeinen, die allesamt nicht schreiben können und Buchblogs, die außer Wohlfühlatmosphäre und Kitsch nichts weiter verbreiten, wie die Zeit kürzlich in ihrem Beitrag “Literatur als Deko-Soap” schreibt.

Es mag ja sein, dass sich nicht alle Blogs auf höchstem literarischen Niveau bewegen. Weshalb sollten sie das auch? Aber was berechtigt bitte jemanden,  das, was andere aus Leidenschaft tun, abzuwerten? Denn genau das ist Lesen und die Beschäftigung mit Büchern nämlich: eine Leidenschaft, die dank der modernen Technik eben ihren Niederschlag in Buchblogs findet – und wer auch noch auf  Instagram oder Facebook (beide sind böse, weil Internet) unterwegs ist, postet dort eben einen Link zu seinem Beitrag oder ein entsprechendes Bild. Dass Bücher  nicht verrissen werden, liegt daran, dass es um Buchtipps, also Empfehlungen, geht und nicht darum, ein Haar in der Suppe zu finden, sprich ein gutes Buch zu verreißen, weil man das so macht im deutschen Feuilleton. Denn wer von einem Buch begeistert ist und vielleicht noch  gute Gründe  dafür anführt, dem sollte man sicherheitshalber nicht über den Weg trauen und ihn als Lese-Enthusiasmierten bezeichnen, der den Blogbeitrag mit einer Tasse, in der farblich passender Tee dampft, illustriert.

Dass ich auf meinem Blog Buchfotos nicht so hübsch arrangiere wie das andere tun, liegt daran, dass ich nicht fotografieren kann und es mir mehr auf das Buchcover ankommt. Wer weiß, vielleicht überlege ich mir das aber noch, nur um Kritiker aufzuregen 😉

 

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