Schlagwort: Hoffmann und Campe

Francis Fukuyama: Identität

Die westlichen, liberalen Demokratien sind in der Krise – weil sie (noch) nicht in der Lage sind, ihre eigene Kultur höher einzustufen als die Kulturen, die demokratische Werte ablehnen. Hinzu kommt, dass Menschen es nicht mehr akzeptieren, respektlos behandelt zu werden. Wenn also Demokratien es wieder schaffen, zu “umfänglichen Versionen gegenseitigen Respekts zurückzukehren” und die Europäische Union darüber hinaus eine nationale Identität neu definiert (und im Idealfall eine eigene Staatsbürgerschaft schafft), kann eine Gesellschaft entstehen, deren Demokratie stabil ist und gleichzeitig offen für Zuwanderung.

Das ist – zugegeben – zugespitzt das, was Francis Fukuyama in “Identität” beschreibt und dabei geschichtlich gesehen weit ausholt. Doch er bleibt die Frage schuldig, wie das alles erreicht werden soll, schließlich bewertet seiner Ansicht nach eine “äußere Gesellschaft” das authentische innere Selbst falsch und unfair. Doch eine Gesellschaft, die jedem einzelnen inneren Selbsts Genüge tut, kann es genauso wenig gehen, wie einen einfachen Zugang zu “Identität”, das jetzt als Taschenbuch vorliegt.

Francis Fukuyama: Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet. Hoffmann und Campe, 14 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Annette Dittert: London Calling

Ach, London! Diese wunderbare, laute, dreckige und wunderschöne Stadt, die sich seit 2000 Jahren immer wieder neu erfindet – und die für viele die  Stadt überhaupt ist. Sie hat es Anne Dittert angetan. So sehr, dass die ARD-Korrespondentin beschlossen hat, sich dort niederzulassen, genauer gesagt auf einem dieser bunten Hausboote, die Little Venice seinen ganz eigenen Charme verleihen und die mindestens so exzentrisch sind wie man sich Einheimische vorstellt.

“London ist ein Zuhause geworden. Eine Stadt, in der ich seit fast zehn Jahren lebe. Länger bin ich noch nie an einem Ort gewesen.”

In ihrem Buch “London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel” zeigt Annette Dittert ihrem  Leser, weshalb sie sich in die britische Hauptstadt verliebt hat. Das liegt nicht nur an der Kulisse, die jeder aus dem Fernsehen oder aus dem Urlaub kennt. Es sind die Menschen und ihre unaufgeregte Art mit einem leckenden Hausboot genauso pragmatisch umzugehen wie mit einem überraschend einsetzenden Regen oder dem berühmten Nebel. Einige von ihnen stellt Annette Dittert mit der nötigen Distanz, aber auch mit der  Liebenswürdigkeit vor, die einem in London in der Tube genauso begegnen kann wie an der Theke des Schnellrestaurants, an der man seinen Kaffee in Empfang nimmt. Die Entschuldigungen, die die Wahl-Londonerin ob des Brexit-Referendums im Zug entgegenschlagen, sind genauso typisch wie der Blumenstrauß, den sie nach ihrer Rückkehr auf ihrem Hausboot vorfindet. Selbstverständlich gibt sich keiner der Nachbarn als Urheber zu erkennen.

Neben den Menschen ist es natürlich auch die Stadt selber, die in den Beschreibungen ihren Charme entfaltet – und so ganz nebenbei die ein oder andere Besichtigungstour abseits der üblichen Touristenpfade bereithält. Und so ist das Buch eine Liebeserklärung an London, die Fans der Hauptstadt nachvollziehen können.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Annette Dittert: London Calling. Als Deutsche auf der Brexit-Insel. Hoffmann und Campe, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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