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Schlagwort: Commissario Brunetti

Donna Leon: Heimliche Versuchung

Professoressa Crosera, eine Bekannte von Paola, sucht Commissario Bruntti in der Questura auf, weil sie sich Sorgen um ihren Sohn macht. Ihrer Meinung nach nimmt er Drogen, immerhin werden die ja vor seiner Schule verkauft. Und sie möchte, dass sich Brunetti dem Ganzen annimmt. Der allerdings sieht als Vater zweier Kinder, die gerade noch im Teenager-Alter sind, zunächst keinen Grund für eine echte Beunruhigung. Doch dann erhält er mitten in der Nacht einen Anruf, der ihn zum Fall eines Mann führt, der eine Brücke hinuntergestürzt ist. Wie sich herausstellt, wurde der Mann, der zufällig der Ehemann der Professorin ist, die Treppe hinunter gestoßen. Doch weshalb hat jemand versucht, den Ehemann der Professorin zu töten?

In “Heimliche Versuchung” bringt Donna Leon den Commissario wieder zurück nach Venedig, nachdem er sich im vorherigen Roman eine vermeintliche Auszeit genommen hat. Was gut ist für den Leser, weil man wieder mehr erfährt über Brunetti und die Menschen, mit denen er täglich zu tun hat. Neben der Sekretärin Signorina Elettra, die nicht nur stets topmodisch gekleidet ist, sondern auch immer einen Strauß frischer Blumen in ihrem Büro hat und ganz offenbar ein Abhörgerät im Büro ihres gemeinsamen Vorgesetzten Patta installiert hat, sind das auch seine langjährigen kollegialen Freunde  Claudia Griffoni und Lorenzo Vianello. Und natürlich seine Familie, allen voran seine Frau Paola und seine beiden Kinder Chiara und Raffi.

“So unter der Woche kamen sie relativ bequem durch. Brunetti bemerkte viele leere Stellen, wo früher Obst- und Gemüsestände gewesen waren; von den Fischhändlern war auch nur noch die Hälfte übrig.”

Der 27. Fall für den Commissario ist ein typischer Brunetti. Typisch, weil der Fall unaufgeregt gelöst wird, typisch, weil Themen wie Umweltverschmutzung und das Problem des übermäßigen Tourismus in Venedig angesprochen werden, die Donna Leon sehr am Herzen liegen und zu denen sie – wie Guido Brunetti – eine eindeutige kritische Meinung hat. Hinzu kommt das Thema Gleichberechtigung, das in diesem Roman schon allein deshalb eine besondere Betonung erfährt, weil Brunetti zunächst nicht mit Vianello unterwegs ist, sondern mit Claudia Griffoni, die ihn mitten in der Nacht wegen des gestürzten Mannes aus dem Schlaf klingelt und mit der er sich bestens versteht.

“… zufrieden, dass ihm das Schicksal eine gleichgesinnte Kollegin beschert hatte.”

“Heimliche Versuchung” ist  wie immer bei einem Brunetti-Krimi wie die Begegnung mit alten Bekannten, die im Laufe der Jahre ihre Eigenarten entwickelt haben, die aber zum Glück immer noch so sind, wie wir sie kennen- und lieben gelernt haben.

 

Donna Leon: Heimliche Versuchung. Diogenes, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Bücher meines Jahres 2017

Am Anfang eines neues Jahres ist es Brauch zurückzublicken – auch auf die Liste gelesener Bücher.
Meine Bilanz sagt mir, dass ich im Vergleich zum Vorjahr  ein Buch weniger gelesen habe. Ich tröste mich damit, dass ich 2017 ein paar dicke Wälzer gelesen habe. Und außerdem warten, während ich diese Zeilen schreibe, drei Bücher darauf, dass ich sie aufschlage und weiterlese. (Was die immerwährende Frage aufwirft, was die Figuren in den Romanen so treiben, wenn das Buch nicht gelesen wird.)

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Englisch: 14
Deutsch: 24
E-Bücher: 4 (nur eines auf dem Kindle gelesen, nur eines auf Englisch)

Am besten gefallen haben mir diese Bücher – wie immer rein persönlich und ohne Anspruch darauf, die Welt der Feuilletonisten zu erschüttern (naja, vielleicht ein kleines bisschen).

Meine Entdeckung:
Matt Haig: sein Kinderbuch “Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist eine wunderbare Weihnachtsgeschichte. Das Buch selbst ist liebevoll ausgestattet und ein echter Hingucker.
“How To Stop Time” ist ein Tipp für alle, die etwas für Mystery, Zeitreisen und eine Liebesgeschichte übrig haben. Wer das Buch nicht auf Englisch lesen kann oder mag, kann sich vormerken, dass im Frühjahr die deutsche Übersetzung unter dem Titel “Wie man die Zeit anhält” im dtv  erscheinen wird.
In “Reasons to stay alive”(Deutsch: “Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben”, dtv) beschreibt Matt Haig erschütternd offen und berührend wie es ist, mit einer Depression zu leben und zu überleben. (Es hat mich an Uwe Hauck: “Depression abzugeben” erinnert)
“Ich und die Menschen” ist die witzige und entwaffnende Geschichte eines Außerirdischen, der im Körper eines Mathematikprofessors die Menschen beobachtet – und eines dieser Bücher, das man am liebsten auf einmal lesen möchte.

Alte Freunde:
Ian McEwan: The Child in Time habe ich noch einmal gelesen, um mich auf die BBC-Verfilmung mit Benedict Cumberbatch vorzubereiten. Und die Geschichte um das Verschwinden eines kleinen Mädchens ist auch beim zweiten Mal berührend.
Donna Leon: Stille Wasser:  Das alljährliche Treffen mit dem venezianischen Commissario Guido Brunetti war auch 2017 liebenswert und beste Unterhaltung. Wer noch nie einen Krimi dieser Reihe gelesen hat, sollte am besten mit dem ersten Band “Venezianisches Finale” einsteigen.
Sherlock  – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures – zusammengestellt von den Sherlock-Erfindern Mark Gatiss und Steven Moffat ist nicht nur für Fans der britischen Fernsehserie interessant. Wer noch nie eine Originalgeschichten gelesen hat, aber wissen will, was hinter der Serie steckt, findet dank der Vorworte einen guten Einstieg.

Für London-Fans:
Peter Ackroyd: London – The Concise Biography (deutsch: “London – Die Biographie”, erschienen im Albert-Knaus-Verlag) ist eine historische Fundgrube, die so gut wie alles behandelt, was in dieser faszinierenden Stadt passiert ist.
Anette Dittert: London Calling: Eine Liebeserklärung an die britische Hauptstadt, die hoffentlich auch nach dem Brexit gleichermaßen faszinierend, verrückt und liebenswert bleibt.
Und wer einen Reiseführer sucht, der sollte zum “MM-City London” gut greifen. Mein Blogbeitrag enthält auch einen Partnerlink zur Bestellseite des Verlags, die auch hier zu finden ist.

 

Donna Leon: Stille Wasser

Es ist Sommer und damit wieder Zeit, alte Freunde zu treffen. Commissario Guido Brunetti, seine Frau Paola, die Sekretärin Elettra und natürlich sein Kollege Vianello sind mittlerweile alte Freunde, die regelmäßig zu einem Treffen einladen. In diesem Jahr steht der mittlerweile 26. Fall an – einer der besten der Reihe. “Stille Wasser” ist ein ruhiger Kriminalfall, aber er ist auch dramatisch, weil Brunetti bei einem Verhör einen Schwächeanfall erleidet und im Krankenhaus landet. Dort wird ihm dringend nahegelegt, berufsbedingten Stress zu vermeiden und sich mindestens eine zweiwöchige Auszeit zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis findet der Commissario die Aussicht, einmal nichts zu tun und sich zu entspannen, gar nicht mal so schlecht. Und so ist die Möglichkeit, ein paar Wochen auf einer der Venedig umgebenden Inseln in einem Haus zu verbringen, das Verwandten von Paola gehört, ideal. Freilich wäre dieser neue Roman von Donna Leon kein echter Brunetti, gäbe es nicht auch einen Todesfall aufzuklären.

“Er wäre zwei Wochen lang allein, Gast in einem Haus, von dem er nicht wusste, ob es dort Bücher gab.”

“Stille Wasser” zeigt einen Guido Brunetti, der in seinem Leben einiges erreicht hat. Er ist erfolgreich in seinem Beruf, den er trotz so mancher Ärgernisse – eines davon ist nicht zuletzt sein Vorgesetzter Patta – mag, er ist glücklich verheiratet und hat zwei wunderbare Kinder. Dennoch fordert der Beruf ihn mehr, als er sich eingestehen will. Die Tatsache, dass er ohne große Widerstände bereit ist, sich für ein paar Wochen eine Auszeit zu nehmen, endlich Zeit fürs Lesen  zu haben, seiner alten Leidenschaft, dem Rudern, wieder nachzugehen, zeigt, dass der Kommissar nicht nur älter geworden ist. Er ist auch an einem Punkt angekommen, an dem er sich zurücknehmen und über sein Leben nachdenken kann. Typischerweise macht er das, indem er klassische Literatur liest und sicherheitshalber Plinius, Herodot, Sueton und Euripides für seine Auszeit einpackt. Zum 25. Jubiläum ist die Krimireihe liebenswert wie eh und je und ein gutes Beispiel dafür, dass gute Unterhaltung auch ohne Effekthascherei und blutrünstige Gewalt auskommen kann.

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Stille Wasser, Diogenes, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt.

Donna Leon und Commissario Brunettis 23. Fall

Es gibt Schriftsteller, die einen ein Leben lang begleiten. Oder zumindest ihre Werke, die immer wieder eine Einladung sind, sich auf neue Geschichten und Figuren einzulassen. Bei Donna Leon ist es anders.
Denn ihr Commissario Guido Brunetti löst alljährlich zum Sommeranfang einen neuen Kriminalfall und nimmt den Leser gleichzeitig mit in sein Leben. Und so ist das Erscheinen eines neuen Romans immer so als würde man alte Freunde wiedertreffen.
Natürlich verlaufen diese Treffen über die Jahre hinweg immer unterschiedlich. Mal sind sie unterhaltsam und spannend, mal ziehen sie sich hin und versprühen den Charme einer ungeliebten Pflichtveranstaltung, die man aber dennoch nicht verlassen möchte.

“Sie war demokratisch in ihrem Hass, ließ niemanden aus, alle bekamen ihr Fett weg, Kirche und Staat, links und rechts.”

Der 23. Fall für Commissario Brunetti “Tod zwischen den Zeilen” gehört zu einem der besten Bücher in der Brunetti-Reihe. Das mag vielleicht daran liegen, dass es um gestohlene und beschädigte alte Bücher geht – ein Thema, das weder zu exotisch ist für Brunettis viellesende Frau Paola,  Professorin für Englische Literatur und bekennende Henry-James-Liebhaberin, noch für Brunetti selber, der so selbstverständlich Klassiker liest wie andere Seifenopern im Fernsehen schauen.

“Alle Bücher beseitigen, ist dasselbe wie die Erinnerung auslöschen.”

Das mag aber ganz sicher daran liegen, dass der Commissario die wahren Ausmaße und Zusammenhänge erst allmählich erkennt – auf seine unverkennbare Art und Weise, die ihn unverwechselbar und liebenswert macht. Weil das mit viel Liebe zum Detail und zu den Figuren erzählt wird, ist der neueste Roman Donna Leons eine Einladung zum Lesen, der man unbedingt folgen sollte.

Das Buchcover Foto: pb

Das Buchcover Foto: pb

Donna Leon: Tod zwischen den Zeilen, Diogenes, 23,90 Euro.

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