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Bücher für Weihnachten 2018

Bücher als Geschenke – was für den einen einfallslos sein mag, ist für den  Buchleser der Beweis dafür, dass er sich mit den Vorlieben des zu Beschenkenden auseinandergesetzt hat und aus der schier unerschöpflichen Auswahl an lieferbaren Büchern ein ganz bestimmtes ausgesucht hat. Und wer kurz vor knapp noch ein Geschenk braucht, kann sich damit entschuldigen, dass das Buch noch nicht auf Deutsch erschienen ist und er daher einen Gutschein überreichen muss.

Meine Empfehlungen aus Büchern, die ich heuer gelesen habe (und bei deren Auswahl ich gemerkt habe, wie unterschiedlich sie sind). Die jeweiligen Links führen zu ausführlicheren Blogbeiträgen:

Film-Entdeckung:
Mary Ann Shaffer: Deine Juliet (btb, 9,99 Euro): Als der Film in die Kinos kam, wusste ich nicht, dass er auf einem Buch basiert. “Deine Juliet” erzählt die überraschende Begegnung zwischen der Londoner Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Bücher mit Tiefgang:
Wendy Mitchell: Somebody I used to know (Bloomsbury, ca. 12 Euro; erscheint unter dem Titel “Der Mensch, der ich einst war: Mein Leben mit Alzheimer”, im Juni 2019 auf Deutsch bei  Rowohlt, 12 Euro): Der deutsche Titel nimmt vorweg, um was es in dem Buch geht: Alzheimer – und wie die Autorin Wendy Mitchell damit umgeht und versucht ihr Leben neu darauf auszurichten. Das ist weniger sentimental als gedacht, aber dennoch sehr berührend.

Anthony Doerr: Memory Wall (btb,8 Euro): Unsere Welt, unser Leben besteht aus Erinnerungen, so wie das Leben von Alma Konachenk, die das Gedächtnis verliert und in deren Erinnerungen irgendwo der Hinweis auf ein Fossil versteckt ist.

James Rhodes: Fire on all sides (keine deutsche Übersetzung bisher, Quercus, ab ca. 8 Euro). Der britische Pianist James Rhodes wurde als Kind mehrfach vergewaltigt. Dieses Trauma hat er keineswegs überwunden, wie er erschütternd offen, aber auch gleichzeitig witzig, frech und direkt in “Fire on all sides” schreibt. Unter dem gleichnamigen Titel ist auch ein Album erschienen, das das Buch sozusagen begleitet.

Lieblingsschriftsteller:
Ian McEwan: Der Tagträumer (Diogenes, 10 Euro/The Daydreamer, Vintage, ca. 10 Euro): Die Kurzgeschichten im dünnen Band “Der Tagträumer” (Link führt zu meinem englischsprachigen Beitrag) haben alle die gleiche Hauptfigur: Den Jungen Peter Fortune, der nichts lieber macht als sich in den Körper von anderen Lebewesen zu träumen.

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält (dtv, 20 Euro; How to stop time, Canongate, ca. 8 Euro): Der Roman erzählt die Geschichte von Tom Hazard, der zwar 439 Jahre alt ist – der aber äußerlich nicht altert. Das ist für Albas wie ihm ein Problem, denn natürlich merken die Menschen in seiner Umgebung, dass er anders ist.

Robert Galbraith: Weißer Tod (Blanvalet, 24 Euro, erscheint am 27. Dezember/Lethal White, ab 12 Euro): Der mittlerweile vierte Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike ist genauso spannend und gut geschrieben wie die vorherigen. Kennt der Beschenkte die noch nicht, mag aber Krimis, die zudem noch in London spielen, sollte man zum ersten Band  “Der Ruf des Kuckucks” (Blanvalet 10,99 Euro) greifen.

Bernhard Schlink: Olga (Diogenes, 24 Euro): Olga ist nach den Maßstäben am Ende des 19. Jahrhunderts zwar nur eine Frau. Aber sie weiß genau, was sie will. Selbstständig sein, eine Familie gründen – scheinbar unerreichbare Wünsche für eine Frau in Deutschland, in der immer radikalere Ansichten, die Politik bestimmen werden.

 

 

 

 

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete

Ach, was für ein schönes Buch! Ein glitzernder Schutzumschlag, der innen mit liebevollen Zeichnungen geschmückt ist. Zeichnungen, die Chris Mould für das ganze Buch entworfen hat – weshalb sich Elfen und Wichtel, der Weihnachtsmann und Rentiere und natürlich Amelia auf ganzen Seiten oder mitten im Text breit machen und die Geschichte wunderbar illustrieren.

Foto: Petra Breunig

Eine Zeichnung aus “Das Mädchen, das Weihnachten rettete”. Foto: Petra Breunig

Im  Mittelpunkt der Geschichte steht Amelia, die nach dem Tod ihrer Mutter versucht, als Kaminkehrermädchen zurecht zu kommen. Sie hofft auf die Hilfe  – und ein Wunder – des Weihnachtsmanns. Doch der Zauber der Weihnachtszeit ist nicht mehr so stark wie er einmal war. Das bekommt nicht nur Amelia zu spüren. Auch der Weihnachtsmann selbst muss sich mit allerlei Problemen herumschlagen.

“Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist das, was man als Kinderbuch bezeichnen würde, wäre da nicht der dtv selbst, der es klugerweise als “Buch für die ganze Familie” beschreibt. Denn Matt Haigs zweites Weihnachtsbuch ist ein Märchen, von dem sich auch Erwachsene verzaubern lassen und ein paar Stunden lang in eine Welt voller Wunder eintauchen sollten.

Matt Haig: Das Mädchen, das Weihnachten rettete. Mit Illustrationen von Chris Mould, dtv, 17 Euro

Foto: Petra Breunig

 

Bücher für Weihnachten 2017

Jawoll, es ist wieder soweit. Weihnachten ist nicht mehr weit – spätestens wenn diverse Märkte öffnen und die Straßen wieder in mehr oder weniger kitschiger Beleuchtung erstrahlen, wird es Zeit, sich über Geschenke Gedanken zu machen. Wer selber gern und viel liest, für den liegt es durchaus nahe ein Buch zu verschenken, auch wenn das für manche einfallslos sein mag.
Für die, die ein Buch verschenken möchte, hier meine Empfehlungen:

Für Fantasyleser:
Matt Haig: Ich und die Menschen, dtv, 9,95 Euro.
Ich habe die E-Book-Version auf einer langen Zugfahrt gelesen und habe mich selten so gut unterhalten gefühlt. Der Mathematikprofessor Andrew Martin wird nachts nackt aufgegriffen, als er an der Autobahn entlang wandert. Wie sich herausstellt, hat ein Außerirdischer von ihm Besitz ergriffen, der fasziniert ist von dem Leben dieser merkwürdigen Spezies.

Für Bücherliebhaber:
Charlie Lovett: Das Buch der Fälscher, Insel, 9,99 Euro.
Der deutsche Titel mag etwas am Original “The Bookman’s Tale” vorbeigehen und die Geschichte zu sehr auf ein Manuskript zuspitzen, das handschriftliche Notizen von William Shakespeare enthalten soll und beweisen könnte, dass es den großen englischen Autoren tatsächlich gegeben hat. Denn es geht vor allem um den Buchhändler Patrick Byerly, der den Tod seiner geliebten Frau verkraften muss und sich deshalb in die walisische Provinz zurückzieht.

Für Fans von Downton Abbey:
Julian Fellowes: Belgravia, Penguin, 10 Euro.
Zugegeben: ohne den Hinweis “Vom Autor der Serie Downton Abbey” hätte ich das englische Taschenbuch in der Buchhandlung nicht in die Hand genommen. So aber habe ich es gekauft und ein paar wunderbare Stunden verbracht im London des 19. Jahrhunderts, in dem es noch Dienstboten gab, alten Hochadel und Neureiche. Und wo natürlich die Liebe so manchem Standesdünkel entgegen steht.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro.
Der erste Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike, der versucht, herauszufinden, ob der Balkonsturz eines Models ein Unfall oder Mord war und der gleichzeitig sein Leben neu ordnen muss.  “The Cuckoo’s Calling”, das ich dank dem Tipp einer englischen Freundin gelesen und kaum weglegen konnte, ist der Auftakt einer vorerst dreiteiligen Reihe von Joanne K. Rowling, die gerade am vierten Band schreibt. Kürzlich lief die Verfilmung auf BBC One mit Tom Burke in der Hauptrolle.

Sherlock: “The Essential Arthur Conan Doyle”, selected and introduced by Mark Gatiss and Steven Moffat, Volume One, BBC-Books ca. 8 Euro.
Fans der BBC-Serie “Sherlock” wissen, dass die viele Zitate aus den Geschichten und Sherlock-Holmes-Erfinders Sir Arthur Conan Doyle enthält.  Ein Sherlock-Fan wird sich über dieses Buch freuen,  zumal Sherlock das Titelbild ziert. Für einen Fan, der lieber auf Deutsch liest, sind die Ausgaben bei Insel ein gutes Geschenk.

Für Entdecker:
Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes, 25 Euro:
Billy ist ein Junge, der begierig alles Wissen aufsaugt, das ihm begegnet. Die Titelfigur wird jüngster Harvard-Student, auch weil er von seinen Eltern gezielt gefördert wurde. Die 644 Seiten lange Geschichte  beruht auf wahren Begebenheiten und ist ideal für lange Lesetage.

 

Benedict schreibt an den Nikolaus

Lieber Nikolaus,

mein Freund bat mich, Dir zu schreiben. Ich muss zugeben, es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Das liegt bestimmt daran, dass wir es als Erwachsene etwas lächerlich finden, Dich um etwas zu bitten, denn irgendwie ist unsere Zeit mit Dir vorbei. Wir kaufen unsre eigenen Geschenke, haben unser Schicksal selbst in der Hand, übernehmen die Verantwortung für unser Handeln und leben in der Welt, die wir selbst geschaffen haben. Deshalb wenden wir uns nicht an Dich und bitten Dich um Hilfe beim Umweltschutz, der Flüchtlingskrise, dem NHS (Nationalen Gesundheitssystem in Großbritannien), Bildung, Tafeln, Menschenrechten, Fundamentalismus und Kriegen. Und das, obwohl wir Gott weiß alle Hilfe brauchen, die wie kriegen können, um mit diesen mnschengemachten Problemen und vielen anderen zurechtzukommen.

Dabei liegt es nicht daran, dass Du nicht voller Leidenschaft und Freude bist. Du bist toll. Und das obwohl Du unterschiedlich eingefärbt wurdest für Firmen und dafür missbraucht wurdest, einen verrücktgewordenen Materialismus zu versinnbildlichen, obwohl Du wahrscheinlich aus einem bestimmten heidnischen Druiden-Ritual stammst – Millionen Kilometer entfernt von irgendwelchen  Wünschen nach sich spontan selbst entzündenden Hoverboards. All das führen kindische Erwachsene erst mal zynisch an, bevor sie ihren ganz eigenen Moment haben, in dem sie an Dich glauben und davon überzeugt sind, Zeit zu verschwenden. Denn eigentlich  bist Du nicht für Erwachsene da, sondern für Kinder. Kinder, die etwas Geheimnisvolles brauchen in einer Welt, wo die Grenzen zwischen Unschuld und Verantwortung, spielerischer Fantasie und den kalten Hindernissen der Erwachsenen immer mehr verschwimmen.

Genau das ist es, um was ich Dich bitten möchte. Etwas mehr Zeit für Kinder, Kinder zu sein. Kannst Du die Zeit für Fantasie und Spielerei etwas verlängern? Kannst Du sie ablenken von einer Welt, die verrückt geworden ist, damit sie lachen statt weinen? Vor allem die, die sich Sorgen um Familienmitglieder machen oder krank sind oder hungern oder arm sind? Vor allem die, die in Häusern Schutz vor Bomben suchen, die zitternd vor Angst oder Kälte in Boote gesetzt werden, damit sie vor Umweltkatastrophen oder Krieg geschützt sind? Bitte mache ihr Leben etwas heller mit einem Augenblick voller Freude und Hoffnung.

Wenn ich mir das so überlege, hast Du es dieses Jahr nicht leicht gehabt. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, weiß ich nicht, ob ich Dich um ein Laserschwert bitten und tatsächlich eins kriegen (nicht, dass ich jemals eins bekommen hätte) vergleichbar damit ist, das Raum-Zeit-Kontinuum zu kontrollieren und das Gute der Kindheit etwas zu verlängern.

Jedenfalls inspirierst Du die, die Dir schreiben, dazu, an Wunder zu glauben und voller Ehrfurcht darauf zu hoffen, dass sie zu Bett gehen und am nächsten Morgen etwas Neues besitzen werden. Du spornst zu gutem Benehmen an und wenn ich mich richtig erinnere auch dazu schlechtes Benehmen in letzter Minute vergessen zu machen, damit man nicht übersehen wird. Denke auch an die, die Dir gerne schreiben würden, aber nicht können, weil sie Analphabeten sind. Höre ihnen zu und gibt ihnen die Zeit und die Gelegenheit, lesen und schreiben zu lernen, damit sie ein besseres Leben führen und ihrer Armut entkommen können.

Du tust mir ein bisschen leid. Und ich schätze mal, dass ich genau das gemacht habe, was ich eigentlich nicht tun wollte … Dich darum zu bitten, die Probleme der Erwachsenen und einige der größten Sorgen lösen zu helfen, die wir um unsere Kinder haben. Ich verspreche Dir, dass ich Dir extra Portwein und Minzkuchen da lassen werde.

Viele liebe Grüße

Benedict x

 

Den Brief im Original gibt es hier

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