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Corona: Filme und Serien gegen die Langweile

Es war nicht einfach, eine  Buchauswahl zu treffen – bei Filmen und Serien ist das noch schwieriger.  Die meisten der hier aufgeführten sind bei den üblichen Streaming-Diensten zu finden oder als DVDs/Blu Rays zu kaufen.

Filme:

Tolkien: Dieser bildgewaltige Film war leider nur  kurz und in wenigen Kinos zu sehen. Schade, denn das Leben des Autors von “Der Herr der Ringe”, der im Grunde nicht nur eine Fantasy-Geschichte, sondern mit Mittelerde auch gleich einen ganz eigene Welt erschaffen hat, wird hier so wunderbar erzählt, dass man den Film gern öfter schauen mag.

 

Ich war noch niemals in New York: Ein Film, der sich nicht ernst nimmt und dabei jede Menge Spaß macht. Was man bei einem deutschen Film nicht für möglich gehalten hätte, funktioniert mit diesem ganz wunderbar. Und er verbreitet einfach nur gute Laune.

 

Das perfekte Geheimnis: Drei Frauen, vier Männer treffen sich zum Abendessen. Sie sind zum Teil seit Jahrzehnten befreundet und kommen auf die Idee, ihre Handys auf den Tisch zu legen. Jede Nachricht, jeder Anruf wird entweder vorgelesen oder über Lautsprecher geführt, so dass jeder jede Unterhaltung mithören kann. Das führt zu Chaos und Überraschungen und ist beste Unterhaltung. Tipp: auch den Abspann anschauen.

 

Marvel’s Avengers-Filme sind immer gut, um der Realität für ein paar Stunden zu entfliehen: Der letzte, “Endgame”, ist auch beim wiederholten Anschauen der kurzweiligste Drei-Stunden-Film seit Langem. Wer vorher noch keinen dieser Superhelden-Filme gesehen hat, sollte zumindest die Ironman-Filme gesehen haben. Hilfreich ist unter anderem diese Liste.

 

 

Der wunderbare Garten der Bella Brown: Die Londoner Bibliothekarin Bella Brown will seit Jahren ein Kinderbuch schreiben. Als sie vor die Wahl gestellt wird, entweder ihren verwilderten Garten herzurichten oder auszuziehen, entscheidet sie sich für die Gartenarbeit. Der Film ist liebenswert und etwas sonderlich – also im Grund so, wie wir uns die Briten eigentlich vorstellen.

 

Pride: Während die Bergarbeiter im Großbritannien der Thatcher-Jahre wegen der Schließung zahlreicher Zechen streiken, gehen in London Schwule und Lesben auf die Straße, um für mehr Rechte für Homosexuelle zu demonstrieren. Der auf wahren Ereignissen und Personen beruhende Film räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, dass das Einstehen für eine gute Sache nicht hoffnungslos ist.

 

Star Trek: 13 Kinofilme und natürlich Serien: Die Vereinigte Förderation der Planeten hat mit “Picard” auf Amazon Prime ihre neueste Serie (und meiner Ansicht nach eines der besten Intros). Beste Gelegenheit also mal wieder in die unendlichen Weiten abzutauchen. Die Originalserie, die bei uns unter “Raumschiff Enterprise” im Fernsehen lief, ist ebenso wie “The Next Generation”, “Voyager” und “Deep Space Nine” auf Netflix zu finden.

 

Serien:

Strike: Wie schon geschrieben, bin ich Cormoran Strike verfallen. Die BBC-Serie mit Tom Burke (bekannt aus der Serie “Musketiere”) in der Titelrolle setzt die Geschichten um den Privatdetektiv mehr als angemessen um.

 

Outlander: Claire Randell findet sich auf unerklärbare Weise in der Vergangenheit wieder.  Was die gelernte Krankenschwester im Schottland des Jahres 1743 erlebt, ist Stoff für fünf Staffeln der Fantasy-Serie, vier Staffeln sind  mittlerweile auf Netflix zu sehen.

 

The Last Kingdom: Die lose auf historischen Ereignissen basierende Serie wurde ursprünglich für die BBC produziert und ist bei uns auf Netflix zu finden. Erzählt wird die Geschichte von Uhtred, der  in Angelsachsen des 9. Jahrhunderts zur Zeit des Königs Alfred the Great bei einem Überfall der Wikinger entführt wird und als einer der ihren aufwächst. Die vierte Staffel ist für April angekündigt.

 

The Crown: Die britische Monarchie unter Queen Elizabeth II. – wenn das kein Stoff für eine Serie ist. “The Crown”  ist eine dieser Serien, die man gesehen haben muss. Mittlerweile sind drei Staffeln auf Netflix zu sehen.

 

Downton Abbey: In sechs Staffeln  (insgesamt 52 Folgen) und einem Kinofilm wird das Leben der britischen Adelsfamilie Crawley von 1912 bis 1927 mit viel Liebe zum Detail erzählt. Findet man Gefallen am Stoff und den Darstellern ist es so, als hätte man neue Famillienmitglieder adoptiert.

 

 

Broadchurch: Sp spannend, dass man schon mal mit angehaltenem Atem auf der Sofakante sitzt, ist die Krimiserie “Broadchurch”. Gut dass es drei Staffeln gibt, die inhaltlich aufeinander Bezug nehmen, aber immer eigene Fälle behandeln. Oscar-Preisträgerin Olivia Colman (als Ellie Miller) und David Tennant (als Alec Hardy) sind überragend und der Soundtrack  von Ólafur Arnalds hörenswert.

Unterleuten: Die dreiteilige Serie erzählt vom fiktiven brandenburgischen Dorf Unterleuten, in dem ein Windpark entstehen soll. Das lässt Gräben zwischen Ossis und Wessis, Zugezogenen und Alteingesessenen aufbrechen. Die Serie ist gerade erst im ZDF gelaufen und in der Mediathek zu finden.

 

Ku’damm: Die beiden Staffeln (Ku’damm 56 und Ku’damm 59)  erzählen die Geschichte der Familie Schöllack in den 1950er Jahren. Neben den eigentlichen Folgen bietet das ZDF in der Mediathek auch Dokumentationen und einiges Wissenswertes.

 

Naturdokus sind im Idealfall unterhaltsam, vermitteln Wissen und zeigen umwerfend schöne Bilder. Eine davon ist “Unser blauer Planet”, die unter anderem bei Amazon Prime zu kaufen ist. Ähnliche Dokus gibt es aber auch bei Netflix oder in den Mediatheken von ARD und ZDF und Arte.

Corona: Bücher gegen Langeweile

Es ist eine seltsame Atmosphäre, die sich mit dem Corona-Virus breitgemacht hat. Wer sich zu den gewohnten Zeiten auf dem Weg zur Arbeit macht, fährt durch weniger belebte Straßen, es sind kaum Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs. Und: es ist stiller.  In Gesprächen, ob real oder virtuell gibt es nur das Thema Corona und wie man mit den völlig ungewohnten Umständen zurecht kommt, jetzt, da sich das Leben zwangsweise ins eigene Heim zurückzieht. Was also tun, um nicht mehr als unbedingt nötig nach draußen zu müssen? Lesen, denn Bücher gehen  immer – hier ein paar Vorschläge:

Robert Galbraith: Cormoran Strike-Romane: Zugegeben: Ich bin  Cormoran Strike verfallen, also dem Detektiv,  der in mittlerweile vier Romanen von seiner mal mehr mal weniger dem Bankrott geweihten Detektei der Gerechtigkeit in London zu Sieg verhelfen will. Der ehemalige Soldat, der bei einem Anschlag in Afghanistan so schwer verletzt wurde, dass ihm ein Unterschenkel amputiert werden musste, ist trotz seiner grummeligen Art ein scharfsinniger Ermittler und im Grunde ein wunderbarer Mann. Wer sich für Detektivgeschichten begeistert und London mag, sollte dieser Reihe – die JK Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt  – eine Chance geben. Wie bei Buchreihen, bei denen sich die Charaktere nach und nach entwickeln, sollte man beim ersten Roman “Der Ruf des Kuckucks” (10,99 Euro) beginnen. Denn die jeweilige Handlung in den einzelnen Romanen ist zwar in sich abgeschlossen, bauen aber dennoch aufeinander auf. Auf Deutsch sind alle Bände bei Randomhouse erschienen.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage: Ein Frauenroman, der alles andere als kitschig ist, sondern der erste Band einer vielversprechenden Trilogie. Fasziniert vom Leben ihrer Urgroßmutter Lisette, das in ihrer Familie bekannt, aber weder von Mayas Mutter noch ihrer Großmutter ausführlich erzählt wird, versucht Maya hundert Jahre später mehr über Lisette und letztlich über ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen herauszufinden. “Leuchtende Tage “ist bei dtv erschienen und kostet 15,90 Euro.

Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten: Langweilig ist sie nicht, die Familie Sorensen. Das betrifft die Eltern Marilyn und David, die nach 40 Ehejahren nicht nur glücklich, sondern auch immer noch verliebt sind und das bei jeder Gelegenheit – auch unpassenden wie ihre Töchter finden – zeigen. Für die ist die Vorzeigeehe ihrer Eltern ein Vorbild, vom dem sie wissen, dass sie es nie erreichen werden und willkommener Anlass, Anstoß am elterlichen Verhalten zu nehmen. “Den größten Spaß, den wir je hatten” ist ein Buch, das man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Erschienen ist der 720-Seiten-Roman bei dtv und kostet 25 Euro.

Hartmut Lange: Der Lichthof: Wer keine längeren Stücke lesen kann oder mag, sollte es einmal mit den Novellen versuchen, die in diesem Band versammelt sind. Hartmut Lange erzählt Geschichten aus dem Alltag, die jeweils ganz eigene, unerwartete Wendungen nehmen. “Der Lichthof” ist bei Diogenes erschienen und kostet 22 Euro.

André Aciman: Fünf Lieben lang: Ein Buch voller Geschichten über die Liebe, ganz im Stil von “Call me by your name” – beide Bücher sind bei dtv erschienen.

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung: Wenn ein neues Buch erschienen ist, dann schicken Verlage ihre Autoren gern auf Lesereisen, vor allem dann, wenn die Buchverkäufe ein wenig angekurbelt werden sollen.  Logisch, dass das auch für Schiller und Goethe gilt, ungeachtet der Tatsache, dass die mittlerweile 260 und 270 Jahre alt sind. Eine witzige und in sich stimmige Geschichte, die man unbedingt bis zum Ende lesen will. Das Buch ist bei dtv erschienen und kostet 14 Euro.

James Rhodes: Playlist: Ein Buch über klassische Musik mit dem Format einer LP, dem Layout eines Comics und einer eigenen Playlist bei Spotify – was sich ungewöhnlich liest, ist für den britischen Pianisten, der in Spanien lebt, eine der Methoden, mit denen er versucht, Menschen für klassische Musik zu begeistern. Wer sich einlässt, wird auch mit nicht so guten Englischkenntnissen (das Buch liegt nicht auf Deutsch vor) und wenig Wissen über Klassik, Neues entdecken und sogar dabei entspannen. Das großformatige Buch ist bei Wren & Rook erschienen  und über jede Buchhandlung für ca. 30 Euro bestellbar.

Tom Mole: The Secret Life of Books: Ebenfalls derzeit nur auf Englisch verfügbar ist dieses Buch über Bücher. Es erzählt spannend und unterhaltsam und vermittelt gleichzeitig viel Wissenswertes über Bücher, warum sie uns faszinieren, uns ein Leben lang begleiten und gleichzeitig eine ganze Menge über uns verraten. Es ist erschienen bei Elliot & Thompson, ca. 10 Euro.

 

Graham Swift: Wir sind da

Um ihn vor den Bombenangriffen der Deutschen zu schützen, wird Ronnie von seinen Eltern von London nach Evergrene in Oxfordshire geschickt. Das Ehepaar Penelope und Eric Lawrence nimmt ihn auf, weil sie glauben, einen gesellschaftlichen Beitrag leisten zu müssen. Doch aus der vermeintlichen Pflicht entsteht eine gegenseitige Dankbarkeit. Ronnie entdeckt gleichsam eine Welt außerhalb Londons, in der es ein großes Haus,  einen Garten und ein Auto gibt. Prägend für sein weitere Leben wird aber die Zauberkunst von Eric Lawrence sein, der ihm seine Zauberausrüstung vermacht und ihm so hilft, seinem Traum ein Zauberer zu werden, wahr zu machen. Zusammen mit Evie und seinem Freund Jack treten sie im Seebad Brighton in den 1950er Jahren auf. Doch das Glück endet abrupt als aus Freunden Rivalen werden – und Ronnie plötzlich verschwindet.

“Er war wie ein Geschenk, das sie freudig entgegennahmen.”

Graham Swift schreibt auch in seinem jetzt auf Deutsch vorliegenden Roman “Da sind wir” über die Irrungen und Wirrungen im Leben ganz normaler Menschen, darüber wie Beziehungen entstehen, wie sie enden und welche Auswirkungen das auf die Beteiligten hat. Gleichzeitig entwirft Swift das Bild einer Zeit, die nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs den Aufbruch in eine bessere Zeit versprach, in der Varietés und Seebäder ihre ganz eigene, glitzernde Anziehungskraft entfalteten.  Eine Anziehungskraft, der sich der Leser des Romans nicht entziehen kann – dank des großen Erzählers Graham Swift.

Graham Swift: Wir sind da, dtv, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Bücher für Weihnachten 2019

Es soll ja Leute geben, für die Bücher als Geschenke nicht in Frage kommen. Sei es, weil sie selber weder lesen noch überhaupt einen Bezug zu Büchern haben, sei es weil sie keinen zu Beschenkenden haben, der sich über Bücher freuen würde. Für mich – und hoffentlich auch für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs (Danke!) – sind Bücher etwas Wunderbares und als Geschenke immer willkommen.  Wer noch auf der Suche nach einem Buch ist, wird vielleicht hier fündig:

Neuentdeckung:
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten  (dtv, 25 Euro) ist die Geschichte der Familie Sorensen. Die Eltern Marilyn und David sind nach 40 Ehejahren immer noch ineinander verliebt – ein Vorbild, das für ihre Töchter nicht immer leicht zu ertragen ist. Claire Lombardos Erstlingswerk ist ein wunderbarer Schmöker, leicht und dennoch nicht banal erzählt, den man nur ungern aus der Hand legt.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage (dtv, 15,90 Euro) ist das, was man landläufig als “Frauenroman” bezeichnet, denn er erzählt die Geschichte der Frauen der Familie Winter über drei Generationen hinweg. Der erste Band einer Trilogie hat nur den Fehler, dass die Folgebände noch nicht erschienen sind.

Tom Mole: The Secret Life of Books (Elliott & Thompson, 16,40 Euro) – das es meines Wissens nicht auf Deutsch gibt – ist das Geschenk für den Buchliebhaber unter den Freunden, der bestimmt das ein oder andere lernen wird, das er noch nicht über Bücher gewusst hat.

Wiederbegegnung:
André Aciman: Fünf Lieben lang (dtv, 22 Euro): Wer  “Call me by your name – Ruf mich bei Deinem Namen” liebt, wird auch dieses Buch lieben, das aus fünf unterschiedlich langen Geschichten besteht.

Lieblingsschriftsteller:
Keine Buchtipps ohne einen Hinweis auf  Ian McEwan, dessen “Kakerlake“(19 Euro) gerade erst erschienen ist. Alle seine Bücher sind bei Diogenes in durchweg sehr guten Übersetzungen erhältlich.
Fehlen dürfen auch nicht Lukas Hartmann, der in diesem Jahr “Der Sänger” (Diogenes, 22 Euro) vorgelegt hat und Bernhard Schlink, dessen neuester Roman “Olga” heißt.
Wer London und Detektivromane mag, für den sind Robert Galbraiths Cormoran-Strike-Romane ein passendes Geschenk. Anfangen sollte man  mit dem ersten Band der Reihe “Der Ruf des Kuckucks” (Randomhouse, 10,99 Euro) und unbedingt die Verfilmung (unter dem Titel “Strike”) mit Tom Burke in der Hauptrolle anschauen.
Bisher nur auf Englisch erschienen ist “Playlist” (Wren & Rook, ca. 29 Euro) des wunderbaren James Rhodes.  Der englische Pianist bringt seinen Lesern auf seine ganz eigene Weise klassische Musik im wahrsten Sinne des Wortes nahe – ganz ohne schwarzem Anzug und Fliege.

Anthony McCarten: Die zwei Päpste

Was passiert, wenn ein Papst zurücktritt? Wie beeinflusst das seinen Nachfolger? Welche Auswirkungen hat das auf die katholische Kirche? Die Ankündigung, die Papst Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 machte, war eine Sensation. Zu den Lebzeiten der faszinierten Weltöffentlichkeit war das noch nicht vorgekommen.  Kein Wunder also, dass dieses Ereignis, das bald darauf folgende Konklave und die Wahl des Argentiniers zum Papst Franziskus auch bei Nichtkatholiken große Aufmerksamkeit fand und wie  in einer Mediengesellschaft üblich, entsprechend verfolgt wurde. Oder lag das daran, dass dieser Stoff genügend Material für ein Drehbuch lieferte, für das Anthony McCarten mit “Die zwei Päpste” die Grundlage schrieb?

Der in London lebende Autor, der schon Oscar-nominierte Drehbücher für “Die Entdeckung der Unendlichkeit“, “Die dunkelste Stunde” und “Bohemian Rhapsody” schrieb, legt ein detailreiches Buch vor, das die Biografien der beiden Kirchenmänner beschreibt und versucht, Antworten auf die Fragen zu finden, was beide antreibt und im Innersten bewegt. Das freilich, muss Spekulation bleiben, denn weder der eine noch der andere haben für dieses Buch ihre Beweggründe offen gelegt. Dennoch beschreibt McCarten beide Päpste als Menschen mit Fehlern, die – wie letztlich die katholische Kirche selbst – nicht in der Lage sind, die zahlreichen Missbrauchsfälle, schonungslos aufzuklären. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Benedikt zurücktrat und Franziskus nicht gewählt werden wollte?

“Die zwei Päpste” hat Längen. Das mag daran liegen, dass Anthony McCarten keinen durchgängig erzählten Roman vorlegt, sondern sich gleichsam immer wieder selbst bremst, wenn die Handlung dabei ist, Fahrt aufzunehmen – und den Leser mit der Frage zurück lässt, ob das Buch nun Sachbuch oder Belletristik ist.

Die angekündigte Netflix-Verfilmung ist mit Anthony Hopkins (zuletzt als König Lear in einer Amazon-Produktion) als Benedikt XVI. und  Jonathan Pryce  (zuletzt in “Die Frau des Nobelpreisträgers” zu sehen) als Franziskus starbesetzt. Ob sie spannender und griffiger ist als das Buch und das hält, was der Trailer verspricht, wird sich im November zeigen, wenn der Film auf Netflix und in “ausgewählten Kinos” wie es heißt, zu sehen ist.

 

Anthony McCarten: Die zwei Päpste. Diogenes, 24 Euro. 
Das Buch wurde mir freundlicherweise  vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Geheimnis eines Lebens

So ganz hat sie scheinbar nicht verstanden, weshalb sie verhaftet wird. Die über 80 Jahre alte Joan Stanley (Judi Dench) wird in ihrem Haus in einem Londoner Vorort verhaftet und intensiv verhört. Konfrontiert mit ihrer Vergangenheit erfährt der Zuschauer nach und nach, dass die junge Joan (Sophie Cookson) 1938 in ihrer Zeit als Physik-Studentin in Cambridge Freundschaften und Beziehungen zu russischen Kommilitonen unterhielt. Die biedere Joan lernt die aus Russland stammende Studentin Sonya (Tereza Sbrová) kennen und ist fasziniert von deren offensichtlicher Weltläufigkeit, probiert buchstäblich deren rote (!) Stöckelschuhe an und posiert in einem Pelzmantel vor ihrem großen, goldenen Spiegel. Und sie verliebt sich unsterblich in deren gutaussehenden Cousin Leo (Tom Hughes, der in „Victoria“ Prinz Albert spielt), mit dem sie über Jahre hinweg eine „on/off-Beziehung“ führt und der sie als Spionin für die Sowjetunion gewinnen will. Als Assistentin von Max Davis (Stephen Campbell Moore, jüngst in „A Child in Time“ zu sehen) hat Joan während des Zweiten Weltkriegs Zugang zu einem Projekt, mit dem Großbritannien eine eigene Atombombe entwickeln will. Als sie erfährt, welche furchtbaren Auswirkungen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki hatten, kann sie nicht mehr länger untätig zuschauen, wie sich die Menschheit selber vernichtet. Joan beschließt, wichtige Unterlagen an die Sowjetunion zu verraten.

„Geheimnis eines Lebens“ wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart des Jahres 2000, in der die alte Joan verhört wird, und der Zeit kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs. Während sich die alte Joan an damals erinnert, schafft es eine überragende Judi Dench mit nur wenigen Worte und Gesten, ihre Verwunderung über die MI5-Verhörer auszudrücken, die offenbar keine Ahnung vom damaligen Leben haben, das sie gleichsam mit einem Seufzer wieder belebt.

Am besten in eine „Frauenladen” gehen

Diese Rückblenden, in denen Sophie Cookson als junge Joan brilliert, sind in der besten Tradition eines Period-Dramas inszeniert, in der von der zeitgenössischen Kleidung bis hin zur Teetasse alles mit viel Liebe zum Detail ausgesucht und in Szene gesetzt wurde. Darüber hinaus zeigt es aber auch, in welchen Umständen Frauen damals gearbeitet haben, dass sie nicht als ebenbürtige Kolleginnen wahrgenommen wurden, sondern bestenfalls Tee servieren oder als Sekretärinnen adrett auf dem Besucherstuhl Notizen machen durften. „Wir sind Frauen, niemand traut uns das zu“, bringt Sonya das Ganze treffend auf den Punkt und gibt Joan dann auch noch den Tipp am besten in einen „Frauenladen“ zu gehen, wenn sie einen Verfolger abschütteln will. Witzig und bezeichnend zugleich ist dann auch die Reaktion eines Polizisten, der Joans Handtasche durchsucht, eine Packung mit Damenbinden wie elektrisiert wegsteckt und die Tasche wieder zurückgibt, ohne die in der Packung versteckte Minikamera gefunden zu haben. Gleichberechtigung ist ein Thema, das unwillkürlich an den Film „Hidden Figures“ erinnert, der die unbekannten Frauen der Nasa in den USA der 1950er und 1960er Jahre in den Mittelpunkt stellt – und die beispielsweise um heute so banale Dinge wie eine Damentoilette in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes kämpfen mussten.

„Geheimnis eines Lebens“ ist ein leiser, aber umso eindringlicher Film, von dessen 102 Minuten keine überflüssig ist.
⭐⭐⭐⭐⭐

Spider-Man: Far From Home

Wehmütig endet „Avengers: Endgame“ mit dem Tod zahlreicher geliebter Helden und wehmütig ist der nächste Marvel-Blockbuster auch am Anfang. Peter Parker (Tom Holland) sieht als Spider-Man ein riesiges Bild von Iron Man (Robert Downey Jr) auf einer Hauswand und kann die Tränen kaum zurück halten. Zu nah sind noch die Erinnerungen an den „Blip“, mit dem einige Helden – und mit ihnen auch normale Menschen – dank der Portale von Doctor Strange und Wong von den Toten zurückgeholt wurden. Doch einige, darunter Iron Man, alias Tony Stark, haben sich für den Fortbestand der Menschheit geopfert. Da hilft es wenig, dass Tony seine Brille an Peter übergeben hat, der sich mit diesem Erbe überfordert fühlt. Er verwendet das Gadget lieber dafür, seinen Klassenkameraden auf dem Schulausflug nach Europa hinterher zu spionieren.

Denn schließlich ist Peter wenn er sich nicht gerade in das Spider-Man-Kostüm zwängt, nichts weiter als ein Junge in der Pubertät, der seinem Schwarm MJ (Zendaya) auf dem Eiffelturm in Paris seine Liebe gestehen will. Doch bis es soweit ist, muss er in Venedig noch ein Wassermonster bekämpfen, Bekanntschaft mit einem neuen Superhelden namens Quentin Beck oder Mysterio (Jake Gyllenhall) machen und die aufdringlichen Anrufe von S.H.I.E.L.D-Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson) abwehren.

„Spider-Man: Far From Home“ ist ein würdiger Nachfolger von „Endgame“, weil er in bester Marvel-Manier zahlreiche Verweise auf den jüngsten, aber auch auf frühere Filme macht und den Übergang zur nächsten Phase im Marvel-Universum weitererzählt. Neben den wehmütigen Momenten, bei denen die Zuschauer die ein oder andere Träne verdrücken, ist dieser Film voller Witz und beeindruckender Special Effects, die nicht zuletzt deshalb so überraschend sind, weil sich Spider-Man statt durch die Häuserschluchten New Yorks dieses Mal durch Venedigs Kanäle, über Hollands Tulpenfeldern oder entlang Londons Tower nebst ikonischer Tower Bridge schwingt. Tom Holland zeigt, dass er das Spider-Man-Kostüm würdig auszufüllen weiß. Wie bei allen Marvel-Filmen gilt: den ganzen Abspann anschauen.
⭐⭐⭐⭐⭐

Bücher für den Sommer

Es soll ja Leute geben, die nur im Urlaub Bücher lesen. Für die, aber auch für alle, die auf der Suche nach neuer Lektüre sind, hier ein paar Tipps für den Sommer, aber natürlich auch für jede andere Jahreszeit.

Lukas Hartmann: Der Sänger:
Historische Romane sind die Stärke des Schweizer Schriftstellers Lukas Hartmann, dessen Werke immer mit einer scheinbaren Leichtigkeit geschrieben, aber akribisch recherchiert sind. So wie in seinem jüngsten Roman “Der Sänger“. Erzählt wird die Geschichte von Joseph Schmidt, den seine Flucht vor den Nazis in die Schweiz führt, wo er nach schwerer Krankheit stirbt. (Diogenes, 22 Euro)

Ian McEwan: Maschinen wie ich:
Liebe, künstliche Intelligenz und die Frage, was eigentlich einen Menschen ausmacht – das sind die Themen in “Maschinen wie ich” des britischen Schriftstellers Ian McEwan. Spätestens wenn der brillante Mathematiker und Knacker des Enigma-Codes Alan Turing auftaucht, ist klar, dass Ian McEwan auch Science-Fiction-Elemente eingebaut hat, die den Roman umso interessanter machen. (Diogenes, 25 Euro)

Kate Connolly: Exit Brexit – Wie ich Deutsche wurde:
Auch wer das Wort “Brexit”nicht mehr hören kann und mit britischem Understatement nur die Augen verdreht, sollte sich “Exit Brexit” der Guardian-Korrespondentin Kate Connolly nicht entgehen lassen. Denn es gewährt einen wunderbaren Einblick in das Leben eines zweisprachigen Haushalts, das Staunen über typisch deutsche Verhaltensweisen und erklärt, weshalb es für viele Briten hierzulande nur folgerichtig war, auf den Brexit mit dem Antrag auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu antworten. (Hanser, 19 Euro)

Matt Haig: Mach mal halblang: 
Das Internet ist wunderbar, denn man kann mit Freunden weltweit in Kontakt bleiben, Filme schauen und diesen Blog lesen. Aber es setzt die Menschen immer mehr unter Druck, weil man glaubt, ständig online sein zu müssen. Dass man sich öfter bewusst machen sollte, wie viel Zeit man online verbringt und dass es  oft besser ist, einfach mal nur die Umgebung zu genießen, dafür plädiert Matt Haig in “Mach mal halblang” – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. (dtv, 14,90 Euro)

Robert Galbraith: Cormoran-Strike-Romane:
Noch ein Privatdetektiv, der in den Straßen Londons unterwegs ist – aber was für einer. Cormoran Strike hat in Afghanistan einen Unterschenkel verloren und versucht sich nach seinem Ausscheiden aus der britischen Armee mehr schlecht als recht als Privatdetektiv über Wasser zu halten. Als ihm die Arbeitsvermittlung eine Sekretärin schickt, weiß er, dass er sich deren Gehalt auf keinen Fall leisten kann. J.K. Rowling hat unter dem Pseudonym Robert Galbraith bis jetzt vier Cormoran-Strike-Romane geschrieben, die ersten drei sind mittlerweile mit Tom Burke in der Titelrolle  von der BBC verfilmt und hierzulande unter anderem auf Sky, Google Play Film oder Amazon Prime zu sehen. Wer dieses Genre mag und Strike kennen lernen will, sollte mit dem ersten Band “Der Ruf des Kuckucks” anfangen. (alle Bände bei Randomhouse, ab 9,99 Euro)

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Es ist eine Art Paralleluniversum, in das Ian McEwan die Leser in seinem jüngsten Roman mitnimmt. Denn “Maschinen wie ich” spielt in Großbritannien im Jahr 1982 – allerdings einem anderen, als das, an das wir uns erinnern. Das Land hat den Falklandkrieg verloren,  Premierministerin Margaret Thatcher führt Wahlkampf gegen den Labour-Politiker Tony Benn und dank Alan Turing gibt es bereits in den 1980er Jahren Internet, Smartphones und selbstfahrende Autos. Charlie schlägt sich im London dieser Zeit durch und kratzt sein Geld zusammen, um sich einen der ersten Androiden, Adam, zu kaufen. Gerade als er den künstlichen Menschen geliefert bekommt, verliebt er sich in seine Nachbarin Miranda. Als Adam anfängt,  menschliche Gefühle und Eigenarten zu entwickeln, stellt sich nicht nur die Frage, wer mit wem in welcher Beziehung steht. Es geht im Grunde darum, was einen Menschen ausmacht und wann eine künstliche Lebensform menschlich ist.

“Der größere Mann hatte silbriges, nach hinten gekämmtes Haar, trug um den Hals einen lockeren braunen Seidenschal und eine Art Künstlerjoppe, die ihm schlaff von den Schultern hin.”

Ian McEwan beschäftigt sich auch in seinem neuesten Roman mit den Fragen unserer modernen Gesellschaft  und der Frage, wie wir Menschen darin leben und arbeiten wollen – angesichts der Klimakatastrophe, Umweltverschmutzung und des technischen Fortschritts, der Segen und Fluch zugleich ist. Dass er sich Elementen des Science-Fiction-Genres bedient, macht diese Fragen nicht weniger wichtig. Die 80er Jahre, die uns “Maschinen wie ich” in einem “Was-wäre-wenn”-Dreh der Geschichte vorführen, zeigen am Beispiel von Alan Turing auch, welche Auswirkungen heute unverständliches Verhalten von Regierung und Justiz nicht nur auf einen Mann, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganzes haben können. Wäre – so Ian McEwan – Alan Turing für seine Verdienste um das Knacken des deutschen Enigma-Codes im Zweiten Weltkrieg gewürdigt, statt für seine Homosexualität verurteilt worden, so hätte der geniale Mathematiker nicht Selbstmord begangen, sondern dank seiner Forschung den technischen Fortschritt, inklusive der künstlichen Intelligenz, deutlich schneller voran gebracht. Und mit ihm auch die Frage nach dem, was den Menschen eigentlich ausmacht.

“Alan Turing hatte es in seiner Jugend oft gesagt und geschrieben: In dem Moment, da wir im Verhalten keinen Unterschied mehr zwischen Mensch und Maschine erkennen können, müssen wir der Maschine Menschlichkeit zuschreiben.”

“Maschinen wie ich” ist kein Buch, das man nebenher liest. Zuviel Wissen, Überlegung und Tiefe steckt in jedem scheinbar so leicht dahin geschriebenen Satz. Faszinierend ist die Geschichte, an die man sich auch nach dem Ende des Buches noch erinnert, allemal. Und sie zeigt, dass Ian McEwan ein wunderbarer Erzähler ist.

Anmerkung: Wer diesen Blog öfter liest oder mir auf Twitter folgt, weiß, dass ich schon einiges von Ian McEwan gelesen habe. Deshalb habe ich auch das englische Original “Machines like me” (Penguin, ca. 19£) vorbestellt – in der Hoffnung, es vor dem Erscheinen der deutschen Ausgabe beenden zu können. Allerdings hatte ich nicht mit der Schnelligkeit vom Diogenes-Verlag gerechnet, der mir das Rezensionsexemplar eine Woche vor dem offiziellen deutschen Erscheinungstermin auf die Türschwelle lieferte. Neugierig wie immer wenn neue Bücher den Weg zu mir finden, beschloss ich, einfach an der Stelle, an der ich gerade in der Originalversion war, in der deutschen Übersetzung weiterzulesen – was dank der wunderbaren Arbeit von Bernhard Robben nahtlos möglich war.

Ian McEwan: Maschinen wie ich. Diogenes, 25 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Niemandsland – The Aftermath

Deutschland unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Briten haben Hamburg oder das, was von der Hansestadt noch übrig ist, besetzt. Rachael Morgan (wie immer wunderbar in historischen Filmen: Keira Knightley) kommt aus London, um wieder mit ihrem Mann Lewis (Jason Clarke) zu leben, der als Colonel eine unzerstörte Villa für sich und seine Frau beschlagnahmt hat. Überraschenderweise erlaubt Lewis dem Eigentümer, dem Architekten Stefan Lubert (Alexander Skargård), und seiner Tochter Freda (beeindruckend: Flora Thiemann) im Dachboden wohnen zu bleiben. Des Fraternisierungsverbots ungeachtet, kommt es natürlich zu Annäherungen und den entsprechenden Verwicklungen, Liebe, Trauer und Eifersucht inklusive.

“Es ist das gleiche Meer.”

Was „Niemandsland – The Aftermath“ ausmacht, ist nicht so sehr das überraschende Ende, sondern die niemals unfaire Darstellung von Siegern und Besiegten, Schuldigen und Unschuldigen. Die hierzulande übliche Unart, Filme zu synchronisieren, offenbart eine der größten Schwächen, begreift doch Rachael gerade ihre fehlenden Deutschkenntnisse vor allem am Anfang als Ausgrenzung. Dass die Briten Deutsch wenn überhaupt mit schwerem Akzent sprechen und in der Originalfassung ihre jeweilige regionale Sprachfärbung behalten, geht in der Synchronisation verloren. Die Tatsache, dass man die Rolle des Stefan Lubert nicht mit einem Deutschen besetzen konnte oder wollte (warum eigentlich?), beschert den deutschen  Zuschauern einen mit schwedischem Akzent sprechenden Alexander Skargård.

Auch in der deutschen Fassung kann man sich  auf die Handlung und die detailreiche Ausstattung konzentrieren, sich fragen, ob Rachael ihre gesamte Garderobe tatsächlich in dem kleinen Koffer mitgebracht hat und woher im ausgebombten bitterkalten Hamburg die wunderschönen Rosengestecke kommen –   und einen Film jenseits des Popcorn-Kinos erleben.

Der Film basiert auf dem Buch von Rhidian Brook, das auf Deutsch bei btb erschienen ist.

[Das Zitat ist meine Übersetzung]

⭐⭐⭐⭐⭐

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