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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 6)

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

Wenn der Verlag eines Buchautors findet, dass eben dieser Autor zu wenig Bücher verkauft, schickt er ihn auf Lesereise. Zumindest könnte man das laienhaft denken – zumindest in der heutigen Zeit, in der gefühlt ständig über zu wenig Leser, zu wenig Buchkäufer, gerne auch in Verbindung mit dem Untergang der abendländischen Kultur geklagt wird. Wer dann aber zu einer Lesung geht, findet begeisterte Leser und freudig aufgeregte Schriftsteller, die ein paar nette Stunden miteinander verbringen, Bücherkauf und Signiergelegenheit inklusive.

“Das Volk war dumm und wie das Vieh und würde niemals Anstand lernen.”

Was also für zeitgenössische Autoren zutrifft, gilt auch für die Dichter der Deutschen, Schiller und Goethe, wobei man natürlich korrekt Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller schreiben muss. Zumal wenn es nach dem Dichterfürsten Goethe geht, der sich eher unwillig auf die Lesereise begibt, die ihm sein Verleger Cotta aufgetragen hat, und die er gemeinsam mit seinem Freund Schiller möglichst schnell hinter sich bringen will. “Volksnähe” – unter diesem Motto steht die Reise der beiden – ist nämlich überhaupt nichts für Goethe, der sich seiner Bedeutung als Klassiker durchaus bewusst ist und auch als solcher behandelt werden will. Schiller dagegen ist populär und Goethe beschleicht der Verdacht, dass das Publikum hauptsächlich wegen des jüngeren Kollegen kommt.

“Er hatte genug. Er war alt. Er war Klassiker. Er war unsterblich. Er hatte alles erreicht.”

Überhaupt das Alter. Goethe ist mittlerweile 270, Schiller 260 Jahre alt, denn Christian Tielmann lässt seinen Roman “Unsterblichkeit ist auch keine Lösung. Ein Goethe-Schiller-Desaster” heute spielen. Was dabei herausgekommen ist, wirkt nur auf den ersten paar Seiten merkwürdig. Hat man sich erst eingelesen, ist die Konstellation, die die beiden Klassiker vor Schulklassen zeigt, die versuchen, die Zeit während der Pflichtveranstaltung totzuschlagen, ist nicht nur stimmig, sondern auch witzig und so erzählt, dass man die Geschichte unbedingt bis zum Ende lesen will. Und sich auch dabei ertappt, zu dem Regal zu schauen, wo die Werke der Klassiker stehen und sich fragt, wann man denn zum letzten Mal eines gelesen hat.

 

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung, dtv, 14 Euro.
Das Buch wurde mich freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

James Rhodes 2019

Eigentlich schaut es so einfach aus. Ein Mann in Jeans, Turnschuhen und schwarzem Shirt mit dem Schriftzug “Bach” kommt auf die Bühne, begrüßt das Publikum, stellt sich vor und spielt dann auf einem Flügel.

Eigentlich. Dass es nicht ganz so einfach ist, beschreibt der britische Pianist James Rhodes in seinem Buch “Fire on all sides” und bei seinen Auftritten, unter anderem in diesem Herbst in verschiedenen Städten in Deutschland.

Auf dem Programm steht:

Ludwig van Beethoven: Sonata No. 15 Op. 28 “Pastoral”;
Frédéric Chopin Scherzo Nr. 2 n. 2 in b-Moll, Op 31;
Frédéric Chopin: Nocturne in C-Moll Op 48/1;
Johann Sebastian Bach (Fassung für Klavier von Ferrucio Busoni): Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur, BWV 564;

Tourdaten:

18. Oktober, 20 Uhr: München, Prinzregententheater;
1. November, 20 Uhr: Dortmund, Konzerthaus;
3. November, 19 Uhr: Düsseldorf, Savoy Theater;
5. November, 20 Uhr: Stuttgart, Theaterhaus;
18. November, 20 Uhr: Berlin, Kammermusiksaal der Philharmonie;
26. November, 20 Uhr: Lübeck, Musik- und Kongresshallen.

Karten zu allen Konzerten gibt es im Vorverkauf auch bei Eventim.

Mehr zu James Rhodes gibt es hier

Philipp Blom: Die zerrissenen Jahre 1918-1938

Die Zwischenkriegsjahre scheinen im Rückblick auf als eine Zeit, in der alles möglich schien.  Nach den verheerenden Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, der Werte und Gesellschaften mit einem Schlag nicht nur in Frage stellte, sondern zerstörte und ehemalige Soldaten zu traumatisierten Männern machte, schien es so, als würde es allmählich aufwärts gehen. Als würde die Entwurzelung, die Entfremdung der Menschen, hervorgerufen durch neue Entwicklungen wie technische Erfindungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, das Wachsen der Städte (mit der Metropole Berlin als Musterbeispiel) allmählich einer neuen Zuversicht Platz machen. Doch während die einen in den  Clubs der Großstädte hemmungslos feierten, versuchten vor allem die Armen einfach nur zu überleben.

In “Die zerrissenen Jahre” zeichnet Philipp Blom ein vielfältiges Bild der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, das sich nicht auf Europa beschränkt. Anhand von Einzelschicksalen macht er die globalen Entwicklungen und ihre Auswirkungen greifbar. So verdeutlicht der englische Dichter Wilfred Owen, der als Soldat an der Westfront zum Shell-Shock-Opfer, zum Kriegszitterer, geworden war, das Schicksal seiner Generation, die bald als die “verlorene” bezeichnet wird. Blom sieht zwischen den verstümmelten Körpern der Kriegsveteranen und den heroisch überstilisierten Athleten der Olympischen Spiele von 1936 einen direkten Zusammenhang: Das Nazi-Regime feierte den Übermenschen, der “seine eigene Zeit und seine körperlichen Begrenzungen überwinden kann, um der Technologie und den zerstörerischen Mächten der Geschichte die Stirn zu bieten.”

“‘No Future’ begann in den Schützengräben.”

Der überwundene Krieg hinterließ eine Leere, die von politischen Ideologien mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen gefüllt wurden und Hoffnung auf eine bessere Zukunft versprachen.  Hoffnung und Zukunftsperspektive, an der die Feiernden in den Berliner Clubs der Goldenen Zwanziger Jahre nicht interessiert waren, solange die Gegenwart ausreichend Vergnügungen bereithielt.

Wie schon in “Der taumelnde Kontinent” schafft es der Historiker Philipp Blom, Geschichte greif- und lesbar zu machen. Sein Streifzug durch die Weltgeschichte der Jahre 1918 bis 1938 ist fundiert, faktensatt, niemals langweilig und daher unbedingt empfehlenswert.

 

Philipp Blom: Die zerrissenen Jahre, 1919 bis 1938, dtv, 12,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Green Book

In the 1960s Tony Lip (Viggo Mortensen) is a bouncer in a New York nightclub. When this is closed due to renovation, he applies for a job Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) has to offer. As it turns out, Shirley is not a “normal” doctor but a highly acclaimed black pianists who looks for a driver for his upcoming tour into America’s deep south. Tony takes this job, trying everything to stick to the schedule and reaching every town just in time to settle the stage and prepare for the next concert. The deeper they get into the southern states, where segregation is still in place, Tony realises that Don is only welcome and cheered at when he is the pianist on the stage  but not as a black man. Don on the other hand learns that Tony is a man he can rely on.

“It takes courage to change people’s hearts.”

“Green Book” which title refers to the “Negro Motorist Green Book“, an annual guide book for afro-american roadtrippers, tells a story that isn’t totally new to both the big and the small screen. But the way the story between two different men who become unlikely  friends is told here, is funny and sad and shocking and it has a warmth that draws you easily into its 130 minutes – with no boring moments.

Mahershala Ali took a Bafta, a Golden Globe and an Oscar as best supporting actor, while Viggo Mortensen was nominated as leading actor.
“Green Book” won the Oscar for best picture.

[Updated after the Oscars ceremony

★★★★★

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Es tut Schriftstellern nicht immer gut, wenn sie zum Schulkanon gehören, ihre Werke also im Unterricht gelesen werden und der Umgang mit ihnen im besten Fall ein kleines Übel im schlimmsten Fall eine Qual ist. Liegt die eigene Schulzeit länger zurück, mag man sich mit einem Seufzer daran erinnern, dass man – wie in diesem Fall – die „Judenbuche“ gelesen und das Exemplar noch irgendwo bei den gelben Reclam-Heften sein müsste. Und fragt sich, ob und wenn ja was man über die Autorin, über Annette von Droste-Hülshoff, gelernt, aber wieder vergessen hat.

“Fräulein Nettes kurzer Sommer” erlaubt einen Blick in die Zeit und die Lebensumstände und deren Konventionen, unter denen Droste-Hülshoff lebte. Konventionen, denen sie sich nicht anpassen wollte und schon alleine dadurch unangenehm auffiel, dass sie eine eigene Meinung hatte und sich nicht mit Handarbeiten begnügte. Als sie in dem mittellosen Studenten Straube einen Seelenverwandten findet und sich in ihn verliebt, glaubt sie ihren zukünftigen Ehemann gefunden zu haben und dennoch – allen gegenteiligen Meinungen zum Trotz – ein konventionelles Leben führen zu können.

Doch eine als angebliche moralische Prüfung getarnte Intrige zerstört nicht nur Annette von Droste-Hülshoffs Ruf, sondern auch den ihrer Familie, die fortan nur noch daran interessiert ist, sie aus der Öffentlichkeit und von ihrer großen Liebe fernzuhalten.

“Eine Überanstrengung des Gehirns ermattet die generativen Organe und zerrüttet ihr harmonisches Zusammenspiel. Ihr Körper ist nicht eingerichtet, um zu denken, sondern um die große Absicht zu erfüllen, welche die Natur ihm auferlegt hat.”

Karen Duve hat sich der historischen Figur Annette von Droste-Hülshoff über ein umfangreiches Quellenstudium genähert und ihre Ergebnisse in einem Roman verarbeitet, der nicht zuletzt auch durch die altertümelnde Sprache dem Thema gerecht werden will. Das gelingt auch insofern als ein Gesellschaftsbild entsteht, in dem Konventionen das Leben vor allem der Frauen bestimmen. Einem Leben, an dem Annette von Droste-Hülshoff stellvertretend für alle unkonventionellen Frauen ihrer Zeit letztlich scheitert.

Was bleibt von diesem Buch in Erinnerung? Ein leichtes Bedauern darüber, dass man gerne mehr über “die Droste” erfahren würde und dass man eigentlich auf etliche der studentischen Szenen hätte verzichten können, hätte man mehr über Nette erfahren. Mehr über ihre Gefühle, mehr darüber, wie sie schrieb. Hat man sich aber erst einmal an die eigentümliche Sprache gewöhnt, bekommt man Einblick in eine längst vergangene Welt mit heute fremd anmutenden Ritualen und Verhaltensvorschriften. Und man möchte mehr erfahren über die Autorin der “Judenbuche”.

 

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer. Kiepenheuer&Witsch/Galiani, 25 Euro/E-Book 22,99 Euro
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Gaby Hauptmann: Plötzlich Millionärin & Amelie Fried: Paradies

“Was ist denn Frauenliteratur? Literatur von Frauen, für Frauen, über Frauen? Unter uns: Ich weiß es nicht, und ich möchte es nicht wissen”, wird der Großkritiker Marcel Reich-Ranicki zitiert. Recht hatte er, möchte man ihm noch nachträglich zurufen, denn ob man ein Buch gut oder schlecht, spannend oder langweilig findet, hängt sicher nicht davon ab, ob es für Frauen oder Männer geschrieben wurde – sofern man das überhaupt ausmachen kann. Fall es also Bücher gibt, auf die die Bezeichnung “Frauenliteratur” passt, dann sind es die jüngsten Romane “Paradies” von Amelie Fried und “Plötzlich Millionärin – nichts wie weg” von Gaby Hauptmann. Denn beide Bücher befassen sich mit Problemen, die Frauen im mittleren Alter haben, zumindest wenn man den Autorinnen glaubt.

„Ich wagte einen frechen Versuch, verrieb Festiger in meinen Handflächen und strich mir die Haare streng hinter die Ohren. Das veränderte mich total. Plötzlich sah ich irgendwie italienisch aus.“
Aus “Plötzlich Millionärin”

In Gaby Hauptmanns “Plötzlich Millionärin” muss die 45-jährige Steffi nach einer Scheidung sparsam leben, um mit dem Gehalt, das sie als Verkäuferin verdient, auszukommen. Als die überraschend über eine Million Euro im Lotto gewinnt, beschließt sie, eine Reise nach Afrika zu machen. In einer Safari-Lodge trifft die schüchterne Steffi nicht nur auf ganz unterschiedliche andere Urlauber. Sie begegnet auch einer neuen Liebe.

“Allein die Vorstellung, nicht einkaufen und kochen zu müssen, erfüllte sie mit Euphorie.” Aus “Paradies”

Auch in Amelie Frieds Roman “Paradies” sind die Hauptfiguren an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an dem sie eine Entscheidung treffen müssen. Ähnlich wie Steffi, so steht auch die 46-jährige Lehrerin Petra vor den Scherben ihrer Ehe. Ihr Mann hat sie betrogen und so tritt die schüchterne Frau die Reise auf eine spanische Insel alleine an. Und wie in “Plötzlich Millionärin” trifft Petra hier auf  Menschen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen.

Wer tiefgründige Literatur sucht, die sich nicht unbedingt leicht erschließt, wird sich mit beiden Romanen langweilen. All diejenigen, die sich bei Geschichten à la Sonntagabend-Rosamunde-Pilcher-Fernsehen gut unterhalten fühlen, werden mit beiden Büchern ein paar vergnügliche Lese-Stunden haben.

 

Gaby Hauptmann: Plötzlich Millionärin – nichts wie weg. Piper, 15 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Amelie Fried: Paradies, Heyne, 17 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

 

 

Die Frau des Nobelpreisträgers

“Ich in eine Königsmacherin”, sagt Joan Castleman (Glenn Close) auf die Frage, was sie denn so mache. Spätestens dann ist dem Zuschauer klar, dass irgendetwas nicht stimmt an der Geschichte des erfolgreichen Schriftstellers Joe Castleman (Jonathan Pryce), ihres Ehemanns, dessen Laufbahn mit der Verleihung des Literaturnobelpreises gekrönt wird. Joe hat seine besten Jahre hinter sich und ist offenbar darauf angewiesen, dass ihn seine Frau  umsorgt, treusorgend könnte man schreiben, denn Joan kümmert sich nicht nur darum, dass er seine Herztabletten regelmäßig nimmt. Sie ist auch seine Sekretärin und sorgt dafür, dass er Termine einhält. Und sie vermittelt zwischen ihm und dem gemeinsamen Sohn (Max Irons), der ebenfalls Schriftsteller werden will und der nichts lieber möchte, als von seinem Vater anerkannt zu werden.

Anerkannt werden, das möchte auch Joan, nicht dafür, dass sie eben das ist “Die Frau des Nobelpreisträgers” wie der Filmtitel schon sagt.  Denn sie und nicht Joe ist die eigentliche geniale Schriftstellerin, die aus den Ideen ihres Mannes die erfolgreichen Bücher schreibt, die ihm den Nobelpreis einbringen.

“Es gibt nichts Verwerfliches, an dem was wir tun.”

“Die Frau des Nobelpreisträgers” ist ein ruhiger Film, der von den Hauptdarstellern lebt. Doch das allein reicht nicht. Freilich zeigt  Glenn Close all das, was man von einer mehrfach ausgezeichneten Schauspielerin erwartet, aber auch nicht mehr. Es fehlt den ganzen Film hindurch das letzte Stückchen, das den Zuschauer emotional packt und für Joan mitfiebern lässt. Dass Glenn Close im Vorfeld der jüngsten  Golden-Globe-Verleihung für ihre Leistung hochgelobt und letztlich als beste Hauptdarstellerin in einem Drama ausgezeichnet wurde, ist meiner Ansicht nicht gerechtfertigt.

☆☆☆☆

Reiseführer London

Auch die neue Auflage des Reiseführers über London überzeugt durch zahlreiche hilfreiche Tipps und Hinweise auf bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten, aber auch auf Übernachtungsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel. London-Neulinge werden vom Autor Ralf Nestmeyer in die Vielfalt der sich immer wieder neu erfindenden britischen Hauptstadt eingeführt (Sightseeing-Klassiker) und Kenner erfahren das ein oder andere Neue, das es lohnt, auf die Liste für den nächsten Trip gesetzt zu werden (Sightseeing-Alternativen).

“Sehenswertes” nicht nur für Regentage

Alternativen sollte man aber auch für einen Regentag einplanen. Will man dann eine der 18 vorgestellten Touren nicht nachlaufen, aber die anvisierte Gegend dennoch besuchen, lohnt sich ein Blick unter den Punkt “Sehenswertes”, der beispielsweise Museen auflistet, die – auch das sei gesagt – kostenlos sind und in aller Regel auch ein nettes Café oder Restaurant inklusive Wlan haben, in dem man entspannen und den weiteren Tag planen kann.

Die mittlerweile 12. Auflage des MM-City Reiseführers London ist nicht nur ein kompakter Begleiter vor Ort, sondern auch ein praktischer Helfer bei der Vorbereitung. Wenn man nicht weiß, wo man übernachten oder eine andere Unterkunft ausprobieren möchte, empfiehlt sich ein Blick in die Hotelliste, die von teuer bis günstig ein weites Spektrum anbietet.

 

Ralf Nestmeyer: Reiseführer London, MM-City,  Michael-Müller-Verlag, 17,90 Euro, Neuauflage 2019.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Mehr über London gibt es auf meinem Blog hier.
Ein Interview mit Ralf Nestmeyer ist hier zu finden.

 

Michaela Karl: Unity Mitford – Eine Biografie

Unity Mitford war das, was man heute einen Fan nennen würde. Allerdings begeisterte sie sich nicht für einen Sänger, Fußballverein oder einen Schauspieler. Sie war eine Anhängerin von Adolf Hitler und nach allem, was man weiß, eine fanatische, die blind alles, was der Diktator tat und sagte, nicht nur gut hieß, sondern glorifizierte. Ein Verhalten, das umso erstaunlicher ist, wenn man weiß, dass die Engländerin Unity Mitford als Tochter eines Lords zwar in der privilegierten Upperclass, aber unkonventionell aufwächst. Ihre Begeisterung für alles Deutsche führte sie in den 1930er Jahren für ein Sprachenstudium nach München – mit dem Ziel den Reichkanzler kennenzulernen.

Michaela Karl beschreibt in “Ich blätterte gerade in der ‘Vogue’, da sprach mich der Führer an” Unity Mitfords Leben akribisch, detailreich und verweist dabei auf zahlreiche Quellen.  Das macht die Biografie auf der einen Seite fundiert, auf der anderen aber zu keinem einfachen Lesestoff und man wünscht sich hin und wieder das Ende eines Kapitels herbei. Was nicht daran liegt, dass das Buch schlecht geschrieben wäre, sondern daran, dass zumal für Leser, die vorher noch nichts von Unity Mitford gehört haben, zuviel Wissen auf einmal transportiert werden soll.

“Das Böse ist wandelbar und Unity Mitford ein gutes Beispiel dafür, wie sympathisch, humorvoll und hübsch es anmuten kann.”

Hat man aber durchgehalten, so wird man mit einem Epilog belohnt, der auf die Nachwirkungen eingeht, die Unity Mitford in der Literatur von Truman Capotes  “Frühstück bei Tiffany”, Alan Bennetts “Die souveräne Leserin” bis zu J.K. Rowlings Hexe Bellatrix Lestrange hat. Michaela Karl schreibt zurecht, dass auch heute noch Menschen der Faszination des Faschismus erliegen und dem Populismus Vorschub leisten. Inwieweit aber die Shakespeare-Verfilmung von “Richard III.” mit Ian McKellen “cool”  und Teil einer “faschistischen Ästhetik ist, die längst Teil des Kunstbetriebs geworden ist”, darf nicht zuletzt deshalb bezweifelt werden, weil Richard wie auch in William Shakespeares Stück selbst als das personifizierte Böse dargestellt wird, das zum Schluss besiegt wird.

 

Michaela Karl: “Ich blätterte gerade in der ‘Vogue’, da sprach mich der Führer an. btb, 11 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Mick Herron: Slow Horses

Ausgemustert und abgeschoben, das sind die Agenten, die Slow Horses – und River Cartwright ist einer von ihnen. Statt im aktiven Dienst in Regent’s Park zu sein, wurde er mit den anderen abgeschoben in eine Dienststelle in der Nähe des Barbican, dem Londoner Kulturzentrum, das ungefähr so hässlich wie groß ist. River ist hier, weil er bei einer Übung nicht verhindern konnte, dass einer der größten Bahnhöfe Londons, King’s Cross, zum Erliegen kommt. Zusammen mit den anderen ausgemusterten Spionen versucht er nicht nur die immer gleiche Routine zu durchbrechen, sondern auch wieder zurückzukommen in den aktiven Dienst.

Mick Herron lässt mit “Slow Horses” den Spionagethriller wieder aufleben, den manche wenn nicht mit dem Ende des Kalten Krieges, so doch spätestens mit den Werken des großen John le Carré für beendet erklärt haben. Dabei beeindruckt der Roman nicht so sehr durch turbulente Szenen, sondern durch eine durchdachte Handlung, die den Charakteren Zeit gibt, sich zu entwickeln.  London-Liebhaber werden als Extra-Bonus bekannte Straßen und Plätze vorfinden. Die wunderbare Arbeit von Stefanie Schäfer lässt einen fast vergessen, dass man eine Übersetzung liest.

 

Mick Herron: Slow Horses, Diogenes, 24 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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