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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

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Martyn Ford, Peter Legon: How to be British

Klischees, ach Klischees sind etwas Wunderbares und wenn es um Klischees geht, die wir mit den Bewohnern des Vereinigten Königreichs verbinden, muss man zugeben, dass viele Klischees nichts anderes sind als liebenswerte Eigenarten. Diese Eigenarten kann man freilich nur dann richtig verstehen, wenn man weiß, mit welchen englischen Vokabeln sie bezeichnet werden und wann man was sagt – oder eben auch nicht.

Martyn Ford und Peter Legon beschreiben in ihrem kleinen Begriffslexikon „How to be British“ nicht nur ihre Landsleute mit typischen britischen Humor und Karikaturen. Sie raten unkundigen Besuchern auch, welche Begriffe und Redewendungen sie in bestimmten Situationen verwenden und wann sie welche lieber vermeiden sollten. Bemerkungen über scheinbare Modesünden bei der Farbauswahl („Orange and purple don’t go“) sind ebenso tabu wie Bemerkungen über den Linksverkehr („Hey, the steering wheel’s on the wrong side of this car“) oder über Zugverspätungen („I could have walked there by now“). Dagegen kann es nicht schaden, höflich zu sein und sich ständig zu entschuldigen, egal bei welcher Gelegenheit.

„Zum Wohle eines überforderten Nicht-Muttersprachlers sind wir gerne bereit, unsere Sprache zu vereinfachen.“

„How to be British“ ist kein Wörterbuch im klassischen Sinn. Und es ist auch nicht für Anfänger geeignet, die unterwegs etwas übersetzen möchten. Zwar werden Wörter und Redewendungen wunderbar erklärt, man  sollte aber schon über einen soliden Grundwortschatz verfügen, um sie nicht nur zu verstehen, sondern auch aussprechen zu können. Denn nur so kann man sich über britischen Humor amüsieren. Am besten mit a nice cuppa.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Martyn Ford, Peter Legon: How to be British, Langenscheidt, 9,99 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Rebecca Ehrenwirth, Nina Lieke: By a Lady

Heuer jährt sich der Todestag der englischen Schriftstellerin Jane Austen zum 200. Mal. Und wie immer bei solchen Jahrestagen werden Werke neu aufgelegt und Biografien herausgebracht. Eine davon ist das Buch „By a Lady“, in dem sich die Autorinnen Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke Jane Austen klassisch nähern. Klassisch deshalb, weil sie die Schriftstellerin nicht losgelöst von deren Werken sehen und Parallelen ziehen zu den Romanfiguren. Denn ihre Figuren sind das, was ihre Erfinderin wohl war: streng und unerbittlich, wenn es darum ging, ihre Umgebung zu beobachten und sich gegen den sentimentalen Frauenroman ihrer Zeit zur Wehr zu setzen. Jane Austen siedelte ihre  Werke immer innerhalb eines  Mikrokosmos‘ an, ein eigene Welt, die von ihren ganz speziellen Charakteren lebt.

„By a Lady“ – das Pseudonym, unter dem Jane Austen ihr erstes Werk veröffentlichte –  nimmt sehr eng Bezug auf die berühmten Romane wie „Emma“, „Stolz und Vorurteil“ oder Mansfield Park“ (deutsche Ausgaben sind zum Beispiel bei dtv erschienen). Wer vorher noch nichts von Jane Austen gelesen hat, wird sich schwer tun. Wer tiefer in das Leben und das Werk der Schriftstellerin eintauchen will, die längst zu den Klassikern der englischen Literatur gehört, wird an der vorliegenden Biografie seine Freude haben.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Rebecca Ehrenwirth, Nina Lieke: By A Lady – Das Leben der Jane Austen. Lambert-Schneider-Verlag, 24,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift

Am Freitagabend haben viele DDR-Bürger einen ganz bestimmten Termin. Sie hören eine BBC-Sendung. Es ist natürlich nicht irgendeine Sendung, wobei es in einem totalitären Staat kein gewöhnliches Vorhaben ist, einen Sender aus dem westlichen Ausland zu hören. In der deutschsprachigen Sendung „Briefe ohne Unterschrift“ werden  Briefe vorgelesen, die  Menschen aus der DDR an die BBC geschickt haben. Darin schreiben sie über Banalitäten des Alltags genauso wie über ihre politische Ansichten, die nicht mit denen des DDR-Regimes übereinstimmen und deren Äußerung als Staatsverrat angesehen werden.

„Auch zu meiner Zeit hieß es noch, BBC – das sind drei gefährliche Buchstaben. Gefährlich für alle, die sich vor der Wahrheit fürchten, und besonders gefährlich für alle, die die Wahrheit hören wollen und sie unter großer persönlicher Gefahr auch tatsächlich hören.“

Die Leute hören und schreiben dennoch – an Deckadressen, die in der Sendung bekanntgegeben werden und die in Wirklichkeit entweder nicht existieren oder die Brachland sind. Dass die so adressierten Briefe dennoch ihren Weg in die britische Hauptstadt finden, ist einer ausgeklügelten Logistik zu verdanken, zu der auch gehört, dass die Briefe in Westberliner Postämtern aussortiert und weitergeleitet werden.  Zwar befiehlt die Stasi, Briefe an die in der Sendung genannten Adressen aufzuhalten. Bis diese Anweisung aber die zuständigen Bezirkspostämter erreicht, dauert es. Und das Wochenende liegt dazwischen, wie ein aus der DDR geflüchteter Postbeamter erzählt hat. All das entgeht natürlich der Stasi nicht, die ihre eigenen Bürger, aber auch die Journalisten der BBC minutiös bespitzelt. Denn der britische Sender ist für die DDR das, was er schon in Nazi-Deutschland war: ein Feindsender.

„Die BBC ist, für die Jäger besteht kein Zweifel, das Zentrum der geheimdienstlich gesteuerten psychologischen Kriegsführung..“

Susanne Schädlich greift mit „Briefe ohne Unterschrift“ ein Kapitel der deutschen Geschichte auf, das  für viele  unbekannt sein dürfte. Sie tut das  wie eine Detektivin in einem Kriminalroman, sucht Zeitzeugen auf, liest sich durch das BBC-Archiv in London und schreibt ihre Erkenntnisse detailliert nieder.  Herauskommt mehr ein Geschichtsroman denn ein Sachbuch, was die Lesefreundlichkeit  deutlich erhöht. Etwas störend empfand ich lediglich den Wechsel zwischen der Unmittelbarkeit suggerierenden Gegenwartsform und der der Vergangenheit, über die ich hin und wieder beim Lesen gestolpert bin. Im ausführlichen Anhang finden sich zahlreiche Hinweise auf verwendete Quellen und weiterführende Literatur. Schade nur, dass die BBC offenbar bisher noch kein Buch mit diesen Briefen veröffentlicht hat.

Foto: Randomhouse/Knaus

Foto: Randomhouse/Knaus

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift, Knaus, 19,99 Euro, E-Book: 16,99 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Knaus-Verlag zur Verfügung gestellt.

 

Das Deutsche Rundfunkarchiv bietet unter dem Titel „Hier ist England“ eine ganze Reihe historischer Aufnahmen an, die man auf CD kaufen kann.

Sherlock: Die sechs Thatchers

Das neue Jahr brachte eine neue Sherlock-Staffel – jedenfalls auf BBC One und zumindest dann, wenn man es auf welche Art auch immer schaffte, die erste Ausstrahlung zu besten britischen Sendezeit zu verfolgen. Wer also weise vorausschauend den Silvesterabend nicht allzu ausufernd verbrachte oder entsprechend lange ausschlief, der begegnete ab 20.30 Uhr britischer Zeit  in der ersten Folge der vierten Staffel „Die sechs Thatchers“ (Buch: Mark Gatiss) den geliebten Figuren genau dort wieder, wo er sie am Ende der dritten Staffel – in der Folge „Sein letzter Schwur“ –  verlassen hat: Sherlock (Benedict Cumberbatch) versucht, seine Sucht in den Griff zu bekommen, John (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) werden bald Eltern und Mycroft (Mark Gatiss) ist genauso clever, süffisant und perfekt gekleidet wie eh und je. Aber natürlich gibt es die Weihnachtsfolge „Die Braut des Grauens“,  (Erstausstrahlung in der BBC am 2. Januar 2016)  die entgegen den Aussagen der beiden „Sherlock“-Erfinder Steven Moffat und Mark Gatiss eben keine Folge ist, die völlig losgelöst vom Entwicklungsstrang der übrigen Folgen und natürlich den vorherigen Serien zu sehen ist.

Trotz allem: ein Mensch

„Die sechs Thatchers“  (deutsche Erstausstrahlung ARD, 4. Juni 2017) bringt eine völlig neue Wendung innerhalb der Serie als Ganzes und für die Figur Sherlock im Besonderen. Und so verfolgt der Zuschauer wie der einzige beratende Detektiv mit ungewohnten Situation und neuen Menschen, darunter einem Baby, zurechtkommen muss. Das geschieht in schnellen Rückblicken, die ein Fest für Fans sind, für Neulinge allerdings reinste Verwirrung. Natürlich verändern neue Bezugspersonen und neue Situationen Sherlock, es muss ihn verändern. Auch wenn er bisher alles getan hat, uns vom Gegenteil zu überzeugen, ist er doch letztlich ein Mensch und wie sich im Verlauf der Handlung herausstellt, einer mit sehr viel Mitgefühl. Freilich heißt das nicht, dass er nun plötzlich kein hochfunktionaler Soziopath mehr ist, der im Zweifel alle und alles überwacht und jede Telefonnummer gespeichert hat. Er ist genauso ungehobelt und unhöflich, hochintelligent und ein Schnelldenker wie immer. Und er ist ungefähr so aktiv  wie James Bond und mindestens genauso attraktiv.

Nicht zuletzt hat sich auch John Watson (wie immer perfekt: Martin Freeman) verändert – so wie es ihm Mrs Hudson (witzig und liebenswert: Una Stubbs) vorhergesagt hat: „Heirat verändert einen“, (meine Übersetzung) sagte sie in „Das Zeichen der Drei“ zu Sherlock und natürlich hat sie recht. Mary (souverän: Amanda Abbington) und John müssen sich um ihre kleine Tochter kümmern, wollen aber gleichzeitig auch mit Sherlock Kriminalfälle lösen. Zu den zweien, die gegen den Rest der Welt kämpfen, hat sich nun Mary gesellt. Und sie passt wunderbar in Sherlocks Welt, in der es vor allem um Intelligenz, schnelles Denken und Schlussfolgerungen geht. Kenner wissen aber natürlich, was mit  Marys  in den ursprünglichen Sherlock-Holmes-Geschichten des Erfinders Arthur Conan Doyle passiert.

Fazit: „Die sechs Thatchers“ haben alles, was man sich wünschen kann: Witz, Dramatik und Kulissen (Ausstattung: Arwel Wyn Jones), die so detailreich sind, dass man auch nach mehrmaligem Anschauen immer noch etwas neues entdeckt. Benedict Cumberbatch ist Sherlock. Er passt so perfekt in diese Rolle wie er in den berühmten Mantel (und die immer etwas zu eng sitzenden Anzüge) passt. Jeder seiner Szenen ist eine schauspielerische Glanzleistung. Martin Freemans John Watson und Amanda Abbingtons Mary sind viel mehr als Nebenrollen und Ergänzungen der Titelfigur. Beide entwickeln einzelne Stränge der Handlung weiter, die dann in den späteren Folgen vollendet werden.

Wie bei allen Staffel vorher ist auch in dieser ersten Folge der vierten Staffel Aufmerksamkeit beim Zuschauer gefragt. Wer nicht aufpasst und sich nur nebenher vom Fernseher berieseln lassen will, wird keine Freude an „Sherlock“ haben – unabhängig davon, welche Folge er anschaut. Denn der Witz der Dialoge und die Wortspiele sind nur scheinbar Geplänkel. Sie sind wichtig, um die Handlung zu verstehen. Wer allerdings erst mal seine Leidenschaft für diese Fernsehserie entdeckt hat, wird so schnell nicht mehr davon loskommen.

 

Dies ist die deutsche Version des ursprünglichen englischen Beitrags, den ich nach der Erstausstrahlung in der BBC geschrieben habe.

Ben Urwand: Der Pakt

Faktensatt ist ein Wort, das etwas hilflos und vage klingt, weshalb ich es eigentlich nicht gerne verwende. Eigentlich. Im Fall von „Der Pakt“ trifft es aber genau zu. Denn das, was Ben Urwand in seinem Buch vorlegt, ist genau das. Akribisch werden Fakten aufgeführt, Belege und Fußnoten im üppigen Anhang dem Leser an die Hand gegeben, der mehr über die Abmachungen lesen will, die führende Hollywood-Filmstudios mit dem Regime des Dritten Reichs trafen.

Magische Wirkung

Mag es noch wenig überraschen, dass Hitler sich der magischen Wirkung des damals noch neuen Mediums Film sehr wohl bewusst war und  in Auftrag gegebenen Filme wie „Triumph des Willens“ ganz gezielt für seine Nazi-Propaganda einsetzte, so ist mag es doch den ein oder anderen Leser  überraschen, dass der Diktator von Filmen gar nicht genug bekommen konnte: „Jeden Abend sah sich Adolf Hitler vor dem Zubettgehen einen Film an. Er selbst wählte den Titel aus einer Liste, die ihm beim Abendessen überreicht wurde und führte seine Gäste dann in sein Privatkino (…).“ Nach Filmende gab er sofort seine Einschätzung ab, seine Assistenten notierten die Kategorien von „ausgezeichnet“ bis „ausserordentlich (!) „schlecht“ oder „abgebrochen“. Er und Propagandaminister Goebbels waren gleichermaßen von Hollywood-Filmen fasziniert und führten sie  deutschen Filmproduzenten als Beispiel für gute Filme vor. Gute Filme, das waren Filme, die das Weltbild der Nazis passten und Deutschland weder kritisch oder gar negativ darstellten. Wie Ben Urwand aber sehr einleuchtend ausführt, trennte der Diktator strikt zwischen Kunst und Propaganda – freilich nur solange er in dem Film keine Bedrohung für Deutschland sah.

„Obwohl er jeden Abend Filme ansah, obwohl seine Faszination für diese Filme auf einer tieferen Verbindung zu seinen eigenen Erfahrungen als Redner beruhte, kam er bei der Mehrzahl davon nicht auf die Idee, sie könnten irgendetwas mit Propaganda zu tun haben.“

Hollywoods Filmindustrie war wiederum daran interessiert, mit Deutschland gute Geschäfte zu machen und ihre Filme erfolgreich in die Kinos zu bringen und wenn möglich die finanziellen Schwierigkeiten, denen sie sich seit dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt sahen, wenn nicht aus der Welt zu schaffen, so doch möglichst zu minimieren. Deshalb nahmen sie es unter anderem in Kauf, dass das Regime ihnen vorschrieb, mehr Arier zu beschäftigen (zunächst konnten sie die Hälfte ihrer jüdischen Arbeiter behalten). Später entließen Hollywoods Filmproduzenten jüdische Mitarbeiter, schnitten Bezüge auf Juden aus Filmen heraus – wie sie überhaupt bereit waren, ihre Produktionen zu zensieren. Dieser Pakt endete erst mit dem Kriegseintritt der USA 1941, und Hollywood produzierte von 1942 bis 1945 Stoffe, um die Truppen im Kampf zu unterstützen.

Das Werk des amerikanischen Historikers Ben Urwand räumt mit der Meinung auf, Hollywood habe sich von Nazi-Deutschland distanziert und stattdessen alles getan, um freiheitliche Werte zu verteidigen. Der Autor tut das in einer überaus lesbaren und zum Teil sogar witzigen Art und Weise – wenn er etwa beschreibt, dass der Film „Tarzan“ in Deutschland nicht gezeigt werden durfte, weil der Film das deutsche Rasseempfinden verletze. Das Buch mag an manchen Stellen zu detailreich sein, es liefert aber einen guten und wichtigen Überblick über das Thema, das nicht nur für Filmfreunde interessant sein dürfte.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ben Urwand: Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler. Theiss-Verlag, 29, 95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Es ist das „Zentrum der Welt“, „die großartige Stadt London“ ist Ziel all ihrer Sehnsüchte. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts kamen zehntausende Zuwanderer aus den westindischen Inseln in die britische Hauptstadt, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen, so wie die Landsleute vor ihnen, die von der Regierung 1948 als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. In London mussten sie sich nicht nur in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie waren auch gezwungen, sich mit vorher vollkommen unbekannten Gegebenheiten auseinandersetzen. Statt im heißen Klima der Tropen mussten sie lernen, mit den Wetterkapriolen zu leben und sich gegen die winterliche Kälte zu schützen.

„Was hat eine Stadt, was hat irgendein Ort in der Welt, dass man ihn so sehr mag und nirgendwo anders hinwill?“

Moses ist einer dieser „Mokkas“, der vor ein paar Jahren nach London gekommen ist. Ihn lässt Samuel Selvon seinen Roman „Die Taugenichtse“ erzählen. Das tut er so, wie er seinen Freunden etwas erzählen würde, im gebrochenen Englisch der Einwanderer, manchmal auch über längere Absätze ohne jegliche Satzzeichen. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Charme und auf jeden Fall viel direkter als wenn ein allwissender Autor gleichsam als Sprachfilter fungieren würde.  Und so erreichen Sorgen und Frust der Einwanderer den Leser unmittelbar, das Unverständnis darüber, dass sie obwohl sie in den Fabriken schuften, von den Einheimischen nicht anerkannt werden:  „In London akzeptiert uns keiner.  Nicht richtig“, sagt Moses und ist froh, dass wenigstens die regelmäßigen Treffen der Einwanderer Gemeinschaft schaffen.

Die Originalausgabe ist schon 1956 erschienen. Angesichts der vielen Übersetzungen aus dem Englischen, die bei uns im Handel sind, ist es eigentlich unverständlich, weshalb die deutsche erst jetzt erschienen ist.  Die wunderbare Ausgabe, die jetzt vorliegt, verdient ein breites Publikum.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Samuel Selvon: Die Taugenichtse, dtv, 14, 90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Gartenfräulein: Stadtbalkon

Mit Ratgeber-Büchern ist es so eine Sache. Sie können so belehrend sein, dass man sich wahlweise schlecht oder absolut dumm fühlt, weil man das entsprechende Thema falsch angegangen ist oder noch nie irgendetwas davon gehört hat. Oder sie können liebevoll aufgemacht sein und den Ton haben, den die beste Freundin anschlägt, wenn sie einem ihr Lieblingsrezept für das beste aller Tiramisus verrät. So ähnlich klingt Silvia Appel wenn sie auf ihrem Blog Tipps rund um ihren Stadtbalkon mit ihren Lesern online teilt, und so klingt sie auch in den beiden Büchern „Mein kreativer Stadtbalkon“ und dem „Journal“.

Beiden gemeinsam ist eine liebevolle Ausstattung, die jede Seite dank unterschiedlicher Zeichnungen und Layouts ein eigenes, handgemachtes Aussehen verleiht. Das passt wunderbar zu dem, was der Leser schon beim flüchtigen Durchblättern mitnimmt: viele Tipps, wie man auf einem schon länger bewohnenden Balkon mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen kann (und man sich fragt, weshalb man nicht selbst darauf gekommen ist) und Ratschläge, worauf man bei der Gestaltung eines neuen Balkons achten soll. Wer vorher noch nie etwas mit grünen Bewohnern auf einem Balkon zu tun hatte, bekommt etwa im Buch Geräte vorgestellt, die für die notwendigen Arbeiten hilfreich sein können und den Hinweis, dass man am Anfang statt einer Rosenschere (die auch Kräuter schneidet) eine scharfe Haushaltsschere verwenden kann.

Von Geranien bis Radieschen

Für Einsteiger unerlässlich und für Erfahrenere hilfreich ist die Auswahl an Pflanzen, die man auf dem Balkon kultivieren kann. Wobei nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Geranien, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse erwähnt werden, sondern auch unterschiedliche Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Radieschen. Ungewöhnliche Tipps gibt es auch im Journal dazu, das man als Merkhilfe für anstehende Arbeiten oder das erneute Anpflanzen im nächsten Jahr verwenden kann. Genügend freie Seiten dafür – chronologisch nach Jahreszeiten geordnet  – gibt es vorausgesetzt, man überwindet sich und beschreibt die mit liebevollen Zeichnungen ausgestatteten Seiten tatsächlich.

 

Mein kreativer Stadtbalkon (19,99 Euro) und Mein kreativer Stadtbalkon –  Das Journal (14,99 Euro), Edition Michael Fischer.
Beide Bücher wurden mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Graham Swift: Ein Festtag

Jane Fairchild ist Waise und kam mit 14 Jahren als Dienstmädchen in ihren ersten Haushalt. 1917 wechselten sie zu dem Ehepaar Niven, die  im Ersten Weltkrieg zwei Söhne verloren haben. Zwar wollten sie ein junges Dienstmädchen, weil sie sich in den schwierigen Jahren nur eine billige Kraft leisten konnten, als sie aber entdecken, dass Jane besser lesen und schreiben kann als die meisten ihres Standes, nehmen sie sich ihrer Bediensteten mehr an als üblich. Gerührt von der Wissbegierde des Dienstmädchens erlaubt ihr Mr Niven, sich Bücher aus der Bibliothek auszuleihen. Und er wundert sich, dass Jane an manchen Tagen einfach verschwunden ist oder sie länger als gedacht braucht, um Besorgungen zu machen. Denn Jane hat ein Verhältnis mit Paul Sheringham. Dass seine standesgemäße Heirat stattfinden wird, steht für Jane nie in Frage. Und so genießt sie das Privileg, sich an diesem „Festtag“, dem Muttertag (der dem Buch im Original seinen Namen gibt) nackt durch das große Haus zu gehen. Dass sich ihr Leben verändern wird, weiß Jane, aber nicht auf welche Weise.

Untergegangene Welt

Graham Swift entführt den Leser in eine Welt, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unterging. Die Welt einer Gesellschaftsordnung, in der jeder wusste, welchen Platz er innerhalb seines Standes innehatte, eine Welt, die in dieser Geschichte mindestens genauso  britisch ist wie die Fernsehserie „Downtown Abbey“ des Senders ITV. Ein Vergleich, der sich mir auch deshalb aufgedrängt hat, als ich die ersten Seiten gelesen habe, weil die Figuren so lebendig und perfekt in ihre detailreich geschilderte Umgebung passen, dass man sich fühlt, als komme man als Leser gerade dazu. Wie schon der Band  „England und andere Stories“ , der in gleicher hochwertiger Ausstattung und sorgfältiger Übersetzung vorliegt hat auch „Ein Festtag“ nur den Makel, den nämlich, dass die Geschichte viel zu kurz ist.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Graham Swift: Ein Festtag, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben

Roseanne McNulty ist alt und legt Zeugnis ab über ihr Leben und auch darüber, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik in  Roscommon ist. Nach und nach enthüllt sie in ihren Aufzeichnungen, ihrem „Selbstzeugnis“, ihr Leben, erzählt von ihrem Vater, den sie verehrt und von ihrem Mann. Doch ist sie wirklich zu unrecht  eingewiesen worden? Oder ist sie eine Verbrecherin wie ihr behandelnder Arzt, Dr. Grene herausfindet? Am Leser ist es nun, aus den jeweiligen Aufzeichnungen der beiden schlau zu werden, sich seinen eigenen Reim auf die wirklichen Ereignisse in „Ein verborgenes Leben“ zu machen.

„Ich bin nur ein Überbleibsel, das Relikt einer Frau, und sehe auch gar nicht mehr so aus wie ein menschliches Wesen (…)“

Das ist nicht immer einfach, denn die scheinbar so oberflächliche und ruhig dahinplätschernde Sprache Sebastian Barrys, die Hans-Christian Oeser  in einer sehr gelungenen Übersetzung vorlegt, verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers. Denn er muss nicht nur den jeweiligen Perspektivenwechsel mitmachen. Vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs im 20. Jahrhundert werden zwar die Figuren begreifbar. Ohne geschichtliches Wissen um diesen Konflikt kann man aber die Handlung nur schwer einordnen. Umso verdienstvoller ist die chronologische Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben, dtv, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführer: MM-City Hamburg

Es gibt Städte, in denen man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur kurz bleibt oder vorher noch nicht dort war. Eine davon ist für mich London, eine andere ist Hamburg. Und deshalb habe ich mir bei meinen bisherigen dienstlichen Trips immer ein paar Stunden Zeit genommen, die Stadt zu Fuß zu erlaufen.

Daher kenne ich ein paar der Tipps und Touren, die Matthias Kröner in seinem Städteführer Hamburg vorstellt, zumindest zum Teil.  Wer sich einen  Eindruck von der Hansestadt machen will, die durch Feuer und Bombenangriffe zerstört wurde, sollte vom Rathaus aus zum Jungfernstieg laufen und bei schönem Wetter dort auf den Freitreppen die Gegend genießen. Die Tour 4, die Kröner beschreibt, beginnt praktischerweise beim Hauptbahnhof und endet am Rathaus. Eine andere Tour führt durch die Speicherstadt und die HafenCity, auf der man an der erst kürzlich eröffneten Elbphilharmonie vorbeikommt. Von dort aus ist es nicht weit zum „Michel“, der Kirche St. Michaelis, die man auch spätabends besichtigen kann. Diesen als „Nachtmichel“ bekannten Tipp nehme ich auf meine Liste, bisher bin ich nur an dem Wahrzeichen Hamburgs vorbeigelaufen.

Neben den Touren durch die Stadt sind es vor allem die Tipps zum Einkaufen, Essen und Trinken oder den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Reiseführer  zu einem praktischen Helfer als Vorbereitung auf einen Städtetrip nach Hamburg machen. Das liegt nicht nur an den unterhaltsamen Sprache, sondern auch an den Tipps, die fernab von Klischees und Werbung eine echte Hilfestellung bieten. Abgerundet wird der handliche Führer durch einen herausnehmbaren Stadtplan und eine Übersicht über Busse und Bahnen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Matthias Kröner: Städteführer Hamburg MM-City, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink  beim Verlag bestellen.

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