diebedra.de

Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Bücher (Seite 1 von 7)

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Es geht um ein Genie, sagt der Buchtitel, doch wer ist die geniale Figur,  die der Leser begleiten wird? Das ist eine ganze Weile nicht klar, schließlich hat Boris Sidis, der ukrainische Einwanderer, der 1886 in New York ankommt, um sich ein besseres Leben aufzubauen, selbst einen überragenden Geist. Ausgestattet mit einem schier unersättlichen Wissensdurst, liest sich Boris Sidis durch öffentliche Bibliotheken und schafft unter anderem einen Harvard-Abschluss. Überzeugt davon, dass man die Welt verbessern und Kriege abschaffen kann, wenn man den Menschen nur Bildung ermöglicht, erzieht er seinen Sohn William James nach einer eigenen Methode. Von Anfang an behandeln Boris und seine Frau Sarah den Jungen wie einen Erwachsenen, sprechen vollständige Sätze, lesen ihm das vor, was andere nur für Erwachsene geeignet erachten.

„Seinen Wissensdrang ließ Billy vornehmlich an Sarah aus. Sie musste sich von ihm den ganzen Tag Löcher in den Bauch fragen lassen.“

Das zeigt Wirkung. Billy, wie William bald genannt wird, ist nicht nur ein aufgeweckter, wissbegieriger Junge. Er saugt scheinbar das Wissen der Menschheit in sich auf und wird der jüngste Harvard-Absolvent aller Zeiten. Je älter Billy wird, desto kauziger wird er – und er beginnt, die Forderungen einer Eltern, immer nur zu lernen und seinen Verstand zum Wohle der Menschheit einzusetzen, immer mehr in Frage zu stellen. Billy will selbstbestimmt leben und stellt diesen Wunsch über alles.

„Das Genie“ ist ein Bildungsroman. Doch wer spätestens jetzt gelangweilt aufstöhnt und sich an einen quälend langweiligen Deutschunterricht erinnert, dem sei gesagt, dass sich der Roman nicht nur an wahren Ereignissen und Personen orientiert. Klaus Cäser Zehrers Debütroman ist auch so unterhaltsam wie lehrreich und so skurril wie überraschend. „Das Genie“ ist eines dieser Bücher, die den Leser in die 644 Seiten lange Geschichte ziehen. Trotz der Länge mag man das Buch nur ungern aus der Hand legen.

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Es kann mit Hilfe der Papego-App auch digital weitergelesen werden. Wie das geht, habe ich hier beschrieben.

Annette Dittert: London Calling

Ach, London! Diese wunderbare, laute, dreckige und wunderschöne Stadt, die sich seit 2000 Jahren immer wieder neu erfindet – und die für viele die  Stadt überhaupt ist. Sie hat es Anne Dittert angetan. So sehr, dass die ARD-Korrespondentin beschlossen hat, sich dort niederzulassen, genauer gesagt auf einem dieser bunten Hausboote, die Little Venice seinen ganz eigenen Charme verleihen und die mindestens so exzentrisch sind wie man sich Einheimische vorstellt.

„London ist ein Zuhause geworden. Eine Stadt, in der ich seit fast zehn Jahren lebe. Länger bin ich noch nie an einem Ort gewesen.“

In ihrem Buch „London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel“ zeigt Annette Dittert ihrem  Leser, weshalb sie sich in die britische Hauptstadt verliebt hat. Das liegt nicht nur an der Kulisse, die jeder aus dem Fernsehen oder aus dem Urlaub kennt. Es sind die Menschen und ihre unaufgeregte Art mit einem leckenden Hausboot genauso pragmatisch umzugehen wie mit einem überraschend einsetzenden Regen oder dem berühmten Nebel. Einige von ihnen stellt Annette Dittert mit der nötigen Distanz, aber auch mit der  Liebenswürdigkeit vor, die einem in London in der Tube genauso begegnen kann wie an der Theke des Schnellrestaurants, an der man seinen Kaffee in Empfang nimmt. Die Entschuldigungen, die die Wahl-Londonerin ob des Brexit-Referendums im Zug entgegenschlagen, sind genauso typisch wie der Blumenstrauß, den sie nach ihrer Rückkehr auf ihrem Hausboot vorfindet. Selbstverständlich gibt sich keiner der Nachbarn als Urheber zu erkennen.

Neben den Menschen ist es natürlich auch die Stadt selber, die in den Beschreibungen ihren Charme entfaltet – und so ganz nebenbei die ein oder andere Besichtigungstour abseits der üblichen Touristenpfade bereithält. Und so ist das Buch eine Liebeserklärung an London, die Fans der Hauptstadt nachvollziehen können.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Annette Dittert: London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel. Hoffmann und Campe, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

John Williams: Nichts als die Nacht

Arthur Maxley tut den lieben langen Tag –  nichts. Nicht, dass er zu alt oder zu krank für einen Beruf wäre. Aber er leidet seit seiner Kindheit an einem Trauma und kann offenbar  nur durch Trinken und Müßiggang damit leben. Und dann ist da noch sein Vater, den er seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hat und der plötzlich um ein Treffen bittet.

„Sonnenhelles Morgenlicht stocherte mit neugierigen Fingern durch die halb geöffneten Lamellen der Jalousie und strich warm, sanft und unpersönlich über sein Gesicht.“

„Nichts als die Nacht“ ist das erste Werk des amerikanischen Autors John Williams, dessen Roman „Stoner“ zu Unrecht vergessen wurde. Sein Debüt ist alles andere als ein Schreibversuch eines jungen Schriftstellers, denn es verrät schon die Meisterschaft eines großen Erzählers, der berührt, ohne kitschig zu sein und der erzählt, ohne zu langweilen. Dank des dtv ist die Novelle nicht nur in einer wunderbaren Übersetzung (aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben), sondern auch in einer guten Ausstattung greifbar.

Mehr zu John Williams gibt es hier.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

John Williams: Nichts als die Nacht, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures

Über 2500 Ergebnisse erhält, wer bei Amazon nach Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sucht. Weshalb also noch eine weitere englischsprachige Ausgabe? Die Lust, besonders schöne Bücher zu machen, kann es nicht gewesen sein, die die Herausgeber bewogen haben zwei Bände unter dem Titel „Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle“ als BBC Books zu veröffentlichen. Denn wie oft bei englischen Büchern ist weder die Qualität des Papiers noch die des Layouts – hin und wieder scheint der Text entweder gesperrt oder spationiert zu sein, damit er eine Zeile ausfüllt – das entscheidende Kaufkriterium. Doch die Titelbilder machen klar, dass es hier um den Kultfaktor geht, den die britische BBC-Serie „Sherlock“ unter Fans hat und diese Fans sind es auch, die die Macher als Käufer und Leser im Visier haben.

„Impossible not to love.“

Die Produzenten, Drehbuchschreiber und Erfinder des modernen Sherlock, Steven Moffat und Mark Gatiss, haben ihre Lieblingsgeschichten um den größten Detektiv aller Zeiten gesammelt und ihnen jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt. Und allein diese Einführungen sind trotz der Kürze wunderbar witzig und ironisch, aber auch gleichzeitig kenntnisreich. „Die Geschichte macht zwar nicht wirklich Sinn, sie ist aber atemberaubend frech, stimmungsvoll und furchterregend.“ („It makes no real sense but it’s breathtakenly cheeky, atmospheric and scary.“) schreiben die Autoren der Einleitung beispielsweise über „Das gesprenkelte Band“ („The Adventure of the Speckled Band“) und finden, dass man „Der blaue Karfunkel“ („The Adventure of the Blue Carbuncle“) einfach „lieben muss“ („Impossible not to love.“). Einiges, was in „Eine Frage der Identität“ („A Case of Identity“) auftaucht, haben die beiden für ihre Sherlock-Version verwendet und wenn man so will, eine Art Perlenpickerei („small gems“) betrieben.

Dass in der Fernsehserie zum Teil wörtliche oder abgewandelte Zitat aus einer der Originalgeschichten verwendet werden, merkt man freilich nur dann, wenn man den Kanon kennt. Oder doch zumindest die Geschichten, die Steven Moffat und Mark Gatiss als solche ausgemacht und in den beiden Bänden vorgelegt haben. Die insgesamt 19 Kurzgeschichten sind  auch ideal für Sherlock-Fans, die sich Arthur Conan Doyles Original nähern wollen, denn sie sollen schlichtweg Begleiter der BBC-Serie sein. Wer schon diverse Ausgaben im Regal stehen hat, wird sich über vergleichsweise günstige Buchzuwächse freuen. Dank der Buchcover, die Promo-Fotos zur Erstausstrahlung der vierten Sherlock-Staffel zieren, sind diese beiden Bände aber für Sherlock-Fans schon fast Pflicht.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

The Essential Arthur Conan Doyle Adventures, zwei Bände, BBC Books/Penguin, jeweils ca 8 Euro

Ach, hört doch auf!

Verallgemeinerungen regen mich auf. Denn es gibt weder die Netzgemeinde (die sich in diesem Internet ausnahmslos über ein Thema aufregt) noch die Frauen (die keine Ahnung von Technik haben) oder die Männer (die alle Fußballfans sind). Und es gibt schon gleich gar nicht Blogger im allgemeinen, die allesamt nicht schreiben können und Buchblogs, die außer Wohlfühlatmosphäre und Kitsch nichts weiter verbreiten, wie die Zeit kürzlich in ihrem Beitrag „Literatur als Deko-Soap“ schreibt.

Es mag ja sein, dass sich nicht alle Blogs auf höchstem literarischen Niveau bewegen. Weshalb sollten sie das auch? Aber was berechtigt bitte jemanden,  das, was andere aus Leidenschaft tun, abzuwerten? Denn genau das ist Lesen und die Beschäftigung mit Büchern nämlich: eine Leidenschaft, die dank der modernen Technik eben ihren Niederschlag in Buchblogs findet – und wer auch noch auf  Instagram oder Facebook (beide sind böse, weil Internet) unterwegs ist, postet dort eben einen Link zu seinem Beitrag oder ein entsprechendes Bild. Dass Bücher  nicht verrissen werden, liegt daran, dass es um Buchtipps, also Empfehlungen, geht und nicht darum, ein Haar in der Suppe zu finden, sprich ein gutes Buch zu verreißen, weil man das so macht im deutschen Feuilleton. Denn wer von einem Buch begeistert ist und vielleicht noch  gute Gründe  dafür anführt, dem sollte man sicherheitshalber nicht über den Weg trauen und ihn als Lese-Enthusiasmierten bezeichnen, der den Blogbeitrag mit einer Tasse, in der farblich passender Tee dampft, illustriert.

Dass ich auf meinem Blog Buchfotos nicht so hübsch arrangiere wie das andere tun, liegt daran, dass ich nicht fotografieren kann und es mir mehr auf das Buchcover ankommt. Wer weiß, vielleicht überlege ich mir das aber noch, nur um Kritiker aufzuregen 😉

 

Donna Leon: Stille Wasser

Es ist Sommer und damit wieder Zeit, alte Freunde zu treffen. Commissario Guido Brunetti, seine Frau Paola, die Sekretärin Elettra und natürlich sein Kollege Vianello sind mittlerweile alte Freunde, die regelmäßig zu einem Treffen einladen. In diesem Jahr steht der mittlerweile 26. Fall an – einer der besten der Reihe. „Stille Wasser“ ist ein ruhiger Kriminalfall, aber er ist auch dramatisch, weil Brunetti bei einem Verhör einen Schwächeanfall erleidet und im Krankenhaus landet. Dort wird ihm dringend nahegelegt, berufsbedingten Stress zu vermeiden und sich mindestens eine zweiwöchige Auszeit zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis findet der Commissario die Aussicht, einmal nichts zu tun und sich zu entspannen, gar nicht mal so schlecht. Und so ist die Möglichkeit, ein paar Wochen auf einer der Venedig umgebenden Inseln in einem Haus zu verbringen, das Verwandten von Paola gehört, ideal. Freilich wäre dieser neue Roman von Donna Leon kein echter Brunetti, gäbe es nicht auch einen Todesfall aufzuklären.

„Er wäre zwei Wochen lang allein, Gast in einem Haus, von dem er nicht wusste, ob es dort Bücher gab.“

„Stille Wasser“ zeigt einen Guido Brunetti, der in seinem Leben einiges erreicht hat. Er ist erfolgreich in seinem Beruf, den er trotz so mancher Ärgernisse – eines davon ist nicht zuletzt sein Vorgesetzter Patta – mag, er ist glücklich verheiratet und hat zwei wunderbare Kinder. Dennoch fordert der Beruf ihn mehr, als er sich eingestehen will. Die Tatsache, dass er ohne große Widerstände bereit ist, sich für ein paar Wochen eine Auszeit zu nehmen, endlich Zeit fürs Lesen  zu haben, seiner alten Leidenschaft, dem Rudern, wieder nachzugehen, zeigt, dass der Kommissar nicht nur älter geworden ist. Er ist auch an einem Punkt angekommen, an dem er sich zurücknehmen und über sein Leben nachdenken kann. Typischerweise macht er das, indem er klassische Literatur liest und sicherheitshalber Plinius, Herodot, Sueton und Euripides für seine Auszeit einpackt. Zum 25. Jubiläum ist die Krimireihe liebenswert wie eh und je und ein gutes Beispiel dafür, dass gute Unterhaltung auch ohne Effekthascherei und blutrünstige Gewalt auskommen kann.

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Stille Wasser, Diogenes, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt.

Veit-Jakobus Dieterich: Martin Luther

Jubiläen bringen es heutzutage zwangsläufig mit sich, dass sie begleitet werden von medialem Getöse in Form von Filmen, Dokumentation und Büchern. Eine gute Anlaufstelle für die Suche nach qualitativ gut gemachten, aber nicht abgehobenen Sachbüchern ist  im Falle Martin Luthers, dessen Reformation sich heuer zum 500. Male jährt, Veit-Jakobus Dieterich „Martin Luther – Sein Leben und seine Zeit“.

Wie der Titel verspricht, erklärt Dieterich Martin Luthers Leben und sein Verhalten im Kontext seiner  Zeit, dem Deutschland um 1500, das aufgesplittert in 300 Herrschaftsbereiche zwar keine staatliche Einheit, aber sehr wohl ein Nationalbewusstsein besaß. Der deutsche Kaiser Kaiser Karl V. hatte nur in den Landesteilen wirkliche Macht, in denen er auch oberster Landesherr war. Daneben waren die Päpste durchaus weltliche Herrscher. Das Leben des einfachen Volkes war geprägt von Lebenslust, Höllenangst und Religion, die im Alltag immer präsent war. Martin Luther war sich dessen natürlich bewusst, auch wenn er sich als Gelehrter verstand und sein Leben lang Wert auf seinen Doktortitel legte.

„Sein Leben verlief auf unterschiedlichen Ebenen, einmal in bürgerlicher Behaglichkeit, das andere Mal in tiefen Krisen und unglaublichen Umbrüchen (…).“

Veit-Jakobus Dieterich schöpft aus einer reichen Quellenlage, anhand derer man Luthers Leben sehr genau nachvollziehen kann. Zusammen mit zahlreichen, durchaus unterschiedlichen Einschätzungen ist es am Leser, sich ein eigenes Urteil über den großen Reformator zu bilden, der zweifellos Weltgeschichte geschrieben hat und aus der Reihe der berühmten Deutschen nicht wegzudenken ist. Das Buch ist mit zahlreichen farbigen Abbildungen illustriert, hebt wichtige Zusammenhänge oder Personen in farbigen Kästen hervor und ist liebevoll gestaltet. Nicht zuletzt die unterhaltsame Sprache macht das Buch lesenswert

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Veit-Jakobus Dieterich: Martin Luther – Sein Leben und seine Zeit. dtv, 14,90 Euro. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Lesley M. M. Blume: Und alle benehmen sich daneben

Flapsig gesagt ging es ganz schön ab im Paris der 20er Jahre. Oder zumindest in dem Paris, in dem sich Ernest Hemingway und seine Freunde bewegten. Fest entschlossen, ein großer und berühmter Schriftsteller zu werden, beschließt der junge und noch unbekannte Ernest Hemingway in die französische Hauptstadt zu ziehen und einen Roman zu schreiben. Das erweist sich als nicht einfach, schließlich braucht er dazu eine Geschichte, die er erzählen kann. Rückschläge und Geldmangel halten ihn aber von seinem ehrgeizigen Vorhaben nicht ab, ein Vorhaben, dass er mit einem großen Gespür dafür, was er konnte und was nicht mit großer Bestimmtheit verfolgte. Auf der Suche nach einem Stoff für seinen ersten Roman wird Hemingway schließlich 1925 auf einer Reise nach Spanien fündig. Die blutigen Stierkämpfe samt ihrem Ambiente liefern ihm die Vorlage für „Fiesta“. Der Roman erscheint erstmals 1928.

„Niemand war ein besserer Förderer Hemingways als Hemingway selbst. Er hatte mehr kommerziellen Durchblick als die meisten seiner Konkurrenten, und er war von einer fast wilden Entschlossenheit.“

Lesley M. M. Blume nimmt in „Und alle benehmen sich daneben“ den Leser mit in das Paris der 20er Jahren, eine Zeit, in der viel getrunken, geliebt und gehasst wurde in einem Kreis von Schriftstellern und anderen Künstlern, für die die Cafés gleichermaßen Bühne und Schreibstube waren. Hätte es schon damals Laptops gegeben, hätte Hemingway womöglich vor einem aufgeklappten Rechner das Treiben um sich herum genossen und seine Notizen statt in ein Buch geschrieben in seinen Tastatur getippt. Doch Paris und die Stierkämpfe, von denen Hemingway fasziniert war, sind nur die Kulisse, um den ehrgeizigen jungen Mann zu beschreiben, der sein Ziel, Schriftsteller zu werden, nie aus den Augen verlor und seine eigene Legende schuf. Blume schafft es, Wissen zu vermitteln ohne langweilig oder schulmeisterlich zu sein. Umfangreiche Anmerkungen ergänzen den Band, der einen Leser zurücklässt, der mehr von Hemingway lesen will.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Lesley M. M. Blume: Und alle benehmen sich daneben – Wie Hemingway seine Legende schuf. dtv, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. „Der Ruf des Kuckucks“ ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  „Die Schachnovelle“ enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Martyn Ford, Peter Legon: How to be British

Klischees, ach Klischees sind etwas Wunderbares und wenn es um Klischees geht, die wir mit den Bewohnern des Vereinigten Königreichs verbinden, muss man zugeben, dass viele Klischees nichts anderes sind als liebenswerte Eigenarten. Diese Eigenarten kann man freilich nur dann richtig verstehen, wenn man weiß, mit welchen englischen Vokabeln sie bezeichnet werden und wann man was sagt – oder eben auch nicht.

Martyn Ford und Peter Legon beschreiben in ihrem kleinen Begriffslexikon „How to be British“ nicht nur ihre Landsleute mit typischen britischen Humor und Karikaturen. Sie raten unkundigen Besuchern auch, welche Begriffe und Redewendungen sie in bestimmten Situationen verwenden und wann sie welche lieber vermeiden sollten. Bemerkungen über scheinbare Modesünden bei der Farbauswahl („Orange and purple don’t go“) sind ebenso tabu wie Bemerkungen über den Linksverkehr („Hey, the steering wheel’s on the wrong side of this car“) oder über Zugverspätungen („I could have walked there by now“). Dagegen kann es nicht schaden, höflich zu sein und sich ständig zu entschuldigen, egal bei welcher Gelegenheit.

„Zum Wohle eines überforderten Nicht-Muttersprachlers sind wir gerne bereit, unsere Sprache zu vereinfachen.“

„How to be British“ ist kein Wörterbuch im klassischen Sinn. Und es ist auch nicht für Anfänger geeignet, die unterwegs etwas übersetzen möchten. Zwar werden Wörter und Redewendungen wunderbar erklärt, man  sollte aber schon über einen soliden Grundwortschatz verfügen, um sie nicht nur zu verstehen, sondern auch aussprechen zu können. Denn nur so kann man sich über britischen Humor amüsieren. Am besten mit a nice cuppa.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Martyn Ford, Peter Legon: How to be British, Langenscheidt, 9,99 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Ältere Beiträge

© 2017 diebedra.de

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Du hier bleibst, gehe ich davon aus, dass Du damit einverstanden bist. This site uses cookies. By continuing browsing, you are agreeing to use of cookies. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen