Kategorie: Film (Seite 1 von 3)

Geheimnis eines Lebens

So ganz hat sie scheinbar nicht verstanden, weshalb sie verhaftet wird. Die über 80 Jahre alte Joan Stanley (Judi Dench) wird in ihrem Haus in einem Londoner Vorort verhaftet und intensiv verhört. Konfrontiert mit ihrer Vergangenheit erfährt der Zuschauer nach und nach, dass die junge Joan (Sophie Cookson) 1938 in ihrer Zeit als Physik-Studentin in Cambridge Freundschaften und Beziehungen zu russischen Kommilitonen unterhielt. Die biedere Joan lernt die aus Russland stammende Studentin Sonya (Tereza Sbrová) kennen und ist fasziniert von deren offensichtlicher Weltläufigkeit, probiert buchstäblich deren rote (!) Stöckelschuhe an und posiert in einem Pelzmantel vor ihrem großen, goldenen Spiegel. Und sie verliebt sich unsterblich in deren gutaussehenden Cousin Leo (Tom Hughes, der in „Victoria“ Prinz Albert spielt), mit dem sie über Jahre hinweg eine „on/off-Beziehung“ führt und der sie als Spionin für die Sowjetunion gewinnen will. Als Assistentin von Max Davis (Stephen Campbell Moore, jüngst in „A Child in Time“ zu sehen) hat Joan während des Zweiten Weltkriegs Zugang zu einem Projekt, mit dem Großbritannien eine eigene Atombombe entwickeln will. Als sie erfährt, welche furchtbaren Auswirkungen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki hatten, kann sie nicht mehr länger untätig zuschauen, wie sich die Menschheit selber vernichtet. Joan beschließt, wichtige Unterlagen an die Sowjetunion zu verraten.

„Geheimnis eines Lebens“ wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart des Jahres 2000, in der die alte Joan verhört wird, und der Zeit kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs. Während sich die alte Joan an damals erinnert, schafft es eine überragende Judi Dench mit nur wenigen Worte und Gesten, ihre Verwunderung über die MI5-Verhörer auszudrücken, die offenbar keine Ahnung vom damaligen Leben haben, das sie gleichsam mit einem Seufzer wieder belebt.

Am besten in eine „Frauenladen” gehen

Diese Rückblenden, in denen Sophie Cookson als junge Joan brilliert, sind in der besten Tradition eines Period-Dramas inszeniert, in der von der zeitgenössischen Kleidung bis hin zur Teetasse alles mit viel Liebe zum Detail ausgesucht und in Szene gesetzt wurde. Darüber hinaus zeigt es aber auch, in welchen Umständen Frauen damals gearbeitet haben, dass sie nicht als ebenbürtige Kolleginnen wahrgenommen wurden, sondern bestenfalls Tee servieren oder als Sekretärinnen adrett auf dem Besucherstuhl Notizen machen durften. „Wir sind Frauen, niemand traut uns das zu“, bringt Sonya das Ganze treffend auf den Punkt und gibt Joan dann auch noch den Tipp am besten in einen „Frauenladen“ zu gehen, wenn sie einen Verfolger abschütteln will. Witzig und bezeichnend zugleich ist dann auch die Reaktion eines Polizisten, der Joans Handtasche durchsucht, eine Packung mit Damenbinden wie elektrisiert wegsteckt und die Tasche wieder zurückgibt, ohne die in der Packung versteckte Minikamera gefunden zu haben. Gleichberechtigung ist ein Thema, das unwillkürlich an den Film „Hidden Figures“ erinnert, der die unbekannten Frauen der Nasa in den USA der 1950er und 1960er Jahre in den Mittelpunkt stellt – und die beispielsweise um heute so banale Dinge wie eine Damentoilette in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes kämpfen mussten.

„Geheimnis eines Lebens“ ist ein leiser, aber umso eindringlicher Film, von dessen 102 Minuten keine überflüssig ist.
⭐⭐⭐⭐⭐

Tolkien

Wie ein Ausflug nach Mittelerde – so beginnt der Film „Tolkien“ mit Bildern des jungen JRR Tolkien, der in den englischen Midlands aufwächst und für den es nichts Schöneres gibt, als durch die zauberhafte Umgebung mit ihren uralten Bäumen zu streifen. Doch weil die Familie arm ist, muss sie nach Birmingham umziehen. Als ob das noch nicht genug ist, stirbt überraschend auch noch die Mutter. John Ronald (Nicholas Hoult) und sein Bruder Hilary (James MacCallum) kommen als Waisen in die Obhut des Priesters Francis Morgan (Colm Meaney, ja Chief O’Brien) und auf eine renommierte Schule. Dort freundet sich John mit einer Gruppe von Schülern an, die alle ärmer sind als er. Trotz der Klassenunterschiede entstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten und sogar das Trauma des Ersten Weltkriegs überdauern.

Schützengräben und eine Leidenschaft für Sprachen

Der Erste Weltkrieg ist es auch, der Tolkien jedenfalls in diesem Film prägen wird und aus dessen Schützengräben der Film im Rückblick erzählt. Inwieweit der Schöpfer von Mittelerde beispielsweise in den Feuersbrünsten zwischen den Fronten Fabelwesen sah, die er in seinen späteren Geschichten verarbeiten wird, sei dahingestellt. Sicher ist, dass Tolkien zeitlebens eine Leidenschaft für Sprachen und deren Grammatik hatte, die er schon als Student nutzte, um eigene Sprachen und Schriften zu erfinden. Eine andere Leidenschaft gilt seiner großen Liebe Edith (Lily Collins).

„Tolkien“ ist ein bildgewaltiger Film, der immer wieder auf den Roman „Der Herr der Ringe“ anspielt und dessen Dramatik von Thomas Newmans Musik unterstrichen wird – nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, sondern genau richtig, um die Schauspielkunst der beiden Hauptdarsteller zu unterstreichen: Nicholas Hoult, der zuletzt in „The Favourite“ neben Olivia Coleman („Night Manager“) zu sehen war und der Nikola Tesla in „The Current War“ (Starttermin für Deutschland noch unklar) verkörpern wird, überzeugt als Tolkien und ist in der Figur leinwandfüllend. Lily Collins, die in der BBC-Miniserie „Les Misérables“ zu sehen war, spielt Edith so mühelos und glaubhaft, dass man ihr sowohl die erwachsene Frau als auch das verliebte Mädchen abnimmt. Schade eigentlich, dass der Film nur in wenigen Kinos läuft und lief. Dabei hätte er weit mehr Vorstellungen auch in der Originalversion verdient. Immerhin ist die DVD für Ende Oktober angekündigt.
⭐⭐⭐⭐⭐

Traumfabrik

Was ist die Welt des Films doch für eine Welt, und was für ein Gewusel erwartet den Besucher in den Filmstudios der Defa! Die ersten Minuten des Films „Traumfabrik“ (FSK 6, 127min) entfalten eine Vielfalt an Gestalten, Farben und Geräuschen, die den Zuschauer nicht nur wegen der Kamerafahrt überwältigen. Auch Emil (Dennis Mojen), den die Kamera und mit ihr die Zuschauer auf seinem ersten Weg durch das weitläufige Gelände und die Hallen des Filmgeländes in Berlin-Babelsberg begleitet, weiß gar nicht, wo er hinschauen soll, so sehr wimmelt es von römischen Soldaten, Tänzerinnen und exotischen Tieren, die von einem Dreh kommen oder zu ihrer nächsten Szene gehen. Doch dann sieht Emil Milou (Emilia Schüle) und die Welt um ihn herum scheint stillzustehen.

Wie sich herausstellt, ist die junge Frau Französin (oder Deutsche mit französischem Pass?) und Tanzdouble für die renommierte Schauspielerin Beatrice Morée (Ellenie Salvo González). Als der unsterblich verliebte Emil einige Zeit später eine besondere Überraschung für Milou vorbereitet, wird er enttäuscht, denn seine Angebetete erscheint nicht am verabredeten Treffpunkt, denn ihr Taxi wird auf der Glienicker Brücke von Grenzpolizisten mit vorgehaltenen Waffen gestoppt. Es ist der 13. August 1961, der Tag, an dem die DDR die Grenzen zu den westlichen Sektoren Berlins geschlossen hat. Das ist der Grund (den Emil zunächst nicht kennt), weshalb Milou nicht aus ihrem Hotel im Westteil der Stadt (ob die Menschen damals sofort „West-Berlin“ gesagt haben?) zu den Defa-Studios kommen kann und deshalb zunächst wieder zurück nach Paris fliegt. Emil aber will Milou unbedingt wieder nach Berlin locken und verfällt auf die Idee, nicht nur das Drehbuch für einen Film zu schreiben, sondern extra für Milou eine Tanzszene einzubauen und damit ihren Traum zu erfüllen. Zu allem Überfluss kommt dem völlig unerfahrenen Emil auch noch der Zufall zu Hilfe, und er findet sich als Regisseur nebst entsprechendem Büro wieder.

Der Film, der zu viel will

„Traumfabrik“ ist ein Film, der zu viel sein will: Komödie und historischer Film, Liebesfilm mit einem Schuss von Musical und eine Hommage an die große Zeit des Kinos – das Ganze auch noch verpackt in eine Rahmenhandlung, in der der Großvater Emil (Michael Gwisdek) seinem Enkel den eigentlichen Film als die Geschichte seiner Jugend erzählt. Doch der Anspruch ist so groß, dass auch ein überragend agierender, furchteinflößender Heiner Lauterbach als mächtiger Defa-Generaldirektor Beck den Film nicht vor dem Abdriften in den Kitsch bewahren kann. Schade, denn „Traumfabrik“ hätte sich in die jüngsten hervorragenden Produktionen wie den im April angelaufenen Film „Der Fall Collini“ (auch mit Heiner Lauterbach) oder die auf Hape Kerkelings Lebenserinnerungen basierende Tragikomödie „Der Junge muss an die frische Luft“ einreihen können. Das aber schafft „Traumfabrik“ nicht.

⭐⭐⭐

Spider-Man: Far From Home

Wehmütig endet „Avengers: Endgame“ mit dem Tod zahlreicher geliebter Helden und wehmütig ist der nächste Marvel-Blockbuster auch am Anfang. Peter Parker (Tom Holland) sieht als Spider-Man ein riesiges Bild von Iron Man (Robert Downey Jr) auf einer Hauswand und kann die Tränen kaum zurück halten. Zu nah sind noch die Erinnerungen an den „Blip“, mit dem einige Helden – und mit ihnen auch normale Menschen – dank der Portale von Doctor Strange und Wong von den Toten zurückgeholt wurden. Doch einige, darunter Iron Man, alias Tony Stark, haben sich für den Fortbestand der Menschheit geopfert. Da hilft es wenig, dass Tony seine Brille an Peter übergeben hat, der sich mit diesem Erbe überfordert fühlt. Er verwendet das Gadget lieber dafür, seinen Klassenkameraden auf dem Schulausflug nach Europa hinterher zu spionieren.

Denn schließlich ist Peter wenn er sich nicht gerade in das Spider-Man-Kostüm zwängt, nichts weiter als ein Junge in der Pubertät, der seinem Schwarm MJ (Zendaya) auf dem Eiffelturm in Paris seine Liebe gestehen will. Doch bis es soweit ist, muss er in Venedig noch ein Wassermonster bekämpfen, Bekanntschaft mit einem neuen Superhelden namens Quentin Beck oder Mysterio (Jake Gyllenhall) machen und die aufdringlichen Anrufe von S.H.I.E.L.D-Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson) abwehren.

„Spider-Man: Far From Home“ ist ein würdiger Nachfolger von „Endgame“, weil er in bester Marvel-Manier zahlreiche Verweise auf den jüngsten, aber auch auf frühere Filme macht und den Übergang zur nächsten Phase im Marvel-Universum weitererzählt. Neben den wehmütigen Momenten, bei denen die Zuschauer die ein oder andere Träne verdrücken, ist dieser Film voller Witz und beeindruckender Special Effects, die nicht zuletzt deshalb so überraschend sind, weil sich Spider-Man statt durch die Häuserschluchten New Yorks dieses Mal durch Venedigs Kanäle, über Hollands Tulpenfeldern oder entlang Londons Tower nebst ikonischer Tower Bridge schwingt. Tom Holland zeigt, dass er das Spider-Man-Kostüm würdig auszufüllen weiß. Wie bei allen Marvel-Filmen gilt: den ganzen Abspann anschauen.
⭐⭐⭐⭐⭐

Niemandsland – The Aftermath

Deutschland unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Briten haben Hamburg oder das, was von der Hansestadt noch übrig ist, besetzt. Rachael Morgan (wie immer wunderbar in historischen Filmen: Keira Knightley) kommt aus London, um wieder mit ihrem Mann Lewis (Jason Clarke) zu leben, der als Colonel eine unzerstörte Villa für sich und seine Frau beschlagnahmt hat. Überraschenderweise erlaubt Lewis dem Eigentümer, dem Architekten Stefan Lubert (Alexander Skargård), und seiner Tochter Freda (beeindruckend: Flora Thiemann) im Dachboden wohnen zu bleiben. Des Fraternisierungsverbots ungeachtet, kommt es natürlich zu Annäherungen und den entsprechenden Verwicklungen, Liebe, Trauer und Eifersucht inklusive.

“Es ist das gleiche Meer.”

Was „Niemandsland – The Aftermath“ ausmacht, ist nicht so sehr das überraschende Ende, sondern die niemals unfaire Darstellung von Siegern und Besiegten, Schuldigen und Unschuldigen. Die hierzulande übliche Unart, Filme zu synchronisieren, offenbart eine der größten Schwächen, begreift doch Rachael gerade ihre fehlenden Deutschkenntnisse vor allem am Anfang als Ausgrenzung. Dass die Briten Deutsch wenn überhaupt mit schwerem Akzent sprechen und in der Originalfassung ihre jeweilige regionale Sprachfärbung behalten, geht in der Synchronisation verloren. Die Tatsache, dass man die Rolle des Stefan Lubert nicht mit einem Deutschen besetzen konnte oder wollte (warum eigentlich?), beschert den deutschen  Zuschauern einen mit schwedischem Akzent sprechenden Alexander Skargård.

Auch in der deutschen Fassung kann man sich  auf die Handlung und die detailreiche Ausstattung konzentrieren, sich fragen, ob Rachael ihre gesamte Garderobe tatsächlich in dem kleinen Koffer mitgebracht hat und woher im ausgebombten bitterkalten Hamburg die wunderschönen Rosengestecke kommen –   und einen Film jenseits des Popcorn-Kinos erleben.

Der Film basiert auf dem Buch von Rhidian Brook, das auf Deutsch bei btb erschienen ist.

[Das Zitat ist meine Übersetzung]

⭐⭐⭐⭐⭐

Der Fall Collini

Der angesehene Großindustrielle Hans Meyer (Manfred Zapatka) wird scheinbar grundlos in seiner Berliner Hotelsuite ermordet. Der junge Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) übernimmt die Pflichtverteidigung des Italieners Fabrizio Collini (Franco Nero), der bevor er zum Mörder wurde, unbescholten in Deutschland gewohnt hat. Der  scheinbar eindeutige Fall wird für Caspar auch zu einem persönlichen Problem. Denn es stellt sich heraus, dass der Ermordete nicht nur sein Ersatzvater war,  sondern auch  der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara). Darüberhinaus ist ihm der erfahrene Strafverteidiger Professor Richard Mattinger (Heiner Lauterbach), bei dem Caspar auch noch studiert hat, ganz offensichtlich überlegen.

“Es war damals eine andere Zeit.”

“Der Fall Collini” könnte sich nur mit einem ehrgeizigen jungen Anwalt beschäftigen, der bei seinem ersten Fall mehr als alles nur richtig machen will. Schon alleine deshalb wäre die Rolle des Caspar Leinen mit der 36-jährigen Elyas M’Barak sehr gut besetzt, der den meisten bisher nur aus den “Fack-ju-Göthe”-Filmen bekannt sein dürfte und der sich auf der nächsten Stufe seiner Karriereleiter, hin zum Charakterdarsteller befindet. Doch der Film unter der Regie von Markus Kreuzpaintner beschäftigt sich auch mit dem grundlegenden Thema Recht, Gerechtigkeit und – man ist versucht zu schreiben dem unvermeidlichen Thema eines deutschen Films – der Zeit des Nationalsozialismus und der jungen Bundesrepublik. In der Zeit der Studentenproteste verabschiedete der Deutsche Bundestag das “Einführungsgesetz zum Ordnungswidrigkeitengesetz, kurz EGOWiG”, das Mitläufer des NS-Regimes lediglich als Gehilfen, aber nicht als Mörder einstufte, weshalb die Taten der meisten NS-Verbrecher als verjährt galten.

Freilich: diese ganze Thematik, die vor allem für juristische Laien schwer verständlich ist, bräuchte eine längliche Dokumentation. Weil aber “Der Fall Collini” ein Spielfilm ist,  lässt er sie die Figuren in Dialogen abhandeln,  ohne allerdings die NS-Morde zu verharmlosen. Dass das auf überzeugende und beeindruckende Weise gelingt, liegt nicht nur an der dichten Handlung und an der Kameraführung, die die Gesichter der Figuren immer wieder in Großaufnahmen zeigt, sondern auch an den durchweg überzeugenden Schauspielern. Am Ende will man nicht nur mehr über den rechtlichen Hintergrund wissen, sondern wundert sich auch, wie schnell 118 Minuten vergehen können.

⭐⭐⭐⭐⭐

Der verlorene Sohn

Ein Sohn, der erkennt, dass er schwul ist. Ein Vater, der Baptistenprediger und Inhaber eines Autohauses ist. Und eine Mutter, die sich entscheiden muss, ob sie immer nur passiv sein will. Jared (Lucas Hedges) stellt mit seinem Outing nicht nur das zutiefst religiöse Leben seiner Mutter Nancy (Nicole Kidman) und seines Vaters Marshall (Russell Crowe) auf den Kopf, sondern das der ganzen Gemeinde. Zusammen mit deren Predigern fällt die Entscheidung, den 19-jährigen Jared in ein Zentrum zu schicken, in dem Homosexuelle mit der “Reparativtherapie” geheilt werden sollen – basierend auf der Überzeugung, dass sie “so” nicht auf die Welt gekommen sind. Unter dem Druck, seine Familie und seine religiöse Identität zu verlieren, entschließt sich Jared, die brutalen und entwürdigenden Methoden des Therapeuten Victor Sykes (Joel Edgerton) über sich ergehen zu lassen.

“Ich denke an Männer. Ich weiß nicht wieso, und es tut mir auch leid.”

“Der verlorene Sohn” ist alles andere als Popcorn-Kino und streckenweise nur schwer zu ertragen. Das liegt vor allem am  brillanten Lucas Hedges, der wie schon zuvor in “Ben is back” erneut beweist, dass er die schockierenden Erlebnisse, die darin gipfeln, seine Identität auszulöschen (der englische Titel “Boy Erased” weist das viel deutlicher aus als der deutsche) glaubhaft darstellen kann. Flankiert von einer Nicole Kidman, die  streckenweise die Verkörperung amerikanischer Hausfrauen-Klischees ist und Russell Crowe, der bis zuletzt nicht von seiner religiösen Überzeugung abweicht, zieht der Film den Zuschauer in den Bann. Bis zum Ende, das dem Film nicht gerecht wird.

Der Film basiert auf den Erinnerung von Garrard Conley, der seine Erlebnisse unter anderem im Roman “Boy Erased” (auf Deutsch im Secession-Verlag) verarbeitet hat.

★★★★

 

Green Book

In the 1960s Tony Lip (Viggo Mortensen) is a bouncer in a New York nightclub. When this is closed due to renovation, he applies for a job Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) has to offer. As it turns out, Shirley is not a “normal” doctor but a highly acclaimed black pianists who looks for a driver for his upcoming tour into America’s deep south. Tony takes this job, trying everything to stick to the schedule and reaching every town just in time to settle the stage and prepare for the next concert. The deeper they get into the southern states, where segregation is still in place, Tony realises that Don is only welcome and cheered at when he is the pianist on the stage  but not as a black man. Don on the other hand learns that Tony is a man he can rely on.

“It takes courage to change people’s hearts.”

“Green Book” which title refers to the “Negro Motorist Green Book“, an annual guide book for afro-american roadtrippers, tells a story that isn’t totally new to both the big and the small screen. But the way the story between two different men who become unlikely  friends is told here, is funny and sad and shocking and it has a warmth that draws you easily into its 130 minutes – with no boring moments.

Mahershala Ali took a Bafta, a Golden Globe and an Oscar as best supporting actor, while Viggo Mortensen was nominated as leading actor.
“Green Book” won the Oscar for best picture.

[Updated after the Oscars ceremony

★★★★★

Ben is back

Es ist eine ganz besondere Überraschung für die Familie, denn der 19-jährige Ben (Lucas Hedges) steht an einem kalten und verschneiten Tag plötzlich vor der Tür. Seine Mutter Holly (Julia Roberts) ist voller Freude, sollte doch ihr Sohn Weihnachten in einer Drogen-Entzugsklinik verbringen. Während Tochter Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) skeptisch sind und glauben, dass es für Ben viel zu früh ist, die Klinik zu verlassen, tut Holly alles, damit ihr geliebter Sohn keinen Rückfall erleidet. Sie versteckt alles, womit seine Sucht getriggert werden könnte,  nimmt sich vor, ihn keine Sekunde aus den Augen zu lassen und gleichzeitig ihre Familie zusammenzuhalten.

“Du wirst mir keinen Augenblick von der Seite weichen. Denn In den nächsten 24 Stunden entscheide nur ich, ganz allein , verstanden?”

“Ben is back” ist ein sehr intensiver Film, der vor allem auf die Präsenz einer beeindruckenden Julia Roberts setzt. Dabei ergänzt sie sich kongenial mit Lucas Hedges, der Ben gleichzeitig sensibel, verletzlich, aber auch schroff und ablehnend spielt. Alles in allem ist der Film keine leichte Unterhaltung, bietet er weder – so viel sei verraten – ein Happy End, noch gibt es während der ganzen 103 Minuten Momente der echten Entspannung oder des Glücks. Immer erwartet man, dass irgendetwas passiert, auch wenn man nicht so genau weiß, was das denn nun eigentlich sein sollte. Vielleicht ist das der Grund, weshalb dieser Film möglicherweise einer sein wird, der von diesem Filmjahr im Gedächtnis bleiben wird.

★★★★★

Colette

What if you are a gifted author whose stories are beloved by their readers? You can make a living out of it – but only if you are a man. That’s the problem Gabrielle Colette (Keira Knightley) faces after she has moved with her husband Henry Gauthier-Villars (Dominic West) from rural France to Paris. Here they live a bohemian life at the dawn of the 20th century. While her husband tries to write articles for various magazines with the help of ghost writers, he discovers Colette’s talent and convinces her to write novels. The first one is published under his name – Willy – and becomes a huge success with an audience demanding for more. Henry, keen to earn more money by selling more “Claudine” novels, forces Colette to continue writing under his name while they both enjoy a celebrity’s couple’s life including parties and different sexual relationships.

“My name is Claudine, I live in Montigny; I was born there in 1884; I shall probably not die there.”

But as time goes by, a frustrated Colette doesn’t want to hide her authorship anymore, she wants to be more than only her husband’s wife – questioning the norms of society.

“Colette” is a beautifully made film where every single detail of the set is chosen very carefully. Keira Knightley fits perfectly in this set and in the corsets, skirts and dresses while being witty, funny, angry and all in all a joy to watch. In 2014 she was Benedict Cumberbatch‘s Alan Turing‘s fiancée and life long friend Joan Clarke in “The Imitation Game” which earned her (and Benedict) an Oscar nomination. In this film Keira is on top of her performance abilities, portraying Colette from a shy girl to a strong woman ready to walk her way in a society dominated by men. One of the shiny 2019 Oscars could carry Keira’s name.
★★★★★

« Ältere Beiträge

© 2019 die bedra

Based on the Theme by Anders NorenHoch ↑

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Du hier bleibst, stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. This site uses cookies. By continuing browsing, you are consenting to the use of cookies. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen