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Schlagwort: John Williams

John Williams: Nichts als die Nacht

Arthur Maxley tut den lieben langen Tag –  nichts. Nicht, dass er zu alt oder zu krank für einen Beruf wäre. Aber er leidet seit seiner Kindheit an einem Trauma und kann offenbar  nur durch Trinken und Müßiggang damit leben. Und dann ist da noch sein Vater, den er seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hat und der plötzlich um ein Treffen bittet.

„Sonnenhelles Morgenlicht stocherte mit neugierigen Fingern durch die halb geöffneten Lamellen der Jalousie und strich warm, sanft und unpersönlich über sein Gesicht.“

„Nichts als die Nacht“ ist das erste Werk des amerikanischen Autors John Williams, dessen Roman „Stoner“ zu Unrecht vergessen wurde. Sein Debüt ist alles andere als ein Schreibversuch eines jungen Schriftstellers, denn es verrät schon die Meisterschaft eines großen Erzählers, der berührt, ohne kitschig zu sein und der erzählt, ohne zu langweilen. Dank des dtv ist die Novelle nicht nur in einer wunderbaren Übersetzung (aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben), sondern auch in einer guten Ausstattung greifbar.

Mehr zu John Williams gibt es hier.

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

John Williams: Nichts als die Nacht, dtv, 18 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

John Williams: Augustus

Als Julius Cäsar ermordet wird, muss sein Großneffe und Adoptivsohn Octavius dessen Erbe antreten, obwohl er eigentlich Gelehrter und Schriftsteller werden wollte. Doch der spätere Kaiser Augustus hat genug Durchsetzungskraft, um trotz eindringlicher Warnungen nicht nur die Nachfolge Cäsars anzutreten, sondern auch dem Römischen Reich Frieden zu bringen.

„Ich weiß, Dein erster Impuls wird sein, beides anzunehen, den Namen und das Vermögen, aber Deine Mutter fleht Dich an zu warten, zu überlegen und abzuschätzen, in welche Welt Dich das Testament Deines Onkels einlädt.“

John Williams beweist mit „Augustus“ einmal mehr, dass er ein meisterhafter Geschichtenerzähler ist, auch wenn dieses Werk im Gegensatz zu „Stoner“ und „Butcher’s Crossing“ nicht als fortlaufende Erzählung  geschrieben ist, sondern sich die Handlung in Form von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Senatsnotizen entwickelt. Das funktioniert, allerdings kommt man sich etwas verloren vor, wenn man sich in der Welt des Alten Roms nicht so auskennt, dass man die Namen sofort identifizieren könnte. Zwar gibt es eine Zweittafel, ein „Who’s who im Antiken Rom“ und ein Nachwort. Die hilft allerdings nur bedingt weiter.

Mir hat vor allem der dritte Teil gefallen – da finde ich den wunderbaren Erzähler Williams in den langen Briefen wieder.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

John Williams: Augustus, dtv, 24 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

John Williams: Butcher’s Crossing

Es gibt Bücher, auf die man sich einlassen muss, die Zeit brauchen. „Butcher’s Crossing“ ist so ein Buch, denn es beginnt mit einer eher banalen Begebenheit. Mit einer Kutsche. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch nach den ersten Zeilen erst einmal weggelegt und einige Zeit nicht beachtet habe.

„Vor ihm stieg in der Ferne eine leichte Staubwolke auf, wurde aber gleich darauf wieder verweht. Und dann brachen die Büffel mit einem Mal aus dem Schatten in den immer noch vom Sonnenlicht überfluteten Teil des Tals.“

Der zweite Versuch war erfolgreicher. Denn die Geschichte von Will Andrews, der um 1870 beschließt, sein bisheriges Leben, das ihm eine glänzende Karriere verspricht, hinter sich zu lassen, ist spannend und seltsam modern. Er will raus aus der Zivilisation, will die Natur und den Wilden Westen entdecken und hofft so, seine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zu stillen. Per Kutsche macht er sich vom Osten Amerikas auf in Richtung Westen und landet in Butcher’s Crossing, einem Kaff im Nirgendwo, das für Fallensteller und Trapper der Ausgangsort ist für ihre weitere Reise. Andrews investiert sein Erspartes und schafft es, mit einer Gruppe von Männern loszuziehen. Ziel ist ein abgelegener Ort, an dem es noch große Büffelherden geben soll – perfekt, um möglichst viele Häute zu erbeuten und Geld zu verdienen.

„Butcher’s Crossing“, das jetzt in deutscher Erstausgabe vorliegt, ist kein reißerisches Buch, das auf billige Effekte setzt. John Williams beweist hier wie schon mit „Stoner“, dass er ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist. Er schafft mit leisen Tönen faszinierende Welten, die den Leser fesseln und an die man sich am Ende des Buches noch lange erinnern wird.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!

 

Foto: Petra Breunig

Das Buchcover von „Butcher’s Crossing. Foto: Petra Breunig

John Williams Butcher’s Crossing, dtv, 21,90 Euro

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