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Bücher für Weihnachten 2019

Es soll ja Leute geben, für die Bücher als Geschenke nicht in Frage kommen. Sei es, weil sie selber weder lesen noch überhaupt einen Bezug zu Büchern haben, sei es weil sie keinen zu Beschenkenden haben, der sich über Bücher freuen würde. Für mich – und hoffentlich auch für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs (Danke!) – sind Bücher etwas Wunderbares und als Geschenke immer willkommen.  Wer noch auf der Suche nach einem Buch ist, wird vielleicht hier fündig:

Neuentdeckung:
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten  (dtv, 25 Euro) ist die Geschichte der Familie Sorensen. Die Eltern Marilyn und David sind nach 40 Ehejahren immer noch ineinander verliebt – ein Vorbild, das für ihre Töchter nicht immer leicht zu ertragen ist. Claire Lombardos Erstlingswerk ist ein wunderbarer Schmöker, leicht und dennoch nicht banal erzählt, den man nur ungern aus der Hand legt.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage (dtv, 15,90 Euro) ist das, was man landläufig als “Frauenroman” bezeichnet, denn er erzählt die Geschichte der Frauen der Familie Winter über drei Generationen hinweg. Der erste Band einer Trilogie hat nur den Fehler, dass die Folgebände noch nicht erschienen sind.

Tom Mole: The Secret Life of Books (Elliott & Thompson, 16,40 Euro) – das es meines Wissens nicht auf Deutsch gibt – ist das Geschenk für den Buchliebhaber unter den Freunden, der bestimmt das ein oder andere lernen wird, das er noch nicht über Bücher gewusst hat.

Wiederbegegnung:
André Aciman: Fünf Lieben lang (dtv, 22 Euro): Wer  “Call me by your name – Ruf mich bei Deinem Namen” liebt, wird auch dieses Buch lieben, das aus fünf unterschiedlich langen Geschichten besteht.

Lieblingsschriftsteller:
Keine Buchtipps ohne einen Hinweis auf  Ian McEwan, dessen “Kakerlake“(19 Euro) gerade erst erschienen ist. Alle seine Bücher sind bei Diogenes in durchweg sehr guten Übersetzungen erhältlich.
Fehlen dürfen auch nicht Lukas Hartmann, der in diesem Jahr “Der Sänger” (Diogenes, 22 Euro) vorgelegt hat und Bernhard Schlink, dessen neuester Roman “Olga” heißt.
Wer London und Detektivromane mag, für den sind Robert Galbraiths Cormoran-Strike-Romane ein passendes Geschenk. Anfangen sollte man  mit dem ersten Band der Reihe “Der Ruf des Kuckucks” (Randomhouse, 10,99 Euro) und unbedingt die Verfilmung (unter dem Titel “Strike”) mit Tom Burke in der Hauptrolle anschauen.
Bisher nur auf Englisch erschienen ist “Playlist” (Wren & Rook, ca. 29 Euro) des wunderbaren James Rhodes.  Der englische Pianist bringt seinen Lesern auf seine ganz eigene Weise klassische Musik im wahrsten Sinne des Wortes nahe – ganz ohne schwarzem Anzug und Fliege.

James Rhodes: Playlist

“Oh what a huge and interesting looking book”, the book seller at my local book shop said while handing “Playlist” over. And she is right. James Rhodes’ latest book is another journey into the (for many) strange and foreign world that is classical music. A world that is inhabited by heroes like Bach, Beethoven, Chopin, Mozart, Rachmaninoff, Ravel and Schubert. Those heroes gave us music that is still listened to after all these centuries – one wonders if today’s pop stars are to be known in a hundred years time.

“They changed history, inspired millions and are still listened to and worshipped all around the world today.”

James Rhodes devoted his life to classical music and tries to lure people – his audience, his followers on social media – into it, tries to get this music  down to earth, back to ordinary people who have no idea what “symphony” or “étude” mean. And who listen to it with the help of a streaming service and their ear buds in comfy clothes while knitting on their sofa or typing this blog. Maybe James Rhodes is successful on his mission because he is not an ordinary pianist (as I wrote a couple of times before) – and because he writes and tweets the same way  he addresses his audiences, telling them more about his favourite composers (and while chatting to people when signing books or CDs). In “Playlist” he offers a list of classical pieces assembled on Spotify and information about them and their composers including their personal life.

“I’m sorry. There are lot of capital letters in that paragraph. It’s just hard not to get overexcited when talking about Schubert.”

Because the book is a big  – the size of an LP actually – picture book with beautiful illustrations (by Martin O’Neill) and enthusiastically written chapters intended to be read while listening to the accompanying piece of music, it is the perfect book sitting on your living room table patiently waiting to be picked up again for a re read or just enjoying its beauty while flipping through it. So, if you are looking for a Christmas gift for a loved one, or for yourself or if you are just interested in James Rhodes and classical music, this is the perfect book to start.

James Rhodes: Playlist – The rebels and revolutionaries of sound, £ 17.

James Rhodes 2019

[Update: Die Deutschland-Tournee wurde zwar abgesagt.

Eigentlich schaut es so einfach aus. Ein Mann in Jeans, Turnschuhen und schwarzem Shirt mit dem Schriftzug “Bach” kommt auf die Bühne, begrüßt das Publikum, stellt sich vor und spielt dann auf einem Flügel.

Eigentlich. Dass es nicht ganz so einfach ist, beschreibt der britische Pianist James Rhodes in seinem Buch “Fire on all sides” und bei seinen Auftritten, unter anderem in diesem Herbst in verschiedenen Städten in Deutschland.

Auf dem Programm steht:

Ludwig van Beethoven: Sonata No. 15 Op. 28 “Pastoral”;
Frédéric Chopin Scherzo Nr. 2 n. 2 in b-Moll, Op 31;
Frédéric Chopin: Nocturne in C-Moll Op 48/1;
Johann Sebastian Bach (Fassung für Klavier von Ferrucio Busoni): Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur, BWV 564;

Tourdaten:

18. Oktober, 20 Uhr: München, Prinzregententheater;
1. November, 20 Uhr: Dortmund, Konzerthaus;
3. November, 19 Uhr: Düsseldorf, Savoy Theater;
5. November, 20 Uhr: Stuttgart, Theaterhaus;
18. November, 20 Uhr: Berlin, Kammermusiksaal der Philharmonie;
26. November, 20 Uhr: Lübeck, Musik- und Kongresshallen.

Karten zu allen Konzerten gibt es im Vorverkauf auch bei Eventim.

Mehr zu James Rhodes gibt es hier

 

Bücher meines Jahres 2018

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen – in Form von Büchern, die ich im fast abgelaufenen Jahr 2018 gelesen habe. Darunter sind Neuerscheinungen genauso wie Bücher, die mir aus dem ein oder anderen Grund als lesenswert erschienen. Insgesamt habe ich genauso viele Bücher gelesen wie 2017. Erstmals waren zwei Hörbücher dabei.

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Deutsch: 18
Englisch: 20
E-Books: 5 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Aus meinem Bücher-Jahr möchte ich diese empfehlen:

Deutschsprachige Autoren der Gegenwart:
Benedict Wells jüngste Sammlung von Kurzgeschichten “Die Wahrheit über das Lügen” hat nur den Nachteil, dass die Geschichten zu kurz sind –  zu gut und zu spannend sind sie geschrieben. Wer noch nichts von dem 34-jährigen Schriftsteller gelesen hat und erst einmal vorsichtig Kontakt aufnehmen will, sollte zu diesem Band greifen.
Bernhard Schlink und Lukas Hartmann haben  2018 beide Frauen als Hauptfiguren ihrer neuen Romane gewählt. Schlinks “Olga” setzt im Deutschland des 19. Jahrhunderts alles daran, als selbstständige Frau ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In Hartmanns “Ein Bild von Lydia” ist die reichste Frau der Schweiz im Zürich des Jahres 1887 in den Konventionen ihrer Zeit gefangen.

Die Sprache ist egal
jedenfalls wenn es um diese Autoren geht, deren Werke wunderbar ins Deutsche übersetzt wurden:
Ian McEwan ist eigentlich immer lesenswert, auch seine Kurzgeschichten wie “The Daydreamer“, “Der Tagträumer“, die aus der Sicht eines Jungen erzählt sind, der sich am liebsten in andere Personen oder Tiere hineinversetzt.
Matt Haigs “Notes on a nervous planet” erscheint im März unter dem Titel “Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten” bei dtv, wo auch die vorherigen Werke erschienen sind.

Hörbücher
sind eigentlich nicht unbedingt meine Welt, weil ich fürchte, wichtige Passagen zu verpassen. Immerhin habe ich zwei geschafft, was bei einem am Vorleser, beim anderen an einem Kinofilm liegt.
Carlo Rovelli: The Order of Time, vorgelesen von Benedict Cumberbatch  und
Dr. Seuss: How the Grinch stole Christmas, vorgelesen von Walter Matthau.

Ein neuer Privatdetektiv
Cormoran Strike, der in heutigen London unterwegs ist,  ermittelt in seinem mittlerweile vierten Fall “Lethal White”, “Weißer Tod“.  Wie bei anderen Reihen auch, sollte man aber am Anfang beginnen, in diesem Fall mit “Der Ruf des Kuckucks“. Actionfans werden allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, Fans von Donna Leons Commissario Brunetti eher schon.

Worauf ich immer hinweisen muss:
James Rhodes’ jüngstes Buch Fire on all sides, zu dem der britische Pianist auch eine Spotify-Playlist angelegt hat und in dem er beschreibt, welch Anstrengung es ihm unter anderem immer noch kostet, auf die Bühne zu gehen und das zu tun, was er am liebsten tut: Klavierspielen. Wer Lust hat, James live in Deutschland zu erleben, hat 2019 mehrfach die Chance.

Bücher für Weihnachten 2018

Bücher als Geschenke – was für den einen einfallslos sein mag, ist für den  Buchleser der Beweis dafür, dass er sich mit den Vorlieben des zu Beschenkenden auseinandergesetzt hat und aus der schier unerschöpflichen Auswahl an lieferbaren Büchern ein ganz bestimmtes ausgesucht hat. Und wer kurz vor knapp noch ein Geschenk braucht, kann sich damit entschuldigen, dass das Buch noch nicht auf Deutsch erschienen ist und er daher einen Gutschein überreichen muss.

Meine Empfehlungen aus Büchern, die ich heuer gelesen habe (und bei deren Auswahl ich gemerkt habe, wie unterschiedlich sie sind). Die jeweiligen Links führen zu ausführlicheren Blogbeiträgen:

Film-Entdeckung:
Mary Ann Shaffer: Deine Juliet (btb, 9,99 Euro): Als der Film in die Kinos kam, wusste ich nicht, dass er auf einem Buch basiert. “Deine Juliet” erzählt die überraschende Begegnung zwischen der Londoner Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Bücher mit Tiefgang:
Wendy Mitchell: Somebody I used to know (Bloomsbury, ca. 12 Euro; erscheint unter dem Titel “Der Mensch, der ich einst war: Mein Leben mit Alzheimer”, im Juni 2019 auf Deutsch bei  Rowohlt, 12 Euro): Der deutsche Titel nimmt vorweg, um was es in dem Buch geht: Alzheimer – und wie die Autorin Wendy Mitchell damit umgeht und versucht ihr Leben neu darauf auszurichten. Das ist weniger sentimental als gedacht, aber dennoch sehr berührend.

Anthony Doerr: Memory Wall (btb,8 Euro): Unsere Welt, unser Leben besteht aus Erinnerungen, so wie das Leben von Alma Konachenk, die das Gedächtnis verliert und in deren Erinnerungen irgendwo der Hinweis auf ein Fossil versteckt ist.

James Rhodes: Fire on all sides (keine deutsche Übersetzung bisher, Quercus, ab ca. 8 Euro). Der britische Pianist James Rhodes wurde als Kind mehrfach vergewaltigt. Dieses Trauma hat er keineswegs überwunden, wie er erschütternd offen, aber auch gleichzeitig witzig, frech und direkt in “Fire on all sides” schreibt. Unter dem gleichnamigen Titel ist auch ein Album erschienen, das das Buch sozusagen begleitet.

Lieblingsschriftsteller:
Ian McEwan: Der Tagträumer (Diogenes, 10 Euro/The Daydreamer, Vintage, ca. 10 Euro): Die Kurzgeschichten im dünnen Band “Der Tagträumer” (Link führt zu meinem englischsprachigen Beitrag) haben alle die gleiche Hauptfigur: Den Jungen Peter Fortune, der nichts lieber macht als sich in den Körper von anderen Lebewesen zu träumen.

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält (dtv, 20 Euro; How to stop time, Canongate, ca. 8 Euro): Der Roman erzählt die Geschichte von Tom Hazard, der zwar 439 Jahre alt ist – der aber äußerlich nicht altert. Das ist für Albas wie ihm ein Problem, denn natürlich merken die Menschen in seiner Umgebung, dass er anders ist.

Robert Galbraith: Weißer Tod (Blanvalet, 24 Euro, erscheint am 27. Dezember/Lethal White, ab 12 Euro): Der mittlerweile vierte Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike ist genauso spannend und gut geschrieben wie die vorherigen. Kennt der Beschenkte die noch nicht, mag aber Krimis, die zudem noch in London spielen, sollte man zum ersten Band  “Der Ruf des Kuckucks” (Blanvalet 10,99 Euro) greifen.

Bernhard Schlink: Olga (Diogenes, 24 Euro): Olga ist nach den Maßstäben am Ende des 19. Jahrhunderts zwar nur eine Frau. Aber sie weiß genau, was sie will. Selbstständig sein, eine Familie gründen – scheinbar unerreichbare Wünsche für eine Frau in Deutschland, in der immer radikalere Ansichten, die Politik bestimmen werden.

 

 

 

 

Bücher für den Sommer

Es soll Leute geben, die es nur im längeren Sommerurlaub schaffen, sich in einem Buch zu verlieren. Für die, aber auch für alle anderen, die sich einen Urlaub ohne ein Buch nicht vorstellen können (und eigentlich auch die Zeit zwischen den Urlauben), sind diese Tipps gedacht.

Für Vielleser:
Die fünf Patrick-Melrose-Romane des britischen Schriftstellers Edward St Aubyn sind keine leichte Lektüre, denn wir begleiten Patrick, der als kleiner Junge von seinem Vater missbraucht wird, über seine Zeit als Drogen- und Alkoholabhängigen und erleben ihn als Vater zweier Jungen. Das ist gleichsam erschütternd und spannend und lässt einen so schnell nicht mehr los. Daher sollte man am besten die fünf Bücher in einem Band kaufen oder sicherstellen, dass man  den nächsten Band per E-Reader schnell zur Hand hat. Wer nach den Büchern noch nicht genug hat, sollte unbedingt die Verfilmung mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle anschauen.

Amerikanische Literatur:
Mit ihrem zweiten Roman “Kleine Feuer überall” führt Celeste Ng den Leser erneut in die scheinbar so heile Welt einer reichen amerikanischen Familie, die aber nur auf den ersten Blick perfekt ist.

Britische Literatur:
Eine Geschichte wie ein Märchen hat Matt Haig mit “Wie man die Zeit anhält” (“How to Stop Time“) geschrieben,  die gleichermaßen traurig und witzig,  voller Hoffnung und Liebe ist. Wer noch nie etwas von Matt Haig gelesen hat, sollte mit diesem Buch anfangen.
Surreale Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind, aber jeweils die gleiche Hauptfigur haben, hat Ian McEwan in “Der Tagträumer” (“The Daydreamer“) zusammengefasst.

Deutschsprachige Neuerscheinungen:
Zufällig sind die beiden neuen Romane von Bernhard Schlink (“Olga“) und Lukas Hartmann (“Ein Bild von Lydia“) nicht nur mit wenigen Wochen Abstand erschienen. Sie stellen auch jeweils Frauen in den Mittelpunkt ihrer Handlung, die in unterschiedlichen Zeiten versuchen, ihren Weg zu finden.

Only in English
ist derzeit das zweite Buch des britischen Pianisten James Rhodes erhältlich. In “Fire on All Sides” beschreibt er, welche Ängste er überwinden muss, damit er bei einer Konzerttournee das tun kann, was er am liebsten tut: Klavier spielen und alles um sich herum vergessen. Dazu gehören nicht zuletzt seine traumatische Kindheit – er wurde über Jahre hinweg von einem Sportlehrer vergewaltigt – Drogenabhängigkeit, Depressionen und Selbstmordgedanken. James schreibt so, wie er twittert und mit seinen Fans nach den Konzerten spricht: ehrlich, direkt, freundlich, neugierig und witzig.

James Rhodes: Fire On All Sides

Honest and open. That were one of the first thoughts that came to my mind when I read the beginning of James Rhodes’ new book. Next it was astonishment. The astonishment that “Fire On All Sides” offers a much deeper look inside James’ mind than “Instrumental”, his first book, does. There’s no doubt that “Instrumental” is shockingly open when James, raped for years as a boy, describes how this disgusting and horrible abuse destroys the life of a young, sensible child that only seeks for love and support from his teacher who rewards trust with violence. James has no doubt that he is still alive because music saved him.

“Fire On All Sides” could be the evidence that dreams can indeed become reality. The James of today is a professional concert pianist, travelling various countries, playing concerts. He writes articles for newspapers, gives interviews, hosts radio shows. And yet there are those evil voices trying to convince James that he is not that good, that every single concert will be a disaster and that even an ordinary day offers problems and obstacles that are challenges.

The voice is so loud that I convince myself that I am perpetuating a fraud.”

Of course this is a book about music, about love and hatred and imperfection. But James wouldn’t be the author if he wasn’t to add “including the self-indulgent crap because it’s me and I’m a narcissistic asshole”. Even if we are lucky because we have not to fight depression or anxiety or a horrible illness on a daily basis, we all face the challenge to get up in the morning, go to work, get things done. And no one knows how difficult it is to smile and pretend everything is okay when it is not. Imagine you have voices in your head that are your constant companions that have nothing else to do than convince you, you are not enough. In James’s case: he’s not able to play the piano properly, no one will pop up to his concert venue, and the waiter in the café just round the corner always stares at you because you seem to be some sort of freak.

“Words are dangerous, music is salvation – the one thing I don’t need to be afraid of.”

But then there are these moments when James realises he can handle it. “It” meaning walking on stage after make sure for the hundredth time that every single note is saved in the memory (James always plays the piano on stage without scores), that of course there is indeed an audience that isn’t only excited to see what is waiting for them. They enjoy the evening and they want to get their books or CDs signed. And – surprise –  there is even a “bunch of really lovely German fans” waiting for him at the stage door in Munich’s Gasteig back in the autumn of 2016.

So after having survived a horrible childhood that still haunts him, James has finally reached a stage where he can even convince the evil voices in his head that he lives the life he always wanted, “a life surrounded by, engulfed by, music”. A life that is bearable because he is finally ready to see life as it is: Imperfect. And that there is no need to pretend that life and humans and especially James is perfect and furthermore its “fragility can unite us all in the most comforting way”.

Or as Sherlock would say: “We are all humans after all”.

James Rhodes: “Fire On All Sides: Insanity, insomnia and the incredible inconvenience of life”, Quercus, Ebook from 8,49£/9,49€.
The new album “Fire On All Sides” is available at the usual streaming service.

James Rhodes: “Life’s too short to pretend”

Ahead of his upcoming tour in  Germany, Austria and Switzerland, James Rhodes kindly answered a few questions. No idea how he does it, but the answers hit my inbox in no time 😉

You have been on tour recently and will have a couple of concerts in Germany, Austria and Switzerland. Do you have time to stroll a bit through every town you are in? And if so are you looking for something typical in the town you are in?
I really hope so. Some days I’ll have more time than others but ideally I’ll always be able to stroll around and explore new places – most of these cities are new to me and I can’t wait.

How are you preparing for the concert in the evening? Is it important for you to relax, sleep in or are you too excited to be calm?
It’s a real mixture – on a perfect day I’ll be well rested and excited (in a call way!). But of course lots of the time I’ll be stressed and anxious and grumpy. But then I’m that way with everything not just concerts.

Is it difficult to concentrate when playing in a new hall?
Not usually. Sitting at the piano is the best place for me, whatever the hall is like.

You are quite active on Twitter where you are not only funny or chat about ordinary things. You are very open when it comes to topics such as depression or the abuse you suffered as a boy. Is it some kind of therapy for you? And are the internet/ social media stressful sometimes?
I love Twitter. I’ve met some wonderful people on there and been very lucky in that I haven’t come across much nastiness. I think loneliness can be really debilitating for people especially if they’re a bit wobbly emotionally (like me), so social media can be a really positive thing. I think it’s important to just be myself whether it’s with a friend in a cafe or online, it’s always the same me. Life’s too short to pretend.

When meeting fans it seems you are really enjoying it. Is there anything you want to tell them?
Thank you! That’s the main thing. It’s appreciated more than they know and it makes me feel all warm inside. Don’t ever feel shy about coming to say hello 🙂

I met James Rhodes in September 2015 after a talk at The Guardians' and asked for a selfie. Photo: Petra Breunig

I met James Rhodes in September 2015 after a talk at The Guardians’ and asked for a selfie. Photo: Petra Breunig

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You can find more about James Rhodes on his side where there are also links to tour dates, his Sound Cloud and his Twitter – and on this blog

All dates for his upcoming tour are in this poster: jamesrhodestourposter2016

Lesetipps für den Sommer

Die Ferienzeit ist nicht mehr weit, aber vielleicht braucht der ein oder andere ja jetzt schon etwas Lesestoff.

Meine neuesten Entdeckungen
Celeste Ng: “Was ich Euch nicht erzählte” (dtv, 19,90 Euro) und Graham Swift: “England und andere Stories”, über das ich schon geschrieben habe (dtv, 21,90 Euro). Celeste Ng (gesprochgen Ing) erzählt einen ungewöhnlichen Kriminalfall. Das Mädchen Lydia kommt eines Morgens nicht zum Frühstück, um einen neuen Tag zu beginnen, der für die Familie Lee im kleinbürgerlichen Ohio der 70er typisch ist. Denn Lydia wird von ihrer Mutter Marilyn darauf gedrillt, später Ärztin zu werden. Einen Wunsch, den sie sich selbst nie erfüllten konnte. Wie die Geschichte aufgelöst wird, ist ungewöhnlich und spannend erzählt.
John le Carré ist freilich kein Unbekannter. Ich habe es aber Tom Hiddleston und der BBC-Serie “The Nightmanager” zu verdanken, dass ich das gleichnamige Buch (“Der Nachtmanager”, Ullstein, 9,99 Euro, Original bei Penguin) und damit den Autor entdeckt habe. Der Roman erzählt die Geschichte von Jonathan Pine, dem Nachtmanager in einem Luxushotel, der zufällig von verdächtigen Transaktionen eines reichen Geschäftsmanns erfährt. Und dann kommen auch noch Menschen in Pines Nähe um.

William Shakespeare
Rechtzeitig zum 400. Todestag von William Shakespeare habe ich nach “Hamlet” im vergangenen Jahr  die Historien “Henry VI” & “Richard III” in den zweisprachigen Ausgaben des Verlags ars vivendi gelesen. Die Übersetzungen von Frank Günther sind modern, ohne zu modern zu sein und helfen über so manche Verstehenshürde hinweg, die Anmerkungen im Anhang tun ein Übriges.
Viel Wissenswertes über den englischen Dramatiker erzählt Frank Günther in “Unser Shakespeare” (dtv, 14,90 Euro) mit viel Kompetenz, aber auch mit viel Leichtigkeit.
Stephen Greenblatts “Will in der Welt – Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde” (Pantheon, 14,99 Euro) habe ich im englischen Original gelesen.  Mag sein, dass das Buch nicht streng wissenschaftlich und in vielem Spekulation ist. Mir hat es aber sehr gut gefallen, weil es mir den Menschen William Shakespeare näher gebracht hat.

Pflichtlektüre
Donna-Leon-Krimis sind für mich Pflichtlektüre und ich freue mich jeden Sommer auf den nächsten. In diesem Jahr ist es “Ewige Jugend” (Diogenes, 24 Euro), der für Fans wieder ein paar angenehme Stunden mit Guido Brunetti verspricht.

Ungewöhnliche Biografien
Dass der ehemalige Chefredakteur des “Guardian” schreiben kann, ist keine Überraschung. Dass Alan Rushbridger Klavier spielt, schon eher – zumal man sich auch als absoluter Musikdepp fragt, wie er es schafft, seinem enormen Arbeitspensum regelmäßige Übungszeiten abzuringen. In “Play it again – ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten” (Secession Verlag für Literatur, 25 Euro) beschreibt Rushbridger sein Ringen am Klavier, aber auch am Redaktionsschreibtisch und vermittelt die Überzeugung, dass man jeden Tag etwas für sich persönlich tun kann, wenn man es nur will.
James Rhodes ist ein ungewöhnlicher Pianist. Der Londoner kommt nicht nur in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen auf die Bühne. Er erklärt auch dem Publikum, was er spielen wird und warum und weshalb der Komponist ausgerechnet dieses Stück auf diese Weise geschrieben hat. In “Der Klang der Wut” (Verlag Nagel & Kimche AG , 22, 90 Euro, Original: “Instrumental” verarbeitet er seine unfassbare Erlebnisse als Junge. Er wurde mehrfach vergewaltigt und ist sicher, dass er nur dank seiner Liebe zur klassischen Musik überlebte. Wer eine feinsinnige Abhandlung erwartet, sei gewarnt. James Rhodes schreibt so direkt, wie er twittert, wer kann, sollte dem Original eine Chance geben.

James Rhodes “Der Klang der Wut” – A story like a fairy tale

The truth one might think is something you can’t suppress. But it looked highly unlikely that the book “Instrumental” (“The sound of rage” is it in German – my note) would never make it onto the shelves of the book stores. Not until the British Supreme Court allowed the publication of the book saying that the author is allowed to tell his story. The judges rejected Rhodes’ ex-wife try to prevent not only the publication of the book . She tried to prevent Rhodes from talking about his past publicly.

A different kind of pianist

The author is James Rhodes, a pianist who is exactly the opposite you expect a concert pianist to be. He appears on stage in Jeans, tee and trainers, seems to be hyperactive and calm, witty and serious and has no problem at all to get rid of his black, long sleeve tee with “Bach” written in capital letters on the front (“Sorry, I’m warm, have to get out of that shirt. Be envious, I was at the fitness centre.”). And creating worlds out of music on a very impressive huge and polished Steinway piano, fascinating his audience in London’s Barbican centre last autumn. And then this small, fragile 40 year old British guy who takes off his nerdy glasses when playing thousands of notes out of memory, seems like he has been happily playing this wonderful music, just himself and his piano, for all his life.

But what he is writing in his book – that is now available in German – hasn’t anything to do with classical music, at least not for a start. Without whitewashing anything, Rhodes writes how he was abused by his boxing teacher over the range of five years. Yes, he doesn’t describe all the most devastating details but even without them, the book is shocking, stirring, disturbing and moving. That is because Rhodes writes the same way he communicates on Twitter with his followers or describes his audience why he is playing the piece of music he is playing, what it means to him – and he tells something about the life of the composer.

 “I started writing at 3.47 am. Something is wrong with me.”
(My translation)

Of course “Instrumental” is about classical music, pieces of great composers, even outsiders know their names, even if that sort of music isn’t their cup of tea. This music is more than just a way to earn money. It has saved his life because, Rhodes writes, music comforts him “when there is desperation, music gives pure energy in a very high doses when one feels empty, broken and exhausted.” (My translation). Music that a friend smuggled inside his mental hospital on an iPod where Rhodes tried to commit suicide several times after his marriage broke up and he stopped working in the City.
The fact that he now is married happily to his second wife, writes for British papers, had a show about music on British telly and has his own label – thanks to his manager he met in a café – reads like a fairy tale. Of course the book “Instrumental” isn’t a fairy tale at all even if the story could have come out of the mind of a screenwriter. But he would lack that direct, puzzling tone which comes with the swearing of the original in the German version where the reader is addressed as “Sie” (the polite way to talk to strangers – my note) – and which sounds a bit rough from time to time. The joy of reading is completed by a Spotify playlist of all of the pieces introducing every chapter.

Photo: Petra Breunig

Photo: Petra Breunig

Book & music
James Rhodes: Der Klang der Wut, Nagel & Klimche, 22,90 Euro.  [You can find my review of “Instrumental” here]
James Rhodes offers some of his pieces for free on https://sound-
cloud.com/jrhodespianist
His latest album is „Inside Tracks”.

[The German version of this article was first published in Fränkischer Tag, 10th February 2016 and online  (paid).  This blog entry is my translation and has a few notes to explain specific German expressions]

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