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Matt Haig: Die Mitternachtsreise

Angeblich zieht im Moment des Todes das eigene Leben an einem vorüber. Oder ist es ein Zug? Wilbur Budd stirbt in seinen Achtzigern – und erhält einen Karte für den Mitternachtszug, der ihn zu verschiedenen Stationen seines Lebens bringt. Irgendwo in einem Raum zwischen Leben und Tod erhält er die Möglichkeit, sich selbst und sein  damaliges Verhalten zu beobachten und neu zu bewerten. Aber er darf nicht, wie ihm Agnes Bagdale einschärft, mit seinem jüngeren Ich Kontakt aufnehmen. Und so sieht sich Wilbur als kleiner Junge, der in eben dem Buchladen von Agnes in Sheffield Zuflucht findet und mithilfe von Büchern aus der Realität fliehen kann. Später, als erfolgreicher Buchhändler, der mehrere Filialen betreibt, muss er aber erkennen, dass seine Karriere sein komplettes Leben bestimmt.

„Ich weiß nicht, wo sich die Vergangenheit verbirgt, aber dort werden wir uns begegnen.“

Matt Haig nimmt in „Die Mitternachtsreise“ Motive wieder auf, die er beispielsweise in „Die Mitternachtsbibliothek“ schon einmal verwendet hat. Neben Fragen, um die sich auch Science-Fiction-Romane oder -Filme drehen – wie etwa das Problem der unterschiedlichen Zeitlinien oder das Verbot, sich in die Vergangenheit einzumischen – geht es vor allem um die Frage: „Wie wäre es, wenn du dein Leben noch einmal leben könntest?“

„Der einzige Weg zu lernen ist zu leben.“

Wie schon seine früheren Bücher, so ist auch in der „Mitternachtsreise“ die Geschichte in sich stimmig. Die Figuren sind so glaubhaft und lebendig beschrieben, dass man sich für sie interessiert und mehr über sie wissen möchte. Allen voran natürlich Wilbur, der im Grunde nur ein Buchhändler ist, dem Bücher und Leser über alles gehen, auch wenn er das nicht immer weiß.

„Du steigst jetzt aus. Und wenn du den Zug abermals hörst, steigst du wieder ein. Wirklich ganz simpel.“

Wer mag, nimmt aus „Die Mitternachtsreise“ Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem, was wirklich wichtig ist und ob man etwas an seinem Leben ändern sollte, mit. Wem das als überinterpretiert erscheint, für den ist Matt Haigs neuer Roman einfach nur eine wunderbare Geschichte, mit dem man die Welt um sich herum vergessen kann. Und das ist doch genau das, was Bücher ausmacht.

Matt Haig: Die Mitternachtsreise. Droemer, 24 Euro. Aus dem Englischen von Sabine Hübner.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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