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Corona: Bücher gegen Langeweile

Es ist eine seltsame Atmosphäre, die sich mit dem Corona-Virus breitgemacht hat. Wer sich zu den gewohnten Zeiten auf dem Weg zur Arbeit macht, fährt durch weniger belebte Straßen, es sind kaum Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs. Und: es ist stiller.  In Gesprächen, ob real oder virtuell gibt es nur das Thema Corona und wie man mit den völlig ungewohnten Umständen zurecht kommt, jetzt, da sich das Leben zwangsweise ins eigene Heim zurückzieht. Was also tun, um nicht mehr als unbedingt nötig nach draußen zu müssen? Lesen, denn Bücher gehen  immer – hier ein paar Vorschläge:

Robert Galbraith: Cormoran Strike-Romane: Zugegeben: Ich bin  Cormoran Strike verfallen, also dem Detektiv,  der in mittlerweile vier Romanen von seiner mal mehr mal weniger dem Bankrott geweihten Detektei der Gerechtigkeit in London zu Sieg verhelfen will. Der ehemalige Soldat, der bei einem Anschlag in Afghanistan so schwer verletzt wurde, dass ihm ein Unterschenkel amputiert werden musste, ist trotz seiner grummeligen Art ein scharfsinniger Ermittler und im Grunde ein wunderbarer Mann. Wer sich für Detektivgeschichten begeistert und London mag, sollte dieser Reihe – die JK Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt  – eine Chance geben. Wie bei Buchreihen, bei denen sich die Charaktere nach und nach entwickeln, sollte man beim ersten Roman “Der Ruf des Kuckucks” (10,99 Euro) beginnen. Denn die jeweilige Handlung in den einzelnen Romanen ist zwar in sich abgeschlossen, bauen aber dennoch aufeinander auf. Auf Deutsch sind alle Bände bei Randomhouse erschienen.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage: Ein Frauenroman, der alles andere als kitschig ist, sondern der erste Band einer vielversprechenden Trilogie. Fasziniert vom Leben ihrer Urgroßmutter Lisette, das in ihrer Familie bekannt, aber weder von Mayas Mutter noch ihrer Großmutter ausführlich erzählt wird, versucht Maya hundert Jahre später mehr über Lisette und letztlich über ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen herauszufinden. “Leuchtende Tage “ist bei dtv erschienen und kostet 15,90 Euro.

Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten: Langweilig ist sie nicht, die Familie Sorensen. Das betrifft die Eltern Marilyn und David, die nach 40 Ehejahren nicht nur glücklich, sondern auch immer noch verliebt sind und das bei jeder Gelegenheit – auch unpassenden wie ihre Töchter finden – zeigen. Für die ist die Vorzeigeehe ihrer Eltern ein Vorbild, vom dem sie wissen, dass sie es nie erreichen werden und willkommener Anlass, Anstoß am elterlichen Verhalten zu nehmen. “Den größten Spaß, den wir je hatten” ist ein Buch, das man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Erschienen ist der 720-Seiten-Roman bei dtv und kostet 25 Euro.

Hartmut Lange: Der Lichthof: Wer keine längeren Stücke lesen kann oder mag, sollte es einmal mit den Novellen versuchen, die in diesem Band versammelt sind. Hartmut Lange erzählt Geschichten aus dem Alltag, die jeweils ganz eigene, unerwartete Wendungen nehmen. “Der Lichthof” ist bei Diogenes erschienen und kostet 22 Euro.

André Aciman: Fünf Lieben lang: Ein Buch voller Geschichten über die Liebe, ganz im Stil von “Call me by your name” – beide Bücher sind bei dtv erschienen.

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung: Wenn ein neues Buch erschienen ist, dann schicken Verlage ihre Autoren gern auf Lesereisen, vor allem dann, wenn die Buchverkäufe ein wenig angekurbelt werden sollen.  Logisch, dass das auch für Schiller und Goethe gilt, ungeachtet der Tatsache, dass die mittlerweile 260 und 270 Jahre alt sind. Eine witzige und in sich stimmige Geschichte, die man unbedingt bis zum Ende lesen will. Das Buch ist bei dtv erschienen und kostet 14 Euro.

James Rhodes: Playlist: Ein Buch über klassische Musik mit dem Format einer LP, dem Layout eines Comics und einer eigenen Playlist bei Spotify – was sich ungewöhnlich liest, ist für den britischen Pianisten, der in Spanien lebt, eine der Methoden, mit denen er versucht, Menschen für klassische Musik zu begeistern. Wer sich einlässt, wird auch mit nicht so guten Englischkenntnissen (das Buch liegt nicht auf Deutsch vor) und wenig Wissen über Klassik, Neues entdecken und sogar dabei entspannen. Das großformatige Buch ist bei Wren & Rook erschienen  und über jede Buchhandlung für ca. 30 Euro bestellbar.

Tom Mole: The Secret Life of Books: Ebenfalls derzeit nur auf Englisch verfügbar ist dieses Buch über Bücher. Es erzählt spannend und unterhaltsam und vermittelt gleichzeitig viel Wissenswertes über Bücher, warum sie uns faszinieren, uns ein Leben lang begleiten und gleichzeitig eine ganze Menge über uns verraten. Es ist erschienen bei Elliot & Thompson, ca. 10 Euro.

 

Bücher meines Jahres 2019

Bilanz zu ziehen am Ende eines Jahres gehört irgendwie dazu – für mich ist es die Bilanz über die Bücher, die ich im zu Ende gehenden Jahr 2019 gelesen habe. Im Vergleich zu 2018 habe ich tatsächlich ganze zehn Bücher mehr gelesen. Liegt es daran, dass ich mehr Bücher auf Deutsch gelesen habe oder schlicht daran, dass die Bücher nicht zu dick waren?

Meine Bilanz:
Gesamt: 46
Deutsch: 27
Englisch: 19
E-Books: 7 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Woran ich mich gerne erinnere
Kate Connolly: Exit Brexit – inmitten all der Irrungen und Wirrungen, in denen ich mehr über die britische Demokratie und deren parlamentarische Gewohnheiten (inklusive Mr Speaker John Bercow)  gelernt habe, als mir mitunter lieb war, bleibt das wunderbare Buch der deutschen Korrespondentin des Guardian ein liebenswerter Einblick in einen deutsch-britischen Haushalt. Und das Versprechen, dass die beiden Länder mehr verbindet als trennt.
Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft: Zugegeben, die Erinnerung von Hape Kerkeling habe ich erst gelesen, nachdem ich den wunderbaren gleichnamigen Film gesehen habe. Geliebt habe ich beides. Denn man lacht, man weint, man schüttelt den Kopf, nickt wissend und fühlt sich bestens unterhalten.
Tom Mole: The Secret Life of Books – weil man es mehrmals lesen muss, um die vielen interessanten Fakten über Bücher und weshalb sie uns begleiten, zu behalten.
Astrid Ruppert: Leuchtende Tage: Ein Roman über Frauen der Familie Winter, der ein vielversprechender Auftakt einer Trilogie ist, mit der man gerne Nachmittage verlesen will.
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten ist das beste Beispiel für ein Buch, das ich ohne den entsprechenden Buchtipp nie gelesen hätte.

Neue und alte Begleiter
Die Autoren Donna Leon, Ian McEwan und Lukas Hartmann, ihre Werke und Figuren begleiten mich seit Jahren. Relativ neue Bekannte sind André Aciman und Robert Galbraith.

Bücher für Weihnachten 2019

Es soll ja Leute geben, für die Bücher als Geschenke nicht in Frage kommen. Sei es, weil sie selber weder lesen noch überhaupt einen Bezug zu Büchern haben, sei es weil sie keinen zu Beschenkenden haben, der sich über Bücher freuen würde. Für mich – und hoffentlich auch für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs (Danke!) – sind Bücher etwas Wunderbares und als Geschenke immer willkommen.  Wer noch auf der Suche nach einem Buch ist, wird vielleicht hier fündig:

Neuentdeckung:
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten  (dtv, 25 Euro) ist die Geschichte der Familie Sorensen. Die Eltern Marilyn und David sind nach 40 Ehejahren immer noch ineinander verliebt – ein Vorbild, das für ihre Töchter nicht immer leicht zu ertragen ist. Claire Lombardos Erstlingswerk ist ein wunderbarer Schmöker, leicht und dennoch nicht banal erzählt, den man nur ungern aus der Hand legt.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage (dtv, 15,90 Euro) ist das, was man landläufig als “Frauenroman” bezeichnet, denn er erzählt die Geschichte der Frauen der Familie Winter über drei Generationen hinweg. Der erste Band einer Trilogie hat nur den Fehler, dass die Folgebände noch nicht erschienen sind.

Tom Mole: The Secret Life of Books (Elliott & Thompson, 16,40 Euro) – das es meines Wissens nicht auf Deutsch gibt – ist das Geschenk für den Buchliebhaber unter den Freunden, der bestimmt das ein oder andere lernen wird, das er noch nicht über Bücher gewusst hat.

Wiederbegegnung:
André Aciman: Fünf Lieben lang (dtv, 22 Euro): Wer  “Call me by your name – Ruf mich bei Deinem Namen” liebt, wird auch dieses Buch lieben, das aus fünf unterschiedlich langen Geschichten besteht.

Lieblingsschriftsteller:
Keine Buchtipps ohne einen Hinweis auf  Ian McEwan, dessen “Kakerlake“(19 Euro) gerade erst erschienen ist. Alle seine Bücher sind bei Diogenes in durchweg sehr guten Übersetzungen erhältlich.
Fehlen dürfen auch nicht Lukas Hartmann, der in diesem Jahr “Der Sänger” (Diogenes, 22 Euro) vorgelegt hat und Bernhard Schlink, dessen neuester Roman “Olga” heißt.
Wer London und Detektivromane mag, für den sind Robert Galbraiths Cormoran-Strike-Romane ein passendes Geschenk. Anfangen sollte man  mit dem ersten Band der Reihe “Der Ruf des Kuckucks” (Randomhouse, 10,99 Euro) und unbedingt die Verfilmung (unter dem Titel “Strike”) mit Tom Burke in der Hauptrolle anschauen.
Bisher nur auf Englisch erschienen ist “Playlist” (Wren & Rook, ca. 29 Euro) des wunderbaren James Rhodes.  Der englische Pianist bringt seinen Lesern auf seine ganz eigene Weise klassische Musik im wahrsten Sinne des Wortes nahe – ganz ohne schwarzem Anzug und Fliege.

Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten

Ein Familienbuch oder ein Buch über eine Familie, allem Anschein nach eine recht normale Familie, noch dazu ein Erstlingswerk. Nicht unbedingt Kriterien, nach denen ich normalerweise mein nächstes Buch auswähle. Allerdings fiel mir das Buchcover auf – gelbe Gingkoblätter (ich mag den Gingko, der seit ein paar Jahren auf meinem Balkon lebt, aber das ist eine andere Geschichte) und außerdem meinte mein freundlicher Ansprechpartner beim dtv, dass “Den größten Spaß, den wir je hatten”  auf jeden Fall empfehlenswert sei.

Wie recht er hatte, ist doch die Familie Sorensen alles andere als langweilig. Das betrifft die Eltern Marilyn und David, die  nach 40 Ehejahren nicht nur glücklich, sondern auch immer noch verliebt sind und das bei jeder Gelegenheit – auch unpassenden wie ihre Töchter finden – zeigen. Für die ist die Vorzeigeehe ihrer Eltern ein Vorbild, vom dem sie wissen, dass sie es nie erreichen werden und willkommener Anlass, Anstoß am elterlichen Verhalten zu nehmen.

“Von jener Sekunde an wusste er, dass er ihre gemeinsamen Kinder inbrünstig lieben würde. Aber er liebte Marilyn noch mehr, und er machte sich von Anfang an keine Illusionen darüber.”

Doch im Grund sind die Schwestern Wendy (die nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes zurechtkommen muss), Violet (Mutter statt Anwältin, aber mit einem eigenen Büro, in dem sie die Familie organisiert – eine Szene die mich an “Orphan Black” erinnert hat), Liza (brillante Professorin mit Versagensängsten als werdende Mutter) und Grace (die nicht das macht, was sie behauptet) froh, dass sie bei Schwierigkeiten jederzeit in ihr Elternhaus wie in einen sicheren Hafen zurückkehren können.

“Jede von ihnen unterbrach, was sie gerade tat, um zu beobachten, wie ihre Eltern auf ihrem eigenen unergründlichen Planeten weilten, zwei Menschen, die mehr Liebe verströmten, als es das Universum möglicherweise zuließ.”

Claire Lombardo legt mit ihrem ersten Roman einen Schmöker vor, den man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. So intensiv, aber gleichzeitig auch leicht und spannend erzählt sie von Liebe, Ehe, dem Erwachsen- und dem Älterwerden – Themen, die die sogenannte Trivialliteratur massenweise verarbeitet. In “Den größten Spaß, den wir je hatten” aber sind sie jenseits von Klischees und Kitsch einfach nur gute Literatur und der beste Grund, sich von 720 Seiten nicht abschrecken zu lassen.

Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten. dtv, 25 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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