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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Bücher (Seite 1 von 6)

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. „Der Ruf des Kuckucks“ ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  „Die Schachnovelle“ enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Martyn Ford, Peter Legon: How to be British

Klischees, ach Klischees sind etwas Wunderbares und wenn es um Klischees geht, die wir mit den Bewohnern des Vereinigten Königreichs verbinden, muss man zugeben, dass viele Klischees nichts anderes sind als liebenswerte Eigenarten. Diese Eigenarten kann man freilich nur dann richtig verstehen, wenn man weiß, mit welchen englischen Vokabeln sie bezeichnet werden und wann man was sagt – oder eben auch nicht.

Martyn Ford und Peter Legon beschreiben in ihrem kleinen Begriffslexikon „How to be British“ nicht nur ihre Landsleute mit typischen britischen Humor und Karikaturen. Sie raten unkundigen Besuchern auch, welche Begriffe und Redewendungen sie in bestimmten Situationen verwenden und wann sie welche lieber vermeiden sollten. Bemerkungen über scheinbare Modesünden bei der Farbauswahl („Orange and purple don’t go“) sind ebenso tabu wie Bemerkungen über den Linksverkehr („Hey, the steering wheel’s on the wrong side of this car“) oder über Zugverspätungen („I could have walked there by now“). Dagegen kann es nicht schaden, höflich zu sein und sich ständig zu entschuldigen, egal bei welcher Gelegenheit.

„Zum Wohle eines überforderten Nicht-Muttersprachlers sind wir gerne bereit, unsere Sprache zu vereinfachen.“

„How to be British“ ist kein Wörterbuch im klassischen Sinn. Und es ist auch nicht für Anfänger geeignet, die unterwegs etwas übersetzen möchten. Zwar werden Wörter und Redewendungen wunderbar erklärt, man  sollte aber schon über einen soliden Grundwortschatz verfügen, um sie nicht nur zu verstehen, sondern auch aussprechen zu können. Denn nur so kann man sich über britischen Humor amüsieren. Am besten mit a nice cuppa.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Martyn Ford, Peter Legon: How to be British, Langenscheidt, 9,99 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Rebecca Ehrenwirth, Nina Lieke: By a Lady

Heuer jährt sich der Todestag der englischen Schriftstellerin Jane Austen zum 200. Mal. Und wie immer bei solchen Jahrestagen werden Werke neu aufgelegt und Biografien herausgebracht. Eine davon ist das Buch „By a Lady“, in dem sich die Autorinnen Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke Jane Austen klassisch nähern. Klassisch deshalb, weil sie die Schriftstellerin nicht losgelöst von deren Werken sehen und Parallelen ziehen zu den Romanfiguren. Denn ihre Figuren sind das, was ihre Erfinderin wohl war: streng und unerbittlich, wenn es darum ging, ihre Umgebung zu beobachten und sich gegen den sentimentalen Frauenroman ihrer Zeit zur Wehr zu setzen. Jane Austen siedelte ihre  Werke immer innerhalb eines  Mikrokosmos‘ an, ein eigene Welt, die von ihren ganz speziellen Charakteren lebt.

„By a Lady“ – das Pseudonym, unter dem Jane Austen ihr erstes Werk veröffentlichte –  nimmt sehr eng Bezug auf die berühmten Romane wie „Emma“, „Stolz und Vorurteil“ oder Mansfield Park“ (deutsche Ausgaben sind zum Beispiel bei dtv erschienen). Wer vorher noch nichts von Jane Austen gelesen hat, wird sich schwer tun. Wer tiefer in das Leben und das Werk der Schriftstellerin eintauchen will, die längst zu den Klassikern der englischen Literatur gehört, wird an der vorliegenden Biografie seine Freude haben.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Rebecca Ehrenwirth, Nina Lieke: By A Lady – Das Leben der Jane Austen. Lambert-Schneider-Verlag, 24,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift

Am Freitagabend haben viele DDR-Bürger einen ganz bestimmten Termin. Sie hören eine BBC-Sendung. Es ist natürlich nicht irgendeine Sendung, wobei es in einem totalitären Staat kein gewöhnliches Vorhaben ist, einen Sender aus dem westlichen Ausland zu hören. In der deutschsprachigen Sendung „Briefe ohne Unterschrift“ werden  Briefe vorgelesen, die  Menschen aus der DDR an die BBC geschickt haben. Darin schreiben sie über Banalitäten des Alltags genauso wie über ihre politische Ansichten, die nicht mit denen des DDR-Regimes übereinstimmen und deren Äußerung als Staatsverrat angesehen werden.

„Auch zu meiner Zeit hieß es noch, BBC – das sind drei gefährliche Buchstaben. Gefährlich für alle, die sich vor der Wahrheit fürchten, und besonders gefährlich für alle, die die Wahrheit hören wollen und sie unter großer persönlicher Gefahr auch tatsächlich hören.“

Die Leute hören und schreiben dennoch – an Deckadressen, die in der Sendung bekanntgegeben werden und die in Wirklichkeit entweder nicht existieren oder die Brachland sind. Dass die so adressierten Briefe dennoch ihren Weg in die britische Hauptstadt finden, ist einer ausgeklügelten Logistik zu verdanken, zu der auch gehört, dass die Briefe in Westberliner Postämtern aussortiert und weitergeleitet werden.  Zwar befiehlt die Stasi, Briefe an die in der Sendung genannten Adressen aufzuhalten. Bis diese Anweisung aber die zuständigen Bezirkspostämter erreicht, dauert es. Und das Wochenende liegt dazwischen, wie ein aus der DDR geflüchteter Postbeamter erzählt hat. All das entgeht natürlich der Stasi nicht, die ihre eigenen Bürger, aber auch die Journalisten der BBC minutiös bespitzelt. Denn der britische Sender ist für die DDR das, was er schon in Nazi-Deutschland war: ein Feindsender.

„Die BBC ist, für die Jäger besteht kein Zweifel, das Zentrum der geheimdienstlich gesteuerten psychologischen Kriegsführung..“

Susanne Schädlich greift mit „Briefe ohne Unterschrift“ ein Kapitel der deutschen Geschichte auf, das  für viele  unbekannt sein dürfte. Sie tut das  wie eine Detektivin in einem Kriminalroman, sucht Zeitzeugen auf, liest sich durch das BBC-Archiv in London und schreibt ihre Erkenntnisse detailliert nieder.  Herauskommt mehr ein Geschichtsroman denn ein Sachbuch, was die Lesefreundlichkeit  deutlich erhöht. Etwas störend empfand ich lediglich den Wechsel zwischen der Unmittelbarkeit suggerierenden Gegenwartsform und der der Vergangenheit, über die ich hin und wieder beim Lesen gestolpert bin. Im ausführlichen Anhang finden sich zahlreiche Hinweise auf verwendete Quellen und weiterführende Literatur. Schade nur, dass die BBC offenbar bisher noch kein Buch mit diesen Briefen veröffentlicht hat.

Foto: Randomhouse/Knaus

Foto: Randomhouse/Knaus

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift, Knaus, 19,99 Euro, E-Book: 16,99 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Knaus-Verlag zur Verfügung gestellt.

 

Das Deutsche Rundfunkarchiv bietet unter dem Titel „Hier ist England“ eine ganze Reihe historischer Aufnahmen an, die man auf CD kaufen kann.

Ben Urwand: Der Pakt

Faktensatt ist ein Wort, das etwas hilflos und vage klingt, weshalb ich es eigentlich nicht gerne verwende. Eigentlich. Im Fall von „Der Pakt“ trifft es aber genau zu. Denn das, was Ben Urwand in seinem Buch vorlegt, ist genau das. Akribisch werden Fakten aufgeführt, Belege und Fußnoten im üppigen Anhang dem Leser an die Hand gegeben, der mehr über die Abmachungen lesen will, die führende Hollywood-Filmstudios mit dem Regime des Dritten Reichs trafen.

Magische Wirkung

Mag es noch wenig überraschen, dass Hitler sich der magischen Wirkung des damals noch neuen Mediums Film sehr wohl bewusst war und  in Auftrag gegebenen Filme wie „Triumph des Willens“ ganz gezielt für seine Nazi-Propaganda einsetzte, so ist mag es doch den ein oder anderen Leser  überraschen, dass der Diktator von Filmen gar nicht genug bekommen konnte: „Jeden Abend sah sich Adolf Hitler vor dem Zubettgehen einen Film an. Er selbst wählte den Titel aus einer Liste, die ihm beim Abendessen überreicht wurde und führte seine Gäste dann in sein Privatkino (…).“ Nach Filmende gab er sofort seine Einschätzung ab, seine Assistenten notierten die Kategorien von „ausgezeichnet“ bis „ausserordentlich (!) „schlecht“ oder „abgebrochen“. Er und Propagandaminister Goebbels waren gleichermaßen von Hollywood-Filmen fasziniert und führten sie  deutschen Filmproduzenten als Beispiel für gute Filme vor. Gute Filme, das waren Filme, die das Weltbild der Nazis passten und Deutschland weder kritisch oder gar negativ darstellten. Wie Ben Urwand aber sehr einleuchtend ausführt, trennte der Diktator strikt zwischen Kunst und Propaganda – freilich nur solange er in dem Film keine Bedrohung für Deutschland sah.

„Obwohl er jeden Abend Filme ansah, obwohl seine Faszination für diese Filme auf einer tieferen Verbindung zu seinen eigenen Erfahrungen als Redner beruhte, kam er bei der Mehrzahl davon nicht auf die Idee, sie könnten irgendetwas mit Propaganda zu tun haben.“

Hollywoods Filmindustrie war wiederum daran interessiert, mit Deutschland gute Geschäfte zu machen und ihre Filme erfolgreich in die Kinos zu bringen und wenn möglich die finanziellen Schwierigkeiten, denen sie sich seit dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt sahen, wenn nicht aus der Welt zu schaffen, so doch möglichst zu minimieren. Deshalb nahmen sie es unter anderem in Kauf, dass das Regime ihnen vorschrieb, mehr Arier zu beschäftigen (zunächst konnten sie die Hälfte ihrer jüdischen Arbeiter behalten). Später entließen Hollywoods Filmproduzenten jüdische Mitarbeiter, schnitten Bezüge auf Juden aus Filmen heraus – wie sie überhaupt bereit waren, ihre Produktionen zu zensieren. Dieser Pakt endete erst mit dem Kriegseintritt der USA 1941, und Hollywood produzierte von 1942 bis 1945 Stoffe, um die Truppen im Kampf zu unterstützen.

Das Werk des amerikanischen Historikers Ben Urwand räumt mit der Meinung auf, Hollywood habe sich von Nazi-Deutschland distanziert und stattdessen alles getan, um freiheitliche Werte zu verteidigen. Der Autor tut das in einer überaus lesbaren und zum Teil sogar witzigen Art und Weise – wenn er etwa beschreibt, dass der Film „Tarzan“ in Deutschland nicht gezeigt werden durfte, weil der Film das deutsche Rasseempfinden verletze. Das Buch mag an manchen Stellen zu detailreich sein, es liefert aber einen guten und wichtigen Überblick über das Thema, das nicht nur für Filmfreunde interessant sein dürfte.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ben Urwand: Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler. Theiss-Verlag, 29, 95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Es ist das „Zentrum der Welt“, „die großartige Stadt London“ ist Ziel all ihrer Sehnsüchte. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts kamen zehntausende Zuwanderer aus den westindischen Inseln in die britische Hauptstadt, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, so wie die Landsleute vor ihnen, die von der Regierung 1948 als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. In London mussten sie sich nicht nur in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie waren auch gezwungen, sich mit vorher vollkommen unbekannten Gegebenheiten auseinandersetzen. Statt im heißen Klima der Tropen mussten sie lernen, mit den Wetterkapriolen zu leben und sich gegen die winterliche Kälte zu schützen.

„Was hat eine Stadt, was hat irgendein Ort in der Welt, dass man ihn so sehr mag und nirgendwo anders hinwill?“

Moses ist einer dieser „Mokkas“, der vor ein paar Jahren nach London gekommen ist. Ihn lässt Samuel Selvon seinen Roman „Die Taugenichtse“ erzählen. Das tut er so, wie er seinen Freunden etwas erzählen würde, im gebrochenen Englisch der Einwanderer, manchmal auch über längere Absätze ohne jegliche Satzzeichen. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Charme und auf jeden Fall viel direkter als wenn ein allwissender Autor gleichsam als Sprachfilter fungieren würde.  Und so erreichen Sorgen und Frust der Einwanderer den Leser unmittelbar, das Unverständnis darüber, dass sie obwohl sie in den Fabriken schuften, von den Einheimischen nicht anerkannt werden:  „In London akzeptiert uns keiner.  Nicht richtig“, sagt Moses und ist froh, dass wenigstens die regelmäßigen Treffen der Einwanderer Gemeinschaft schaffen.

Die Originalausgabe ist schon 1956 erschienen. Angesichts der vielen Übersetzungen aus dem Englischen, die bei uns im Handel sind, ist es eigentlich unverständlich, weshalb die deutsche erst jetzt erschienen ist.  Die wunderbare Ausgabe, die jetzt vorliegt, verdient ein breites Publikum.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Samuel Selvon: Die Taugenichtse, dtv, 14, 90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Gartenfräulein: Stadtbalkon

Mit Ratgeber-Büchern ist es so eine Sache. Sie können so belehrend sein, dass man sich wahlweise schlecht oder absolut dumm fühlt, weil man das entsprechende Thema falsch angegangen ist oder noch nie irgendetwas davon gehört hat. Oder sie können liebevoll aufgemacht sein und den Ton haben, den die beste Freundin anschlägt, wenn sie einem ihr Lieblingsrezept für das beste aller Tiramisus verrät. So ähnlich klingt Silvia Appel wenn sie auf ihrem Blog Tipps rund um ihren Stadtbalkon mit ihren Lesern online teilt, und so klingt sie auch in den beiden Büchern „Mein kreativer Stadtbalkon“ und dem „Journal“.

Beiden gemeinsam ist eine liebevolle Ausstattung, die jede Seite dank unterschiedlicher Zeichnungen und Layouts ein eigenes, handgemachtes Aussehen verleiht. Das passt wunderbar zu dem, was der Leser schon beim flüchtigen Durchblättern mitnimmt: viele Tipps, wie man auf einem schon länger bewohnenden Balkon mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen kann (und man sich fragt, weshalb man nicht selbst darauf gekommen ist) und Ratschläge, worauf man bei der Gestaltung eines neuen Balkons achten soll. Wer vorher noch nie etwas mit grünen Bewohnern auf einem Balkon zu tun hatte, bekommt etwa im Buch Geräte vorgestellt, die für die notwendigen Arbeiten hilfreich sein können und den Hinweis, dass man am Anfang statt einer Rosenschere (die auch Kräuter schneidet) eine scharfe Haushaltsschere verwenden kann.

Von Geranien bis Radieschen

Für Einsteiger unerlässlich und für Erfahrenere hilfreich ist die Auswahl an Pflanzen, die man auf dem Balkon kultivieren kann. Wobei nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Geranien, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse erwähnt werden, sondern auch unterschiedliche Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Radieschen. Ungewöhnliche Tipps gibt es auch im Journal dazu, das man als Merkhilfe für anstehende Arbeiten oder das erneute Anpflanzen im nächsten Jahr verwenden kann. Genügend freie Seiten dafür – chronologisch nach Jahreszeiten geordnet  – gibt es vorausgesetzt, man überwindet sich und beschreibt die mit liebevollen Zeichnungen ausgestatteten Seiten tatsächlich.

 

Mein kreativer Stadtbalkon (19,99 Euro) und Mein kreativer Stadtbalkon –  Das Journal (14,99 Euro), Edition Michael Fischer.
Beide Bücher wurden mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben

Roseanne McNulty ist alt und legt Zeugnis ab über ihr Leben und auch darüber, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik in  Roscommon ist. Nach und nach enthüllt sie in ihren Aufzeichnungen, ihrem „Selbstzeugnis“, ihr Leben, erzählt von ihrem Vater, den sie verehrt und von ihrem Mann. Doch ist sie wirklich zu unrecht  eingewiesen worden? Oder ist sie eine Verbrecherin wie ihr behandelnder Arzt, Dr. Grene herausfindet? Am Leser ist es nun, aus den jeweiligen Aufzeichnungen der beiden schlau zu werden, sich seinen eigenen Reim auf die wirklichen Ereignisse in „Ein verborgenes Leben“ zu machen.

„Ich bin nur ein Überbleibsel, das Relikt einer Frau, und sehe auch gar nicht mehr so aus wie ein menschliches Wesen (…)“

Das ist nicht immer einfach, denn die scheinbar so oberflächliche und ruhig dahinplätschernde Sprache Sebastian Barrys, die Hans-Christian Oeser  in einer sehr gelungenen Übersetzung vorlegt, verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers. Denn er muss nicht nur den jeweiligen Perspektivenwechsel mitmachen. Vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs im 20. Jahrhundert werden zwar die Figuren begreifbar. Ohne geschichtliches Wissen um diesen Konflikt kann man aber die Handlung nur schwer einordnen. Umso verdienstvoller ist die chronologische Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben, dtv, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführer: MM-City Hamburg

Es gibt Städte, in denen man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur kurz bleibt oder vorher noch nicht dort war. Eine davon ist für mich London, eine andere ist Hamburg. Und deshalb habe ich mir bei meinen bisherigen dienstlichen Trips immer ein paar Stunden Zeit genommen, die Stadt zu Fuß zu erlaufen.

Daher kenne ich ein paar der Tipps und Touren, die Matthias Kröner in seinem Städteführer Hamburg vorstellt, zumindest zum Teil.  Wer sich einen  Eindruck von der Hansestadt machen will, die durch Feuer und Bombenangriffe zerstört wurde, sollte vom Rathaus aus zum Jungfernstieg laufen und bei schönem Wetter dort auf den Freitreppen die Gegend genießen. Die Tour 4, die Kröner beschreibt, beginnt praktischerweise beim Hauptbahnhof und endet am Rathaus. Eine andere Tour führt durch die Speicherstadt und die HafenCity, auf der man an der erst kürzlich eröffneten Elbphilharmonie vorbeikommt. Von dort aus ist es nicht weit zum „Michel“, der Kirche St. Michaelis, die man auch spätabends besichtigen kann. Diesen als „Nachtmichel“ bekannten Tipp nehme ich auf meine Liste, bisher bin ich nur an dem Wahrzeichen Hamburgs vorbeigelaufen.

Neben den Touren durch die Stadt sind es vor allem die Tipps zum Einkaufen, Essen und Trinken oder den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Reiseführer  zu einem praktischen Helfer als Vorbereitung auf einen Städtetrip nach Hamburg machen. Das liegt nicht nur an den unterhaltsamen Sprache, sondern auch an den Tipps, die fernab von Klischees und Werbung eine echte Hilfestellung bieten. Abgerundet wird der handliche Führer durch einen herausnehmbaren Stadtplan und eine Übersicht über Busse und Bahnen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Matthias Kröner: Städteführer Hamburg MM-City, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink  beim Verlag bestellen.

Anthony McCarten: Licht

Die Zukunft – sie ist hell. Jedenfalls wenn man sich vor Augen hält, welchen Eindruck das erste elektrische Licht auf die Zeitgenossen gemacht haben muss und wie aufregend es war, zuzusehen wie Glühstrümpfe in Gaslampen durch elektrische Birnen ersetzt und wie Leitungen verlegt wurden. Jedenfalls empfindet das der Banker J.P. Morgan so, als er sein New Yorker Haus elektrifizieren lässt. Fassungslos und verblüfft reagieren die Gäste, als sie zu Silvester das für die damalige Zeit hypermoderne Haus besichtigen dürfen. Möglich gemacht hat das der geniale, schwerhörige Erfinder Thomas Alva Edison, der aber im Gegensatz zu Morgan nicht geschäftstüchtig ist.

„Er steckte das Buch unter den Arm und griff unwillkürlich hinter sich, um seine berühmteste Erfindung auszuschalten. Im Zimmer kehrte das Dunkel der Jahrhunderte wieder ein.“

Anthony McCarten lässt die Zeit zwischen der ersten Elektrifizierung in New York 1878 und 1929 (zwei Jahre vor Edisons Tod)  in seinem Roman „Licht“ lebendig werden, zusammen mit weiteren berühmten Namen wie Carnegie, Tesla und Vanderbilt. Dabei ist „Licht“ keine Biografie, sollte es nach den Worten von Anthony McCarten auch nie sein, wie er in den Nachbemerkungen schreibt. Er versucht vielmehr, Edison gerecht zu werden, indem er dessen Art, sich zu erinnern durch Vor- und Rückblenden darstellt. Das macht es dem Leser nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, zumal eine ganze Reihe an technischem Wissen ebenfalls vermittelt wird. Wer dran bleibt (und nicht allzu viel Zeit zwischen den Lesesitzungen verstreichen lässt), bekommt Einblick in eine Epoche, die die Welt für immer verändert hat.

Eine Anmerkung zum E-Book: Ich habe das Buch auf meinem Tolino gelesen, der beim erstmaligen Öffnen darauf hinwies, dass nicht alles korrekt dargestellt werden könne. Daher dachte ich,  die grauen Zahlen im Text seien eine Art Konvertierungsfehler – bis ich am Ende des Buches den Hinweis fand, dass die Seiten der Buchausgabe sind. Ob die manchmal verzögerte Reaktion des Tolinos auf irgendeine Weise damit zu tun hat, ist mir nicht klar.

 

Anthony McCarten: Licht, Diogenes, 24 Euro, E-Book: 20,99 Euro
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

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