Wenn der Verlag eines Buchautors findet, dass eben dieser Autor zu wenig Bücher verkauft, schickt er ihn auf Lesereise. Zumindest könnte man das laienhaft denken – zumindest in der heutigen Zeit, in der gefühlt ständig über zu wenig Leser, zu wenig Buchkäufer, gerne auch in Verbindung mit dem Untergang der abendländischen Kultur geklagt wird. Wer dann aber zu einer Lesung geht, findet begeisterte Leser und freudig aufgeregte Schriftsteller, die ein paar nette Stunden miteinander verbringen, Bücherkauf und Signiergelegenheit inklusive.

“Das Volk war dumm und wie das Vieh und würde niemals Anstand lernen.”

Was also für zeitgenössische Autoren zutrifft, gilt auch für die Dichter der Deutschen, Schiller und Goethe, wobei man natürlich korrekt Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller schreiben muss. Zumal wenn es nach dem Dichterfürsten Goethe geht, der sich eher unwillig auf die Lesereise begibt, die ihm sein Verleger Cotta aufgetragen hat, und die er gemeinsam mit seinem Freund Schiller möglichst schnell hinter sich bringen will. “Volksnähe” – unter diesem Motto steht die Reise der beiden – ist nämlich überhaupt nichts für Goethe, der sich seiner Bedeutung als Klassiker durchaus bewusst ist und auch als solcher behandelt werden will. Schiller dagegen ist populär und Goethe beschleicht der Verdacht, dass das Publikum hauptsächlich wegen des jüngeren Kollegen kommt.

“Er hatte genug. Er war alt. Er war Klassiker. Er war unsterblich. Er hatte alles erreicht.”

Überhaupt das Alter. Goethe ist mittlerweile 270, Schiller 260 Jahre alt, denn Christian Tielmann lässt seinen Roman “Unsterblichkeit ist auch keine Lösung. Ein Goethe-Schiller-Desaster” heute spielen. Was dabei herausgekommen ist, wirkt nur auf den ersten paar Seiten merkwürdig. Hat man sich erst eingelesen, ist die Konstellation, die die beiden Klassiker vor Schulklassen zeigt, die versuchen, die Zeit während der Pflichtveranstaltung totzuschlagen, ist nicht nur stimmig, sondern auch witzig und so erzählt, dass man die Geschichte unbedingt bis zum Ende lesen will. Und sich auch dabei ertappt, zu dem Regal zu schauen, wo die Werke der Klassiker stehen und sich fragt, wann man denn zum letzten Mal eines gelesen hat.

 

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung, dtv, 14 Euro.
Das Buch wurde mich freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.