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Schlagwort: Diogenes

Donna Leon: Stille Wasser

Es ist Sommer und damit wieder Zeit, alte Freunde zu treffen. Commissario Guido Brunetti, seine Frau Paola, die Sekretärin Elettra und natürlich sein Kollege Vianello sind mittlerweile alte Freunde, die regelmäßig zu einem Treffen einladen. In diesem Jahr steht der mittlerweile 26. Fall an – einer der besten der Reihe. „Stille Wasser“ ist ein ruhiger Kriminalfall, aber er ist auch dramatisch, weil Brunetti bei einem Verhör einen Schwächeanfall erleidet und im Krankenhaus landet. Dort wird ihm dringend nahegelegt, berufsbedingten Stress zu vermeiden und sich mindestens eine zweiwöchige Auszeit zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis findet der Commissario die Aussicht, einmal nichts zu tun und sich zu entspannen, gar nicht mal so schlecht. Und so ist die Möglichkeit, ein paar Wochen auf einer der Venedig umgebenden Inseln in einem Haus zu verbringen, das Verwandten von Paola gehört, ideal. Freilich wäre dieser neue Roman von Donna Leon kein echter Brunetti, gäbe es nicht auch einen Todesfall aufzuklären.

„Er wäre zwei Wochen lang allein, Gast in einem Haus, von dem er nicht wusste, ob es dort Bücher gab.“

„Stille Wasser“ zeigt einen Guido Brunetti, der in seinem Leben einiges erreicht hat. Er ist erfolgreich in seinem Beruf, den er trotz so mancher Ärgernisse – eines davon ist nicht zuletzt sein Vorgesetzter Patta – mag, er ist glücklich verheiratet und hat zwei wunderbare Kinder. Dennoch fordert der Beruf ihn mehr, als er sich eingestehen will. Die Tatsache, dass er ohne große Widerstände bereit ist, sich für ein paar Wochen eine Auszeit zu nehmen, endlich Zeit fürs Lesen  zu haben, seiner alten Leidenschaft, dem Rudern, wieder nachzugehen, zeigt, dass der Kommissar nicht nur älter geworden ist. Er ist auch an einem Punkt angekommen, an dem er sich zurücknehmen und über sein Leben nachdenken kann. Typischerweise macht er das, indem er klassische Literatur liest und sicherheitshalber Plinius, Herodot, Sueton und Euripides für seine Auszeit einpackt. Zum 25. Jubiläum ist die Krimireihe liebenswert wie eh und je und ein gutes Beispiel dafür, dass gute Unterhaltung auch ohne Effekthascherei und blutrünstige Gewalt auskommen kann.

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Stille Wasser, Diogenes, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt.

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. „Der Ruf des Kuckucks“ ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  „Die Schachnovelle“ enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Ian McEwan: Nussschale

Ein ungeborenes Kind mit dem Wissen und der Intelligenz eines Erwachsenen, das seine Umgebung mindestens genauso gut analysiert wie ein renommierter Intellektueller – und das die Geschichte erzählt. Dabei geht es nicht nur um die Beobachtung anderer Menschen. Ian McEwans neuem Buch „Nussschale“  handelt von einer gescheiterten Ehe, einer neuen Liebe und um Mord, bei dessen Planung der Leser dank des Babys im Mutterleib Zeuge ist. Und ja, es geht natürlich auch um William Shakespeares Hamlet – das Zitat, das dem Roman vorangestellt ist, stammt aus dem zweiten Akt – die Namen der Mutter und des Liebhabers Trudy und Claude sind ebenso Anspielungen auf das Stück wie das über die Welt nachdenkende und mit ihr hadernde Hamlet-Ungeborene selbst.

„O Gott, ich könnte in eine Nussschale eingesperrt sein.“
William Shakespeare, Hamlet, II,2

Doch man muss das alles nicht wissen, um „Nussschale“ zu lesen und sich zu amüsieren über die scharfsinnigen analytischen Fähigkeiten des Kindes, das über die Qualität eines Sauvignon Blanc urteilt („Nicht meine erste Wahl; ich hätte einen Sancerre bevorzugt, am liebsten aus Chavignol, dieselbe Trauben aber nicht so grasig im Abgang.“), seine Mutter mit ein paar Fußtritten wachboxt, damit sie Radio hört (man kann vermuten, dass Mutter und Kind die Podcasts von BBC Radio 4 lieben)

Begeistert, weil es Ian McEwan auch dieses Mal wieder schafft, den Leser mit einer Geschichte zu überraschen, deren Handlung auf den ersten Blick  im gewöhnlichen Alltag angesiedelt ist. „Nussschale“ ist dank der wunderbaren Übersetzung von Bernhard Robben  auch auf Deutsch von der ersten Seite an faszinierend und man legt das Buch nur ungern aus der Hand.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ian McEwan: Nussschale, Diogenes, 22 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

Donna Leon: Ewige Jugend

Der 25. Fall für Guido Brunetti ist vielleicht sein berührendster und gleichzeitig ungewöhnlichster. Das geht schon damit an, dass dieser Roman bereits der zweite in diesem Jahr ist – der Diogenes-Verlag feiert das Jubiläum entsprechend.
Doch die Geschichte selbst ist dieses Mal ungewöhnlich, auch wenn man als Kenner weiß, dass der venezianische Commissario unter den literarischen Kriminalern schon immer eine Sonderstellung eingenommen hat. Was vielleicht an den italienischen Verhältnissen im Allgemeinen und den venezianischen im Besonderen liegen mag.

Und so wird Guido Brunetti von einer Freundin seiner Schwiegermutter um Hilfe in einer privaten Angelegenheit gebeten. Manuela, die Enkelin der Contessa Lando-Continui, hatte vor Jahrzehnten einen Unfall und stürzte in einen der Kanäle Venedigs. Weil sie zu lange unter Wasser blieb, ist Manuela behindert und auf dem geistigen Stand eines Kindes. Die Contessa ist davon überzeugt, dass das kein Unfall war und möchte, dass Brunetti die genauen Umstände herausfindet.

„Eine alte Frau brauchte seine Hilfe, und er (Brunetti) leistete sie ebenso selbstverständlich, wie er sie auffangen würde, sollte sie die Treppe hinunterfallen.“

Brunetti wäre nicht Brunetti, wenn er der Bitte der alten Dame nicht Folge leisten würde und sich mit Hilfe seines Kollegen Vianello und Elettra, der Sekretärin seines Chefs, daran machen würde den alten Fall  wieder zu eröffnen. Elettra mit ihren geheimnisvollen Verbindungen zu  nicht immer legal arbeitenden Freunden ist die, die zwar scheinbar ihren Arbeitsplatz am Computer im Vorzimmer ihres Chefs nie verlässt, aber dennoch von überall her Informationen beschafft, die den beiden Männern weiterhelfen. Und ganz nebenbei wird sie nie müde, sich über die Unfähigkeit ihres Vorgesetzten Patta zu wundern und über bestimmte Verhaltensweisen Brunettis den Kopf zu schütteln. Etwa wenn der gesteht, er habe  keine private E-Mail-Adresse.

„‚Sie haben keine private E-Mail-Adresse?‘ echote Signorina Elettra in eine Ton, als habe er gestanden, er könne nicht mit Messer und Gabel umgehen.“

Das macht den Commissario ebenso sympathisch wie seine Familie, die der Leser natürlich auch im 25. Fall wiedersieht und wie seine Unsportlichkeit, die er zusammen mit einem alten Freund (der ihm in seinem Fall wichtige Informatioen gibt) beim Rudern ignoriert und prompt mit Muskelkater bestraft wird.  Seine Schmerzen versucht er solange mit einer heißen Dusche zu lindern, bis sich seine Frau Paola Sorgen macht. Erst später wird ihm bewusst, dass sie für ihn ein Buch von Henry James beiseitegelegt hat, dem Lieblingsautor der Literaturprofessorin.

Es sind genau diese kleinen Episoden, die so typisch sind für einen Commissario-Brunetti-Roman – ganz unabhängig vom Fall, der natürlich auch im neuesten Buch gelöst wird und der mit einer Wendung endet, die zu Tränen rührt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Ewige Jugend. Commissario Brunettis 25. Fall, Diogenes, 24 Euro.
(Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.)

 

Hamlet auf Deutsch

Hamlet von William Shakespeare ist Weltliteratur – und wie so oft bei diesen Werken nicht einfach zu verstehen, zumal wenn man kein Muttersprachler ist. Wer sich auf eine Theateraufführung – beispielsweise die mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle vorbereiten möchte, hat die Auswahl zwischen einer Reihe von Ausgaben.

Hilfreich finde ich eine zweisprachige, die zwar in der Übersetzung nah am Original bleibt, dabei aber weder zu altertümlich noch zu modern daher kommt. Liebevoll gemacht ist der Hamlet des Ars-Vivendi-Verlags, der übrigens auch zahlreiche andere Werke William Shakespeare in der gleichen Aufmachung – gebunden, Schutzumschlag, Lesebändchen und Zusatzinformationen – herausgebracht hat und noch bringen wird. Die Übersetzung von Frank Günther, der mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet wurde, ist für meinen Geschmack genau richtig. Wem diese Ausgabe zu teuer ist, kann versuchen, sie antiquarisch oder als Mängelexemplar bei booklooker.de zu bekommen. Mein Hamlet hat im Gegensatz zu den anderen Bänden nur ein Lesebändchen; meiner Richard-III-Ausgabe fehlt der Schutzumschlag, die Bücher an sich sind aber im besten Zustand.

Günstiger sind natürlich Taschenbuchausgaben. Bei dtv gibt es eine zweisprachige Ausgabe ebenfalls in der Übersetzung von Frank Günther. Eine englische Ausgabe mit der Übersetzung schwieriger Wörter gibt es im Reclam-Verlag. Ebenfalls im Reclam-Verlag ist die als Standard-Übersetzung geltende von Schlegel/Tieck zu haben. Der Diogenes-Verlag hat diese Übersetzung – „behutsam revidiert“ wie es heißt – ebenfalls im Programm. In ihrer Ausgabe sind zudem noch „Romeo und Julia“ und „Othello“ enthalten.

Wer sich unschlüssig ist, sollte  versuchen, die Ausgaben und ihre Übersetzungen zu vergleichen und herausfinden, welche ihm neben Preis und Ausstattung am meisten zusagt.

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