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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Bücher (Seite 2 von 9)

Bücher meines Jahres 2017

Am Anfang eines neues Jahres ist es Brauch zurückzublicken – auch auf die Liste gelesener Bücher.
Meine Bilanz sagt mir, dass ich im Vergleich zum Vorjahr  ein Buch weniger gelesen habe. Ich tröste mich damit, dass ich 2017 ein paar dicke Wälzer gelesen habe. Und außerdem warten, während ich diese Zeilen schreibe, drei Bücher darauf, dass ich sie aufschlage und weiterlese. (Was die immerwährende Frage aufwirft, was die Figuren in den Romanen so treiben, wenn das Buch nicht gelesen wird.)

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Englisch: 14
Deutsch: 24
E-Bücher: 4 (nur eines auf dem Kindle gelesen, nur eines auf Englisch)

Am besten gefallen haben mir diese Bücher – wie immer rein persönlich und ohne Anspruch darauf, die Welt der Feuilletonisten zu erschüttern (naja, vielleicht ein kleines bisschen).

Meine Entdeckung:
Matt Haig: sein Kinderbuch “Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist eine wunderbare Weihnachtsgeschichte. Das Buch selbst ist liebevoll ausgestattet und ein echter Hingucker.
“How To Stop Time” ist ein Tipp für alle, die etwas für Mystery, Zeitreisen und eine Liebesgeschichte übrig haben. Wer das Buch nicht auf Englisch lesen kann oder mag, kann sich vormerken, dass im Frühjahr die deutsche Übersetzung unter dem Titel “Wie man die Zeit anhält” im dtv  erscheinen wird.
In “Reasons to stay alive”(Deutsch: “Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben”, dtv) beschreibt Matt Haig erschütternd offen und berührend wie es ist, mit einer Depression zu leben und zu überleben. (Es hat mich an Uwe Hauck: “Depression abzugeben” erinnert)
“Ich und die Menschen” ist die witzige und entwaffnende Geschichte eines Außerirdischen, der im Körper eines Mathematikprofessors die Menschen beobachtet – und eines dieser Bücher, das man am liebsten auf einmal lesen möchte.

Alte Freunde:
Ian McEwan: The Child in Time habe ich noch einmal gelesen, um mich auf die BBC-Verfilmung mit Benedict Cumberbatch vorzubereiten. Und die Geschichte um das Verschwinden eines kleinen Mädchens ist auch beim zweiten Mal berührend.
Donna Leon: Stille Wasser:  Das alljährliche Treffen mit dem venezianischen Commissario Guido Brunetti war auch 2017 liebenswert und beste Unterhaltung. Wer noch nie einen Krimi dieser Reihe gelesen hat, sollte am besten mit dem ersten Band “Venezianisches Finale” einsteigen.
Sherlock  – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures – zusammengestellt von den Sherlock-Erfindern Mark Gatiss und Steven Moffat ist nicht nur für Fans der britischen Fernsehserie interessant. Wer noch nie eine Originalgeschichten gelesen hat, aber wissen will, was hinter der Serie steckt, findet dank der Vorworte einen guten Einstieg.

Für London-Fans:
Peter Ackroyd: London – The Concise Biography (deutsch: “London – Die Biographie”, erschienen im Albert-Knaus-Verlag) ist eine historische Fundgrube, die so gut wie alles behandelt, was in dieser faszinierenden Stadt passiert ist.
Anette Dittert: London Calling: Eine Liebeserklärung an die britische Hauptstadt, die hoffentlich auch nach dem Brexit gleichermaßen faszinierend, verrückt und liebenswert bleibt.
Und wer einen Reiseführer sucht, der sollte zum “MM-City London” gut greifen. Mein Blogbeitrag enthält auch einen Partnerlink zur Bestellseite des Verlags, die auch hier zu finden ist.

 

Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade

“Ich möchte Konfekt machen”, teilt August Liebeskind seinem Onkel mit. Und der Onkel Josef erlaubt seinem Neffen eine nicht mehr genutzte Konditorei als Versuchslabor und Lernküche zu nutzen. Lernküche deshalb, weil August im Wien des Jahres 1881 seinen Militärdienst quittiert und seither in der Schokoladenfabrik seines Onkels gearbeitet hat. Als er die unkonventionelle Elena kennen lernt und sich in sie verliebt, versucht er, sie mit selbsterfundenen Pralinenkreationen für sich zu gewinnen – doch dazu muss er erst einmal lernen, wie man Schokolade macht.

“Es war, als hätten sich in den Wochen, die er in der Konditorei verbracht hatte, die Düfte angesammelt und wären immer voller und reicher geworden.”

In “Der Duft von Schokolade” lässt Ewald Arenz eine Welt auferstehen, die uns heute mit ihrer Langsamkeit und Überschaubarkeit entrückt erscheinen mag. Geblieben aber sind der Genuss von  Pralinen, die alle Sinne berühren und die Suche nach der wahren Liebe. Und eine Geschichte, die wunderbar unterhält und mich an Patrick Süßkinds “Das Parfüm” oder den Film “Der wunderbare Garten der Bella Brown” (im Original: “The Beautiful Fantastic”) erinnern. Und wer sagt, das Bücher weder unterhalten noch Erinnerungen wecken dürfen?

Foto: Petra Breunig

Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade, dtv, 10,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete

Ach, was für ein schönes Buch! Ein glitzernder Schutzumschlag, der innen mit liebevollen Zeichnungen geschmückt ist. Zeichnungen, die Chris Mould für das ganze Buch entworfen hat – weshalb sich Elfen und Wichtel, der Weihnachtsmann und Rentiere und natürlich Amelia auf ganzen Seiten oder mitten im Text breit machen und die Geschichte wunderbar illustrieren.

Foto: Petra Breunig

Eine Zeichnung aus “Das Mädchen, das Weihnachten rettete”. Foto: Petra Breunig

Im  Mittelpunkt der Geschichte steht Amelia, die nach dem Tod ihrer Mutter versucht, als Kaminkehrermädchen zurecht zu kommen. Sie hofft auf die Hilfe  – und ein Wunder – des Weihnachtsmanns. Doch der Zauber der Weihnachtszeit ist nicht mehr so stark wie er einmal war. Das bekommt nicht nur Amelia zu spüren. Auch der Weihnachtsmann selbst muss sich mit allerlei Problemen herumschlagen.

“Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist das, was man als Kinderbuch bezeichnen würde, wäre da nicht der dtv selbst, der es klugerweise als “Buch für die ganze Familie” beschreibt. Denn Matt Haigs zweites Weihnachtsbuch ist ein Märchen, von dem sich auch Erwachsene verzaubern lassen und ein paar Stunden lang in eine Welt voller Wunder eintauchen sollten.

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete. Mit Illustrationen von Chris Mould, dtv, 17 Euro

Foto: Petra Breunig

 

Bücher für Weihnachten 2017

Jawoll, es ist wieder soweit. Weihnachten ist nicht mehr weit – spätestens wenn diverse Märkte öffnen und die Straßen wieder in mehr oder weniger kitschiger Beleuchtung erstrahlen, wird es Zeit, sich über Geschenke Gedanken zu machen. Wer selber gern und viel liest, für den liegt es durchaus nahe ein Buch zu verschenken, auch wenn das für manche einfallslos sein mag.
Für die, die ein Buch verschenken möchte, hier meine Empfehlungen:

Für Fantasyleser:
Matt Haig: Ich und die Menschen, dtv, 9,95 Euro.
Ich habe die E-Book-Version auf einer langen Zugfahrt gelesen und habe mich selten so gut unterhalten gefühlt. Der Mathematikprofessor Andrew Martin wird nachts nackt aufgegriffen, als er an der Autobahn entlang wandert. Wie sich herausstellt, hat ein Außerirdischer von ihm Besitz ergriffen, der fasziniert ist von dem Leben dieser merkwürdigen Spezies.

Für Bücherliebhaber:
Charlie Lovett: Das Buch der Fälscher, Insel, 9,99 Euro.
Der deutsche Titel mag etwas am Original “The Bookman’s Tale” vorbeigehen und die Geschichte zu sehr auf ein Manuskript zuspitzen, das handschriftliche Notizen von William Shakespeare enthalten soll und beweisen könnte, dass es den großen englischen Autoren tatsächlich gegeben hat. Denn es geht vor allem um den Buchhändler Patrick Byerly, der den Tod seiner geliebten Frau verkraften muss und sich deshalb in die walisische Provinz zurückzieht.

Für Fans von Downton Abbey:
Julian Fellowes: Belgravia, Penguin, 10 Euro.
Zugegeben: ohne den Hinweis “Vom Autor der Serie Downton Abbey” hätte ich das englische Taschenbuch in der Buchhandlung nicht in die Hand genommen. So aber habe ich es gekauft und ein paar wunderbare Stunden verbracht im London des 19. Jahrhunderts, in dem es noch Dienstboten gab, alten Hochadel und Neureiche. Und wo natürlich die Liebe so manchem Standesdünkel entgegen steht.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro.
Der erste Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike, der versucht, herauszufinden, ob der Balkonsturz eines Models ein Unfall oder Mord war und der gleichzeitig sein Leben neu ordnen muss.  “The Cuckoo’s Calling”, das ich dank dem Tipp einer englischen Freundin gelesen und kaum weglegen konnte, ist der Auftakt einer vorerst dreiteiligen Reihe von Joanne K. Rowling, die gerade am vierten Band schreibt. Kürzlich lief die Verfilmung auf BBC One mit Tom Burke in der Hauptrolle.

Sherlock: “The Essential Arthur Conan Doyle”, selected and introduced by Mark Gatiss and Steven Moffat, Volume One, BBC-Books ca. 8 Euro.
Fans der BBC-Serie “Sherlock” wissen, dass die viele Zitate aus den Geschichten und Sherlock-Holmes-Erfinders Sir Arthur Conan Doyle enthält.  Ein Sherlock-Fan wird sich über dieses Buch freuen,  zumal Sherlock das Titelbild ziert. Für einen Fan, der lieber auf Deutsch liest, sind die Ausgaben bei Insel ein gutes Geschenk.

Für Entdecker:
Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro:
Billy ist ein Junge, der begierig alles Wissen aufsaugt, das ihm begegnet. Die Titelfigur wird jüngster Harvard-Student, auch weil er von seinen Eltern gezielt gefördert wurde. Die 644 Seiten lange Geschichte  beruht auf wahren Begebenheiten und ist ideal für lange Lesetage.

 

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Es geht um ein Genie, sagt der Buchtitel, doch wer ist die geniale Figur,  die der Leser begleiten wird? Das ist eine ganze Weile nicht klar, schließlich hat Boris Sidis, der ukrainische Einwanderer, der 1886 in New York ankommt, um sich ein besseres Leben aufzubauen, selbst einen überragenden Geist. Ausgestattet mit einem schier unersättlichen Wissensdurst, liest sich Boris Sidis durch öffentliche Bibliotheken und schafft unter anderem einen Harvard-Abschluss. Überzeugt davon, dass man die Welt verbessern und Kriege abschaffen kann, wenn man den Menschen nur Bildung ermöglicht, erzieht er seinen Sohn William James nach einer eigenen Methode. Von Anfang an behandeln Boris und seine Frau Sarah den Jungen wie einen Erwachsenen, sprechen vollständige Sätze, lesen ihm das vor, was andere nur für Erwachsene geeignet erachten.

“Seinen Wissensdrang ließ Billy vornehmlich an Sarah aus. Sie musste sich von ihm den ganzen Tag Löcher in den Bauch fragen lassen.”

Das zeigt Wirkung. Billy, wie William bald genannt wird, ist nicht nur ein aufgeweckter, wissbegieriger Junge. Er saugt scheinbar das Wissen der Menschheit in sich auf und wird der jüngste Harvard-Absolvent aller Zeiten. Je älter Billy wird, desto kauziger wird er – und er beginnt, die Forderungen einer Eltern, immer nur zu lernen und seinen Verstand zum Wohle der Menschheit einzusetzen, immer mehr in Frage zu stellen. Billy will selbstbestimmt leben und stellt diesen Wunsch über alles.

“Das Genie” ist ein Bildungsroman. Doch wer spätestens jetzt gelangweilt aufstöhnt und sich an einen quälend langweiligen Deutschunterricht erinnert, dem sei gesagt, dass sich der Roman nicht nur an wahren Ereignissen und Personen orientiert. Klaus Cäser Zehrers Debütroman ist auch so unterhaltsam wie lehrreich und so skurril wie überraschend. “Das Genie” ist eines dieser Bücher, die den Leser in die 644 Seiten lange Geschichte ziehen. Trotz der Länge mag man das Buch nur ungern aus der Hand legen.

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Es kann mit Hilfe der Papego-App auch digital weitergelesen werden. Wie das geht, habe ich hier beschrieben.

Annette Dittert: London Calling

Ach, London! Diese wunderbare, laute, dreckige und wunderschöne Stadt, die sich seit 2000 Jahren immer wieder neu erfindet – und die für viele die  Stadt überhaupt ist. Sie hat es Anne Dittert angetan. So sehr, dass die ARD-Korrespondentin beschlossen hat, sich dort niederzulassen, genauer gesagt auf einem dieser bunten Hausboote, die Little Venice seinen ganz eigenen Charme verleihen und die mindestens so exzentrisch sind wie man sich Einheimische vorstellt.

“London ist ein Zuhause geworden. Eine Stadt, in der ich seit fast zehn Jahren lebe. Länger bin ich noch nie an einem Ort gewesen.”

In ihrem Buch “London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel” zeigt Annette Dittert ihrem  Leser, weshalb sie sich in die britische Hauptstadt verliebt hat. Das liegt nicht nur an der Kulisse, die jeder aus dem Fernsehen oder aus dem Urlaub kennt. Es sind die Menschen und ihre unaufgeregte Art mit einem leckenden Hausboot genauso pragmatisch umzugehen wie mit einem überraschend einsetzenden Regen oder dem berühmten Nebel. Einige von ihnen stellt Annette Dittert mit der nötigen Distanz, aber auch mit der  Liebenswürdigkeit vor, die einem in London in der Tube genauso begegnen kann wie an der Theke des Schnellrestaurants, an der man seinen Kaffee in Empfang nimmt. Die Entschuldigungen, die die Wahl-Londonerin ob des Brexit-Referendums im Zug entgegenschlagen, sind genauso typisch wie der Blumenstrauß, den sie nach ihrer Rückkehr auf ihrem Hausboot vorfindet. Selbstverständlich gibt sich keiner der Nachbarn als Urheber zu erkennen.

Neben den Menschen ist es natürlich auch die Stadt selber, die in den Beschreibungen ihren Charme entfaltet – und so ganz nebenbei die ein oder andere Besichtigungstour abseits der üblichen Touristenpfade bereithält. Und so ist das Buch eine Liebeserklärung an London, die Fans der Hauptstadt nachvollziehen können.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Annette Dittert: London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel. Hoffmann und Campe, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

John Williams: Nichts als die Nacht

Arthur Maxley tut den lieben langen Tag –  nichts. Nicht, dass er zu alt oder zu krank für einen Beruf wäre. Aber er leidet seit seiner Kindheit an einem Trauma und kann offenbar  nur durch Trinken und Müßiggang damit leben. Und dann ist da noch sein Vater, den er seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hat und der plötzlich um ein Treffen bittet.

“Sonnenhelles Morgenlicht stocherte mit neugierigen Fingern durch die halb geöffneten Lamellen der Jalousie und strich warm, sanft und unpersönlich über sein Gesicht.”

“Nichts als die Nacht” ist das erste Werk des amerikanischen Autors John Williams, dessen Roman “Stoner” zu Unrecht vergessen wurde. Sein Debüt ist alles andere als ein Schreibversuch eines jungen Schriftstellers, denn es verrät schon die Meisterschaft eines großen Erzählers, der berührt, ohne kitschig zu sein und der erzählt, ohne zu langweilen. Dank des dtv ist die Novelle nicht nur in einer wunderbaren Übersetzung (aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben), sondern auch in einer guten Ausstattung greifbar.

Mehr zu John Williams gibt es hier.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

John Williams: Nichts als die Nacht, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures

Über 2500 Ergebnisse erhält, wer bei Amazon nach Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sucht. Weshalb also noch eine weitere englischsprachige Ausgabe? Die Lust, besonders schöne Bücher zu machen, kann es nicht gewesen sein, die die Herausgeber bewogen haben zwei Bände unter dem Titel „Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle“ als BBC Books zu veröffentlichen. Denn wie oft bei englischen Büchern ist weder die Qualität des Papiers noch die des Layouts – hin und wieder scheint der Text entweder gesperrt oder spationiert zu sein, damit er eine Zeile ausfüllt – das entscheidende Kaufkriterium. Doch die Titelbilder machen klar, dass es hier um den Kultfaktor geht, den die britische BBC-Serie „Sherlock“ unter Fans hat und diese Fans sind es auch, die die Macher als Käufer und Leser im Visier haben.

„Impossible not to love.“

Die Produzenten, Drehbuchschreiber und Erfinder des modernen Sherlock, Steven Moffat und Mark Gatiss, haben ihre Lieblingsgeschichten um den größten Detektiv aller Zeiten gesammelt und ihnen jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt. Und allein diese Einführungen sind trotz der Kürze wunderbar witzig und ironisch, aber auch gleichzeitig kenntnisreich. „Die Geschichte macht zwar nicht wirklich Sinn, sie ist aber atemberaubend frech, stimmungsvoll und furchterregend.“ („It makes no real sense but it’s breathtakenly cheeky, atmospheric and scary.“) schreiben die Autoren der Einleitung beispielsweise über „Das gesprenkelte Band“ („The Adventure of the Speckled Band“) und finden, dass man „Der blaue Karfunkel“ („The Adventure of the Blue Carbuncle“) einfach „lieben muss“ („Impossible not to love.“). Einiges, was in „Eine Frage der Identität“ („A Case of Identity“) auftaucht, haben die beiden für ihre Sherlock-Version verwendet und wenn man so will, eine Art Perlenpickerei („small gems“) betrieben.

Dass in der Fernsehserie zum Teil wörtliche oder abgewandelte Zitat aus einer der Originalgeschichten verwendet werden, merkt man freilich nur dann, wenn man den Kanon kennt. Oder doch zumindest die Geschichten, die Steven Moffat und Mark Gatiss als solche ausgemacht und in den beiden Bänden vorgelegt haben. Die insgesamt 19 Kurzgeschichten sind  auch ideal für Sherlock-Fans, die sich Arthur Conan Doyles Original nähern wollen, denn sie sollen schlichtweg Begleiter der BBC-Serie sein. Wer schon diverse Ausgaben im Regal stehen hat, wird sich über vergleichsweise günstige Buchzuwächse freuen. Dank der Buchcover, die Promo-Fotos zur Erstausstrahlung der vierten Sherlock-Staffel zieren, sind diese beiden Bände aber für Sherlock-Fans schon fast Pflicht.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

The Essential Arthur Conan Doyle Adventures, zwei Bände, BBC Books/Penguin, jeweils ca 8 Euro

Ach, hört doch auf!

Verallgemeinerungen regen mich auf. Denn es gibt weder die Netzgemeinde (die sich in diesem Internet ausnahmslos über ein Thema aufregt) noch die Frauen (die keine Ahnung von Technik haben) oder die Männer (die alle Fußballfans sind). Und es gibt schon gleich gar nicht Blogger im allgemeinen, die allesamt nicht schreiben können und Buchblogs, die außer Wohlfühlatmosphäre und Kitsch nichts weiter verbreiten, wie die Zeit kürzlich in ihrem Beitrag “Literatur als Deko-Soap” schreibt.

Es mag ja sein, dass sich nicht alle Blogs auf höchstem literarischen Niveau bewegen. Weshalb sollten sie das auch? Aber was berechtigt bitte jemanden,  das, was andere aus Leidenschaft tun, abzuwerten? Denn genau das ist Lesen und die Beschäftigung mit Büchern nämlich: eine Leidenschaft, die dank der modernen Technik eben ihren Niederschlag in Buchblogs findet – und wer auch noch auf  Instagram oder Facebook (beide sind böse, weil Internet) unterwegs ist, postet dort eben einen Link zu seinem Beitrag oder ein entsprechendes Bild. Dass Bücher  nicht verrissen werden, liegt daran, dass es um Buchtipps, also Empfehlungen, geht und nicht darum, ein Haar in der Suppe zu finden, sprich ein gutes Buch zu verreißen, weil man das so macht im deutschen Feuilleton. Denn wer von einem Buch begeistert ist und vielleicht noch  gute Gründe  dafür anführt, dem sollte man sicherheitshalber nicht über den Weg trauen und ihn als Lese-Enthusiasmierten bezeichnen, der den Blogbeitrag mit einer Tasse, in der farblich passender Tee dampft, illustriert.

Dass ich auf meinem Blog Buchfotos nicht so hübsch arrangiere wie das andere tun, liegt daran, dass ich nicht fotografieren kann und es mir mehr auf das Buchcover ankommt. Wer weiß, vielleicht überlege ich mir das aber noch, nur um Kritiker aufzuregen 😉

 

Donna Leon: Stille Wasser

Es ist Sommer und damit wieder Zeit, alte Freunde zu treffen. Commissario Guido Brunetti, seine Frau Paola, die Sekretärin Elettra und natürlich sein Kollege Vianello sind mittlerweile alte Freunde, die regelmäßig zu einem Treffen einladen. In diesem Jahr steht der mittlerweile 26. Fall an – einer der besten der Reihe. “Stille Wasser” ist ein ruhiger Kriminalfall, aber er ist auch dramatisch, weil Brunetti bei einem Verhör einen Schwächeanfall erleidet und im Krankenhaus landet. Dort wird ihm dringend nahegelegt, berufsbedingten Stress zu vermeiden und sich mindestens eine zweiwöchige Auszeit zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis findet der Commissario die Aussicht, einmal nichts zu tun und sich zu entspannen, gar nicht mal so schlecht. Und so ist die Möglichkeit, ein paar Wochen auf einer der Venedig umgebenden Inseln in einem Haus zu verbringen, das Verwandten von Paola gehört, ideal. Freilich wäre dieser neue Roman von Donna Leon kein echter Brunetti, gäbe es nicht auch einen Todesfall aufzuklären.

“Er wäre zwei Wochen lang allein, Gast in einem Haus, von dem er nicht wusste, ob es dort Bücher gab.”

“Stille Wasser” zeigt einen Guido Brunetti, der in seinem Leben einiges erreicht hat. Er ist erfolgreich in seinem Beruf, den er trotz so mancher Ärgernisse – eines davon ist nicht zuletzt sein Vorgesetzter Patta – mag, er ist glücklich verheiratet und hat zwei wunderbare Kinder. Dennoch fordert der Beruf ihn mehr, als er sich eingestehen will. Die Tatsache, dass er ohne große Widerstände bereit ist, sich für ein paar Wochen eine Auszeit zu nehmen, endlich Zeit fürs Lesen  zu haben, seiner alten Leidenschaft, dem Rudern, wieder nachzugehen, zeigt, dass der Kommissar nicht nur älter geworden ist. Er ist auch an einem Punkt angekommen, an dem er sich zurücknehmen und über sein Leben nachdenken kann. Typischerweise macht er das, indem er klassische Literatur liest und sicherheitshalber Plinius, Herodot, Sueton und Euripides für seine Auszeit einpackt. Zum 25. Jubiläum ist die Krimireihe liebenswert wie eh und je und ein gutes Beispiel dafür, dass gute Unterhaltung auch ohne Effekthascherei und blutrünstige Gewalt auskommen kann.

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Stille Wasser, Diogenes, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt.

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