diebedra.de

Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Bücher (Seite 1 von 6)

Ben Urwand: Der Pakt

Faktensatt ist ein Wort, das etwas hilflos und vage klingt, weshalb ich es eigentlich nicht gerne verwende. Eigentlich. Im Fall von „Der Pakt“ trifft es aber genau zu. Denn das, was Ben Urwand in seinem Buch vorlegt, ist genau das. Akribisch werden Fakten aufgeführt, Belege und Fußnoten im üppigen Anhang dem Leser an die Hand gegeben, der mehr über die Abmachungen lesen will, die führende Hollywood-Filmstudios mit dem Regime des Dritten Reichs trafen.

Magische Wirkung

Mag es noch wenig überraschen, dass Hitler sich der magischen Wirkung des damals noch neuen Mediums Film sehr wohl bewusst war und  in Auftrag gegebenen Filme wie „Triumph des Willens“ ganz gezielt für seine Nazi-Propaganda einsetzte, so ist mag es doch den ein oder anderen Leser  überraschen, dass der Diktator von Filmen gar nicht genug bekommen konnte: „Jeden Abend sah sich Adolf Hitler vor dem Zubettgehen einen Film an. Er selbst wählte den Titel aus einer Liste, die ihm beim Abendessen überreicht wurde und führte seine Gäste dann in sein Privatkino (…).“ Nach Filmende gab er sofort seine Einschätzung ab, seine Assistenten notierten die Kategorien von „ausgezeichnet“ bis „ausserordentlich (!) „schlecht“ oder „abgebrochen“. Er und Propagandaminister Goebbels waren gleichermaßen von Hollywood-Filmen fasziniert und führten sie  deutschen Filmproduzenten als Beispiel für gute Filme vor. Gute Filme, das waren Filme, die das Weltbild der Nazis passten und Deutschland weder kritisch oder gar negativ darstellten. Wie Ben Urwand aber sehr einleuchtend ausführt, trennte der Diktator strikt zwischen Kunst und Propaganda – freilich nur solange er in dem Film keine Bedrohung für Deutschland sah.

„Obwohl er jeden Abend Filme ansah, obwohl seine Faszination für diese Filme auf einer tieferen Verbindung zu seinen eigenen Erfahrungen als Redner beruhte, kam er bei der Mehrzahl davon nicht auf die Idee, sie könnten irgendetwas mit Propaganda zu tun haben.“

Hollywoods Filmindustrie war wiederum daran interessiert, mit Deutschland gute Geschäfte zu machen und ihre Filme erfolgreich in die Kinos zu bringen und wenn möglich die finanziellen Schwierigkeiten, denen sie sich seit dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt sahen, wenn nicht aus der Welt zu schaffen, so doch möglichst zu minimieren. Deshalb nahmen sie es unter anderem in Kauf, dass das Regime ihnen vorschrieb, mehr Arier zu beschäftigen (zunächst konnten sie die Hälfte ihrer jüdischen Arbeiter behalten). Später entließen Hollywoods Filmproduzenten jüdische Mitarbeiter, schnitten Bezüge auf Juden aus Filmen heraus – wie sie überhaupt bereit waren, ihre Produktionen zu zensieren. Dieser Pakt endete erst mit dem Kriegseintritt der USA 1941, und Hollywood produzierte von 1942 bis 1945 Stoffe, um die Truppen im Kampf zu unterstützen.

Das Werk des amerikanischen Historikers Ben Urwand räumt mit der Meinung auf, Hollywood habe sich von Nazi-Deutschland distanziert und stattdessen alles getan, um freiheitliche Werte zu verteidigen. Der Autor tut das in einer überaus lesbaren und zum Teil sogar witzigen Art und Weise – wenn er etwa beschreibt, dass der Film „Tarzan“ in Deutschland nicht gezeigt werden durfte, weil der Film das deutsche Rasseempfinden verletze. Das Buch mag an manchen Stellen zu detailreich sein, es liefert aber einen guten und wichtigen Überblick über das Thema, das nicht nur für Filmfreunde interessant sein dürfte.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ben Urwand: Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler. Theiss-Verlag, 29, 95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Es ist das „Zentrum der Welt“, „die großartige Stadt London“ ist Ziel all ihrer Sehnsüchte. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts kamen zehntausende Zuwanderer aus den westindischen Inseln in die britische Hauptstadt, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, so wie die Landsleute vor ihnen, die von der Regierung 1948 als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. In London mussten sie sich nicht nur in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie waren auch gezwungen, sich mit vorher vollkommen unbekannten Gegebenheiten auseinandersetzen. Statt im heißen Klima der Tropen mussten sie lernen, mit den Wetterkapriolen zu leben und sich gegen die winterliche Kälte zu schützen.

„Was hat eine Stadt, was hat irgendein Ort in der Welt, dass man ihn so sehr mag und nirgendwo anders hinwill?“

Moses ist einer dieser „Mokkas“, der vor ein paar Jahren nach London gekommen ist. Ihn lässt Samuel Selvon seinen Roman „Die Taugenichtse“ erzählen. Das tut er so, wie er seinen Freunden etwas erzählen würde, im gebrochenen Englisch der Einwanderer, manchmal auch über längere Absätze ohne jegliche Satzzeichen. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Charme und auf jeden Fall viel direkter als wenn ein allwissender Autor gleichsam als Sprachfilter fungieren würde.  Und so erreichen Sorgen und Frust der Einwanderer den Leser unmittelbar, das Unverständnis darüber, dass sie obwohl sie in den Fabriken schuften, von den Einheimischen nicht anerkannt werden:  „In London akzeptiert uns keiner.  Nicht richtig“, sagt Moses und ist froh, dass wenigstens die regelmäßigen Treffen der Einwanderer Gemeinschaft schaffen.

Die Originalausgabe ist schon 1956 erschienen. Angesichts der vielen Übersetzungen aus dem Englischen, die bei uns im Handel sind, ist es eigentlich unverständlich, weshalb die deutsche erst jetzt erschienen ist.  Die wunderbare Ausgabe, die jetzt vorliegt, verdient ein breites Publikum.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Samuel Selvon: Die Taugenichtse, dtv, 14, 90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Gartenfräulein: Stadtbalkon

Mit Ratgeber-Büchern ist es so eine Sache. Sie können so belehrend sein, dass man sich wahlweise schlecht oder absolut dumm fühlt, weil man das entsprechende Thema falsch angegangen ist oder noch nie irgendetwas davon gehört hat. Oder sie können liebevoll aufgemacht sein und den Ton haben, den die beste Freundin anschlägt, wenn sie einem ihr Lieblingsrezept für das beste aller Tiramisus verrät. So ähnlich klingt Silvia Appel wenn sie auf ihrem Blog Tipps rund um ihren Stadtbalkon mit ihren Lesern online teilt, und so klingt sie auch in den beiden Büchern „Mein kreativer Stadtbalkon“ und dem „Journal“.

Beiden gemeinsam ist eine liebevolle Ausstattung, die jede Seite dank unterschiedlicher Zeichnungen und Layouts ein eigenes, handgemachtes Aussehen verleiht. Das passt wunderbar zu dem, was der Leser schon beim flüchtigen Durchblättern mitnimmt: viele Tipps, wie man auf einem schon länger bewohnenden Balkon mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen kann (und man sich fragt, weshalb man nicht selbst darauf gekommen ist) und Ratschläge, worauf man bei der Gestaltung eines neuen Balkons achten soll. Wer vorher noch nie etwas mit grünen Bewohnern auf einem Balkon zu tun hatte, bekommt etwa im Buch Geräte vorgestellt, die für die notwendigen Arbeiten hilfreich sein können und den Hinweis, dass man am Anfang statt einer Rosenschere (die auch Kräuter schneidet) eine scharfe Haushaltsschere verwenden kann.

Von Geranien bis Radieschen

Für Einsteiger unerlässlich und für Erfahrenere hilfreich ist die Auswahl an Pflanzen, die man auf dem Balkon kultivieren kann. Wobei nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Geranien, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse erwähnt werden, sondern auch unterschiedliche Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Radieschen. Ungewöhnliche Tipps gibt es auch im Journal dazu, das man als Merkhilfe für anstehende Arbeiten oder das erneute Anpflanzen im nächsten Jahr verwenden kann. Genügend freie Seiten dafür – chronologisch nach Jahreszeiten geordnet  – gibt es vorausgesetzt, man überwindet sich und beschreibt die mit liebevollen Zeichnungen ausgestatteten Seiten tatsächlich.

 

Mein kreativer Stadtbalkon (19,99 Euro) und Mein kreativer Stadtbalkon –  Das Journal (14,99 Euro), Edition Michael Fischer.
Beide Bücher wurden mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben

Roseanne McNulty ist alt und legt Zeugnis ab über ihr Leben und auch darüber, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik in  Roscommon ist. Nach und nach enthüllt sie in ihren Aufzeichnungen, ihrem „Selbstzeugnis“, ihr Leben, erzählt von ihrem Vater, den sie verehrt und von ihrem Mann. Doch ist sie wirklich zu unrecht  eingewiesen worden? Oder ist sie eine Verbrecherin wie ihr behandelnder Arzt, Dr. Grene herausfindet? Am Leser ist es nun, aus den jeweiligen Aufzeichnungen der beiden schlau zu werden, sich seinen eigenen Reim auf die wirklichen Ereignisse in „Ein verborgenes Leben“ zu machen.

„Ich bin nur ein Überbleibsel, das Relikt einer Frau, und sehe auch gar nicht mehr so aus wie ein menschliches Wesen (…)“

Das ist nicht immer einfach, denn die scheinbar so oberflächliche und ruhig dahinplätschernde Sprache Sebastian Barrys, die Hans-Christian Oeser  in einer sehr gelungenen Übersetzung vorlegt, verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers. Denn er muss nicht nur den jeweiligen Perspektivenwechsel mitmachen. Vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs im 20. Jahrhundert werden zwar die Figuren begreifbar. Ohne geschichtliches Wissen um diesen Konflikt kann man aber die Handlung nur schwer einordnen. Umso verdienstvoller ist die chronologische Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben, dtv, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführer: MM-City Hamburg

Es gibt Städte, in denen man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur kurz bleibt oder vorher noch nicht dort war. Eine davon ist für mich London, eine andere ist Hamburg. Und deshalb habe ich mir bei meinen bisherigen dienstlichen Trips immer ein paar Stunden Zeit genommen, die Stadt zu Fuß zu erlaufen.

Daher kenne ich ein paar der Tipps und Touren, die Matthias Kröner in seinem Städteführer Hamburg vorstellt, zumindest zum Teil.  Wer sich einen  Eindruck von der Hansestadt machen will, die durch Feuer und Bombenangriffe zerstört wurde, sollte vom Rathaus aus zum Jungfernstieg laufen und bei schönem Wetter dort auf den Freitreppen die Gegend genießen. Die Tour 4, die Kröner beschreibt, beginnt praktischerweise beim Hauptbahnhof und endet am Rathaus. Eine andere Tour führt durch die Speicherstadt und die HafenCity, auf der man an der erst kürzlich eröffneten Elbphilharmonie vorbeikommt. Von dort aus ist es nicht weit zum „Michel“, der Kirche St. Michaelis, die man auch spätabends besichtigen kann. Diesen als „Nachtmichel“ bekannten Tipp nehme ich auf meine Liste, bisher bin ich nur an dem Wahrzeichen Hamburgs vorbeigelaufen.

Neben den Touren durch die Stadt sind es vor allem die Tipps zum Einkaufen, Essen und Trinken oder den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Reiseführer  zu einem praktischen Helfer als Vorbereitung auf einen Städtetrip nach Hamburg machen. Das liegt nicht nur an den unterhaltsamen Sprache, sondern auch an den Tipps, die fernab von Klischees und Werbung eine echte Hilfestellung bieten. Abgerundet wird der handliche Führer durch einen herausnehmbaren Stadtplan und eine Übersicht über Busse und Bahnen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Matthias Kröner: Städteführer Hamburg MM-City, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink  beim Verlag bestellen.

Anthony McCarten: Licht

Die Zukunft – sie ist hell. Jedenfalls wenn man sich vor Augen hält, welchen Eindruck das erste elektrische Licht auf die Zeitgenossen gemacht haben muss und wie aufregend es war, zuzusehen wie Glühstrümpfe in Gaslampen durch elektrische Birnen ersetzt und wie Leitungen verlegt wurden. Jedenfalls empfindet das der Banker J.P. Morgan so, als er sein New Yorker Haus elektrifizieren lässt. Fassungslos und verblüfft reagieren die Gäste, als sie zu Silvester das für die damalige Zeit hypermoderne Haus besichtigen dürfen. Möglich gemacht hat das der geniale, schwerhörige Erfinder Thomas Alva Edison, der aber im Gegensatz zu Morgan nicht geschäftstüchtig ist.

„Er steckte das Buch unter den Arm und griff unwillkürlich hinter sich, um seine berühmteste Erfindung auszuschalten. Im Zimmer kehrte das Dunkel der Jahrhunderte wieder ein.“

Anthony McCarten lässt die Zeit zwischen der ersten Elektrifizierung in New York 1878 und 1929 (zwei Jahre vor Edisons Tod)  in seinem Roman „Licht“ lebendig werden, zusammen mit weiteren berühmten Namen wie Carnegie, Tesla und Vanderbilt. Dabei ist „Licht“ keine Biografie, sollte es nach den Worten von Anthony McCarten auch nie sein, wie er in den Nachbemerkungen schreibt. Er versucht vielmehr, Edison gerecht zu werden, indem er dessen Art, sich zu erinnern durch Vor- und Rückblenden darstellt. Das macht es dem Leser nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, zumal eine ganze Reihe an technischem Wissen ebenfalls vermittelt wird. Wer dran bleibt (und nicht allzu viel Zeit zwischen den Lesesitzungen verstreichen lässt), bekommt Einblick in eine Epoche, die die Welt für immer verändert hat.

Eine Anmerkung zum E-Book: Ich habe das Buch auf meinem Tolino gelesen, der beim erstmaligen Öffnen darauf hinwies, dass nicht alles korrekt dargestellt werden könne. Daher dachte ich,  die grauen Zahlen im Text seien eine Art Konvertierungsfehler – bis ich am Ende des Buches den Hinweis fand, dass die Seiten der Buchausgabe sind. Ob die manchmal verzögerte Reaktion des Tolinos auf irgendeine Weise damit zu tun hat, ist mir nicht klar.

 

Anthony McCarten: Licht, Diogenes, 24 Euro, E-Book: 20,99 Euro
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen

Gefühle und die Verwirrungen, die sie auslösen. Das ist das Thema unter dem sich Stefan Zweigs Erzählungen zusammenfassen lassen. Dabei muss es nicht einmal um die Gefühle gehen, die Erwachsene bewegen. In der 1911 erstmals erschienen Erzählung „Brennendes Geheimnis“ steht der zwölfjährige Edgar im Mittelpunkt, der zwar nicht mehr Kind sein will, aber merkt, dass er auch noch nicht erwachsen ist. Jedenfalls nicht so erwachsen, dass er den Avancen, die der Baron seiner Mutter macht, zwar als solche erkennt, aber anders begegnen kann als mit dem Trotz eines Kindes, das einen ersten Blick in die für ihn noch geheimnisvolle Welt der Erwachsenen wirft.

„Sein böses Schweigen zerriß wie eine Säure ihre gute Laune, sein Blick vergällte ihnen das Gespräch von den Lippen weg.“
(„Brennendes Geheimnis“)

Liegt der Schwerpunkt in „Brennendes Geheimnis“ mehr auf den Problemen, mit denen die Figuren in der realen Welt zurechtkommen müssen, so steht in „Die unsichtbare Sammlung“ die Welt im Mittelpunkt, die sich in der Vorstellungskraft abspielt. Ein alter, blinder Kunstsammler hat seine geliebten Grafiken so  sehr verinnerlicht, dass er jede genau beschreiben kann – ohne zu wissen, dass er sie gar nicht vor sich hat. Ganz ähnlich ist die Konstellation auch  in der „Schachnovelle“, vielleicht Stefan Zweigs berühmtestes Werk, in der das imaginäre Schachspiel das Leben eines Menschen  rettet und entscheidend verändert.

Die großen Erzählungen, die der dtv hier versammelt, sind eine Einladung, den Schriftsteller und Europäer Stefan Zweig (neu) zu entdecken. Aber Obacht! Dieses Entdecken bedeutet gleichzeitig auch ein Einlassen auf eine etwas bedächtige, ja altertümlich anmutende Sprache, die aber trotz ihres Alters nichts von ihrer Klarheit und Tiefe verloren hat.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen, dtv, 9,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführertipp: MM-City London

London ist so vielfältig und unerschöpflich wie die Zahl der erhältlichen Reiseführer, die scheinbar jede einzelne Ecke der Weltstadt an der Themse in ihre Bestandteile zerlegen und jedes Besucherbedürfnis befriedigen.  Wer ein handliches Buch sucht, das sich sowohl fürs Planen der Reise als auch für ein Schwelgen in Erinnerungen eignet (einen darauf hinweist, was man noch nicht gesehen hat und man demzufolge unbedingt bald wieder hin muss), der sollte dem „MM-City London“ von Ralf Nestmeyer eine Chance geben. Er bietet nicht nur insgesamt 18 Tourenvorschläge, mit deren Hilfe man Londons Stadtteile erlaufen kann und quasi im Vorbeigehen einiges über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erfährt. Man findet auch Hinweise darauf, wo man was essen oder einkaufen kann und wann welche Museen geöffnet haben. Dazu gibt es für den schnellen Überblick jeweils eine Karte, auf der der Tourenverlauf eingezeichnet ist. Zusätzlich hat der Reiseführer aber auch einen großen Stadtplan und eine Streckenkarte der Tube zum Herausnehmen.  Mit Hilfe von Verweisen innerhalb der Tourenbeschreibungen findet man sich leicht zurecht und kann die Ausgangspunkte der Erkundungstouren beispielsweise anhand von Tube-Haltestellen planen.

Oyster-Card und Stromadapter

Zusätzlich bietet Nestmeyer eine Fülle von nützlichen Informationen, die nicht nur für den ersten Londonbesuch hilfreich sind. Das reicht beispielsweise vom Tipp, eine Oyster-Karte für den Nahverkehr zu kaufen (was man auch vor Reiseantritt machen kann), sich einen kostenlosen Tube-Übersichtsplan an einer Station zu holen, über Hinweise zu Zimmerbezeichnungen für die Buchung (Double oder Twin beds) und Hoteltipps bis zur Erinnerung daran, dass man mindestens einen Stromadapter braucht, um Smartphone und Kamera an den britischen Zweistiftsteckdosen aufzuladen (und man auf den kleinen Schalter achten soll, der so eingestellt sein muss, dass ein roter Punkt sichtbar ist, damit Strom fließt).

Fazit: Der neu überarbeitete London-Führer ist absolut empfehlenswert. Zwar hat diese Neuauflage im Gegensatz zu einem seiner Vorgänger jetzt auch eine Web-App, die man über einen QR-Code laden kann und so schnell Zugriff auf Online-Karten erhält, die mit denen im Buch korrespondieren. Allerdings reicht das Buch meiner Ansicht nach vollkommen aus, vor allem wenn man wie ich ohnehin gerne über Google Maps navigiert.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ralf Nestmeyer: London, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro, Neuauflage 2017. Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.

Der Reiseführer wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Mehr von mir über London gibt es hier

Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung

Nach einer durchdiskutierten Nacht ist es Zeit für die Wahrheit, für das, was der Vater wirklich in seinem Testament verfügt hat und für das, was die Geschwister wirklich wollen. Die vier Geschwister sind seit Jahren aus dem Haus in einem süddeutschen Provinzstädtchen ausgezogen und haben praktisch keine Verbindungen mehr hierher. Jakob arbeitet beim Fernsehen und wohnt in einem winzigen Zimmer in Paris. Der Aussteiger Uli hat den passenden Lebensstil für sich gefunden, während Joschi nichts mehr zu sein scheint als ein Landstreicher oder wie der Vater einmal gemeint hat „der berühmteste Studentenführer nach Dutschke“. Nur die Schwester Linda scheint ihr Leben im Griff zu haben, leitet ein Museum und ist die einzige, die sich um den gemeinsamen Vater gekümmert und ihn zumindest regelmäßig angerufen hat. Und dann ist da noch die Ungarin, die Linda nur „Hure“ nennt und die angeblich im Testament als Erbin eingesetzt ist.

„Die Auferstehung“ ist boshaft, witzig und unterhaltsam. Allerdings nur, wenn man sich auf Karl-Heinz Otts Stil einlässt und nicht auf schnelle, leichte Unterhaltung aus ist. Wer sich aber Zeit für das Buch nimmt, wird es nur ungern wieder aus der Hand legen wollen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung, dtv, 11.90 Euro
Das Buch wurde mit freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Sabine Appelt: König Heinz und Junker Jörg

Ein deutscher Mönch, der sich nicht um Autoritäten schert und eine mehr als direkte Sprache pflegt  – so beschreibt Sabine Appelt in ihrem Buch „König Heinz und Junker Jörg“ den Reformator Martin Luther. Doch was sich nach einer leicht lesbaren Biografie anhört, entpuppt sich spätestens nach einigen Kapiteln als eine nicht einfache Lektüre, die faktenschwer daherkommt und dem Leser volle Aufmerksamkeit abfordert. Wer also nach einem anstrengendem Arbeitstag nach Feierabend schnell ein paar Seiten über Martin Luthers Leben lesen möchte, ist bei diesem Buch falsch.

„Lausiger kleiner Klosterbruder“

Dabei schreibt Sabine Appelt keineswegs abgehoben. Mit zahlreichen Beispielen und Zitaten versucht die Germanistin die Zeit von Luthers Geburt im Jahr 1483 bis zum Tod des englische Königs Heinrich VIII 1547 lebendig werden zu lassen. Das gelingt ihr am besten mit direkten Auszügen aus den Schriften, die die beiden Männer verfasst haben und die sich mit nichts geringerem als dem Seelenheil beschäftigen. Und beide haben kein Blatt vor dem Mund genommen. Wie sonst könnte es sein, dass der Deutsche den Monarchen als „König Heinz“ bis hin zum „Lügenkönig“ bezeichnet hat, muss selbst für damalige deftige Sprachgewohnheiten eine Ungeheuerlichkeit gewesen sein. Freilich stand Heinrich VIII und die Autoren, die er im Laufe des Disputs mit einer Entgegnung beauftragt hat, dem in nichts nach. Thomas Morus, Staatsmann, humanistischer Autor und bis zu seiner Hinrichtung Vertrauter des Königs, antwortete in dessen Namen, vielleicht weil Heinrich nicht selbst auf die Unverschämtheiten Luthers antworten wollte. Morus wählt dafür eine umso kräftigere Sprache und bezeichnet Luther als einen „lausigen kleinen Klosterbruder“, „schmutziger als ein Schwein und dümmer als ein Esel“, der lediglich „mit seiner Frontseite das Hinterteil eines weiblichen Maultiers zu lecken“.

Fazit: Wer vielleicht schon mit einigem Vorwissen mehr über Martin Luther und seine Zeit erfahren will und bereit ist, sich das Buch und seinen Inhalt zu erarbeiten, der ist bei diesem Buch richtig.

 

Sabine Appelt: König Heinz und Junker Jörg, Theiss, 22,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Theiss-Verlag zur Verfügung gestellt.

Ältere Beiträge

© 2017 diebedra.de

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Du hier bleibst, gehe ich davon aus, dass Du damit einverstanden bist. This site uses cookies. By continuing browsing, you are agreeing to use of cookies. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen