Annette Dittert: Dear Britain

Etwas aus der Zeit gefallen, aber faszinierend und anziehend. So oder so ähnlich ist die Zeremonie, die sich bei der King’s Speech in den Houses of Parliament kürzlich wieder entfaltet hat. Wer an diesem und den Tagen davor und danach mitten durch die britischen Hauptstadt ging, sah sich mit Absperrungen entlang der Mall bis zum Buckingham Palace und mit für den Verkehr gesperrten Straßen rund um den berühmten Glockenturm Big Ben konfrontiert.

„In der ungebrochenen Identifikation des Volks mit seinem Monarchen aber liegt der Kern der so oft beschworenen Stabilität, die das britische Königshaus seiner Nation verleiht.“

Und mit stoisch gelassenen und freundlichen Helfern, die Zögerliche zum Überqueren der Straße ermutigten. Genau in dieser Gelassenheit, Freundlichkeit, der Liebe zu historischen Ritualen und der Bereitschaft, allen Unbilden des Lebens zu begegnen, liegt die Faszination und die Liebe zu den Briten und ihrem Land, die wir Deutschen mehr oder weniger tief in unserem Innern haben. Während die einen regelmäßig auf der Insel Urlaub machen, haben sich andere das Land zu ihrer Heimat gemacht.

„Im Winter trägt man Miniröcke und schulterfreie Tanktops, dafür warnt die BBC vor einer Hitzewelle, sobald die Temperaturen sommerliche zwanzig Grad überschreiten.“

So wie die langjährige ARD-Korrespondentin Annette Dittert, die uns die Briten und ihr Land immer wieder erklärt hat und es noch immer tut, beispielsweise in ihrem neuen Buch „Dear Britain“ . Wie schon im Vorgänger „London Calling“ (2017, Taschenbuch 2020) nimmt Annette Dittert die Leserin mit auf eine sehr persönliche Entdeckungsreise durch Großbritannien und natürlich London, ihre „große Liebe“. Eine Reise, die gleichzeitig wunderbar vertraut und fremd, beeindruckend und liebenswert, vollgestopft mit Fakten und Wissen, aber niemals langweilig ist.

„Die Themse hört einfach zu.“

Da ist kaum – zu übersehen und irgendwie immer präsent – die Themse, dieser riesige Fluss mit seinen Gezeiten und den Mudlarkern, den Menschen, für die der graubraune Strom Schätze aus der Vergangenheit ans während der Ebbe begehbare Ufer trägt. Vorausgesetzt, man weiß, wo und wie man suchen muss.
Da ist das „Gardening“, das die Briten perfektioniert haben und deren Ergebnisse nicht nur in den bekannten Royal Parks zu bewundern sind, sondern auch in Great Dixter, das zwar wild und anarchisch scheint. Und „dennoch wird hier nichts dem Zufall überlassen“.

Mit den zwölf scheinbar zufällig ausgewählten Kapiteln (inklusive Nachwort) von „Dear Britain“ erklärt uns Annette Dittert erneut ein Land und seine Menschen. Liebens- und lesenswert, niemals langweilig und voller Entdeckungen.

Annette Dittert: Dear Britain. Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens, Dumont, 24 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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