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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Autor: DieBedra (Seite 2 von 22)

Die Frau des Nobelpreisträgers

“Ich in eine Königsmacherin”, sagt Joan Castleman (Glenn Close) auf die Frage, was sie denn so mache. Spätestens dann ist dem Zuschauer klar, dass irgendetwas nicht stimmt an der Geschichte des erfolgreichen Schriftstellers Joe Castleman (Jonathan Pryce), ihres Ehemanns, dessen Laufbahn mit der Verleihung des Literaturnobelpreises gekrönt wird. Joe hat seine besten Jahre hinter sich und ist offenbar darauf angewiesen, dass ihn seine Frau  umsorgt, treusorgend könnte man schreiben, denn Joan kümmert sich nicht nur darum, dass er seine Herztabletten regelmäßig nimmt. Sie ist auch seine Sekretärin und sorgt dafür, dass er Termine einhält. Und sie vermittelt zwischen ihm und dem gemeinsamen Sohn (Max Irons), der ebenfalls Schriftsteller werden will und der nichts lieber möchte, als von seinem Vater anerkannt zu werden.

Anerkannt werden, das möchte auch Joan, nicht dafür, dass sie eben das ist “Die Frau des Nobelpreisträgers” wie der Filmtitel schon sagt.  Denn sie und nicht Joe ist die eigentliche geniale Schriftstellerin, die aus den Ideen ihres Mannes die erfolgreichen Bücher schreibt, die ihm den Nobelpreis einbringen.

“Es gibt nichts Verwerfliches, an dem was wir tun.”

“Die Frau des Nobelpreisträgers” ist ein ruhiger Film, der von den Hauptdarstellern lebt. Doch das allein reicht nicht. Freilich zeigt  Glenn Close all das, was man von einer mehrfach ausgezeichneten Schauspielerin erwartet, aber auch nicht mehr. Es fehlt den ganzen Film hindurch das letzte Stückchen, das den Zuschauer emotional packt und für Joan mitfiebern lässt. Dass Glenn Close im Vorfeld der jüngsten  Golden-Globe-Verleihung für ihre Leistung hochgelobt und letztlich als beste Hauptdarstellerin in einem Drama ausgezeichnet wurde, ist meiner Ansicht nicht gerechtfertigt.

☆☆☆☆

Bücher meines Jahres 2018

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen – in Form von Büchern, die ich im fast abgelaufenen Jahr 2018 gelesen habe. Darunter sind Neuerscheinungen genauso wie Bücher, die mir aus dem ein oder anderen Grund als lesenswert erschienen. Insgesamt habe ich genauso viele Bücher gelesen wie 2017. Erstmals waren zwei Hörbücher dabei.

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Deutsch: 18
Englisch: 20
E-Books: 5 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Aus meinem Bücher-Jahr möchte ich diese empfehlen:

Deutschsprachige Autoren der Gegenwart:
Benedict Wells jüngste Sammlung von Kurzgeschichten “Die Wahrheit über das Lügen” hat nur den Nachteil, dass die Geschichten zu kurz sind –  zu gut und zu spannend sind sie geschrieben. Wer noch nichts von dem 34-jährigen Schriftsteller gelesen hat und erst einmal vorsichtig Kontakt aufnehmen will, sollte zu diesem Band greifen.
Bernhard Schlink und Lukas Hartmann haben  2018 beide Frauen als Hauptfiguren ihrer neuen Romane gewählt. Schlinks “Olga” setzt im Deutschland des 19. Jahrhunderts alles daran, als selbstständige Frau ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In Hartmanns “Ein Bild von Lydia” ist die reichste Frau der Schweiz im Zürich des Jahres 1887 in den Konventionen ihrer Zeit gefangen.

Die Sprache ist egal
jedenfalls wenn es um diese Autoren geht, deren Werke wunderbar ins Deutsche übersetzt wurden:
Ian McEwan ist eigentlich immer lesenswert, auch seine Kurzgeschichten wie “The Daydreamer“, “Der Tagträumer“, die aus der Sicht eines Jungen erzählt sind, der sich am liebsten in andere Personen oder Tiere hineinversetzt.
Matt Haigs “Notes on a nervous planet” erscheint im März unter dem Titel “Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten” bei dtv, wo auch die vorherigen Werke erschienen sind.

Hörbücher
sind eigentlich nicht unbedingt meine Welt, weil ich fürchte, wichtige Passagen zu verpassen. Immerhin habe ich zwei geschafft, was bei einem am Vorleser, beim anderen an einem Kinofilm liegt.
Carlo Rovelli: The Order of Time, vorgelesen von Benedict Cumberbatch  und
Dr. Seuss: How the Grinch stole Christmas, vorgelesen von Walter Matthau.

Ein neuer Privatdetektiv
Cormoran Strike, der in heutigen London unterwegs ist,  ermittelt in seinem mittlerweile vierten Fall “Lethal White”, “Weißer Tod“.  Wie bei anderen Reihen auch, sollte man aber am Anfang beginnen, in diesem Fall mit “Der Ruf des Kuckucks“. Actionfans werden allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, Fans von Donna Leons Commissario Brunetti eher schon.

Worauf ich immer hinweisen muss:
James Rhodes’ jüngstes Buch Fire on all sides, zu dem der britische Pianist auch eine Spotify-Playlist angelegt hat und in dem er beschreibt, welch Anstrengung es ihm unter anderem immer noch kostet, auf die Bühne zu gehen und das zu tun, was er am liebsten tut: Klavierspielen. Wer Lust hat, James live in Deutschland zu erleben, hat 2019 mehrfach die Chance.

Reiseführer London

Auch die neue Auflage des Reiseführers über London überzeugt durch zahlreiche hilfreiche Tipps und Hinweise auf bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten, aber auch auf Übernachtungsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel. London-Neulinge werden vom Autor Ralf Nestmeyer in die Vielfalt der sich immer wieder neu erfindenden britischen Hauptstadt eingeführt (Sightseeing-Klassiker) und Kenner erfahren das ein oder andere Neue, das es lohnt, auf die Liste für den nächsten Trip gesetzt zu werden (Sightseeing-Alternativen).

“Sehenswertes” nicht nur für Regentage

Alternativen sollte man aber auch für einen Regentag einplanen. Will man dann eine der 18 vorgestellten Touren nicht nachlaufen, aber die anvisierte Gegend dennoch besuchen, lohnt sich ein Blick unter den Punkt “Sehenswertes”, der beispielsweise Museen auflistet, die – auch das sei gesagt – kostenlos sind und in aller Regel auch ein nettes Café oder Restaurant inklusive Wlan haben, in dem man entspannen und den weiteren Tag planen kann.

Die mittlerweile 12. Auflage des MM-City Reiseführers London ist nicht nur ein kompakter Begleiter vor Ort, sondern auch ein praktischer Helfer bei der Vorbereitung. Wenn man nicht weiß, wo man übernachten oder eine andere Unterkunft ausprobieren möchte, empfiehlt sich ein Blick in die Hotelliste, die von teuer bis günstig ein weites Spektrum anbietet.

 

Ralf Nestmeyer: Reiseführer London, MM-City,  Michael-Müller-Verlag, 17,90 Euro, Neuauflage 2019.
Wer mag, kann das Buch über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Mehr über London gibt es auf meinem Blog hier.
Ein Interview mit Ralf Nestmeyer ist hier zu finden.

 

Bücher für Weihnachten 2018

Bücher als Geschenke – was für den einen einfallslos sein mag, ist für den  Buchleser der Beweis dafür, dass er sich mit den Vorlieben des zu Beschenkenden auseinandergesetzt hat und aus der schier unerschöpflichen Auswahl an lieferbaren Büchern ein ganz bestimmtes ausgesucht hat. Und wer kurz vor knapp noch ein Geschenk braucht, kann sich damit entschuldigen, dass das Buch noch nicht auf Deutsch erschienen ist und er daher einen Gutschein überreichen muss.

Meine Empfehlungen aus Büchern, die ich heuer gelesen habe (und bei deren Auswahl ich gemerkt habe, wie unterschiedlich sie sind). Die jeweiligen Links führen zu ausführlicheren Blogbeiträgen:

Film-Entdeckung:
Mary Ann Shaffer: Deine Juliet (btb, 9,99 Euro): Als der Film in die Kinos kam, wusste ich nicht, dass er auf einem Buch basiert. “Deine Juliet” erzählt die überraschende Begegnung zwischen der Londoner Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Bücher mit Tiefgang:
Wendy Mitchell: Somebody I used to know (Bloomsbury, ca. 12 Euro; erscheint unter dem Titel “Der Mensch, der ich einst war: Mein Leben mit Alzheimer”, im Juni 2019 auf Deutsch bei  Rowohlt, 12 Euro): Der deutsche Titel nimmt vorweg, um was es in dem Buch geht: Alzheimer – und wie die Autorin Wendy Mitchell damit umgeht und versucht ihr Leben neu darauf auszurichten. Das ist weniger sentimental als gedacht, aber dennoch sehr berührend.

Anthony Doerr: Memory Wall (btb,8 Euro): Unsere Welt, unser Leben besteht aus Erinnerungen, so wie das Leben von Alma Konachenk, die das Gedächtnis verliert und in deren Erinnerungen irgendwo der Hinweis auf ein Fossil versteckt ist.

James Rhodes: Fire on all sides (keine deutsche Übersetzung bisher, Quercus, ab ca. 8 Euro). Der britische Pianist James Rhodes wurde als Kind mehrfach vergewaltigt. Dieses Trauma hat er keineswegs überwunden, wie er erschütternd offen, aber auch gleichzeitig witzig, frech und direkt in “Fire on all sides” schreibt. Unter dem gleichnamigen Titel ist auch ein Album erschienen, das das Buch sozusagen begleitet.

Lieblingsschriftsteller:
Ian McEwan: Der Tagträumer (Diogenes, 10 Euro/The Daydreamer, Vintage, ca. 10 Euro): Die Kurzgeschichten im dünnen Band “Der Tagträumer” (Link führt zu meinem englischsprachigen Beitrag) haben alle die gleiche Hauptfigur: Den Jungen Peter Fortune, der nichts lieber macht als sich in den Körper von anderen Lebewesen zu träumen.

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält (dtv, 20 Euro; How to stop time, Canongate, ca. 8 Euro): Der Roman erzählt die Geschichte von Tom Hazard, der zwar 439 Jahre alt ist – der aber äußerlich nicht altert. Das ist für Albas wie ihm ein Problem, denn natürlich merken die Menschen in seiner Umgebung, dass er anders ist.

Robert Galbraith: Weißer Tod (Blanvalet, 24 Euro, erscheint am 27. Dezember/Lethal White, ab 12 Euro): Der mittlerweile vierte Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike ist genauso spannend und gut geschrieben wie die vorherigen. Kennt der Beschenkte die noch nicht, mag aber Krimis, die zudem noch in London spielen, sollte man zum ersten Band  “Der Ruf des Kuckucks” (Blanvalet 10,99 Euro) greifen.

Bernhard Schlink: Olga (Diogenes, 24 Euro): Olga ist nach den Maßstäben am Ende des 19. Jahrhunderts zwar nur eine Frau. Aber sie weiß genau, was sie will. Selbstständig sein, eine Familie gründen – scheinbar unerreichbare Wünsche für eine Frau in Deutschland, in der immer radikalere Ansichten, die Politik bestimmen werden.

 

 

 

 

Michaela Karl: Unity Mitford – Eine Biografie

Unity Mitford war das, was man heute einen Fan nennen würde. Allerdings begeisterte sie sich nicht für einen Sänger, Fußballverein oder einen Schauspieler. Sie war eine Anhängerin von Adolf Hitler und nach allem, was man weiß, eine fanatische, die blind alles, was der Diktator tat und sagte, nicht nur gut hieß, sondern glorifizierte. Ein Verhalten, das umso erstaunlicher ist, wenn man weiß, dass die Engländerin Unity Mitford als Tochter eines Lords zwar in der privilegierten Upperclass, aber unkonventionell aufwächst. Ihre Begeisterung für alles Deutsche führte sie in den 1930er Jahren für ein Sprachenstudium nach München – mit dem Ziel den Reichkanzler kennenzulernen.

Michaela Karl beschreibt in “Ich blätterte gerade in der ‘Vogue’, da sprach mich der Führer an” Unity Mitfords Leben akribisch, detailreich und verweist dabei auf zahlreiche Quellen.  Das macht die Biografie auf der einen Seite fundiert, auf der anderen aber zu keinem einfachen Lesestoff und man wünscht sich hin und wieder das Ende eines Kapitels herbei. Was nicht daran liegt, dass das Buch schlecht geschrieben wäre, sondern daran, dass zumal für Leser, die vorher noch nichts von Unity Mitford gehört haben, zuviel Wissen auf einmal transportiert werden soll.

“Das Böse ist wandelbar und Unity Mitford ein gutes Beispiel dafür, wie sympathisch, humorvoll und hübsch es anmuten kann.”

Hat man aber durchgehalten, so wird man mit einem Epilog belohnt, der auf die Nachwirkungen eingeht, die Unity Mitford in der Literatur von Truman Capotes  “Frühstück bei Tiffany”, Alan Bennetts “Die souveräne Leserin” bis zu J.K. Rowlings Hexe Bellatrix Lestrange hat. Michaela Karl schreibt zurecht, dass auch heute noch Menschen der Faszination des Faschismus erliegen und dem Populismus Vorschub leisten. Inwieweit aber die Shakespeare-Verfilmung von “Richard III.” mit Ian McKellen “cool”  und Teil einer “faschistischen Ästhetik ist, die längst Teil des Kunstbetriebs geworden ist”, darf nicht zuletzt deshalb bezweifelt werden, weil Richard wie auch in William Shakespeares Stück selbst als das personifizierte Böse dargestellt wird, das zum Schluss besiegt wird.

 

Michaela Karl: “Ich blätterte gerade in der ‘Vogue’, da sprach mich der Führer an. btb, 11 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Die Schätze aus Omas Backbuch

Ein Bekenntnis vorab: Backbücher habe ich bisher auf diesem Blog noch nicht besprochen, immerhin habe ich als Gelegenheitsbäckerin ein paar Bücher, auf deren Rezepte und Tipps ich trotz Online-Quellen schwöre. “Die Schätze aus Omas Backbuch” hat das Zeug dazu, eines dieser Bücher zu werden. Dabei wurde ich nicht so sehr wegen der Rezepte neugierig, sondern wegen des Konzepts. Denn das Buch versammelt Familienrezepte, zu dessen Einsendung der bayerische Unternehmen Rosenmehl aufgerufen hat, wie es im Vorwort heißt. Aus den vielen Einsendungen wurde schließlich eine Auswahl zur Veröffentlichung getroffen, die in diesem Buch vorliegen.

Das Schöne: die Rezepte sind nicht nur übersichtlich und leicht verständlich. Jedes einzelne bringt seine Geschichte mit, die in Form von handschriftlichen Zetteln und Fotos der Verwandten faksimiliert den Rezepttext auf der gegenüberliegenden Seite begleiten. Die Rezepte reichen von diversen Obstkuchen und Schmalzgebackenem über Sonntagskuchen und Kleingebäck bis hin zu Mehlspeisen und Adventsgebäck. Dabei machen schon  alleine die Rezepte für Apfelkuchen Lust aufs Backen. Ausprobiert habe ich “Großmamas Apfelkuchen”, der auch ohne Rosinen (die ich nicht mag) traumhaft gut war.  Bereits mit einem Zettel versehen ist “Monikas Gewürzapfelkuchen”, der mit Zimt und Kakao gut in die Vorweihnachtszeit passen müsste.

“Die Schätze aus Omas Backbuch” ist ein  Backbuch mit unkomplizierten Rezepten, mit dem auch Ungeübte zurecht kommen werden. In Verbindung mit den historischen Dokumenten ist das gut ausgestattete Buch auch eine Einladung zum Blättern.

 

Rosenmehl (Hg): Die Schätze aus Omas Backbuch, Bassermann, 16,99 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Mick Herron: Slow Horses

Ausgemustert und abgeschoben, das sind die Agenten, die Slow Horses – und River Cartwright ist einer von ihnen. Statt im aktiven Dienst in Regent’s Park zu sein, wurde er mit den anderen abgeschoben in eine Dienststelle in der Nähe des Barbican, dem Londoner Kulturzentrum, das ungefähr so hässlich wie groß ist. River ist hier, weil er bei einer Übung nicht verhindern konnte, dass einer der größten Bahnhöfe Londons, King’s Cross, zum Erliegen kommt. Zusammen mit den anderen ausgemusterten Spionen versucht er nicht nur die immer gleiche Routine zu durchbrechen, sondern auch wieder zurückzukommen in den aktiven Dienst.

Mick Herron lässt mit “Slow Horses” den Spionagethriller wieder aufleben, den manche wenn nicht mit dem Ende des Kalten Krieges, so doch spätestens mit den Werken des großen John le Carré für beendet erklärt haben. Dabei beeindruckt der Roman nicht so sehr durch turbulente Szenen, sondern durch eine durchdachte Handlung, die den Charakteren Zeit gibt, sich zu entwickeln.  London-Liebhaber werden als Extra-Bonus bekannte Straßen und Plätze vorfinden. Die wunderbare Arbeit von Stefanie Schäfer lässt einen fast vergessen, dass man eine Übersetzung liest.

 

Mick Herron: Slow Horses, Diogenes, 24 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Alan Rusbridger: Breaking News

Alan Rusbridger’s latest book “Breaking News” is an insight look into The Guardian as well as an insight look into  journalism itself – and it offers a glimpse inside the mind of an Editor-in-Chief in times when literally all newspaper are struggling for survival.

“Keep it short, keep it simple, write it in language you would use if you were telling your mum or dad.”

When Rusbridger left the Guardian after being its Editor-in-Chief for 20 years, he left an organisation heading towards a new age where the fear of shutting down the printing presses isn’t gone but has lost at least its fear that journalism would die with them. That is because Rusbridger isn’t only a brilliant writer but because he is guided by a decent, humble opinion about how journalism can survive in an age where fake news and mistrust in media and journalists is about to take over at least vast parts of social media. To understand Rusbridger’s thinking, you have to follow his career that started as a local journalist at the Cambridge Evening News, covering nothing but wedding reports. It was a time when journalists didn’t talk about business models (because they didn’t need to) but were aware of getting “the salient facts into the top of the story so, in haste, it could be cut from the bottom.” They lived (and local journalists still do) among the people on whom they reported. That closeness also bred respect and trust – Rusbridger considers as the most important values journalists (and their publishers) should hold dear.

To get along with the internet

Journalists and even Editors-in-Chief had to discover what that internet really was, where it lived (apparently somewhere in Silicon Valley) and how to they possibly could get along with it or “We were conquered” as  Rusbridger puts it, even if he, like most of his fellow journalists, had no idea what to make out of it, it was obvious that a  media organisation couldn’t ignore it. With the death of Lady Diana and later with 9/11, people were desperate to get information – if not by the Guardian, then from someone else. When the planes crashed into the World Trade Center, the internet couldn’t cope with the huge amount of visits on various websites. But like other websites (I remember vaguely that Süddeutsche Zeitung‘s site skipped pictures and went to text only), “The Guardian – with anxious tech developers sitting up all night – didn’t go dark.”

“We broke virtually no celebrity news or gossip. We tended to ignore people’s private lives. All this appeared – for our readers – to be a positive, not a negative.”

Maybe this was one of those moments, readers found The Guardian, liked it and came back. Not only for information from and about the UK but about world affairs and made it the leading serious newspaper English-language website in the world, made it “worthy”. Then readers came back for information about the Leveson inquiry into press standards and ethics and the Snowden revelations which won The Guardian the Pulitzer Prize for public service in 2014.

“Breaking News” is an inspiring and thrilling read for journalists who might find familiar thoughts and situations. For other readers it offers a brilliant read of journalism and media and how decent and serious information are made.

 

Alan Rusbridger: Breaking News – The remaking of journalism and why it matters now, Canongate, from £13.

You can find my blog entry about “Play it again” here.

Walter Isaacson: The Innovators

Der Zugriff aufs Internet ist für viele so selbstverständlich wie das Radio einschalten oder fernsehen. Und das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Dass das so ist, haben wir zahlreichen Frauen und Männer zu verdanken, die die Idee von vernetzten Rechenmaschinen entwickelten, lange bevor die Wörter Internet und Computer erfunden waren.
In seinem Buch “The Innovators” beschreibt Walter Isaacson das Leben so unterschiedlicher Menschen wie Ada Lovelace, Konrad Zuse, Alan Turing und Steve Jobs, erklärt, was sie in ihren Forschungen antrieb. Das gelingt Isaacson wie schon in seiner Biografie über Steve Jobs deshalb so wunderbar, dass die Pioniere der digitalen Technik nicht bloß Namen bleiben, sondern zu Personen werden, die dem Leser nicht gleichgültig bleiben.

Im Falle von Alan Turing (Beträge über ihn auf diesem Blog sind hier zu finden), dem englischen Mathematiker, der maßgeblich an der Entschlüsselung der deutschen Enigma-Maschine im Zweiten Weltkrieg beteiligt war, beruft sich Isaacson des öfteren auf Andrew Hodges wunderbare Biografie “Enigma” (englischsprachiger Beitrag), was keineswegs abwertend gemeint ist. Im Gegenteil. Die Beschreibung von Turings Person und dem, was ihn sein Leben lang bewegte, ist beispielhaft für die der anderen Personen. Schade nur, dass Isaacson bei all der akribischen Beschreibung und Quellenangabe zwar erwähnt, dass Alan Turing einer Kollegin einen Heiratsantrag machte, die ihn trotz seiner Homosexualität heiraten wollte, den Namen Joan Clarke aber verschweigt.

“Sein ganzes Leben hindurch sollte Turing mit der Frage ringen, ob der menschliche Geist sich von einer deterministischen Maschine grundlegend unterscheidet oder nicht.”

Wer sich für Geschichte und speziell die Geschichte von Computern und Internet interessiert, bekommt mit “The Innovators” ein gut lesbares, ja spannendes Buch, das zudem mit umfangreichen Anmerkungen und Quellenangaben nicht nur die Recherche dokumentiert, sondern auch auf weiterführende Literatur hinweist. Von den insgesamt 638 Seiten sollte man sich keineswegs abschrecken lassen.

 

Walter Isaacson: The Innovators – Die Vordenker der digitalen Revolution von Ada Lovelace bis Steve Jobs. C. Bertelsmann, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Min Jin Lee: Ein einfaches Leben

Korea wurde 1910 von Japan annektiert und die Einheimischen  von da an als Menschen zweiter Klasse behandelt. Erst recht, wenn sie wie Sunja ihre Heimat verlassen und in Japan leben. Dabei will sie nur keine Schande über ihre Familie bringen, denn sie ist ledig und erwartet ein Kind von einem verheirateten Mann. Anstatt mit ihrem Schicksal zu hadern, arrangiert sich Sunja  und baut  sich  ein neues Leben auf. Ihre Söhne aber wollen mehr erreichen, studieren oder machen Karriere in der kriminellen Welt der Spielhallen.

“Die Geschichte hat uns im Stich gelassen, aber was macht das schon.”

Min Jin Lee war zumindest mir vollkommen unbekannt und wäre mir ihr neuestes Buch “Ein einfaches Leben” nicht empfohlen worden, ich hätte es wohl nicht gelesen. Allerdings wäre ich dann um eine wunderbare Entdeckung ärmer. Und das ist ja genau das, was das Lesen ausmacht. Bücher können Türen sein zu unbekannten Welten, über die wir noch nichts oder nur sehr wenig gewusst haben. Im besten Fall unterhalten sie nicht nur, sondern wecken das Interesse, mehr zu erfahren. “Ein einfaches Leben” ist ein solches Buch, das einem zudem noch beschäftigt, wenn man es  zu Ende gelesen hat.

 

Min Jin Lee: Ein einfaches Leben, dtv, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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