Es könnte eine Sommer-Idylle sein, in diesem kleinen Ferienort am Meer, wo die Kinder Sandburgen bauen und Eis in der Sonne essen. Die Schwestern Isabel und Meg könnten die Zeit genießen, wenn sich ihre ältere Halbschwester Mildred nicht in einem nahe gelegenen Cottage zurückgezogen hätte.
Im warmen Wohnwagen (…) spürten beide Schwestern, wie sie plötzlich, unbarmherzig in Kindheitserinnerungen hineingezogen wurden.
Denn das Cottage weckt Erinnerungen an eine Zeit vor 15 Jahren als Onkel Paul verhaftet wurde – weil er versucht hat, seine erste Frau zu ermorden. Und Paul ist auch Mildreds große Liebe, über die ihre jetzige Ehe mit einem reichen älteren Mann, der damit einhergehende Luxus und das sorgenfreie Leben nicht wirklich hinwegtäuschen können.
Meine Ratschläge sind gewöhnlich unmoralisch und immer unpraktisch.
Doch wo ist Paul, wird er sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis rächen? Und wenn ja an wem?
Celia Fremlin baut in „Onkel Paul“ in bester englischer Krimi-Tradition eine Spannung auf, die in der von der strahlenden Sommersonne beschienenen Idylle unterschwellig mit köchelt. Zwar hält die Spannung nicht den kompletten 288-seitigen Roman durch – was auch daran liegt, dass die Figuren zu eindimensional bleiben, um eine echte Beziehung zu ihnen aufzubauen.
Das macht den 1959 erstmal erschienenen und jetzt vom Dumont-Verlag in einer Neu-Übersetzung herausgebrachten Roman zwar nicht zu einem unbedingt lesenswerten. Wer sich aber auf die mitunter etwas altertümliche Sprache und betuliche Erzählweise einlässt, wird ein paar schöne Lesestunden haben.
Celia Fremlin: Onkel Paul, Dumont, 22 Euro, aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
