Für Pearl ist die Welt der Richardsons gleichzeitig anziehend und geheimnisvoll. Und irgendwie trifft das auch für Shaker Heights zu. Die Menschen hier sind nicht nur wohlhabend. Sie führen ein Leben, das mindestens so vielen Regeln folgt wie die Vorschriften, die in dem reichen Vorort Clevelands gelten. Schließlich ist es wichtig, dass  Häuser, die in einem bestimmten Stil gebaut sind, nur in bestimmten Farben gestrichen werden dürfen. Pearl, die es gewohnt ist, mit ihrer Mutter Mia nie lang an einem Ort zu bleiben und mit nur wenigen Sachen zurechtzukommen, ist fasziniert von der Familie, für die alles, was sie tun, wichtig zu sein scheint. Arbeiten scheint etwas “Nobles” zu sein – auch wenn Mrs Richardson Lokaljournalistin ist, so steht doch ihr Name auf der Titelseite der kostenlosen “Sun Press”. Während es für Mia immer schon darum gegangen ist, ausreihend Geld für sich und ihre Tochter Mia zu verdienen, hat das Leben der Richardsons jene Lässigkeit, die auf sicherem Reichtum ruht. Doch die Idylle ist nur auf dem ersten Blick perfekt. Während die Jugendlichen sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens auseinandersetzen müssen, wird Mia mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

“Kleine Feuer überall” ist nach “Was ich Euch nicht erzählte” der zweite Roman von Celeste Ng. Und auch in dieser Geschichte zeigt die amerikanische Autorin die Risse, die unter der Oberfläche einer scheinbar perfekten Welt immer größer werden. Das Leben, das die Figuren führen, mag banal sein. Aber Celeste Ng schafft es, diese Alltäglichkeit so spannend zu erzählen, dass man sich noch lange an die Geschichte erinnern wird.

 

 

Celeste Ng: Kleine Feuer überall, dtv, 22 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.