Sie ist Studentin, aber eigentlich angehende Schriftstellerin, obwohl sie gerade so etwas hat wie eine Schreibblockade. Die Ich-Erzählerin ist Anfang 30 und weiß im Grunde noch nicht so genau, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen soll. Als ihre Mutter ihr telefonisch mitteilt, dass sie Krebs im Endstadium hat, ist nichts mehr so, wie es gerade eben noch war. Natürlich fährt die Tochter heim, in die Heimat irgendwo in der norddeutschen Provinz, in der Windräder, Vogelschwärme und Wiesen die Landschaft prägen.
„Ich studier jetzt in der Schweiz.“
Die Ich-Erzählerin blickt in auf ihr bisheriges Leben zurück, springt aber immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Eine Gegenwart, die durch die Krankheit der Mutter bedrückend ist. Eine Mutter, die sich auf der einen Seite als Pastorin rührend um ihre Gemeindemitglieder gekümmert hat, aber gleichzeitig ihre eigene Familie vernachlässigt, wenn sie etwa ihre Kinder viel zu spät zu einem Segelkurs schickt und vergisst, ihnen Kleidung zum wechseln mitzugeben. Fast logisch, dass sie beide nicht fragt, ob sie überhaupt Lust haben, segeln zu lernen.
„Zu Hause eile ich ins Haus und gleich nach oben ins Schlafzimmer.“
Marie-Louise Monrad Møller legt mit „Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ ein Buch vor, das nicht leicht zu lesen ist. Das liegt auch an der ungewöhnlichen, nur scheinbar einfachen Sprache, die versucht, durch die Annäherung an die Alltagssprache Direktheit und Nähe zur Ich-Erzählerin herzustellen. Über allem aber liegt das Thema des Romans, die Frage, wie die Familie mit der Krankheit der Mutter umgeht.
Wer sich auf den Roman einlässt, wird feststellen, dass der nicht in einem Rutsch zu lesen ist – schon gar nicht, wenn man selbst vielleicht gerade ähnliches durchmacht oder erst kürzlich erlebt hat. Einen Eindruck, der bleibt, hinterlässt die Geschichte aber allemal.
Marie-Louise Monrad Møller: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart. Kanon, 23 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

