Schlagwort: Claire Lombardo

Bücher meines Jahres 2019

Bilanz zu ziehen am Ende eines Jahres gehört irgendwie dazu – für mich ist es die Bilanz über die Bücher, die ich im zu Ende gehenden Jahr 2019 gelesen habe. Im Vergleich zu 2018 habe ich tatsächlich ganze zehn Bücher mehr gelesen. Liegt es daran, dass ich mehr Bücher auf Deutsch gelesen habe oder schlicht daran, dass die Bücher nicht zu dick waren?

Meine Bilanz:
Gesamt: 46
Deutsch: 27
Englisch: 19
E-Books: 7 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Woran ich mich gerne erinnere
Kate Connolly: Exit Brexit – inmitten all der Irrungen und Wirrungen, in denen ich mehr über die britische Demokratie und deren parlamentarische Gewohnheiten (inklusive Mr Speaker John Bercow)  gelernt habe, als mir mitunter lieb war, bleibt das wunderbare Buch der deutschen Korrespondentin des Guardian ein liebenswerter Einblick in einen deutsch-britischen Haushalt. Und das Versprechen, dass die beiden Länder mehr verbindet als trennt.
Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft: Zugegeben, die Erinnerung von Hape Kerkeling habe ich erst gelesen, nachdem ich den wunderbaren gleichnamigen Film gesehen habe. Geliebt habe ich beides. Denn man lacht, man weint, man schüttelt den Kopf, nickt wissend und fühlt sich bestens unterhalten.
Tom Mole: The Secret Life of Books – weil man es mehrmals lesen muss, um die vielen interessanten Fakten über Bücher und weshalb sie uns begleiten, zu behalten.
Astrid Ruppert: Leuchtende Tage: Ein Roman über Frauen der Familie Winter, der ein vielversprechender Auftakt einer Trilogie ist, mit der man gerne Nachmittage verlesen will.
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten ist das beste Beispiel für ein Buch, das ich ohne den entsprechenden Buchtipp nie gelesen hätte.

Neue und alte Begleiter
Die Autoren Donna Leon, Ian McEwan und Lukas Hartmann, ihre Werke und Figuren begleiten mich seit Jahren. Relativ neue Bekannte sind André Aciman und Robert Galbraith.

Bücher für Weihnachten 2019

Es soll ja Leute geben, für die Bücher als Geschenke nicht in Frage kommen. Sei es, weil sie selber weder lesen noch überhaupt einen Bezug zu Büchern haben, sei es weil sie keinen zu Beschenkenden haben, der sich über Bücher freuen würde. Für mich – und hoffentlich auch für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs (Danke!) – sind Bücher etwas Wunderbares und als Geschenke immer willkommen.  Wer noch auf der Suche nach einem Buch ist, wird vielleicht hier fündig:

Neuentdeckung:
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten  (dtv, 25 Euro) ist die Geschichte der Familie Sorensen. Die Eltern Marilyn und David sind nach 40 Ehejahren immer noch ineinander verliebt – ein Vorbild, das für ihre Töchter nicht immer leicht zu ertragen ist. Claire Lombardos Erstlingswerk ist ein wunderbarer Schmöker, leicht und dennoch nicht banal erzählt, den man nur ungern aus der Hand legt.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage (dtv, 15,90 Euro) ist das, was man landläufig als “Frauenroman” bezeichnet, denn er erzählt die Geschichte der Frauen der Familie Winter über drei Generationen hinweg. Der erste Band einer Trilogie hat nur den Fehler, dass die Folgebände noch nicht erschienen sind.

Tom Mole: The Secret Life of Books (Elliott & Thompson, 16,40 Euro) – das es meines Wissens nicht auf Deutsch gibt – ist das Geschenk für den Buchliebhaber unter den Freunden, der bestimmt das ein oder andere lernen wird, das er noch nicht über Bücher gewusst hat.

Wiederbegegnung:
André Aciman: Fünf Lieben lang (dtv, 22 Euro): Wer  “Call me by your name – Ruf mich bei Deinem Namen” liebt, wird auch dieses Buch lieben, das aus fünf unterschiedlich langen Geschichten besteht.

Lieblingsschriftsteller:
Keine Buchtipps ohne einen Hinweis auf  Ian McEwan, dessen “Kakerlake“(19 Euro) gerade erst erschienen ist. Alle seine Bücher sind bei Diogenes in durchweg sehr guten Übersetzungen erhältlich.
Fehlen dürfen auch nicht Lukas Hartmann, der in diesem Jahr “Der Sänger” (Diogenes, 22 Euro) vorgelegt hat und Bernhard Schlink, dessen neuester Roman “Olga” heißt.
Wer London und Detektivromane mag, für den sind Robert Galbraiths Cormoran-Strike-Romane ein passendes Geschenk. Anfangen sollte man  mit dem ersten Band der Reihe “Der Ruf des Kuckucks” (Randomhouse, 10,99 Euro) und unbedingt die Verfilmung (unter dem Titel “Strike”) mit Tom Burke in der Hauptrolle anschauen.
Bisher nur auf Englisch erschienen ist “Playlist” (Wren & Rook, ca. 29 Euro) des wunderbaren James Rhodes.  Der englische Pianist bringt seinen Lesern auf seine ganz eigene Weise klassische Musik im wahrsten Sinne des Wortes nahe – ganz ohne schwarzem Anzug und Fliege.

Claire Lombardo: Den größten Spaß, den wir je hatten

Ein Familienbuch oder ein Buch über eine Familie, allem Anschein nach eine recht normale Familie, noch dazu ein Erstlingswerk. Nicht unbedingt Kriterien, nach denen ich normalerweise mein nächstes Buch auswähle. Allerdings fiel mir das Buchcover auf – gelbe Gingkoblätter (ich mag den Gingko, der seit ein paar Jahren auf meinem Balkon lebt, aber das ist eine andere Geschichte) und außerdem meinte mein freundlicher Ansprechpartner beim dtv, dass “Den größten Spaß, den wir je hatten”  auf jeden Fall empfehlenswert sei.

Wie recht er hatte, ist doch die Familie Sorensen alles andere als langweilig. Das betrifft die Eltern Marilyn und David, die  nach 40 Ehejahren nicht nur glücklich, sondern auch immer noch verliebt sind und das bei jeder Gelegenheit – auch unpassenden wie ihre Töchter finden – zeigen. Für die ist die Vorzeigeehe ihrer Eltern ein Vorbild, vom dem sie wissen, dass sie es nie erreichen werden und willkommener Anlass, Anstoß am elterlichen Verhalten zu nehmen.

“Von jener Sekunde an wusste er, dass er ihre gemeinsamen Kinder inbrünstig lieben würde. Aber er liebte Marilyn noch mehr, und er machte sich von Anfang an keine Illusionen darüber.”

Doch im Grund sind die Schwestern Wendy (die nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes zurechtkommen muss), Violet (Mutter statt Anwältin, aber mit einem eigenen Büro, in dem sie die Familie organisiert – eine Szene die mich an “Orphan Black” erinnert hat), Liza (brillante Professorin mit Versagensängsten als werdende Mutter) und Grace (die nicht das macht, was sie behauptet) froh, dass sie bei Schwierigkeiten jederzeit in ihr Elternhaus wie in einen sicheren Hafen zurückkehren können.

“Jede von ihnen unterbrach, was sie gerade tat, um zu beobachten, wie ihre Eltern auf ihrem eigenen unergründlichen Planeten weilten, zwei Menschen, die mehr Liebe verströmten, als es das Universum möglicherweise zuließ.”

Claire Lombardo legt mit ihrem ersten Roman einen Schmöker vor, den man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. So intensiv, aber gleichzeitig auch leicht und spannend erzählt sie von Liebe, Ehe, dem Erwachsen- und dem Älterwerden – Themen, die die sogenannte Trivialliteratur massenweise verarbeitet. In “Den größten Spaß, den wir je hatten” aber sind sie jenseits von Klischees und Kitsch einfach nur gute Literatur und der beste Grund, sich von 720 Seiten nicht abschrecken zu lassen.

Claire Lombardo: Den größten Spaß, den wir je hatten. dtv, 25 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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