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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 4)

Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Für Pearl ist die Welt der Richardsons gleichzeitig anziehend und geheimnisvoll. Und irgendwie trifft das auch für Shaker Heights zu. Die Menschen hier sind nicht nur wohlhabend. Sie führen ein Leben, das mindestens so vielen Regeln folgt wie die Vorschriften, die in dem reichen Vorort Clevelands gelten. Schließlich ist es wichtig, dass  Häuser, die in einem bestimmten Stil gebaut sind, nur in bestimmten Farben gestrichen werden dürfen. Pearl, die es gewohnt ist, mit ihrer Mutter Mia nie lang an einem Ort zu bleiben und mit nur wenigen Sachen zurechtzukommen, ist fasziniert von der Familie, für die alles, was sie tun, wichtig zu sein scheint. Arbeiten scheint etwas “Nobles” zu sein – auch wenn Mrs Richardson Lokaljournalistin ist, so steht doch ihr Name auf der Titelseite der kostenlosen “Sun Press”. Während es für Mia immer schon darum gegangen ist, ausreihend Geld für sich und ihre Tochter Mia zu verdienen, hat das Leben der Richardsons jene Lässigkeit, die auf sicherem Reichtum ruht. Doch die Idylle ist nur auf dem ersten Blick perfekt. Während die Jugendlichen sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens auseinandersetzen müssen, wird Mia mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

“Kleine Feuer überall” ist nach “Was ich Euch nicht erzählte” der zweite Roman von Celeste Ng. Und auch in dieser Geschichte zeigt die amerikanische Autorin die Risse, die unter der Oberfläche einer scheinbar perfekten Welt immer größer werden. Das Leben, das die Figuren führen, mag banal sein. Aber Celeste Ng schafft es, diese Alltäglichkeit so spannend zu erzählen, dass man sich noch lange an die Geschichte erinnern wird.

 

 

Celeste Ng: Kleine Feuer überall, dtv, 22 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

James Rhodes: Fire On All Sides

Honest and open. That were one of the first thoughts that came to my mind when I read the beginning of James Rhodes’ new book. Next it was astonishment. The astonishment that “Fire On All Sides” offers a much deeper look inside James’ mind than “Instrumental”, his first book, does. There’s no doubt that “Instrumental” is shockingly open when James, raped for years as a boy, describes how this disgusting and horrible abuse destroys the life of a young, sensible child that only seeks for love and support from his teacher who rewards trust with violence. James has no doubt that he is still alive because music saved him.

“Fire On All Sides” could be the evidence that dreams can indeed become reality. The James of today is a professional concert pianist, travelling various countries, playing concerts. He writes articles for newspapers, gives interviews, hosts radio shows. And yet there are those evil voices trying to convince James that he is not that good, that every single concert will be a disaster and that even an ordinary day offers problems and obstacles that are challenges.

The voice is so loud that I convince myself that I am perpetuating a fraud.”

Of course this is a book about music, about love and hatred and imperfection. But James wouldn’t be the author if he wasn’t to add “including the self-indulgent crap because it’s me and I’m a narcissistic asshole”. Even if we are lucky because we have not to fight depression or anxiety or a horrible illness on a daily basis, we all face the challenge to get up in the morning, go to work, get things done. And no one knows how difficult it is to smile and pretend everything is okay when it is not. Imagine you have voices in your head that are your constant companions that have nothing else to do than convince you, you are not enough. In James’s case: he’s not able to play the piano properly, no one will pop up to his concert venue, and the waiter in the café just round the corner always stares at you because you seem to be some sort of freak.

“Words are dangerous, music is salvation – the one thing I don’t need to be afraid of.”

But then there are these moments when James realises he can handle it. “It” meaning walking on stage after make sure for the hundredth time that every single note is saved in the memory (James always plays the piano on stage without scores), that of course there is indeed an audience that isn’t only excited to see what is waiting for them. They enjoy the evening and they want to get their books or CDs signed. And – surprise –  there is even a “bunch of really lovely German fans” waiting for him at the stage door in Munich’s Gasteig back in the autumn of 2016.

So after having survived a horrible childhood that still haunts him, James has finally reached a stage where he can even convince the evil voices in his head that he lives the life he always wanted, “a life surrounded by, engulfed by, music”. A life that is bearable because he is finally ready to see life as it is: Imperfect. And that there is no need to pretend that life and humans and especially James is perfect and furthermore its “fragility can unite us all in the most comforting way”.

Or as Sherlock would say: “We are all humans after all”.

James Rhodes: “Fire On All Sides: Insanity, insomnia and the incredible inconvenience of life”, Quercus, Ebook from 8,49£/9,49€.
The new album “Fire On All Sides” is available at the usual streaming service.

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt

Was geht mich diese Geschichte an? Reiche amerikanische Familien, deren Kinder im paradiesischen Mill Valley in der Bucht von San Francisco das tun, was Jugendliche so tun? In die Schule gehen, auf Facebook lästern, mit der Clique abhängen, erste Erfahrungen mit der Liebe, mit Drogen und Alkohol machen. Doch als sich Tristan aus Verzweiflung darüber, dass das angebetete Mädchen Calista seinen Liebesbrief auf ihrem Facebook-Account gepostet hat, das Leben nimmt, ahnt der Leser, dass die Idylle brüchig ist und taucht tiefer ein in diesen “Gefährlichsten Ort der Welt”.

“Abigail war immer noch die berechenbare, vernünftige Tochter, die er kannte. Sie war noch ein Mädchen, keine Frau (…), und was sie begehrte – Sachen, hübsche Dinge -, waren leicht zu bezahlen und zu kontrollieren.”

Lindsey Lee Johnson erzählt eine Geschichte, die nur vordergründig vom Erwachsenwerden handelt. Zwar sind die Jugendlichen das, was man wohl als typisch bezeichnen würde. Sie sind von der Schule gelangweilt, sie möchten nur mit ihren Freunden zusammen sein, legen Wert darauf, die richtigen Klamotten anzuhaben. Doch im Grunde versuchen sie nur, ihren Platz im Leben zu finden auch wenn das gerade “nur” ein Platz an einer Universität ist. Das freilich wird Calista stellvertretend für die ganze Gruppe erst im Rückblick klar.

“Der gefährlichste Ort der Welt” ist eines dieser Bücher, das noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben wird.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt, dtv, 21 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Ach, hört doch auf!

Verallgemeinerungen regen mich auf. Denn es gibt weder die Netzgemeinde (die sich in diesem Internet ausnahmslos über ein Thema aufregt) noch die Frauen (die keine Ahnung von Technik haben) oder die Männer (die alle Fußballfans sind). Und es gibt schon gleich gar nicht Blogger im allgemeinen, die allesamt nicht schreiben können und Buchblogs, die außer Wohlfühlatmosphäre und Kitsch nichts weiter verbreiten, wie die Zeit kürzlich in ihrem Beitrag “Literatur als Deko-Soap” schreibt.

Es mag ja sein, dass sich nicht alle Blogs auf höchstem literarischen Niveau bewegen. Weshalb sollten sie das auch? Aber was berechtigt bitte jemanden,  das, was andere aus Leidenschaft tun, abzuwerten? Denn genau das ist Lesen und die Beschäftigung mit Büchern nämlich: eine Leidenschaft, die dank der modernen Technik eben ihren Niederschlag in Buchblogs findet – und wer auch noch auf  Instagram oder Facebook (beide sind böse, weil Internet) unterwegs ist, postet dort eben einen Link zu seinem Beitrag oder ein entsprechendes Bild. Dass Bücher  nicht verrissen werden, liegt daran, dass es um Buchtipps, also Empfehlungen, geht und nicht darum, ein Haar in der Suppe zu finden, sprich ein gutes Buch zu verreißen, weil man das so macht im deutschen Feuilleton. Denn wer von einem Buch begeistert ist und vielleicht noch  gute Gründe  dafür anführt, dem sollte man sicherheitshalber nicht über den Weg trauen und ihn als Lese-Enthusiasmierten bezeichnen, der den Blogbeitrag mit einer Tasse, in der farblich passender Tee dampft, illustriert.

Dass ich auf meinem Blog Buchfotos nicht so hübsch arrangiere wie das andere tun, liegt daran, dass ich nicht fotografieren kann und es mir mehr auf das Buchcover ankommt. Wer weiß, vielleicht überlege ich mir das aber noch, nur um Kritiker aufzuregen 😉

 

Charlie Lovett: The Bookman’s Tale

Little is known about William Shakespeare, the playwright some consider the best ever, some think he has never lived.  What if a bookseller found a book that could prove that Shakespeare not only lived but has really written all the plays? But it’s not the famous writer that attracts Peter Byerly’s attention. When opening an 18th century study about Shakespeare forgeries, the bookman is struck by a painting of a woman who looks like his beloved wife Amanda. But why the resemblance? Peter who has lost every will to live after the sudden death of Amanda, finally discovers his passion for books again.

“Peter was in no hurry to open the door. It had been nine months since he had entered a bookshop; another few minutes wouldn’t make a difference.”

“The Bookman’s Tale” is one of those novels that lure the reader inside its story from the very first sentence and is unwilling to let him live his life until the book is finished. Charlie Lovett has mixed a love story of two people from very different backgrounds sharing the love for one another and the passion for books, literature and history. The story is set in London and the Welsh countryside round Hay-on-Wye and is alternating between the present, Peter’s and Amanda’s past and the 16th and 17th century. What could be confusing, keeps the reader hooked and eager to find out how the story and the fate of the characters unfolds. The novel is a lovely read for booklovers who should not be afraid to learn a little bit of William Shakespeare.

 

Photo: Petra Breunig

Charlie Lovett: The Bookman’s Tale – A Novel of Love and Obsession, Alma Books, £ 7.99

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. “Der Ruf des Kuckucks” ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  “Die Schachnovelle” enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Es ist das “Zentrum der Welt”, “die großartige Stadt London” ist Ziel all ihrer Sehnsüchte. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts kamen zehntausende Zuwanderer aus den westindischen Inseln in die britische Hauptstadt, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, so wie die Landsleute vor ihnen, die von der Regierung 1948 als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. In London mussten sie sich nicht nur in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie waren auch gezwungen, sich mit vorher vollkommen unbekannten Gegebenheiten auseinandersetzen. Statt im heißen Klima der Tropen mussten sie lernen, mit den Wetterkapriolen zu leben und sich gegen die winterliche Kälte zu schützen.

“Was hat eine Stadt, was hat irgendein Ort in der Welt, dass man ihn so sehr mag und nirgendwo anders hinwill?”

Moses ist einer dieser “Mokkas”, der vor ein paar Jahren nach London gekommen ist. Ihn lässt Samuel Selvon seinen Roman “Die Taugenichtse” erzählen. Das tut er so, wie er seinen Freunden etwas erzählen würde, im gebrochenen Englisch der Einwanderer, manchmal auch über längere Absätze ohne jegliche Satzzeichen. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Charme und auf jeden Fall viel direkter als wenn ein allwissender Autor gleichsam als Sprachfilter fungieren würde.  Und so erreichen Sorgen und Frust der Einwanderer den Leser unmittelbar, das Unverständnis darüber, dass sie obwohl sie in den Fabriken schuften, von den Einheimischen nicht anerkannt werden:  “In London akzeptiert uns keiner.  Nicht richtig”, sagt Moses und ist froh, dass wenigstens die regelmäßigen Treffen der Einwanderer Gemeinschaft schaffen.

Die Originalausgabe ist schon 1956 erschienen. Angesichts der vielen Übersetzungen aus dem Englischen, die bei uns im Handel sind, ist es eigentlich unverständlich, weshalb die deutsche erst jetzt erschienen ist.  Die wunderbare Ausgabe, die jetzt vorliegt, verdient ein breites Publikum.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Samuel Selvon: Die Taugenichtse, dtv, 14, 90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

This is to you, Twitter

Dear Twitter,

I have to say that it wasn’t love at first sight. Not at all.

When I decided I needed an account, I was bored and frustrated. Because I didn’t understand you. Not at all.

But then BBC’s “Sherlock” came my way and I fell in love with Benedict Cumberbatch and the series as a whole (or at least the episodes I managed to watch).  And I wanted more. More information about every tiny detail I could get my hands on it. There wasn’t much out there. But you, Twitter, had some lovely accounts that offered all I needed.

You made me tweet  in English (and the English version of this blog wouldn’t exist without you) which has been quite a challenge. You will never imagine how difficult it was to get the very first tweet out there. And how thrilling it was to learn that you, Twitter, wasn’t a mere stream of information. People actually reacted, responded to my tweets, connected my to their conversations. People I wouldn’t have met without Sherlock and Twitter.  Some of them I managed to meet in RL, some of them I only know because of their Twitter but I miss them when they don’t update their status and am worried when I don’t see them online for a few days without warning.

Critics might say that this is how internet addicts behave and I should get myself some help to get rid of my addiction. But if it is an addiction – chatting with people from all over the world, learning new things from a variety of topics, getting news updates almost the minute stories are happening – then I am an addict. But as Sherlock would say: I’m just a user.

And I like it that way

Petra

xx

Uwe Hauck: Depression abzugeben

Wer noch nie selbst betroffen gewesen ist, kann nicht nachvollziehen, wie das ist. Depressionen zu haben. Panikattacken. Einfach so. Scheinbar ohne einen wirklichen Grund. Für einen Betroffenen kann das nicht nur lästig sein und das ganz normale Leben einschränken. Es kann lebensbedrohlich sein – wenn man scheinbar keinen Ausweg mehr weiß, als sich das Leben zu nehmen.

An diesen Punkt kommt Uwe Hauck als er nach einem Gespräch mit seinem Chef schlicht nicht mehr weiter weiß. Jenseits der Frage, ob er seinen Job gut macht oder nicht, fühlt er sich in seiner Art zu leben eingeschränkt, ja angegriffen. Unter anderem wird ihm verboten, Twitter während der Arbeitszeit zu nutzen und ihm nahegelegt, sich doch überhaupt mit dem ganzen Internet zurückzuhalten, am besten “sich dort zu löschen”. Für Uwe Hauck, der unter dem Account @bicyclist twittert, unverständlich, weil ihn seine “Twittergemeinde bei Verstand (hält). Dort kann ich mich immer mit jemanden austauschen.” Sein Selbstmordversuch, der vor allem dank seiner Frau Sibylle scheitert, ist der Anfang von mehreren, schier endlosen Klinikaufenthalten, die keineswegs schnurstracks zur Besserung führen. Uwe Hauck ist immer wieder verzweifelt, sieht keinen Sinn in den diversen Therapieformen und -gruppen, will abbrechen. Wieder ist es seine Frau und seine Familie, die ihn dazu bringen, nicht aufzugeben.

“Als ich an diesem Abend unter die Bettdecke schlüpfe, fühle ich mich zum ersten Mal entspannt. Langsam bin ich angekommen, habe akzeptiert, dass ich  hier erst mal bleiben muss.”

Und er kommt zu der Erkenntnis, dass er die Prioritäten in seinem Leben anders setzen, sich nicht mehr selbst unter Druck setzen muss. Er schreibt offen über seine Krankheit, zunächst auf seinem Blog und auf Twitter (unter dem Hashtag #AusDerKlapse) und erhält Zuspruch und Aufmunterung. Sein Buch “Depression abzugeben” ist so direkt und ohne schulmeisterliche Ratschläge geschrieben, wie eine gute Unterhaltung auf Twitter läuft. Denn Twitter ist nicht böse, “Man sollte Twitter nicht als etwas Schlimmes verbannen, sondern in die Therapie mit aufnehmen.”

Uwe Hauck: Depression abzugeben, Bastei-Lübbe, 10 Euro, E-Book: 8,49 Euro.

 

William Shakespeare: Die Fremden

Es klingt wie eine Szene aus unserer Zeit. Die Londons Händler und Handwerker  fühlen sich durch die Fremden benachteiligt. “Die Fremden”, das sind Menschen aus Frankreich und Flandern, die unter anderem wegen religiösen Gründen ihre Heimat verlassen haben und in London Schutz suchen. Aus den mittellosen Flüchtlingen sind im Lauf der Zeit wohlhabende Handwerker geworden, die den Einheimischen Arbeit wegnehmen. Eine Befürchtung, die sich 1517 in feindseligen Aufständen entlud.

Diese historischen Ereignisse verarbeiten fünf Autoren um 1600 zu einem Theatermanuskript. Mit Hilfe moderner Verfahren konnten Experten einen dieser Autoren als William Shakespeare identifizieren. Der Teil des Stückes, der von Shakespeare geschrieben wurde, ist als “Die Fremden” in einer zweisprachigen Ausgabe mit zahlreichen Erläuterungen im dtv erschienen.

Auch wenn es nur eine Ausschnitt aus dem nie aufgeführten Stück “Thomas Morus” über den berühmten Staatskanzlers ist, so wird doch deutlich, dass Shakespeare immer aktuell ist. Die Rede, die er Thomas Morus halten lässt, ist nicht nur zutiefst menschlich. Sie bringt die gewalttätigen Aufständischen mit simplen Aussagen, die an die Vernunft appellieren, zum nachdenken darüber, dass sie sich nicht nur gegen den König, der die Fremden willkommen heißt, erheben. Denn ein Ungehorsam gegen den König heißt letztlich auch Ungehorsam gegen Gott, der nach dem Verständnis der Zeit durch den König regiert.

“Look, what you do offend you cry upon,
That is, the peace. (…)
To any German province, to Spain or Portugal,
Nay, any where that not adheres to England:
Why, you must needs be strangers. Would you be pleased
To find a nation of such barbarous temper, (…)
Wet their detested knives against your throats.”

Mag der Text nicht an die meisterhaften Stücke William Shakespeares heranreichen, so ist er doch – auch dank des Vorworts des SZ-Autors Heribert Prantl und der umfangreichen Anmerkungen von Übersetzer und Herausgeber Frank Günther lesenswert.

 

Frank Günther (Hg): William Shakepeare – Die Fremden, dtv, 6 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zu Verfügung gestellt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Das Originalmanuskript liegt in der British Library in London, die weiterführende Artikel über William Shakespeare auf ihrer Seite zur Verfügung stellt.

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