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Dan Jones: Henry V.

Das Bild, das wir Heutige von der Vergangenheit haben, ist nicht selten geprägt von modernen Medien. Wir sehen einen Film, eine Serie und stellen erst nach einiger Zeit fest, dass wir mehr mitnehmen als nur ein paar Stunden gute Unterhaltung. Denn lebendig gewordene historische Stoffe formen unser Bild von einer Epoche oder einer historischen Persönlichkeit.

„Nicht weniger als zwanzigtausend Londoner Bürger sind (…) die Themse hinuntergekommen, um den König ‚würdig und königlich‘ zu empfangen.“

Für Menschen früherer Epochen waren das Erzählungen oder die Theaterbühne – nicht zuletzt die, auf der Stücke von William Shakespeare aufgeführt wurden. Und weil Dramen um das Leben und Sterben von Königen schon immer gut beim Publikum ankamen, nahm sich der von vielen als größter Dramaturg aller Zeiten gepriesene Shakespeare unter anderem auch Henry V. an. Und das so erfolgreich, dass auch heute noch seine Stücke als Grundlage für Filme genommen werden.
Das ist an sich nicht verwerflich. Interessant wird es aber dann, wenn Shakespeares Interpretationen so präsent sind, dass sie die historische Figur überlagern.

„Sobald er mit den Insignien der Königswürde ausgestattet war, wurde er plötzlich ein anderer Mensch.“

Dan Jones nimmt sich in seinem neuesten Werk eben dieses Henry V. an und macht das, was er am besten kann: Geschichte nicht nur verständlich erklären, sondern sie so lebendig werden lassen, dass man meint, kein Sachbuch sondern einen Roman zu lesen. Ein Buch, dass so faktensatt ist, aber gleichzeitig so spannend erzählt, dass man es kaum weg legen kann. Denn wir begegnen nicht nur einem König, einem Herrscher über sein Volk, einem Eroberer, der es schafft, auch König von Frankreich zu werden, sondern auch dem Menschen, der gerne liest, von seinen Zeitgenossen verehrt und von späteren Generationen – nicht zuletzt Heinrich VIII. – zum Inbegriff eines gutes Herrschers stilisiert wird. Und von William Shakespeare unsterblich gemacht wird.

„Anders als Richard II. wird (Heinrich) ein König sein, der nicht nur Stil, sondern auch Substanz hat.“

Henry V.“ ist nicht nur für die lesenswert, die sich mit dem englischen Königshaus und der britischen Geschichte beschäftigen. Denn es braucht kein profundes historisches Wissen über das europäische Mittelalter, um sich von Dan Jones in eine Zeit mitnehmen zu lassen, die gleichzeitig fremd und doch so vertraut ist. Wer der historischen Figur Heinrichs nahe kommen will und jenseits von Shakespeare (und der diversen Verfilmungen) mehr über ihn und seine Epoche erfahren will, der ist mit diesem Band bestens aufgehoben.

Dan Jones: Henry V. Der perfekte König, ein gnadenloses Leben, C.H. Beck, 35 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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