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Schlagwort: Alan Rusbridger

Alan Rusbridger: Breaking News

Alan Rusbridger’s latest book “Breaking News” is an insight look into The Guardian as well as an insight look into  journalism itself – and it offers a glimpse inside the mind of an Editor-in-Chief in times when literally all newspaper are struggling for survival.

“Keep it short, keep it simple, write it in language you would use if you were telling your mum or dad.”

When Rusbridger left the Guardian after being its Editor-in-Chief for 20 years, he left an organisation heading towards a new age where the fear of shutting down the printing presses isn’t gone but has lost at least its fear that journalism would die with them. That is because Rusbridger isn’t only a brilliant writer but because he is guided by a decent, humble opinion about how journalism can survive in an age where fake news and mistrust in media and journalists is about to take over at least vast parts of social media. To understand Rusbridger’s thinking, you have to follow his career that started as a local journalist at the Cambridge Evening News, covering nothing but wedding reports. It was a time when journalists didn’t talk about business models (because they didn’t need to) but were aware of getting “the salient facts into the top of the story so, in haste, it could be cut from the bottom.” They lived (and local journalists still do) among the people on whom they reported. That closeness also bred respect and trust – Rusbridger considers as the most important values journalists (and their publishers) should hold dear.

To get along with the internet

Journalists and even Editors-in-Chief had to discover what that internet really was, where it lived (apparently somewhere in Silicon Valley) and how to they possibly could get along with it or “We were conquered” as  Rusbridger puts it, even if he, like most of his fellow journalists, had no idea what to make out of it, it was obvious that a  media organisation couldn’t ignore it. With the death of Lady Diana and later with 9/11, people were desperate to get information – if not by the Guardian, then from someone else. When the planes crashed into the World Trade Center, the internet couldn’t cope with the huge amount of visits on various websites. But like other websites (I remember vaguely that Süddeutsche Zeitung‘s site skipped pictures and went to text only), “The Guardian – with anxious tech developers sitting up all night – didn’t go dark.”

“We broke virtually no celebrity news or gossip. We tended to ignore people’s private lives. All this appeared – for our readers – to be a positive, not a negative.”

Maybe this was one of those moments, readers found The Guardian, liked it and came back. Not only for information from and about the UK but about world affairs and made it the leading serious newspaper English-language website in the world, made it “worthy”. Then readers came back for information about the Leveson inquiry into press standards and ethics and the Snowden revelations which won The Guardian the Pulitzer Prize for public service in 2014.

“Breaking News” is an inspiring and thrilling read for journalists who might find familiar thoughts and situations. For other readers it offers a brilliant read of journalism and media and how decent and serious information are made.

 

Alan Rusbridger: Breaking News – The remaking of journalism and why it matters now, Canongate, from £13.

You can find my blog entry about “Play it again” here.

Lesetipps für den Sommer

Die Ferienzeit ist nicht mehr weit, aber vielleicht braucht der ein oder andere ja jetzt schon etwas Lesestoff.

Meine neuesten Entdeckungen
Celeste Ng: “Was ich Euch nicht erzählte” (dtv, 19,90 Euro) und Graham Swift: “England und andere Stories”, über das ich schon geschrieben habe (dtv, 21,90 Euro). Celeste Ng (gesprochgen Ing) erzählt einen ungewöhnlichen Kriminalfall. Das Mädchen Lydia kommt eines Morgens nicht zum Frühstück, um einen neuen Tag zu beginnen, der für die Familie Lee im kleinbürgerlichen Ohio der 70er typisch ist. Denn Lydia wird von ihrer Mutter Marilyn darauf gedrillt, später Ärztin zu werden. Einen Wunsch, den sie sich selbst nie erfüllten konnte. Wie die Geschichte aufgelöst wird, ist ungewöhnlich und spannend erzählt.
John le Carré ist freilich kein Unbekannter. Ich habe es aber Tom Hiddleston und der BBC-Serie “The Nightmanager” zu verdanken, dass ich das gleichnamige Buch (“Der Nachtmanager”, Ullstein, 9,99 Euro, Original bei Penguin) und damit den Autor entdeckt habe. Der Roman erzählt die Geschichte von Jonathan Pine, dem Nachtmanager in einem Luxushotel, der zufällig von verdächtigen Transaktionen eines reichen Geschäftsmanns erfährt. Und dann kommen auch noch Menschen in Pines Nähe um.

William Shakespeare
Rechtzeitig zum 400. Todestag von William Shakespeare habe ich nach “Hamlet” im vergangenen Jahr  die Historien “Henry VI” & “Richard III” in den zweisprachigen Ausgaben des Verlags ars vivendi gelesen. Die Übersetzungen von Frank Günther sind modern, ohne zu modern zu sein und helfen über so manche Verstehenshürde hinweg, die Anmerkungen im Anhang tun ein Übriges.
Viel Wissenswertes über den englischen Dramatiker erzählt Frank Günther in “Unser Shakespeare” (dtv, 14,90 Euro) mit viel Kompetenz, aber auch mit viel Leichtigkeit.
Stephen Greenblatts “Will in der Welt – Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde” (Pantheon, 14,99 Euro) habe ich im englischen Original gelesen.  Mag sein, dass das Buch nicht streng wissenschaftlich und in vielem Spekulation ist. Mir hat es aber sehr gut gefallen, weil es mir den Menschen William Shakespeare näher gebracht hat.

Pflichtlektüre
Donna-Leon-Krimis sind für mich Pflichtlektüre und ich freue mich jeden Sommer auf den nächsten. In diesem Jahr ist es “Ewige Jugend” (Diogenes, 24 Euro), der für Fans wieder ein paar angenehme Stunden mit Guido Brunetti verspricht.

Ungewöhnliche Biografien
Dass der ehemalige Chefredakteur des “Guardian” schreiben kann, ist keine Überraschung. Dass Alan Rushbridger Klavier spielt, schon eher – zumal man sich auch als absoluter Musikdepp fragt, wie er es schafft, seinem enormen Arbeitspensum regelmäßige Übungszeiten abzuringen. In “Play it again – ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten” (Secession Verlag für Literatur, 25 Euro) beschreibt Rushbridger sein Ringen am Klavier, aber auch am Redaktionsschreibtisch und vermittelt die Überzeugung, dass man jeden Tag etwas für sich persönlich tun kann, wenn man es nur will.
James Rhodes ist ein ungewöhnlicher Pianist. Der Londoner kommt nicht nur in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen auf die Bühne. Er erklärt auch dem Publikum, was er spielen wird und warum und weshalb der Komponist ausgerechnet dieses Stück auf diese Weise geschrieben hat. In “Der Klang der Wut” (Verlag Nagel & Kimche AG , 22, 90 Euro, Original: “Instrumental” verarbeitet er seine unfassbare Erlebnisse als Junge. Er wurde mehrfach vergewaltigt und ist sicher, dass er nur dank seiner Liebe zur klassischen Musik überlebte. Wer eine feinsinnige Abhandlung erwartet, sei gewarnt. James Rhodes schreibt so direkt, wie er twittert, wer kann, sollte dem Original eine Chance geben.

Bücher meines Jahres

Zum dritten Mal ziehe ich Buch-Bilanz (zum ersten Mal auf meiner eigenen Url) und wie auch schon in den Jahren 2013 und 2014 ist das Ganze wieder zutiefst subjektiv und bar jeglichen feuilletonistischen Anspruchs.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe ich heuer vier Bücher weniger gelesen, was vielleicht daran liegt, dass ich William Shakespeare’s Hamlet mindestens zweimal ganz und ein paar Stellen mehrfach nachgelesen habe – auf Deutsch und auf Englisch – als Vorbereitung auf den Besuch des Stücks im Londoner Barbican mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle.

Meine Bilanz sieht demnach so aus:

Gesamt: 34
Deutsch: 17
Englisch: 17
Kindle/Tablet: 3. (Mit Tablet meine ich, dass ich die Bücher bei Google gekauft und in der App auf meinem N7 gelesen habe – einfach deshalb, weil eines der Bücher dort früher erhältlich war und weil ich die App sehr schön gemacht finde. Mein Kindle ist ein mittlerweile vier Jahre alter Kindle Keyboard.)

Von den gelesenen empfehle ich diese Bücher:

Ian McEwan
Black Dogs, Atonement, Inbetween the Sheets, On Chesil Beach: IanMcEwan ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, der es schafft, selbst banalste Geschichten spannend und mit völlig überraschenden Wendungen zu erzählen. Auf Deutsch sind seine Werke mit durchwegs sehr guten Übersetzungen bei Diogenes erschienen.

Lukas Hartmann
Auch von Lukas Hartmann habe ich schon einiges gelesen und mag seinen Stil. Heuer waren es “Abschied von Sansibar” (das ich schon mal gelesen habe, aber das Buch nicht mehr finden konnte) und sein neuestes Buch “Auf beiden Seiten”. Eine Geschichte aus der Zeit kurz vor und nach dem Mauerfall. Hartmanns Bücher sind ebenfalls bei Diogenes erschienen, darunter auch Kinder- und Jugendbücher. Eines davon, “AnnA”, hat mir besonders gut gefallen.

Donna Leon
Ich bin bekennender Guido-Brunetti-Fan, daher habe ich alle Fälle des Commissario gelesen. Diese Jahr gab es mit “Tod zwischen den Zeilen” und “Endlich mein” gleich zwei neue Bücher, die wie alle anderen ebenfalls bei Diogenes erschienen sind.

Alan Rusbridger
Der Ex-Chefredakteur des “Guardian” beschreibt in “Play it Again– an amateur against the impossible”  (Deutsch: Play it Again – Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten”, Secession-Verlag) wie er versucht, trotz seiner stressigen Arbeit Zeit fürs Klavierspielen zu finden. Ein sehr privates Buch, das daran erinnert, dass man Zeit für etwas finden kann, wenn man nur will.

James Rhodes
Wer mit klassischer Musik nichts anfangen kann, sollte dem britischen Pianisten James Rhodes eine Chance geben und einer Auswahl seiner Stücke auf Soundcloud anhören. Und sein biografischen Buch “Instrumental: Violence, music and love” lesen – oder zumindest die deutschsprachige Ausgabe “Der Klang der Wut – Wie die Musik mich am leben hielt” (Nagel&Kimche), die im Februar 2016 erscheinen wird, auf seine Leseliste setzen. In dem Buch, das in Großbritannien erst nach einem Gerichtsverfahren erscheinen durfte, schreibt James  über seine Kindheit, in der er über Jahre vergewaltigt wurde, seine Zeit in der Psychiatrie und darüber, das Musik, klassische Musik, sein Leben gerettet hat. Es ist zutiefst erschütternd, gleichzeitig aber auch witzig und sehr direkt geschrieben. Wer James auf Twitter folgt, wird den Stil wiedererkennen.

Sherlock-Holmes-Pastiches
Anthony Horowitz’ “Moriarty” (deutsch: “Der Fall Moriarty”) ist ganz im Stile Arthur Conan Doyles geschrieben. Allerdings hat mir “Das Geheimnis des weißen Bandes” (Beide Insel) besser gefallen.
Nur etwas für echte Sherlock-Holmes-Fans ist “Sherlockian” von Graham Moore.  Der Autor, der das Drehbuch zu “The Imitation Game” geschrieben hat, taucht hier sehr tief in die Welt des großen Detektivs ein. Eine deutsche Ausgabe habe ich bisher nicht gefunden.

Neuentdeckt
Angharad Price: “Das Leben der Rebecca Jones” ist ursprünglich auf Walisisch erschienen und wurde vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ein Glück, denn die Geschichte ist wunderbar erzählt und hat ein völlig überraschendes Ende.
Anthony Doerr: “Alles Licht, das wir nicht sehen” ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die man nicht weglegen möchte und die einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Donna Tartt: “The Secret History” (Deutsch: Die geheime Geschichte, Goldmann) spielt an einem  College in Neuengland, an dem es scheinbar nur um alte Sprachen und Literatur geht. Netter Nebeneffekt: Die Hauptfigur erinnert an Sherlock Holmes.

Zum Immer-Wieder-in-die-Hand-nehmen:
Shaun Usher: Letters of Note II – eine Sammlung von Briefen, die ganz unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben haben und die zum Teil als Faksimile abgedruckt sind. Der erste Teil “Letters of Note – Bücher, die die Welt bedeuten” ist auch auf Deutsch erschienen. Mehr über die unterschiedlichen Ausgaben des Buchs und über das Projekt “Unbound”, auf dessen Seite man Bücher crowdfunden kann, gibt es hier (auf Englisch).

Alan Rusbridger: Play it again

It doesn’t sound that much: twenty minutes a day for playing the piano. But it becomes a real struggle to sit down every morning and try to learn Chopin’s Ballade No. 1 within a year and perform it in front of an audience when you are Alan Rusbridger, then editor in chief of the Guardian at a time when news seem to be breaking for weeks on end.

The book - with yellow labels and a book mark. Photo: Petra Breunig

The book – with yellow labels and a bookmark. Photo: Petra Breunig

But he manages to squeeze practising the piano into his incredible schedule most of the time even when there are such topics as the publishing of the WikiLeaks files and the hacking scandal of “News of the World” that hit every news all over the world, and everything in between from meetings and conferences to editing a newspaper with working days that end in the early hours of the next day. So what seems to be insane is in fact very healthy for the brain and the body as a whole because while playing the piano, the brain has to concentrate on the very moment, the keyboard, the fingers, the notes so that everything else is shut out. “With other people it’s yoga, or a run or a burst in the gym. Twenty minutes on the piano have the same effect for me,” writes Alan – twenty minutes as a preparation for another stressful day.

“I gave fifteen reasons why Twitter is such an astonishing medium for journalists (…) and why senior executives in media companies who don’t ‘get it’ shouldn’t be in a job.”

So “Play it again” is of course a book about music, about learning to play a piece with a lot of specific terms that sound like a foreign language for ignorants like myself but this isn’t a reason to stop reading because  the moment you start the book you are hooked by the story that is just wonderfully written, full of inside views of Rusbridger’s work, his views and how he comes to term with them but without any arrogance others might have shown when learning that “News of the World” is about to be shut down: “It’s one of the most dramatic moments I can remember as an editor. (…) It’s a hold-the-front-page, stop-the-presses, stop-the clocks, stop-everything scoop. The history of newspapers has just been rewritten.”

“Should I ever make a book out of my endeavour with the Ballade, I resolve, I’ve at least got the title: ‘Play it again’. (…) The journalist in me also likes the fact that it’s a misquote. Bogart never said it.”

And  “Play it again” is also about Rusbridger’s struggle with the music, his doubts about his abilities to get the notes right or remember them at all and it is an inspiration for those of us who always want to go for a run, a swim or just reading a book instead of being bored by telly. They can do it. We all can.

 

Alan Rusbridger: Play it again  – An amateur against the impossible, Vintage Books, £10,99
Deutsch: Play it again – Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten, Secession-Verlag, 25 Euro.

 

 

 

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