Urlaubszeit ist Lesezeit – auch für diejenigen, die immer ein oder mehrere Bücher zur Hand haben. Denn jetzt ist endlich Zeit fürs ungestörte Lesen.
Das Buch vor dem Film: Maggie O’Farrells „Hamnet“ zeigt die Welt des Jahres 1596. Eine Welt, in der das Wissen um die Behandlung von Krankheiten noch nicht einmal eine ferne Ahnung ist. Hamnets Zwillingsschwester kämpft mit einer tödlichen Krankheit. Doch nicht Judith stirbt, sondern – dank einer geheimnisvollen Wendung – Hamnet. Voller Schmerz und mehr oder weniger allein gelassen, muss die Mutter Agnes mit diesem Verlust weiterleben, auch wenn es scheint, dass sie sich von diesem Schicksalsschlag kaum erholen wird. Da ist es wenig hilfreich, dass ihr Mann William Shakespeare im weit entfernten London dabei ist, ein berühmter Dramatiker zu werden. Maggie O’Farrell schafft es, eine Zeit, in der sich Frauen mit Kräutern, Bäumen und Bienen beschäftigen und eins sind mit dem Kreislauf der Natur lebendig werden zu lassen. „Hamnet“ ist – mehr als der gleichnamige Film – ein Buch über die Liebe, den Verlust, den Schmerz und über starke Frauen.
Eine Welt außerhalb der Zeit: Der große britische Autor Ian McEwan nimmt die Leserin mit in eine Welt, die außerhalb der Zeit liegt und gleichzeitig unsere Gegenwart beschreibt. In „Was wir wissen können“ erscheint genau diese Gegenwart im Rückblick aus dem Jahr 2119 wie ein Paradies. Zumindest aus der Sicht des Literaturwissenschaftlers Thomas Metcalfe, dessen Welt dabei ist, sich von einem verheerenden Krieg zu erholen. Und in der Bücher überlebt haben. Auch dieser Roman von Ian McEwan ist eine Einladung in eine Welt außerhalb der Welt, in der man lesend gerne eintaucht – und sich schon auf das nächste Werk des 78-Jährigen freut.
Am liebsten ungestört: Tore Renbergs historischer Roman „Die Lungenschwimmprobe″ , der auf wahren Ereignissen basiert, spielt im Leipzig des Jahres 1681. Anna Voigt hat ein Kind bekommen, von dem sie bis zur Geburt nichts wusste. Das beteuert sie immer wieder – genauso wie dass sie es lebend zur Welt gebracht hat. Doch für die Obrigkeit ist das eine Ungeheuerlichkeit, die mit Folter und Tod bestraft werden soll. Ihr Vater versucht seine Tochter zu retten. Der junge Rechtsgelehrte Christian Thomasius und Doktor Johannes Schreyer glauben an die noch misstrauisch beäugte Wissenschaft – und an die Lungenschwimmprobe, die Annas Unschuld beweisen soll. „Die Lungenschwimmprobe“ ist eines dieser Bücher, das man am liebsten ungestört an einem Stück lesen möchte.
Wunderbare Geschichte: Julia Karnick nimmt uns in „Man sieht sich“ mit auf ein 30-jähriges Abitreffen, bei dem wie immer bei solchen Gelegenheiten unterschiedliche Gefühle mitspielen. Was ist aus den ehemaligen Klassenkameraden geworden? Wird man sie wiedererkennen? Und: wird die große Liebe von damals auch da sein? Frie ist froh, dass Robert wohl nicht kommen wird, doch als er dann doch aufkreuzt. Dass die beiden ineinander verliebt waren und immer noch sind, erfahren wir in Rückblenden ins Jahr 1988. Und lesen eine wunderbare Geschichte über zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind.

