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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Schlagwort: Bücher (Seite 1 von 2)

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. „Der Ruf des Kuckucks“ ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  „Die Schachnovelle“ enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Bücher meines Jahres 2016

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen  und zu schauen, welche Bücher ich in diesem Jahr gelesen habe. Meine ganz persönliche Statistik zeigt, dass ich 2016 fünf Bücher mehr gelesen habe als im Vorjahr, was vielleicht daran liegt, dass ich die vergleichsweise kurzen Stücke von William Shakespeare gelesen habe. Erstmals habe ich auch mehr Bücher auf Englisch als auf Deutsch gelesen – auch daran ist der große englische Dramatiker schuld und ein neuer Detektiv, den ich für mich entdeckt habe.

Meine Bilanz:
Gesamt: 39 Bücher
Englisch: 21
Deutsch: 18
E-Books: 4 – neben dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Kindle und meinem treuen N7 habe ich mittlerweile auch einen Tolino

Klare Leseempfehlungen gebe ich für diese Bücher. Aber Obacht: Bei meiner Auswahl habe ich weder Wert auf neue Bücher noch auf sogenannte wertvolle Lektüre wert gelegt:

Alte Freunde:
Henning Mankell: „Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein“ und „Die schwedischen Gummistiefel“ (beide bei Zsolnay erschienen) sind keine leichte Unterhaltung. In beiden geht es um das Altern, das Älterwerden und den Verlust von Freunden, aber auch von Fähigkeiten, die mit dem Verfall des Körpers einhergehen. Beide Bücher sind Mankells Vermächtnis und weder tieftraurig noch anklagend. Wer Mankell mag, muss sie lesen.

Ian McEwan: „Nussschale“ („Nutshell“). In seinem jüngsten Roman lässt der englische Schriftsteller ein ungeborenes Baby das Geschehen außerhalb des Mutterleibs kommentieren. Und das ist schockierend, witzig und niemals langweilig. Die wunderbare deutsche Übersetzung ist im Diogenes-Verlag erschienen.

Entdeckungen:
Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes)  ist für mich meine persönliche Entdeckung des Jahres 2016. Die Geschichte um drei Geschwister, die behütet aufwachsen und nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern mit einer völlig anderen Situation zurechtkommen müssen. Wells erzählt eigentlich eine alltägliche Geschichte.  Aber er tut das ganz wunderbar.

Robert Galbraith: „Der Ruf des Kuckucks“ („The Cuckoo’s Calling“), „Der Seidenspinner“ (The Silkworm), „Die Ernte des Bösen“ („Career of Evil“). Die drei Romane um den Privatdetektiv Cormoran Strike haben das, was man von guten Krimis erwartet: Spannung, Humor und Figuren, die eine Vergangenheit haben und sich im Verlauf der Geschichte entwickeln. Und Londonfans können die Wege auf der Stadtplan verfolgen. Ich habe die Bücher auf Englisch gelesen. Die deutschen Ausgaben sind bei Blanvalet erschienen. Die BBC verfilmt die Bücher gerade mit Tom Burke als Cormoran Strike.

William Shakespeare:
Wahre historische Hintergründe, Mord, Intrigen, Liebe, Hass und Humor – wer das gerne liest, sollte William Shakespeare eine Chance geben. Ich habe in diesem Jahr die drei Teile von „Henry VI“ und „Richard III“ gelesen. Wer öfter hier reinschaut oder mir auf Twitter folgt, weiß, dass mein Lieblingsschauspieler Benedict Cumberbatch als „Richard III“ seine bisher beste schauspielerische Leistung abgeliefert hat. Die Dramen sind in einer zweisprachigen Ausgabe bei Ars Vivendi und dtv erschienen. Die BBC-Verfilmungen sind als DVDs erhältlich, allerdings ist Richard III (als Teil der Hollow-Crown-Serie) nur auf Englisch mit englischen Untertiteln erhältlich.

 

Bücher für Weihnachten

Ach je. Bücher für Weihnachten, also Bücher als Weihnachtsgeschenke. Ich sehe schon, wie die ersten mit den Augen rollen und denken: „Auch das noch.“ Denn beim Lesen all dieser Bücherlisten – so finde ich jedenfalls – kommt man sich immer dumm und ungebildet vor, weil man von den meisten der vorgeschlagenen Bücher weder etwas gehört hat noch den Autor kennt (das gilt auch für Autorinnen, ich weigere mich aber jegliche Form der Genderisierung zu schreiben). Also, welche Bücher sollte man denn nun verschenken? Nur die, die einen selbst gefallen haben. Das ist mein Prinzip, nach dem ich im Gedanken durchgehe, wer sich über welche Lektüre am meisten freuen würde.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: „Der Ruf des Kuckucks“ (Blanvalet Verlag, 9,99 Euro) ist der erste von drei Bänden, in denen der Privatdetektiv Cormoran Strike Fälle löst, versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen und dabei durch die Straßen Londons humpelt. Strike wurde im Afghanistan-Krieg (wer mag, kann darin einen Hinweis auf Arthur Conan Doyles John Watson lesen) so schwer verwundet, dass er seither auf eine Unterschenkelprothese angewiesen ist, um einigermaßen gehen zu können. Robert Galbraith – das Pseudonym von Joanne K. Rowling – schreibt so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte und erinnert im Stil an traditionelle Krimis, die ohne große Action auskommen und stattdessen mehr auf Taktik und Überlegung setzen.

Für Traditionalisten:
Siegfried Lenz: „Schweigeminute“ (dtv , 7,90 Euro). Wer den Film, der kürzlich im ZDF lief, gesehen hat, sollte unbedingt die Novelle lesen. Denn in diesem Alterswerk des Autors wird so viel mehr erzählt und verdeutlicht, wie es in einem Film nie möglich ist. Denn vieles, was der Schüler Christian, der mit seiner Englischlehrerin Stella ein Liebesverhältnis hat, spielt sich gedanklich nur im Kopf des Jugendlichen und Ich-Erzählers ab. Ausgangspunkt ist die titelgebende Schweigeminute, bei der Beerdigung Stellas, die bei einem Schiffsunfall so schwer verletzt wird, dass sie an den Verletzungen stirbt.

Für Liebhaber englischer Literatur:
Ian McEwan: „Nussschale“ (Diogenes, 22 Euro) ist das jüngste Werk des britischen Autors, der seine Geschichte dieses Mal aus der Sicht eines ungeborenen Kindes erzählt.

Für Entdecker:
James Rhodes: „Der Klang der Wut“ (Nagel & Klimche, 22,90 Euro) ist, wie es James selbst sagen würde, ein Buch über Musik. Aber es ist auch die schreckliche Geschichte eines kleinen Jungen, eben James Rhodes, der fünf Jahre lang vergewaltigt wurde und der nur überlebte, weil er klassische Musik hört. Wer mag, sollte das Buch im Original lesen („Instrumental“, Canongate, ca. 10 Euro), nicht um mit seinen Englisch-Kenntnissen anzugeben, sondern weil James‘ Stil im Deutschen nur schwer erkennbar ist.  Heute ist James Rhodes ein erfolgreicher Pianist, dessen Konzerte genauso ungewöhnlich sind, wie sein Tweets.

Für Liebhaber von Briefen:
Petra Müller, Rainer Wieland (Hg): „Schreiben Sie mir oder ich sterbe“ (Random House, 3 CDs, ca. 20 Euro): Hörbücher sind nicht jedermanns Sache. Man muss sich reinhören und konzentrieren, damit man nicht den Faden der Geschichte verliert. Praktisch sind aber kleinere Stücke, die man zwischendurch hören kann, wie diese Sammlung von Liebesbriefen berühmter Menschen.

Buchpassion: Lesend Welten entdecken

Bücher. Ich weiß nicht, ob es jemals eine Zeit gab, in der Bücher nicht für mich wichtig waren. Sobald ich lesen konnte und einen Leseausweis für die örtliche Bücherei hatte, gab es für mich nichts Schöneres als ganze Nachmittage zu verlesen, mich in immer wieder neue Geschichten und Figuren zu verlieren. Auch heute noch ist ein gutes Buch immer noch etwas, das es mit jedem Film aufnehmen kann. Jedenfalls für mich.

Faszination Lesen

Woher dieses Leidenschaft kommt, weiß ich nicht genau. Vielleicht war es das Lesen an sich, also die Fertigkeit, aus Zeichen Worte zu formen und sie zu verstehen. Denn seltsamerweise kann ich mich genau an das Gefühl erinnern, als Worte nur schwarzes Gekritzele in einem Buch waren. Es gibt sogar ein Buch, in dem ich –  noch des Lesens unkundig – die Leerstellen nach Absätzen mit unsicheren Kuli-Linien  bis zum Seitenrand füllte. Offenbar war es für mich vollkommen unverständlich, weshalb die schwarzen Zeichen einfach aufhörten. Als  aus den schwarzen Flecken Buchstaben, Wörter, Sätze und schließlich eine ganze Geschichte wurden,  war ich der Faszination Lesen erlegen und bin es bis heute.

Freilich hat sich meine Leidenschaft im Laufe der Zeit verändert. Ich habe mal mehr, mal weniger gelesen. Es kamen neue Autoren hinzu, während andere aus meinem Buchleben verschwanden. Gleichzeitig habe ich begonnen, mich für Technik und das Internet zu interessieren. Irgendwann legte ich meinen ersten Blog an, es entstand mein erster Blogeintrag und es kam ein Kindle, später ein Tablet hinzu (der neueste Zuwachs ist ein Tolino). Nach und nach habe ich wieder begonnen, Englisch zu lesen und zu schreiben, zuerst zaghaft auf Twitter, dann auf meinem Blog, zuerst über meine Lieblingsserie „Sherlock“ und dessen Hauptdarsteller  Benedict Cumberbatch, dann über Bücher, auch über die,  die ich auf Englisch gelesen hatte – irgendwie fällt es mir leichter in der Sprache zu schreiben, in der ich die Bücher gelesen habe.

Eines ist aber über all die Jahre gleich geblieben: Lesend Neues entdecken, die Welt um mich herum völlig vergessen und nach Stunden wieder aus dem Buch auftauchen (wobei es nicht immer Belletristik sein muss, die ich spannend finde) und der Wunsch, das nächste Buch anzufangen.

Bücher meines Jahres

Zum dritten Mal ziehe ich Buch-Bilanz (zum ersten Mal auf meiner eigenen Url) und wie auch schon in den Jahren 2013 und 2014 ist das Ganze wieder zutiefst subjektiv und bar jeglichen feuilletonistischen Anspruchs.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe ich heuer vier Bücher weniger gelesen, was vielleicht daran liegt, dass ich William Shakespeare’s Hamlet mindestens zweimal ganz und ein paar Stellen mehrfach nachgelesen habe – auf Deutsch und auf Englisch – als Vorbereitung auf den Besuch des Stücks im Londoner Barbican mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle.

Meine Bilanz sieht demnach so aus:

Gesamt: 34
Deutsch: 17
Englisch: 17
Kindle/Tablet: 3. (Mit Tablet meine ich, dass ich die Bücher bei Google gekauft und in der App auf meinem N7 gelesen habe – einfach deshalb, weil eines der Bücher dort früher erhältlich war und weil ich die App sehr schön gemacht finde. Mein Kindle ist ein mittlerweile vier Jahre alter Kindle Keyboard.)

Von den gelesenen empfehle ich diese Bücher:

Ian McEwan
Black Dogs, Atonement, Inbetween the Sheets, On Chesil Beach: IanMcEwan ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, der es schafft, selbst banalste Geschichten spannend und mit völlig überraschenden Wendungen zu erzählen. Auf Deutsch sind seine Werke mit durchwegs sehr guten Übersetzungen bei Diogenes erschienen.

Lukas Hartmann
Auch von Lukas Hartmann habe ich schon einiges gelesen und mag seinen Stil. Heuer waren es „Abschied von Sansibar“ (das ich schon mal gelesen habe, aber das Buch nicht mehr finden konnte) und sein neuestes Buch „Auf beiden Seiten“. Eine Geschichte aus der Zeit kurz vor und nach dem Mauerfall. Hartmanns Bücher sind ebenfalls bei Diogenes erschienen, darunter auch Kinder- und Jugendbücher. Eines davon, „AnnA“, hat mir besonders gut gefallen.

Donna Leon
Ich bin bekennender Guido-Brunetti-Fan, daher habe ich alle Fälle des Commissario gelesen. Diese Jahr gab es mit „Tod zwischen den Zeilen“ und „Endlich mein“ gleich zwei neue Bücher, die wie alle anderen ebenfalls bei Diogenes erschienen sind.

Alan Rusbridger
Der Ex-Chefredakteur des „Guardian“ beschreibt in „Play it Again– an amateur against the impossible“  (Deutsch: Play it Again – Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten“, Secession-Verlag) wie er versucht, trotz seiner stressigen Arbeit Zeit fürs Klavierspielen zu finden. Ein sehr privates Buch, das daran erinnert, dass man Zeit für etwas finden kann, wenn man nur will.

James Rhodes
Wer mit klassischer Musik nichts anfangen kann, sollte dem britischen Pianisten James Rhodes eine Chance geben und einer Auswahl seiner Stücke auf Soundcloud anhören. Und sein biografischen Buch „Instrumental: Violence, music and love“ lesen – oder zumindest die deutschsprachige Ausgabe „Der Klang der Wut – Wie die Musik mich am leben hielt“ (Nagel&Kimche), die im Februar 2016 erscheinen wird, auf seine Leseliste setzen. In dem Buch, das in Großbritannien erst nach einem Gerichtsverfahren erscheinen durfte, schreibt James  über seine Kindheit, in der er über Jahre vergewaltigt wurde, seine Zeit in der Psychiatrie und darüber, das Musik, klassische Musik, sein Leben gerettet hat. Es ist zutiefst erschütternd, gleichzeitig aber auch witzig und sehr direkt geschrieben. Wer James auf Twitter folgt, wird den Stil wiedererkennen.

Sherlock-Holmes-Pastiches
Anthony Horowitz‘ „Moriarty“ (deutsch: „Der Fall Moriarty“) ist ganz im Stile Arthur Conan Doyles geschrieben. Allerdings hat mir „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (Beide Insel) besser gefallen.
Nur etwas für echte Sherlock-Holmes-Fans ist „Sherlockian“ von Graham Moore.  Der Autor, der das Drehbuch zu „The Imitation Game“ geschrieben hat, taucht hier sehr tief in die Welt des großen Detektivs ein. Eine deutsche Ausgabe habe ich bisher nicht gefunden.

Neuentdeckt
Angharad Price: „Das Leben der Rebecca Jones“ ist ursprünglich auf Walisisch erschienen und wurde vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ein Glück, denn die Geschichte ist wunderbar erzählt und hat ein völlig überraschendes Ende.
Anthony Doerr: „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die man nicht weglegen möchte und die einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Donna Tartt: „The Secret History“ (Deutsch: Die geheime Geschichte, Goldmann) spielt an einem  College in Neuengland, an dem es scheinbar nur um alte Sprachen und Literatur geht. Netter Nebeneffekt: Die Hauptfigur erinnert an Sherlock Holmes.

Zum Immer-Wieder-in-die-Hand-nehmen:
Shaun Usher: Letters of Note II – eine Sammlung von Briefen, die ganz unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben haben und die zum Teil als Faksimile abgedruckt sind. Der erste Teil „Letters of Note – Bücher, die die Welt bedeuten“ ist auch auf Deutsch erschienen. Mehr über die unterschiedlichen Ausgaben des Buchs und über das Projekt „Unbound“, auf dessen Seite man Bücher crowdfunden kann, gibt es hier (auf Englisch).

Lesetipps für den Sommer

Sommerferien und Jahresurlaub sind nicht mehr weit – Zeit, sich mit Büchern für die freien Tage einzudecken. Wie wäre es hiermit?

Seit ich den britischen Schriftsteller Ian McEwan für mich entdeckt habe, bin ich von seinem Können begeistert. Genauso angenehm ist es, die wirklich guten Übersetzungen seiner Werke bei Diogenes zu lesen. „Der Trost von Fremden“ („Comfort of Strangers“) und das neueste Buch  „Kindeswohl“ habe ich erst kürzlich gelesen und zur englischen Ausgabe „Children’s Act“ hier geschrieben. Die deutsche Fassungen sind bei Diogenes erschienen und kosten 9,99 Euro, bzw. 21,99 Euro.

Zum Augenausheulen ist John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (The Fault in our stars), dtv, 9,95 Euro, die Vorlage für den gleichnamigen Film.

Angharad Price nimmt den Leser in „Das Leben der Rebecca Jones“ (dtv, 18,90 Euro) mit in eine kleines Tal in Wales zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts und lässt uns teilhaben am bäuerlichen Leben einer Familie, das in seiner Alltäglichkeit umso faszinierender ist. Die deutsche Übersetzung hat die englische Version als Grundlage, die wiederum von der Autorin selbst aus dem Walisischen übersetzt wurde.

Dass mir der Name John Williams nicht geläufig war, habe ich erst gemerkt, als ich in ihm den Autoren von „Stoner“ erkannt habe. Dann allerdings war klar, dass ich „Butcher’s Crossing“  (dtv, 21,90 Euro) lesen musste, auch wenn es eines dieser Bücher ist, auf das man sich einlassen muss. Tut man es, bekommt man ein wunderbares Leseerlebnis.

Wie immer ist Sommerzeit auch Zeit für einen neuen Brunetti. Heuer heißt er  „Tod zwischen den Zeilen“ Diogenes, 23,90 Euro und ist meiner Ansicht nach einer der besten, die Donna Leon in dieser Reihe geschrieben hat.
Noch nicht auf Deutsch erhältlich ist die wunderbare Briefesammlung, die Simon Garfield mit „My dear Bessie“ vorgelegt hat (Canongate Books, ca 10,95 Euro). Die Briefe erzählen die wahre Geschichte von Chris Barker and Bessie Moore, die sich während des Zweiten Weltkriegs lieben lernten, obwohl sie sich zunächst nur aus Briefen näher kannten.

Ebenfalls nur im englischen Original erhältlich ist James Rhodes: Instrumental (Canongate, ca 18 Euro/17 £). Der britische Pianist erzählt, wie er als Kind mehrfach vergewaltigt wurde, was das für sein weiteres Leben bedeutet und wie ihm Musik dabei geholfen hat, diese schrecklichen Erlebnisse zu überwinden. Trotz der erschütternden Bekenntnisse ist „Instrumental“ witzig und lesenswert.

 

Tipp: Wer englischsprachige Bücher online bestellen will und eine Alternative zu Amazon sucht, sollte es mit Book Depository versuchen.

Schattenspringer – Wie von einem andern Stern

Ach! Das geht mir auch manchmal so, dass ich mich fühle als käme ich von einem fremden Planeten. Geben wir es zu: diese Reaktion hatte schon fast jeder einmal, wenn man gerade (Situation einsetzen) auf (Personen einsetzen) traf und sich letztlich auf nichts einigen konnte, weil man sich einfach aneinander vorbeigeredet hat.

Doch für Daniela Schreiter ist dieses Irgendwie-Fremd-Sein Alltag, denn sie hat Asperger-Syndrom und muss sich vieles erkämpfen, was für normale, gesunde Menschen mit keinem oder nur sehr geringem Aufwand verbunden ist. Wie sie ihr Leben meistert –  den Abschnitt von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter zeichnet sie im Comic „Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein“.

Und sie tut das umwerfend direkt, komisch, alles andere als rührselig und mit liebevoll gezeichneten Szenen, dass auch Leser, die sonst nicht zum Comic greifen, hier eine Ausnahme machen sollten. Es lohnt sich.

Screenshot: Petra Breunig

Eine Seite aus dem Comic „Schattenspringer“. Dieser Screenshot stammt aus der Kindle-Ausgabe. Screenshot: pb

Daniela Schreiter: Schattenspringer, Panini, 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro

Bücher meines Jahres

Es ist wieder soweit. Das Jahr ist fast zu Ende – Zeit also für meine persönliche Lesebilanz des Jahres. Die wie auch schon im vergangenen Jahr völlig subjektiv ist.

Dass ich in 2014 mehr Bücher gelesen habe (37 statt 34 im vergangenen Jahr), liegt vielleicht daran, dass weniger dicke Schmöker dabei waren.
Gesamt: 38
E-Books: 7
Normale Bücher: 30
Englische: 17

Gelesen habe ich:

Edward St Aubyn:

Never Mind, Bad News, Some Hope, Mother’s Milk, At last, sowie Lost for Words – mein neuentdeckter Autor, dessen Themen nicht immer einfach sind, aber immer wunderbar geschrieben. Seine Bücher sind auch auf Deutsch erhältlich.

Neil Gaiman

Niemalsland, Der Ozean am Ende der Straße:
Beides sind Märchen für Erwachsene, die in fantastische Welten entführen, die gar nicht mal so weit weg von der realen Welt sind.
Ein liebevolles Märchen ist auch das E-Book „Hannah Halblicht“ von Stefan Reinmann. Es ist auf allen gängigen Plattformen erhältlich.

Zu Alan Turing/ Enigma:

Robert Harris: Enigma; Sinclair McKay: The Secret Life of Bletchley Park, Fergus Mason: The tragic life of Alan Turing

Ian McEwan:

Der britische Autor schreibt nicht nur wunderbar. Seine bei Diogenes auf Deutsch erhältlichen Bücher sind auch ein gutes Beispiel dafür, dass eine Übersetzung dem Original gerecht werden kann.
Unschuldige
The Children Act (wird im Januar bei Diogenes auf Deutsch erscheinen und „Kindeswohl“ heißen)
The Comfort of Strangers

Ken Follett: Kinder der Freiheit

Der letzte Teil der Trilogie um mehrere Familien, deren Geschichte auch die Europas ist. Leider ist die Übersetzung holprig und schadet dem Lesevergnügen.

Max Frisch:

Aus dem Berliner Journal – meine ausführlichere Besprechung gibt es hier.

Shaun Usher: Letters of Note

ist ein Buch, das man trotz seines Gewichts gerne zur Hand nimmt und sich in die Intimität des Briefeschreibens entführen lässt. Mittlerweile ist auch eine deutsche Übersetzung unter dem Titel „Briefe, die die Welt bedeuten“ erschienen. Meine englische Besprechung gibt es hier.

Sherlock Holmes

Natürlich mussten es auch in diesem Jahr wieder Bücher über und mit dem großen Detektiv sein.
Sir Arthur Conan Doyle: Das Zeichen der Vier (bei Diogenes)
Mitch Cullin: A Slight Trick of the Mind – eine liebevolle Hommage, von der ich (noch) keine deutsche Übersetzung gefunden habe. Meinen Tipp gibt es auf Deutsch und Englisch.
Sherlock Holmes – The Man who has never lived and will never die ist das Begleitbuch zur Sherlock-Holmes-Ausstellung im Museum of London und zeigt viel mehr als „nur“ Sherlock Holmes.
Sherlock Chronicles – ein Muss für Sherlock-Fans

Klassiker:

William Shakespeare: Henry V, Hamlet, Richard III.
Wirklich nicht neu, aber neuentdeckt mit den liebevollen zweisprachigen Ausgaben, die bei Ars Vivendi erschienen sind. Wer sparen möchte und nicht unbedingt ein druckfrisches Buch haben muss, kann sie auch antiquarisch kaufen. Ich bin bei booklooker.de fündig geworden.

Franz Kafka

Saul Friedländers Biografie ist eine gute Einführung in Werk und Leben des Schriftstellers.

Gut unterhalten fühlte ich mich mit:

John Green: The Fault in our Stars (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) – ist einfach nur zum Heulen schön.
David Grann: Die versunkene Stadt Z – auf der Suche nach einer Stadt und einem Forscher
Donna Leon: Das goldene Ei – der alljährliche Guido-Brunetti-Fall
Ingrid Noll: Hab und Gier – gut, aber es gibt bessere Romane der Autorin
Bernhard Schlink: Die Frau auf der Treppe – typisch guter Bernhard Schlink
Chris Chibnall/ Erin Kelly: Der Mörder ist unter uns – ist das Buch zur britischen Fernsehserie „Broadchurch“ und mindestens genauso spannend.
Dave Eggers: Der Circle – so könnte die Arbeit bei Google aussehen.
Donna Tartt: The Goldfinch (Der Distelfink) – gut, aber mit Längen
Saskia Goldschmidt: Die Glücksfabrik – die Geschichte einer Pharmafabrik vor dem Hintergrund des Dritten Reichs.
Alan Bennett: Leben wie andere Leute – der Autor blickt auf das eigene Leben zurück.

Lesetipps für den Sommer

Sommerzeit ist Ferienzeit und damit auch Lesezeit – wie wäre es mit einem von diesen Büchern?

Ian McEwan: Abbitte
Dieser Roman passt wunderbar zu heißen Tagen, die man unterm Sonnenschirm ver-lesen kann. Die Fantasien einer 13-Jährigen und deren Auswirkungen auf ihre Umgebung und sie selbst sind erschütternd und einfach guter, spannender Lesestoff. Wer mehr von dem britischen Autor lesen will, findet bei Diogenes eine große Auswahl seiner Werke.

 

Max Frisch: Montauk und Homo Faber
Mag sein, dass der ein oder andere mit Max Frisch in der Schule gequält worden ist. Ich liebe seinen Stil und seine Geschichten immer noch. Empfehlenswert sind sie alle, Montauk und Homo Faber sind zwar relativ kurz, aber nicht weniger lesenswert.

 

Edward St Aubyn: The Melrose Novels
Die Geschichte der Melrose-Familie ist so erbarmungslos wie komisch und trotz der insgesamt fünf Bände (Schöne Verhältnisse, Schlechte Neuigkeiten, Nette Aussichten, Muttermilch, Zu guter Letzt) alles andere als langweilig. Wer die Romane im englischen Original lesen möchte, sollte zu diesen Ausgaben greifen.

 

Mitch Cullin: A Slight Trick of the Mind
Eine wunderbare Hommage an Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv hat sich im Alter zurückgezogen, widmet sich mit Hingabe seinen Bienenstöcken und blickt auf sein Leben zurück. Meinen ausführlicheren Buchtipp (auf Englisch) gibt es hier, die deutsche Version hier. Leider habe ich keine deutsche Ausgabe gefunden. Vielleicht gibt es aber eine, wenn der Film mit Ian McKellen in die Kinos kommt.

 

Sir Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot
Alles, was Sherlock Holmes ausmacht, in einem Buch. Es gibt verschiedene Ausgaben auf Deutsch – eine gute ist die, die als Insel-Taschenbuch erhältlich ist.

 

Shaun Usher: Letter of Notes
Das ist nicht das Buch, das man mit ins Schwimmbad oder ins Urlaubgepäck stecken möchte. Dafür ist es zu groß und schwer. Und billig ist es auch nicht. Aber keine digitale Version kann den Reiz vermitteln, es greifbar zu haben, es gelegentlich durchzublättern und bei dem ein oder anderen Brief hängenzubleiben. Nicht, weil alle Schreiber so berühmt sind wie die englische Queen. Sondern, weil es faszinierend ist zu lesen, was Menschen über Jahrzehnte bewegt hat und – dank der Faksimiles – die Briefe zu sehen. (Mehr dazu hier)

 

Bücher meines Jahres

Jedes Jahr schreibe ich meine persönliche Lesestatistik auf. Ganz altmodisch mit Füller auf Papier. Am Ende des Jahres wundere ich mich, dass ich viel oder wenig gelesen habe (im Vergleich zum Jahr zuvor), was ich gelesen habe und wie.

Demnach schaut 2013 so aus:
Gesamt: 34 Bücher
E-Books: 10
Normale Bücher: 24
Englisch: 16

Und das habe ich gelesen – selbstverständlich ohne Anspruch auf den ultimativen, weil hochgeistig durchdachten und literaturwissenschaftlich tiefgründig aufbereiteten Lesebefehl.

JRR Tolkien: Der kleine Hobbit:

In einer alten, schulerprobten, aber gut erhaltenen dtv-Ausgabe, natürlich als Vorbereitung auf den Film. Als Nachbereitung liegt die englische Version in einer Jubiläumsausgabe schon bereit.

Steven Levy: In the Plex

Ein interessantes Buch über Google, wie die Firma denkt, arbeitet und unser Leben verändert, wie es im deutschen Untertitel heißt.

Jussi Adler-Olsen: Das Washington-Dekret

Ich bekenne, ich habe den Thriller nicht bis zum Ende gelesen, was aber nicht heißt, dass ihn andere nicht spannend finden werden.

Lukas Hartmann: Räuberleben, Der Konvoi:

Beide Bücher sind nicht unbedingt die, die ich zum Kennenlernen von Hartmann empfehlen würde. Wer den Schweizer Schriftsteller mag, muss sie aber lesen.

Sir Arthur Conan Doyle:

Natürlich Sherlock: A Study in Scarlett, The Sign of the Four, The Hound of the Baskervilles, The Valley of Fear, The Memoirs of Sherlock Holmes
Empfehlenswert sind aber unbedingt auch: A Life in Letters und Sherlock Holmes Handbook von Christopher Redmond.
Dazu passen:
Anthony Horowitz: Das Geheimnis des weißen Bandes. Ein neuer Sherlock-Holmes-Roman, der tatsächlich wirkt, als sei der große Detektiv niemals weg gewesen.
Lynnette Porter: Sherlock Holmes for the 21st century. Die Essays beschäftigen sich mit unterschiedlichen modernen Adaptionen der Figur, mal mehr, mal weniger wissenschaftlich.

Ford Madox Ford: Parade’s End

Die vier Bände um den englischen Gentleman Christopher Tietjens sind beste Unterhaltung in der Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg. Leider sind deutsche Ausgaben nur noch antiquarisch erhältlich.

Donna Leon: Tierische Profile

Der alljährliche Venedig-Krimi mit dem liebenswerten Commissario Guido Brunetti ist für mich ein Muss.

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Das Erstlingswerk des österreichischen Autors über pubertierende Jugendliche in einem katholischen Internat ist überraschend modern.

John William: Stoner

Wenn sich der Klappentext vor Lobpreisungen überschlägt, werde ich skeptisch. Bei diesem Roman allerdings sind sie berechtigt: Stoner ist ein zu unrecht vergessenes großes amerikanisches Werk.

Lynnette Porter: Benedict Cumberbatch in Transition

Für Fans ein Muss – für alle anderen eine Verschwendung

Martin Sutter: Almen und die Dahlien

Wer sich in der Welt der Schönen und Reichen nicht langweilt, wird sich beim dritten Fall des Detektivs Johann Friedrich von Allmen prächtig amüsieren.

George Orwell: 1984

Meine alte Ausgabe habe ich aus aktuellem Anlass wieder aus der Regal geholt. Lesenswert wie immer.

Matt Dickinson: Die Macht des Schmetterlings:

Dieser Roman über die Chaostheorie ist eigentlich ein Jugendroman. Eigentlich. Denn er ist auch für Erwachsene spannend und beste Unterhaltung!

Daniel Domscheit-Berg: Inside Wikileaks

Nein, es ist keine Dokumentation. Und nein, das Buch ist kein literarisches Meisterwerk, sondern die Erinnerungen des Autors an seine Zeit bei Wikileaks. Lesenwert ist es allemal.

Andrew Hodges: Alan Turing – The Enigma

Eine der besten Biografien, die ich seit langem gelesen habe und ein wunderbar lesenswertes Werk über den großen britischen Wissenschaftler Alan Turing, der entscheidend mithalf, den Code der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu entschlüsseln. Leider nicht auf Deutsch erhältlich.
[Update 29. März 2014: Es gibt eine deutsche Taschenbuchausgabe im Springer-Verlag, Wien. Sie ist laut verlegerischer Notiz eine vollständige Übersetzung der englischen Ausgabe von 1983. Meine englische Taschenbuchausgabe ist eine Neuauflage von 2012, die im Gegensatz zur deutchen Ausgabe ein paar Fotos enthält.].
Dazu passt:
Alan  M. Turing – die Erinnerungen seiner Mutter Sara Turing.

Henning Mankell: Mord im Herbst

Ein neuer Fall für den schwedischen Kommissar Wallander, leider aber keine Fortsetzung.

Solomon Northup: 12 Years A Slave

Die erschütternde Lebensgeschichte eines freien Mannes, der in die Sklaverei verkauft wurde. Leider nicht auf Deutsch erhältlich.

Ian Mc Ewan – meine persönliche Entdeckung des Jahres:

Amsterdam,
Abbitte,
Honig,
Cement Garden

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