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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Schlagwort: William Shakespeare

Charlie Lovett: The Bookman’s Tale

Little is known about William Shakespeare, the playwright some consider the best ever, some think he has never lived.  What if a bookseller found a book that could prove that Shakespeare not only lived but has really written all the plays? But it’s not the famous writer that attracts Peter Byerly’s attention. When opening an 18th century study about Shakespeare forgeries, the bookman is struck by a painting of a woman who looks like his beloved wife Amanda. But why the resemblance? Peter who has lost every will to live after the sudden death of Amanda, finally discovers his passion for books again.

„Peter was in no hurry to open the door. It had been nine months since he had entered a bookshop; another few minutes wouldn’t make a difference.“

„The Bookman’s Tale“ is one of those novels that lure the reader inside its story from the very first sentence and is unwilling to let him live his life until the book is finished. Charlie Lovett has mixed a love story of two people from very different backgrounds sharing the love for one another and the passion for books, literature and history. The story is set in London and the Welsh countryside round Hay-on-Wye and is alternating between the present, Peter’s and Amanda’s past and the 16th and 17th century. What could be confusing, keeps the reader hooked and eager to find out how the story and the fate of the characters unfolds. The novel is a lovely read for booklovers who should not be afraid to learn a little bit of William Shakespeare.

 

Photo: Petra Breunig

Charlie Lovett: The Bookman’s Tale – A Novel of Love and Obsession, Alma Books, £ 7.99

Bücher meines Jahres 2016

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen  und zu schauen, welche Bücher ich in diesem Jahr gelesen habe. Meine ganz persönliche Statistik zeigt, dass ich 2016 fünf Bücher mehr gelesen habe als im Vorjahr, was vielleicht daran liegt, dass ich die vergleichsweise kurzen Stücke von William Shakespeare gelesen habe. Erstmals habe ich auch mehr Bücher auf Englisch als auf Deutsch gelesen – auch daran ist der große englische Dramatiker schuld und ein neuer Detektiv, den ich für mich entdeckt habe.

Meine Bilanz:
Gesamt: 39 Bücher
Englisch: 21
Deutsch: 18
E-Books: 4 – neben dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Kindle und meinem treuen N7 habe ich mittlerweile auch einen Tolino

Klare Leseempfehlungen gebe ich für diese Bücher. Aber Obacht: Bei meiner Auswahl habe ich weder Wert auf neue Bücher noch auf sogenannte wertvolle Lektüre wert gelegt:

Alte Freunde:
Henning Mankell: „Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein“ und „Die schwedischen Gummistiefel“ (beide bei Zsolnay erschienen) sind keine leichte Unterhaltung. In beiden geht es um das Altern, das Älterwerden und den Verlust von Freunden, aber auch von Fähigkeiten, die mit dem Verfall des Körpers einhergehen. Beide Bücher sind Mankells Vermächtnis und weder tieftraurig noch anklagend. Wer Mankell mag, muss sie lesen.

Ian McEwan: „Nussschale“ („Nutshell“). In seinem jüngsten Roman lässt der englische Schriftsteller ein ungeborenes Baby das Geschehen außerhalb des Mutterleibs kommentieren. Und das ist schockierend, witzig und niemals langweilig. Die wunderbare deutsche Übersetzung ist im Diogenes-Verlag erschienen.

Entdeckungen:
Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes)  ist für mich meine persönliche Entdeckung des Jahres 2016. Die Geschichte um drei Geschwister, die behütet aufwachsen und nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern mit einer völlig anderen Situation zurechtkommen müssen. Wells erzählt eigentlich eine alltägliche Geschichte.  Aber er tut das ganz wunderbar.

Robert Galbraith: „Der Ruf des Kuckucks“ („The Cuckoo’s Calling“), „Der Seidenspinner“ (The Silkworm), „Die Ernte des Bösen“ („Career of Evil“). Die drei Romane um den Privatdetektiv Cormoran Strike haben das, was man von guten Krimis erwartet: Spannung, Humor und Figuren, die eine Vergangenheit haben und sich im Verlauf der Geschichte entwickeln. Und Londonfans können die Wege auf der Stadtplan verfolgen. Ich habe die Bücher auf Englisch gelesen. Die deutschen Ausgaben sind bei Blanvalet erschienen. Die BBC verfilmt die Bücher gerade mit Tom Burke als Cormoran Strike.

William Shakespeare:
Wahre historische Hintergründe, Mord, Intrigen, Liebe, Hass und Humor – wer das gerne liest, sollte William Shakespeare eine Chance geben. Ich habe in diesem Jahr die drei Teile von „Henry VI“ und „Richard III“ gelesen. Wer öfter hier reinschaut oder mir auf Twitter folgt, weiß, dass mein Lieblingsschauspieler Benedict Cumberbatch als „Richard III“ seine bisher beste schauspielerische Leistung abgeliefert hat. Die Dramen sind in einer zweisprachigen Ausgabe bei Ars Vivendi und dtv erschienen. Die BBC-Verfilmungen sind als DVDs erhältlich, allerdings ist Richard III (als Teil der Hollow-Crown-Serie) nur auf Englisch mit englischen Untertiteln erhältlich.

 

William Shakespeare: Die Fremden

Es klingt wie eine Szene aus unserer Zeit. Die Londons Händler und Handwerker  fühlen sich durch die Fremden benachteiligt. „Die Fremden“, das sind Menschen aus Frankreich und Flandern, die unter anderem wegen religiösen Gründen ihre Heimat verlassen haben und in London Schutz suchen. Aus den mittellosen Flüchtlingen sind im Lauf der Zeit wohlhabende Handwerker geworden, die den Einheimischen Arbeit wegnehmen. Eine Befürchtung, die sich 1517 in feindseligen Aufständen entlud.

Diese historischen Ereignisse verarbeiten fünf Autoren um 1600 zu einem Theatermanuskript. Mit Hilfe moderner Verfahren konnten Experten einen dieser Autoren als William Shakespeare identifizieren. Der Teil des Stückes, der von Shakespeare geschrieben wurde, ist als „Die Fremden“ in einer zweisprachigen Ausgabe mit zahlreichen Erläuterungen im dtv erschienen.

Auch wenn es nur eine Ausschnitt aus dem nie aufgeführten Stück „Thomas Morus“ über den berühmten Staatskanzlers ist, so wird doch deutlich, dass Shakespeare immer aktuell ist. Die Rede, die er Thomas Morus halten lässt, ist nicht nur zutiefst menschlich. Sie bringt die gewalttätigen Aufständischen mit simplen Aussagen, die an die Vernunft appellieren, zum nachdenken darüber, dass sie sich nicht nur gegen den König, der die Fremden willkommen heißt, erheben. Denn ein Ungehorsam gegen den König heißt letztlich auch Ungehorsam gegen Gott, der nach dem Verständnis der Zeit durch den König regiert.

„Look, what you do offend you cry upon,
That is, the peace. (…)
To any German province, to Spain or Portugal,
Nay, any where that not adheres to England:
Why, you must needs be strangers. Would you be pleased
To find a nation of such barbarous temper, (…)
Wet their detested knives against your throats.“

Mag der Text nicht an die meisterhaften Stücke William Shakespeares heranreichen, so ist er doch – auch dank des Vorworts des SZ-Autors Heribert Prantl und der umfangreichen Anmerkungen von Übersetzer und Herausgeber Frank Günther lesenswert.

 

Frank Günther (Hg): William Shakepeare – Die Fremden, dtv, 6 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zu Verfügung gestellt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Das Originalmanuskript liegt in der British Library in London, die weiterführende Artikel über William Shakespeare auf ihrer Seite zur Verfügung stellt.

Lesetipps für den Sommer

Die Ferienzeit ist nicht mehr weit, aber vielleicht braucht der ein oder andere ja jetzt schon etwas Lesestoff.

Meine neuesten Entdeckungen
Celeste Ng: „Was ich Euch nicht erzählte“ (dtv, 19,90 Euro) und Graham Swift: „England und andere Stories“, über das ich schon geschrieben habe (dtv, 21,90 Euro). Celeste Ng (gesprochgen Ing) erzählt einen ungewöhnlichen Kriminalfall. Das Mädchen Lydia kommt eines Morgens nicht zum Frühstück, um einen neuen Tag zu beginnen, der für die Familie Lee im kleinbürgerlichen Ohio der 70er typisch ist. Denn Lydia wird von ihrer Mutter Marilyn darauf gedrillt, später Ärztin zu werden. Einen Wunsch, den sie sich selbst nie erfüllten konnte. Wie die Geschichte aufgelöst wird, ist ungewöhnlich und spannend erzählt.
John le Carré ist freilich kein Unbekannter. Ich habe es aber Tom Hiddleston und der BBC-Serie „The Nightmanager“ zu verdanken, dass ich das gleichnamige Buch („Der Nachtmanager“, Ullstein, 9,99 Euro, Original bei Penguin) und damit den Autor entdeckt habe. Der Roman erzählt die Geschichte von Jonathan Pine, dem Nachtmanager in einem Luxushotel, der zufällig von verdächtigen Transaktionen eines reichen Geschäftsmanns erfährt. Und dann kommen auch noch Menschen in Pines Nähe um.

William Shakespeare
Rechtzeitig zum 400. Todestag von William Shakespeare habe ich nach „Hamlet“ im vergangenen Jahr  die Historien „Henry VI“ & „Richard III“ in den zweisprachigen Ausgaben des Verlags ars vivendi gelesen. Die Übersetzungen von Frank Günther sind modern, ohne zu modern zu sein und helfen über so manche Verstehenshürde hinweg, die Anmerkungen im Anhang tun ein Übriges.
Viel Wissenswertes über den englischen Dramatiker erzählt Frank Günther in „Unser Shakespeare“ (dtv, 14,90 Euro) mit viel Kompetenz, aber auch mit viel Leichtigkeit.
Stephen Greenblatts „Will in der Welt – Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde“ (Pantheon, 14,99 Euro) habe ich im englischen Original gelesen.  Mag sein, dass das Buch nicht streng wissenschaftlich und in vielem Spekulation ist. Mir hat es aber sehr gut gefallen, weil es mir den Menschen William Shakespeare näher gebracht hat.

Pflichtlektüre
Donna-Leon-Krimis sind für mich Pflichtlektüre und ich freue mich jeden Sommer auf den nächsten. In diesem Jahr ist es „Ewige Jugend“ (Diogenes, 24 Euro), der für Fans wieder ein paar angenehme Stunden mit Guido Brunetti verspricht.

Ungewöhnliche Biografien
Dass der ehemalige Chefredakteur des „Guardian“ schreiben kann, ist keine Überraschung. Dass Alan Rushbridger Klavier spielt, schon eher – zumal man sich auch als absoluter Musikdepp fragt, wie er es schafft, seinem enormen Arbeitspensum regelmäßige Übungszeiten abzuringen. In „Play it again – ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten“ (Secession Verlag für Literatur, 25 Euro) beschreibt Rushbridger sein Ringen am Klavier, aber auch am Redaktionsschreibtisch und vermittelt die Überzeugung, dass man jeden Tag etwas für sich persönlich tun kann, wenn man es nur will.
James Rhodes ist ein ungewöhnlicher Pianist. Der Londoner kommt nicht nur in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen auf die Bühne. Er erklärt auch dem Publikum, was er spielen wird und warum und weshalb der Komponist ausgerechnet dieses Stück auf diese Weise geschrieben hat. In „Der Klang der Wut“ (Verlag Nagel & Kimche AG , 22, 90 Euro, Original: „Instrumental“ verarbeitet er seine unfassbare Erlebnisse als Junge. Er wurde mehrfach vergewaltigt und ist sicher, dass er nur dank seiner Liebe zur klassischen Musik überlebte. Wer eine feinsinnige Abhandlung erwartet, sei gewarnt. James Rhodes schreibt so direkt, wie er twittert, wer kann, sollte dem Original eine Chance geben.

Benedict Cumberbatch’s outstanding Richard III

Yes, I can hear them. Those critics, those self declared grail holders of every single tradition you can think of in cultural topics. They are about to start their writing software after they had difficulties to survive  „Richard III“, the third part of the second series of „The Hollow Crown“, screened over the last three weekends on BBC Two. After a certain Benedict Cumberbatch got his hands on William Shakespeare’s „Hamlet“ last year in London’s Barbican those purists had to endure beat after beat: People ran wild! Queued for tickets! Young folks watched a play live on stage for the very first time in their lives! How could that happen? And they still watch it whenever a live recording hits a cinema within reach.

And now it is Shakespeare all over again, three of his plays transformed into three 2 hours films, bringing the bloody Wars of the Roses into living rooms where the audience watched how a tyrant was made. A tyrant in the shape of Benedict Cumberbatch whose Richard III took over the screen  step by step in „Henry VI, 2“ until he rules it completely in the defining part of „Richard III“. And he does so by luring the audience into his thoughts, his grief and his rage, leaving you wondering if you should be appalled by a cripple who is so terrible deformed or if you should feel sorry for a man who had been an outsider for all his life. The very first scene where Richard has one of his soliloquies speaking directly to the audience reveals not only his violent ambitions. It also shows that he is a vulnerable human being – naked upwards from the waist, a deformed back, a hand he can’t use – desperately trying to find his path where Richard is only true to his only ally, the audience, addressed directly to the camera in his soliloquies.

„I, that am curtail’d of this fair proportion, deform’d, unfinished, sent before my time into this breathing world scarce made up – and that so lamely and unfashionable that dogs bark at me, as I halt by them.“ Richard III, I,1

All these different feelings, the cruelty of a man driven by ambition, hate, haunted by the ghosts of the men he killed are brilliantly performed by Benedict Cumberbatch who always is in control of the audience’s attention, who grabs their hands, takes them on a ride and leaves them crying for a king who died on a muddy battlefield. It seems that Benedict’s performance gets better and better with every new role. He clearly is on the height of his abilities, bringing every emotion you can possibly think of to life within the wink of an eye or the move of a hand. And of course his voice talking Shakespeare’s English –  making it vivid and just beautiful.

So may all of those professional critics analyse every letter, every scene, every move of the camera, may they shout at the BBC for tearing Shakespeare down to the small screen and may they shout at Benedict Cumberbatch for whatever reason they may possible find. One of his faults clearly is bringing a new audience to Shakespeare. If this is a fault, I can find more to blame this man for.

Hollow Crown, Shakespeare and Benedict Cumberbatch

No, I’m not a Shakespeare expert. Far from that. Although I can imagine that reading his works might be the same challenge for native English speakers as it is for me reading Goethe or Schiller, getting the meaning of Shakespearian English is indeed a challenge. And it doesn’t get easier watching a play live on stage or a film version.

Unless you have a production team and a broadcaster that have the courage to  throw two hours of a 400 years old play on their audience, including lots of artificial blood, mud, ancient buildings and a very fine crew of actors to bring William Shakespeare’s War of the Roses to life. The second series of BBC Two’s Hollow Crown has all this. And it has a Benedict Cumberbatch whose Richard (soon to be King in the third episode of this series) goes all the way from an awkward but still nice ish teenager – his first appearance is all cheerful – to a cruel villain ready to climb on England’s throne, killing everyone in his way. We watch a young man who loves and adores his father who considers himself as rightful heir to the throne, a young man who from the very first scene always stands a bit aside, limping with a stiff leg and a hunchback – and is mocked for this and the fact that his birth apparently wasn’t an easy one, leaving him disabled into a world full of warriors.

„This word ‚love‘ (…) be resident in men like one another, and not in me.
I am myself alone.“ Henry VI 3, V,6.

As if this isn’t enough to harm a man, Richard is an eye witness when his younger brother is killed. His shock and fear is the audience’s because it is all written in Benedict Cumberbatch’s performance and we know that this is the final reason that turns Richard into the monstrous villain.

„And am I then a man to be belov’d?
O monstrous fault to harbour such a thought.“ Henry VI 3, III,2

But it is not a villain that is totally disgusting and appalling. Richard is scaring, thrilling, seductive and – surprisingly enough  – funny and you realise you care for a man who admits all he longs for in the end is his brother’s crown no matter how many men he has to kill to reach that aim. But Richard is not only just bad. He’s a man who feels utterly alone since early childhood, a man who knows that he will not find true love because of his deformities.

If it is true that „Richard III“ is one of the most demanding roles for any actor, it’s not for Benedict Cumberbatch. Because he brings every tiny detail of that character to life without any visible effort, leaving his audience speechless in front of the telly (or where ever you have the good fortune to catch this film), realising that you haven’t moved since two hours – except for opening your mouth in disbelief, murmuring „Oh my God“ every once in a while and totally forgotten that you are watching a Shakespeare play normally considered as difficult stuff.  We don’t know if  William Shakespeare thought of a special actor when writing his play. But maybe you need a Benedict Cumberbatch to make a villain sexy.

Frank Günther: Unser Shakespeare

Die Antwort auf die Frage, ob es William Shakespeare tatsächlich gegeben hat (und wenn ja, ob er die genialen Stücke  und Sonnette selbst geschrieben hat), füllt mindestens genauso viele Bücherregale wie die Auseinandersetzung mit dem  Werk selbst. Vor allem wenn es um deutsche Dichter und Denker gibt. Denn die haben Shakespeare entweder als wahres Ungeheuer gesehen, das wahrhaft Unerhörtes und Unmögliches auf die Bühne brachte  (Gottsched) oder ihn als Naturgenie gefeiert (Goethe in seiner Sturm-und-Drang-Zeit) und ihn dabei so weit als möglich vereinnahmt. Was schon mal in der Behauptung gipfelte, William Shakespeare sei viel mehr deutsch als englisch.

Was klingt wie eine Einführung in die Literaturwissenschaft mit zahlreichen Ausflügen in die Geschichte unterschiedlicher Epoche –  und somit strohtrocken – ist ein lockeres, leichtes, aber niemals banales Lesevergnügen, das der großartige Shakespeare-Übersetzer Frank Günther mit „Unser Shakespeare“ vorlegt. Natürlich merkt man dem Buch an, dass Günther, der für seine Übersetzungen mehrfach ausgezeichnet wurde, Shakespeares Werke liebt und schätzt. Doch diese Wertschätzung ist niemals platt und übertrieben. Auch dann nicht, wenn er stichhaltig widerlegt, dass der kleine Shakespeare in der Grammar-School in Stratford-upon-Avon beispielweise mehr Latein lernte und mehr Werke klassischer Autoren gelesen haben musste als heutige Studenten der Altphilologie. Was ihm an Wissen über Justiz oder andere Länder gefehlt hat, das lernte er im elisabethanischen London seiner Zeit, das schon damals ein polyglotte Stadt war. Mit einer raschen Auffassungsgabe und einem guten Gedächtnis, das er als Schauspieler brauchte, ist es daher nicht zu weit her geholt wenn man davon ausgeht, dass Shakespeare so manche Redewendung in Pubs oder auf den Straßen aufgeschnappt und aufgeschrieben haben dürfte.

„Der Bildungskanon de Renaissance ist dem unseren so fern wie der Mond: Er umfasste kaum anderes als die alten Texte der römischen und griechischen Klassiker.“

Heraus kamen Werke, die bis heute gelesen und gespielt werden und die William Shakespeare zu Lebzeiten zu einem wohlhabenden Mann machten, der mit dem als Autor und Schauspieler verdienten Geld Häuser kaufte und kurz vor seinem Tod ein Testament verfasste – aber keine persönlichen Gegenstände oder Schriftstücke hinterließ. Der englischen Sprache vermachte er tausende Begriffe, indem er sie erstmals überhaupt festhielt und die seine Werke so einzigartig, aber nicht immer leicht verstehbar machen. Wer kein englischer Muttersprachler ist, hat zusätzlich zur Sprachbarriere auch noch den Sprung in Shakespeares Zeit zu überwinden.

Dieses Buch  ist eine wunderbare Einladung, William Shakespeare neu oder wieder zu entdecken, gerade zu seinem bevorstehenden 400. Todestag.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Frank Günther: Unser Shakespeare, dtv, 9.90 Euro
(Das Buch wurde mir freundlicherweise von dtv zur Verfügung gestellt.)

Shakespeare in the World

William Shakespeare is one of the best known author of plays. And even if one hasn’t read or seen any of them at all, some sentences seem to be familiar, written forever in the memory of mankind. But little is known about the man who was born in Stratford, went to London to write and perform his genius plays, retired to Stratford where he died. We can only imagine that he hat books important for his work, that he had friends to chat with and that he had some belongings dear to his heart. What remained of his life are property transactions, a marriage license bond or christening records.

Stephen Greenblatt gets behind these documents and brings the human being behind the genius  that was William Shakespeare to life. Though Shakespeare imagined worlds while creating his plays, he always was very aware of the real world: „Shakespeare understood his world in the way that we understand our world – his experiences, like ours, were mediated by whatever stories and images were available to him“, Greenblatt writes. Stories he may have read or heard while sitting in a pub, listening and watching the people around him, stories he needed for his plays, hints that are visible in his work as Greenblatt explains his reader.

„How weary, stale, flat and unprofitable
seem to me all the uses of the world!“ Hamlet, I,2.

But, according to Greenblatt, we find more of Shakespeare’s own feelings and his grief about the death of his boy, the 11 year old Hamnet. Although  it took him a few years (maybe he had to recover from the loss of his boy), Shakespeare managed to „respond with the deepest expression of his being“ and gifted the world with „Hamlet“ – playing the ghost himself.

„Will in the World“ is an entertaining read filled with countless references to Shakespeare’s work but without any educative tone. Those who want to read more get pages of bibliographical notes for further studies.

 

Photo: Petra Breunig

Photo: Petra Breunig

Stephen Greenblatt: Will in the World, Norton, 14£/12€

Hamlet und die Besserwisser

Besserwisser hat es schon immer gegeben. Daher ist es etwas unfair, sie mit Hamlet in einem Satz zu erwähnen. Noch dazu in der Überschrift. Aber es passt so schön – und ist natürlich nichts weiter als eine Google-Honig-ums-Maul-Schmiererei, um mehr Klicks auf diesen Blogeintrag zu bekommen.

Hamlet passt deshalb so gut, weil es vielleicht das bekannteste Stück William Shakespeares ist, und weil gerade Benedict Cumberbatch im Londoner Barbican Theatre nahezu täglich auf der Bühne steht. Genau das aber scheint für so manche Kulturexperten das Problem zu sein. Denn der britische Schauspieler, der durch seine Rolle in der BBC-Serie „Sherlock“ auch bei uns bekannt wurde und zuletzt in „The Imitation Game“ im Kino zu sehen war, hat Fans, die keine Kosten und Mühen scheuen, ihn zu sehen. Nun sollte es Beobachtern (oder sollte ich Außenstehenden schreiben?) egal sein, wofür man sein schwer verdientes Geld ausgibt. Und stundenlanges Anstehen für Karten oder am  Roten Teppich, um ein Autogramm zu bekommen, ist nicht jedermanns Sache. Aber sollte nicht jeder nach seiner Fasson selig werden, solange andere dabei nicht zu Schaden kommen?

Das erste Mal

Doch ganz offenbar ist das mit dem „zu Schaden kommen“ so eine Sache. Denn noch bevor sich der Vorhang im Theater das erste Mal hob, gab es für kulturelle Besserwisser mehr als genug zu kritisieren: Sämtliche Tickets für alle Vorstellungen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Und das nur, weil die Fans Benedict Cumberbatch sehen wollen. Diese Fans können sich nicht benehmen. Sie schreien, sie freuen sich und brechen schon mal in Tränen aus, wenn ihr Idol lächelt oder gar mit ihnen redet. Schlimmer noch: sie haben keine Ahnung von Hamlet, von Shakespeare, und es soll tatsächlich welche geben, die noch nie (!!!) im Theater waren! Alles in allem sind solche Leute wenn nicht der Untergang des Abendlandes, so doch mindestens eine Bedrohung für die Kultur an sich, was im Grunde genommen genau das Gleiche ist. Schlimm genug, wenn solche Meinungen gepostet und damit in die Weiten des Internets geplärrt werden. Gänzlich unerträglich wird es aber dann, wenn Kulturexperten sich schreibend zum Hüter des Heiligen Grals ernennen (vorzugsweise in einer möglichst elitären Sprache) und über Leute die Nase rümpfen, die sie anhand von Satzfetzen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu kennen meinen. Selbstverständlich halten es die wenigsten von ihnen für nötig, mit Fans zu reden – ob sie das Gehörte oder Gelesene richtig wiedergeben ist dann noch mal eine ganz andere Sache.

Was ist schlimm daran, sich für einen Schauspieler zu begeistern?

Was bitte, ihr Besserwisser, ist so schlimm daran, dass Menschen sich für einen Schauspieler begeistern? Liegt es daran, dass es nicht um Fußball geht und es viele weibliche Fans sind? Frauen (ja Frauen!), erwachsene Frauen mit Jobs, Familie, also mit einem richtigen Leben, in dem Benedict Cumberbatch zwar eine wichtige, aber nicht die alles entscheidende Rolle spielt. Die weltweit Freundschaften schließen, sich treffen und bereit sind, Neues auszuprobieren –  sei es eine Stadt zu entdecken, eine fremde Sprache zu sprechen, ein Buch zu lesen, einen Film zu sehen oder ins Theater zu gehen.

Hört einfach auf, anderen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben, auch und gerade wenn es um Kultur geht. Denn es ist nichts Schlimmes daran, wenn man das erste Mal ins Theater geht, das erste Mal Shakespeare liest oder sieht. Und es ist nichts Schlimmes daran, Benedict-Cumberbatch-Fan zu sein.

Hamlet auf Deutsch

Hamlet von William Shakespeare ist Weltliteratur – und wie so oft bei diesen Werken nicht einfach zu verstehen, zumal wenn man kein Muttersprachler ist. Wer sich auf eine Theateraufführung – beispielsweise die mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle vorbereiten möchte, hat die Auswahl zwischen einer Reihe von Ausgaben.

Hilfreich finde ich eine zweisprachige, die zwar in der Übersetzung nah am Original bleibt, dabei aber weder zu altertümlich noch zu modern daher kommt. Liebevoll gemacht ist der Hamlet des Ars-Vivendi-Verlags, der übrigens auch zahlreiche andere Werke William Shakespeare in der gleichen Aufmachung – gebunden, Schutzumschlag, Lesebändchen und Zusatzinformationen – herausgebracht hat und noch bringen wird. Die Übersetzung von Frank Günther, der mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet wurde, ist für meinen Geschmack genau richtig. Wem diese Ausgabe zu teuer ist, kann versuchen, sie antiquarisch oder als Mängelexemplar bei booklooker.de zu bekommen. Mein Hamlet hat im Gegensatz zu den anderen Bänden nur ein Lesebändchen; meiner Richard-III-Ausgabe fehlt der Schutzumschlag, die Bücher an sich sind aber im besten Zustand.

Günstiger sind natürlich Taschenbuchausgaben. Bei dtv gibt es eine zweisprachige Ausgabe ebenfalls in der Übersetzung von Frank Günther. Eine englische Ausgabe mit der Übersetzung schwieriger Wörter gibt es im Reclam-Verlag. Ebenfalls im Reclam-Verlag ist die als Standard-Übersetzung geltende von Schlegel/Tieck zu haben. Der Diogenes-Verlag hat diese Übersetzung – „behutsam revidiert“ wie es heißt – ebenfalls im Programm. In ihrer Ausgabe sind zudem noch „Romeo und Julia“ und „Othello“ enthalten.

Wer sich unschlüssig ist, sollte  versuchen, die Ausgaben und ihre Übersetzungen zu vergleichen und herausfinden, welche ihm neben Preis und Ausstattung am meisten zusagt.

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