Es waren dramatische Tage im September 1938, genauer vom 28. bis 30. September. Drei Tage, an denen Frankreich und Großbritannien versuchten, den Frieden zu retten. Nazi-Deutschland war auf Expansionskurs und beanspruchte immer mehr Gebiete für sich. Vor allem der britische Premierminister Neville Chamberlain, dessen Name bis heute mit der Politik des Appeasements, der Beschwichtigung, verbunden ist, wollte unbedingt den Frieden retten.
„Die Deutschen waren einer permanenten anti-tschechischen NS-Propaganda ausgesetzt.“
Dass ihm das nicht gelang, obwohl er nach seiner Rückkehr noch auf dem Flughafen betonte, er habe den Frieden gerettet („Peace for our time“), ist bekannt. Auch, dass Hitler längst beschlossen hatte, die Tschechoslowakei zu überfallen – und dass die Westmächte bereit waren, das Land zu opfern. Nicht umsonst waren keine tschechischen Vertreter zu den Gesprächen eingeladen.
„Chamberlain hoffte (…), die diplomatische Initiative an sich zu reißen, um im letzten Moment der Welt den Frieden zu retten.“
Christian Goeschel und Daniel Hedinger fassen in „München 38 – Die Welt am Scheideweg“ die Perspektive weiter und machen deutlich, dass die Spannungen keineswegs nur in Europa zu suchen waren. Denn längst waren neben Frankreich, Großbritannien und Deutschland auch Italien und Japan auf der internationalen Bühne erschienen und beanspruchten ihre Machtposition. Auch verurteilen die Autoren die Appeasement-Politik und vor allem Chamberlain nicht. Sie verdeutlichen vielmehr, dass seine Versuche vor allem deshalb scheitern mussten, weil Hitler von Anfang an nicht kompromissbereit war.
„München 38“ liest sich stellenweise wie ein spannender Roman, was angesichts der Fülle an Fakten keineswegs selbstverständlich ist. Ein ausführlicher Anhang mit Anmerkungen und Quellenverzeichnis runden das lesenswerte Buch ab.
Christian Goeschel, Daniel Hedinger: München 38 – Die Welt am Scheideweg. C.H.Beck, 28 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
