Die Musik der 1980er, das Lebensgefühl irgendwo zwischen Mauerfall, Kalter Krieg und Rebellion, originale Berichte der Staatssicherheit, Tagebucheinträge. Tassilo ist ein Jugendlicher, der in einer typischen Platte in Rostock aufwächst und sich schon bald eingeengt fühlt.
„Unsere Wohnung hängt im siebten Stock.“
Eingeengt von einem Staat, der alles kontrolliert und ihm ein freies Leben verwehrt, stellt er einen Ausreiseantrag in den Westen. Der wird ihm zwar 1986 genehmigt. Doch bis dahin muss Tassilo einiges überwinden und verkraften – auch die Tatsache, dass ihn seine eigene Mutter bespitzelt hat.
Victor Schefé verarbeitet in „Zwei, drei blaue Augen“ seine eigene Jugend zu einem Roman, der irgendwo zwischen Coming-of-Age, deutsch-deutscher Geschichte und Stream-of-Consciousness schwankt, ja wild hin und her hüpft.
„Durch die Schule pfeift wieder eine steife rote Brise.“
Das ist zwischendurch so atemlos, dass man förmlich Luft holen und eine Pause einlegen muss. Es ist aber auch zutiefst berührend, etwa wenn Tassilo begreift, dass seine eigene Mutter, ganz besorgte Muster-DDR-Bürgerin, ihn an die Stasi ausliefert – aus Sorge, er könnte in die Asozialität abgleiten. So anstrengend das 467-Seiten-Werk (inklusive Spotify-Playlist) zwischendurch ist, so ungewöhnlich erzählt es deutsch-deutsche Geschichte.
Victor Schefé: Zwei, drei blaue Augen, dtv, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

