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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

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Gartenfräulein: Stadtbalkon

Mit Ratgeber-Büchern ist es so eine Sache. Sie können so belehrend sein, dass man sich wahlweise schlecht oder absolut dumm fühlt, weil man das entsprechende Thema falsch angegangen ist oder noch nie irgendetwas davon gehört hat. Oder sie können liebevoll aufgemacht sein und den Ton haben, den die beste Freundin anschlägt, wenn sie einem ihr Lieblingsrezept für das beste aller Tiramisus verrät. So ähnlich klingt Silvia Appel wenn sie auf ihrem Blog Tipps rund um ihren Stadtbalkon mit ihren Lesern online teilt, und so klingt sie auch in den beiden Büchern „Mein kreativer Stadtbalkon“ und dem „Journal“.

Beiden gemeinsam ist eine liebevolle Ausstattung, die jede Seite dank unterschiedlicher Zeichnungen und Layouts ein eigenes, handgemachtes Aussehen verleiht. Das passt wunderbar zu dem, was der Leser schon beim flüchtigen Durchblättern mitnimmt: viele Tipps, wie man auf einem schon länger bewohnenden Balkon mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen kann (und man sich fragt, weshalb man nicht selbst darauf gekommen ist) und Ratschläge, worauf man bei der Gestaltung eines neuen Balkons achten soll. Wer vorher noch nie etwas mit grünen Bewohnern auf einem Balkon zu tun hatte, bekommt etwa im Buch Geräte vorgestellt, die für die notwendigen Arbeiten hilfreich sein können und den Hinweis, dass man am Anfang statt einer Rosenschere (die auch Kräuter schneidet) eine scharfe Haushaltsschere verwenden kann.

Von Geranien bis Radieschen

Für Einsteiger unerlässlich und für Erfahrenere hilfreich ist die Auswahl an Pflanzen, die man auf dem Balkon kultivieren kann. Wobei nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Geranien, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse erwähnt werden, sondern auch unterschiedliche Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Radieschen. Ungewöhnliche Tipps gibt es auch im Journal dazu, das man als Merkhilfe für anstehende Arbeiten oder das erneute Anpflanzen im nächsten Jahr verwenden kann. Genügend freie Seiten dafür – chronologisch nach Jahreszeiten geordnet  – gibt es vorausgesetzt, man überwindet sich und beschreibt die mit liebevollen Zeichnungen ausgestatteten Seiten tatsächlich.

 

Mein kreativer Stadtbalkon (19,99 Euro) und Mein kreativer Stadtbalkon –  Das Journal (14,99 Euro), Edition Michael Fischer.
Beide Bücher wurden mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Graham Swift: Ein Festtag

Jane Fairchild ist Waise und kam mit 14 Jahren als Dienstmädchen in ihren ersten Haushalt. 1917 wechselten sie zu dem Ehepaar Niven, die  im Ersten Weltkrieg zwei Söhne verloren haben. Zwar wollten sie ein junges Dienstmädchen, weil sie sich in den schwierigen Jahren nur eine billige Kraft leisten konnten, als sie aber entdecken, dass Jane besser lesen und schreiben kann als die meisten ihres Standes, nehmen sie sich ihrer Bediensteten mehr an als üblich. Gerührt von der Wissbegierde des Dienstmädchens erlaubt ihr Mr Niven, sich Bücher aus der Bibliothek auszuleihen. Und er wundert sich, dass Jane an manchen Tagen einfach verschwunden ist oder sie länger als gedacht braucht, um Besorgungen zu machen. Denn Jane hat ein Verhältnis mit Paul Sheringham. Dass seine standesgemäße Heirat stattfinden wird, steht für Jane nie in Frage. Und so genießt sie das Privileg, sich an diesem „Festtag“, dem Muttertag (der dem Buch im Original seinen Namen gibt) nackt durch das große Haus zu gehen. Dass sich ihr Leben verändern wird, weiß Jane, aber nicht auf welche Weise.

Untergegangene Welt

Graham Swift entführt den Leser in eine Welt, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unterging. Die Welt einer Gesellschaftsordnung, in der jeder wusste, welchen Platz er innerhalb seines Standes innehatte, eine Welt, die in dieser Geschichte mindestens genauso  britisch ist wie die Fernsehserie „Downtown Abbey“ des Senders ITV. Ein Vergleich, der sich mir auch deshalb aufgedrängt hat, als ich die ersten Seiten gelesen habe, weil die Figuren so lebendig und perfekt in ihre detailreich geschilderte Umgebung passen, dass man sich fühlt, als komme man als Leser gerade dazu. Wie schon der Band  „England und andere Stories“ , der in gleicher hochwertiger Ausstattung und sorgfältiger Übersetzung vorliegt hat auch „Ein Festtag“ nur den Makel, den nämlich, dass die Geschichte viel zu kurz ist.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Graham Swift: Ein Festtag, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben

Roseanne McNulty ist alt und legt Zeugnis ab über ihr Leben und auch darüber, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik in  Roscommon ist. Nach und nach enthüllt sie in ihren Aufzeichnungen, ihrem „Selbstzeugnis“, ihr Leben, erzählt von ihrem Vater, den sie verehrt und von ihrem Mann. Doch ist sie wirklich zu unrecht  eingewiesen worden? Oder ist sie eine Verbrecherin wie ihr behandelnder Arzt, Dr. Grene herausfindet? Am Leser ist es nun, aus den jeweiligen Aufzeichnungen der beiden schlau zu werden, sich seinen eigenen Reim auf die wirklichen Ereignisse in „Ein verborgenes Leben“ zu machen.

„Ich bin nur ein Überbleibsel, das Relikt einer Frau, und sehe auch gar nicht mehr so aus wie ein menschliches Wesen (…)“

Das ist nicht immer einfach, denn die scheinbar so oberflächliche und ruhig dahinplätschernde Sprache Sebastian Barrys, die Hans-Christian Oeser  in einer sehr gelungenen Übersetzung vorlegt, verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers. Denn er muss nicht nur den jeweiligen Perspektivenwechsel mitmachen. Vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs im 20. Jahrhundert werden zwar die Figuren begreifbar. Ohne geschichtliches Wissen um diesen Konflikt kann man aber die Handlung nur schwer einordnen. Umso verdienstvoller ist die chronologische Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Sebastian Barry: Ein verborgenes Leben, dtv, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführer: MM-City Hamburg

Es gibt Städte, in denen man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur kurz bleibt oder vorher noch nicht dort war. Eine davon ist für mich London, eine andere ist Hamburg. Und deshalb habe ich mir bei meinen bisherigen dienstlichen Trips immer ein paar Stunden Zeit genommen, die Stadt zu Fuß zu erlaufen.

Daher kenne ich ein paar der Tipps und Touren, die Matthias Kröner in seinem Städteführer Hamburg vorstellt, zumindest zum Teil.  Wer sich einen  Eindruck von der Hansestadt machen will, die durch Feuer und Bombenangriffe zerstört wurde, sollte vom Rathaus aus zum Jungfernstieg laufen und bei schönem Wetter dort auf den Freitreppen die Gegend genießen. Die Tour 4, die Kröner beschreibt, beginnt praktischerweise beim Hauptbahnhof und endet am Rathaus. Eine andere Tour führt durch die Speicherstadt und die HafenCity, auf der man an der erst kürzlich eröffneten Elbphilharmonie vorbeikommt. Von dort aus ist es nicht weit zum „Michel“, der Kirche St. Michaelis, die man auch spätabends besichtigen kann. Diesen als „Nachtmichel“ bekannten Tipp nehme ich auf meine Liste, bisher bin ich nur an dem Wahrzeichen Hamburgs vorbeigelaufen.

Neben den Touren durch die Stadt sind es vor allem die Tipps zum Einkaufen, Essen und Trinken oder den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Reiseführer  zu einem praktischen Helfer als Vorbereitung auf einen Städtetrip nach Hamburg machen. Das liegt nicht nur an den unterhaltsamen Sprache, sondern auch an den Tipps, die fernab von Klischees und Werbung eine echte Hilfestellung bieten. Abgerundet wird der handliche Führer durch einen herausnehmbaren Stadtplan und eine Übersicht über Busse und Bahnen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Matthias Kröner: Städteführer Hamburg MM-City, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink  beim Verlag bestellen.

Anthony McCarten: Licht

Die Zukunft – sie ist hell. Jedenfalls wenn man sich vor Augen hält, welchen Eindruck das erste elektrische Licht auf die Zeitgenossen gemacht haben muss und wie aufregend es war, zuzusehen wie Glühstrümpfe in Gaslampen durch elektrische Birnen ersetzt und wie Leitungen verlegt wurden. Jedenfalls empfindet das der Banker J.P. Morgan so, als er sein New Yorker Haus elektrifizieren lässt. Fassungslos und verblüfft reagieren die Gäste, als sie zu Silvester das für die damalige Zeit hypermoderne Haus besichtigen dürfen. Möglich gemacht hat das der geniale, schwerhörige Erfinder Thomas Alva Edison, der aber im Gegensatz zu Morgan nicht geschäftstüchtig ist.

„Er steckte das Buch unter den Arm und griff unwillkürlich hinter sich, um seine berühmteste Erfindung auszuschalten. Im Zimmer kehrte das Dunkel der Jahrhunderte wieder ein.“

Anthony McCarten lässt die Zeit zwischen der ersten Elektrifizierung in New York 1878 und 1929 (zwei Jahre vor Edisons Tod)  in seinem Roman „Licht“ lebendig werden, zusammen mit weiteren berühmten Namen wie Carnegie, Tesla und Vanderbilt. Dabei ist „Licht“ keine Biografie, sollte es nach den Worten von Anthony McCarten auch nie sein, wie er in den Nachbemerkungen schreibt. Er versucht vielmehr, Edison gerecht zu werden, indem er dessen Art, sich zu erinnern durch Vor- und Rückblenden darstellt. Das macht es dem Leser nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, zumal eine ganze Reihe an technischem Wissen ebenfalls vermittelt wird. Wer dran bleibt (und nicht allzu viel Zeit zwischen den Lesesitzungen verstreichen lässt), bekommt Einblick in eine Epoche, die die Welt für immer verändert hat.

Eine Anmerkung zum E-Book: Ich habe das Buch auf meinem Tolino gelesen, der beim erstmaligen Öffnen darauf hinwies, dass nicht alles korrekt dargestellt werden könne. Daher dachte ich,  die grauen Zahlen im Text seien eine Art Konvertierungsfehler – bis ich am Ende des Buches den Hinweis fand, dass die Seiten der Buchausgabe sind. Ob die manchmal verzögerte Reaktion des Tolinos auf irgendeine Weise damit zu tun hat, ist mir nicht klar.

 

Anthony McCarten: Licht, Diogenes, 24 Euro, E-Book: 20,99 Euro
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

#Bloggerliebe: Ach, Bloggen!

Es ist immer etwas merkwürdig, wenn ich Auskunft darüber geben soll, seit wann genau ich mit dem Bloggen angefangen habe. Merkwürdig deshalb, weil mein Zeitgefühl mich trügt und ich sehr genau überlegen muss, wann ich mit meinem ersten Blog angefangen habe. Sicher weiß ich, dass mein erster Blog damals schon DieBedra hieß und das Licht des Internets auf Googles Blogspot erblickte. Ich fand es damals praktisch, weil ich als Google-Nutzerin den Werkzeugkasten gleichsam bekommen, aber noch nicht geöffnet hatte. Das muss wohl irgendwann zwischen 2010 und 2011 gewesen sein, vielleicht auch ein oder zwei Jahre früher.  Der Name – „DieBedra“ stand von Anfang an fest, ich wollte die Verbindung zwischen meinem Blog und meinem Twitter-Account herstellen (der Name wiederum ist die fränkische Variante meines Vornamens und hat schon viele freudige Reaktionen ausgelöst).

„DieBedra“ war ursprünglich gedacht als eine Nerd-Blog, der sich mit allen möglichen Technik-Themen beschäftigen sollte, die ich beruflich schreibend nicht abdecken konnte und die auf jeden Fall eine sehr persönliche Färbung haben sollten.  Ich erinnere mich noch sehr genau, wie aufgeregt ich war, als ich den ersten Beitrag veröffentlichte. Und wie erstaunt, dass ich tatsächlich Reaktionen bekam. Freilich waren und sind das bis heute wenige im Vergleich zu größeren Blogs, aber für mich war es Ansporn genug, mich näher mit der Technik hinter dem Bloggen zu beschäftigen und zu merken, dass mir Blogspot zu umständlich war und mir gleichzeitig zu wenige Möglichkeiten bot. „WordPress musst Du nutzen“, sagten mir dann Leute, die wirklich eine Ahnung haben von Technik – verbunden mit dem Hinweis, dass ich damit keine Schwierigkeiten haben würde. DieBedra zog also um zu WordPress und ich änderte den Inhalt, schrieb weniger über Technik , dafür mehr über Filme und Bücher und über Benedict Cumberbatch, der mich dazu gebracht hat, meine Kenntnisse der englischen Sprache aufzufrischen, mehr in Englisch zu lesen – und zu schreiben.  Seit bald zwei Jahren hat DieBedra eine eigene URL und wieder hab ich gelernt, wie es ist, Inhalte mitzunehmen und worauf man beim Hosten achten muss (mein innerer Nerd war stolz).

Neben dem Spaß an der Technik ist natürlich der Spaß am Schreiben über das, was mir wichtig ist, geblieben. Und die durchweg netten und freundlichen Reaktionen von Lesern und (Twitter-)Followern, von denen ich einige im realen Leben kennenlernen durfte. „Deinem Urteil vertraue ich“, ist denn auch eine der schönsten Reaktionen, die ich bisher bekommen habe – und ein wunderbarer Ansporn weiterzumachen mit dem Bloggen.

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen der „#Bloggerliebe“ für Stefanie Leo entstanden.

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen

Gefühle und die Verwirrungen, die sie auslösen. Das ist das Thema unter dem sich Stefan Zweigs Erzählungen zusammenfassen lassen. Dabei muss es nicht einmal um die Gefühle gehen, die Erwachsene bewegen. In der 1911 erstmals erschienen Erzählung „Brennendes Geheimnis“ steht der zwölfjährige Edgar im Mittelpunkt, der zwar nicht mehr Kind sein will, aber merkt, dass er auch noch nicht erwachsen ist. Jedenfalls nicht so erwachsen, dass er den Avancen, die der Baron seiner Mutter macht, zwar als solche erkennt, aber anders begegnen kann als mit dem Trotz eines Kindes, das einen ersten Blick in die für ihn noch geheimnisvolle Welt der Erwachsenen wirft.

„Sein böses Schweigen zerriß wie eine Säure ihre gute Laune, sein Blick vergällte ihnen das Gespräch von den Lippen weg.“
(„Brennendes Geheimnis“)

Liegt der Schwerpunkt in „Brennendes Geheimnis“ mehr auf den Problemen, mit denen die Figuren in der realen Welt zurechtkommen müssen, so steht in „Die unsichtbare Sammlung“ die Welt im Mittelpunkt, die sich in der Vorstellungskraft abspielt. Ein alter, blinder Kunstsammler hat seine geliebten Grafiken so  sehr verinnerlicht, dass er jede genau beschreiben kann – ohne zu wissen, dass er sie gar nicht vor sich hat. Ganz ähnlich ist die Konstellation auch  in der „Schachnovelle“, vielleicht Stefan Zweigs berühmtestes Werk, in der das imaginäre Schachspiel das Leben eines Menschen  rettet und entscheidend verändert.

Die großen Erzählungen, die der dtv hier versammelt, sind eine Einladung, den Schriftsteller und Europäer Stefan Zweig (neu) zu entdecken. Aber Obacht! Dieses Entdecken bedeutet gleichzeitig auch ein Einlassen auf eine etwas bedächtige, ja altertümlich anmutende Sprache, die aber trotz ihres Alters nichts von ihrer Klarheit und Tiefe verloren hat.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Stefan Zweig: Die großen Erzählungen, dtv, 9,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Reiseführertipp: MM-City London

London ist so vielfältig und unerschöpflich wie die Zahl der erhältlichen Reiseführer, die scheinbar jede einzelne Ecke der Weltstadt an der Themse in ihre Bestandteile zerlegen und jedes Besucherbedürfnis befriedigen.  Wer ein handliches Buch sucht, das sich sowohl fürs Planen der Reise als auch für ein Schwelgen in Erinnerungen eignet (einen darauf hinweist, was man noch nicht gesehen hat und man demzufolge unbedingt bald wieder hin muss), der sollte dem „MM-City London“ von Ralf Nestmeyer eine Chance geben. Er bietet nicht nur insgesamt 18 Tourenvorschläge, mit deren Hilfe man Londons Stadtteile erlaufen kann und quasi im Vorbeigehen einiges über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erfährt. Man findet auch Hinweise darauf, wo man was essen oder einkaufen kann und wann welche Museen geöffnet haben. Dazu gibt es für den schnellen Überblick jeweils eine Karte, auf der der Tourenverlauf eingezeichnet ist. Zusätzlich hat der Reiseführer aber auch einen großen Stadtplan und eine Streckenkarte der Tube zum Herausnehmen.  Mit Hilfe von Verweisen innerhalb der Tourenbeschreibungen findet man sich leicht zurecht und kann die Ausgangspunkte der Erkundungstouren beispielsweise anhand von Tube-Haltestellen planen.

Oyster-Card und Stromadapter

Zusätzlich bietet Nestmeyer eine Fülle von nützlichen Informationen, die nicht nur für den ersten Londonbesuch hilfreich sind. Das reicht beispielsweise vom Tipp, eine Oyster-Karte für den Nahverkehr zu kaufen (was man auch vor Reiseantritt machen kann), sich einen kostenlosen Tube-Übersichtsplan an einer Station zu holen, über Hinweise zu Zimmerbezeichnungen für die Buchung (Double oder Twin beds) und Hoteltipps bis zur Erinnerung daran, dass man mindestens einen Stromadapter braucht, um Smartphone und Kamera an den britischen Zweistiftsteckdosen aufzuladen (und man auf den kleinen Schalter achten soll, der so eingestellt sein muss, dass ein roter Punkt sichtbar ist, damit Strom fließt).

Fazit: Der neu überarbeitete London-Führer ist absolut empfehlenswert. Zwar hat diese Neuauflage im Gegensatz zu einem seiner Vorgänger jetzt auch eine Web-App, die man über einen QR-Code laden kann und so schnell Zugriff auf Online-Karten erhält, die mit denen im Buch korrespondieren. Allerdings reicht das Buch meiner Ansicht nach vollkommen aus, vor allem wenn man wie ich ohnehin gerne über Google Maps navigiert.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ralf Nestmeyer: London, Michael-Müller-Verlag, 16,90 Euro, Neuauflage 2017. Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.

Der Reiseführer wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Mehr von mir über London gibt es hier

Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung

Nach einer durchdiskutierten Nacht ist es Zeit für die Wahrheit, für das, was der Vater wirklich in seinem Testament verfügt hat und für das, was die Geschwister wirklich wollen. Die vier Geschwister sind seit Jahren aus dem Haus in einem süddeutschen Provinzstädtchen ausgezogen und haben praktisch keine Verbindungen mehr hierher. Jakob arbeitet beim Fernsehen und wohnt in einem winzigen Zimmer in Paris. Der Aussteiger Uli hat den passenden Lebensstil für sich gefunden, während Joschi nichts mehr zu sein scheint als ein Landstreicher oder wie der Vater einmal gemeint hat „der berühmteste Studentenführer nach Dutschke“. Nur die Schwester Linda scheint ihr Leben im Griff zu haben, leitet ein Museum und ist die einzige, die sich um den gemeinsamen Vater gekümmert und ihn zumindest regelmäßig angerufen hat. Und dann ist da noch die Ungarin, die Linda nur „Hure“ nennt und die angeblich im Testament als Erbin eingesetzt ist.

„Die Auferstehung“ ist boshaft, witzig und unterhaltsam. Allerdings nur, wenn man sich auf Karl-Heinz Otts Stil einlässt und nicht auf schnelle, leichte Unterhaltung aus ist. Wer sich aber Zeit für das Buch nimmt, wird es nur ungern wieder aus der Hand legen wollen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung, dtv, 11.90 Euro
Das Buch wurde mit freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Sabine Appelt: König Heinz und Junker Jörg

Ein deutscher Mönch, der sich nicht um Autoritäten schert und eine mehr als direkte Sprache pflegt  – so beschreibt Sabine Appelt in ihrem Buch „König Heinz und Junker Jörg“ den Reformator Martin Luther. Doch was sich nach einer leicht lesbaren Biografie anhört, entpuppt sich spätestens nach einigen Kapiteln als eine nicht einfache Lektüre, die faktenschwer daherkommt und dem Leser volle Aufmerksamkeit abfordert. Wer also nach einem anstrengendem Arbeitstag nach Feierabend schnell ein paar Seiten über Martin Luthers Leben lesen möchte, ist bei diesem Buch falsch.

„Lausiger kleiner Klosterbruder“

Dabei schreibt Sabine Appelt keineswegs abgehoben. Mit zahlreichen Beispielen und Zitaten versucht die Germanistin die Zeit von Luthers Geburt im Jahr 1483 bis zum Tod des englische Königs Heinrich VIII 1547 lebendig werden zu lassen. Das gelingt ihr am besten mit direkten Auszügen aus den Schriften, die die beiden Männer verfasst haben und die sich mit nichts geringerem als dem Seelenheil beschäftigen. Und beide haben kein Blatt vor dem Mund genommen. Wie sonst könnte es sein, dass der Deutsche den Monarchen als „König Heinz“ bis hin zum „Lügenkönig“ bezeichnet hat, muss selbst für damalige deftige Sprachgewohnheiten eine Ungeheuerlichkeit gewesen sein. Freilich stand Heinrich VIII und die Autoren, die er im Laufe des Disputs mit einer Entgegnung beauftragt hat, dem in nichts nach. Thomas Morus, Staatsmann, humanistischer Autor und bis zu seiner Hinrichtung Vertrauter des Königs, antwortete in dessen Namen, vielleicht weil Heinrich nicht selbst auf die Unverschämtheiten Luthers antworten wollte. Morus wählt dafür eine umso kräftigere Sprache und bezeichnet Luther als einen „lausigen kleinen Klosterbruder“, „schmutziger als ein Schwein und dümmer als ein Esel“, der lediglich „mit seiner Frontseite das Hinterteil eines weiblichen Maultiers zu lecken“.

Fazit: Wer vielleicht schon mit einigem Vorwissen mehr über Martin Luther und seine Zeit erfahren will und bereit ist, sich das Buch und seinen Inhalt zu erarbeiten, der ist bei diesem Buch richtig.

 

Sabine Appelt: König Heinz und Junker Jörg, Theiss, 22,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Theiss-Verlag zur Verfügung gestellt.

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