Er ist ein Bauernsohn, der in seiner mittelfränkischen Heimat keine Perspektive für sich sieht. 1721 in Hüttendorf, heute einem Stadtteil von Erlangen, geboren, macht sich Johann von Kalb als 16- oder 17-Jähriger auf in die Fremde und kehrt wohl nie mehr in seine Heimat zurück.
„Er wusste auf Anhieb, wo ich herkomme. Franken, irgendwo zwischen Ansbach, Nürnberg, Bamberg. Erstaunlich! Nach so vielen Jahren.“
Er tritt in die französische Armee ein, taucht als Baron de Kalb in historischen Dokumenten auf und 1776 in den Vereinigten Staaten, die gerade dabei sind, sich vom britischen Empire im Unabhängigkeitskrieg loszusagen. An der Spitze einer Armee und als Freund George Washingtons wird Kalb 1780 in South Carolina tödlich verwundet. Auf der Sterbebett lässt er – oder vielmehr Helmut Haberkamm – sein Leben an sich vorbeiziehen.
„Washington spürte, dass wir einander im Grunde sehr ähnlich waren.“
Helmut Haberkamm mischt in „Der Baron im Blauen Haus“ historisch verbürgte Ereignisse mit Fiktion und holt einen Menschen aus dem Dunkel der Geschichte, der in seiner Heimat kaum bekannt ist. „Der Baron im Blauen Haus“ ist einer dieser wunderbaren Romane, die so unwahrscheinlich klingen, als dass sie auf wahren Ereignissen beruhen könnten und es doch tun.
Helmut Haberkamm: Der Baron im Blauen Haus, Ars Vivendi, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
