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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

David Lagercrantz: Fall of Man in Wilmslow 

It is a novel. A fiction, not a documentary about the life of Alan Turing. This is important because people tend to take every word for granted, weighing it carefully, comparing it to proved facts about the man who helped to break Nazi Germany’s Enigma code.

David Lagercrantz takes those facts and some more (Alan’s homosexuality, his somehow awkward behaviour, his genius) and unfolds his story from the very last day of Alan’s life and the moment his corpse is discovered by a local policeman. This man, Detective Constable Leonard Corell, takes a very special interest in this case that seems to be nothing more than suicide. Step by step he dives deeper into the life and thinking of Alan Turing – a journey which doesn’t leave his own life untouched.

„(I)f indeed anyone was an unbreakable code then it was Alan himself.“

„The Fall of the Man in Wilmslow“ is a thrilling story that hooks you from the very first page. If (and this is an if I only can claim for myself) you already know something about Alan Turing’s life and impact. Then you find hints you have read elsewhere, imagine pictures, films or documentaries you have seen or listen to and you will be able to find your pace between fact and fiction this novel is constantly mixing up. If you haven’t stumbled upon Alan Turing at all, you probably will be lost in between the complexity of the story that hops from the past to the present and back again, changes perspectives and comes  up with names and places you might find confusing because you have never heard of them. If you still want to find out more about Alan Turing, start with a biography (or click on the link given below).

FallOfMan

David Lagercrantz: Fall of the Man in Wilmslow. The death and life of Alan Turing. A Novel, MacLehose Press, about 9£.

You find more about Alan Turing here on my blog.

Tolino – offen, aber nicht so ganz

Eigentlich wollte ich nur mein Abo der Süddeutschen Zeitung umstellen. Weil ich werktags nur querlese und nur die für mich wichtigsten Artikel ganz lese, haben mir seit einiger Zeit die unaufgeblätterten Zeitungsseiten leid getan. Umstellen auf ein Digitalabo, mit der gedruckten Zeitung am Freitag und am Wochenende schien mir eine praktische Alternative. Zumal ich ja ohnehin mein Handy immer griffbereit habe und mein Nexus 7 (mit den entsprechenden Apps) als E-Book-Reader gerne mag. „Wir hätten aber gerade einen Tolino Shine im Angebot“, sagte die freundliche Dame am SZ-Telefon. „Oh! Einen Tolino“,  dachte ich. Hatte ich schon mal in der Hand und fand ihn putzig. Zumal mein Kindle Alterserscheinungen zeigt und ich in letzter Zeit wenig Bücher darauf gelesen habe. Und außerdem werben die beteiligten Verlage damit, dass der Tolino offen sein, man also Bücher darauf lesen könne, egal wo man die heruntergeladen hätte.

In der Praxis allerdings erweist sich das leider als nicht so einfach. Zwar wird der Tolino von meinem Linux-Rechner erkannt und ich kann auch Bücher, die ich beispielsweise bei Google Play Books gekauft und heruntergeladen habe, darauf kopieren. Vorausgesetzt – und das ist der Haken – die Bücher haben keinen DRM-Schutz, der das Kopieren von elektronischen Büchern verhindern soll. Was gut gemeint und im Grunde richtig ist, wird aber im normalen Leben zum Irrsinn. Es ist reicht nämlich nicht, sich in einem Online-Shop (in meinem Fall Hugendubel) zu registrieren, um Bücher zu kaufen und auf dem Reader lesen zu können. Nein, man muss sich zusätzlich bei Adobe anmelden und eine ID dort anlegen. Wohlgemerkt wenn ich entsprechend geschützte Bücher, die ich per Tolino heruntergeladen habe, darauf lesen will. Dass das leichter geht, zeigt Amazon mit seinem Kindle (oder der App) und Googles Play Books. Bei beiden funktioniert die Anmeldung über den jeweiligen Account. Ein bei Amazon bestellter Kindle kommt gleich mit der entsprechenden Anmeldung. Das Kaufen und Herunterladen von Büchern auf das jeweilige Gerät funktioniert anschließend problemlos.

Natürlich sind alle Händler daran interessiert, dass Kunden dem eigenen Laden treu bleiben. Doch die versprochene Offenheit ist wenn überhaupt nur in Einschränkungen vorhanden. Ein bei Google gekauftes und heruntergeladenes Buch mit DRM-Schutz zeigt mein Tolino zwar an. Lesen geht aber trotz vorhandener Adobe-ID nicht, weil der Tolino meint, er könne nicht per Wlan ins Internet und sich mit einem Streaming-Fehler weigert, das Buch zu öffnen. Die umständliche Alternative, das Buch über Adobe Digital Editions zu öffnen, scheitert für mich als Linux-Nutzerin daran, dass das Programm nicht für das offene Betriebssystem zur Verfügung steht.

Der Tolino an sich ist eine gute Alternative zu einem Kindle. Und gegenüber einem Tablet hat er den Vorteil, leichter und mit einem scheinbar nicht leer werdenden Akku ausgestattet zu sein. Das Versprechen, alle Bücher, egal wo sie gekauft wurden, auf dem Tolino lesen zu können, gilt aber nicht uneingeschränkt. Oder ist zumindest mit technischem Gefummele verbunden, das nicht jeder leisten kann oder will.

Mein Tolino - schlafend Foto: Petra Breunig

Mein Tolino – schlafend Foto: Petra Breunig

JG Ballard: High-Rise

It took me a while to figure out what other book JG Ballard’s „High-Rise“ reminds me of. In my defence I have to write that it has been ages since I’ve read „Lord of the Flies“ by  William Golding, another novel about how people react under special circumstances. Whereas Golding sets his figures on an uninhabited island, Ballard unfolds his story in a huge skyscraper, the High-Rise, a building that offers literally everything the inhabitants need from a supermarket and a school to restaurant and swimming-pools. No wonder the flat owners – as the story unfolds – are gradually losing interest in the surrounding world and stick inside the building.

„With its forty floors and thousand apartments, its supermarket and swimming-pools, bank and junior school (…) the high-rise offered more than enough opportunities for violence and confrontation.“

All the way back to the primitive ways of existence

Robert Laing, a doctor and medical school teacher who moved into his flat on the 25th floor after his divorce, soon finds himself too lazy to go to work and spends his nights protecting himself and some neighbours from other inhabitants. Gradually living in an exclusive flat means getting back to the most primitive ways of existence: staying alive, getting something to eat, having a safe place to sleep.

„The building was a monument to good taste.“

The intensity in JG Ballard’s „High-Rise“ comes from a language that is almost neutral and a complete contrast to the story itself, that is told like a non-fictional topic with a storyteller who seems only to describe what he sees or what he has been told. That’s why this novel is so brilliant and thrilling at the same time.

 

JG Ballard: High-Rise, Fourth Estate, about 7 £

In the movie adaption of  „High-Rise“ Tom Hiddleston takes the role of Robert Laing.

Photo: Petra Breunig

Photo: Petra Breunig

Hannah Halblicht und der Klang der Lichter

Nur harmlose Dinge darf Hannah in Zukunft noch ollopafieren, also mit ihrer Zauberkamera Ollapa2 fotografieren. Das hat Hannah Halblicht nach ihrer Rückkehr aus Lumeria ihrer Mutter versprochen. Hätte sie zwar gar nicht müssen, denn die geheimnisvolle Kamera nimmt ohnehin nur harmlose Dinge auf, aber Hannah will ihre Mutter ja nicht verärgern. Schließlich hat sie Sehnsucht nach Lumeria, eine Art Zauberland, in dem sie zusammen mit ihren Freunden schon mal Wunschkuchen essen, bei dem jeder anders schmeckt, je nachdem ob man gerade Lust auf den Geschmack von Käsesahnetorte oder Schokokuchen hat. Hannah hat aber auch Sehnsucht nach ihren Freunden, dem weißen Husky Blacky und der schwarzen Katze White – sie und natürlich ihren Vater Noah, der im echten Leben tot ist, wird sie im neuen Abenteuer „Der Klang der Lichter“ wiedersehen.

„In Lumeria leben keine echten Menshen, auch wenn sie fast so aussehen. Im Lumeria leben Lichter und Halblichter, Abbilder, die aber so täuschend echt wirken, dass Hannah das oft vergisst.“

Auch auf ihrem neuen Abenteuer begegnet Hannah allerlei fantastischen Gestalten, die allesamt wie eine Mischung aus Märchen und Science-Fiction daherkommen, egal ob es sich um einen himmelblauen Taschenelefanten oder ein Schutzengelmädchen handelt, die Hannah beide erfunden hat oder um Wesen, die vielleicht schon immer in Lumeria leben wie die Wunderwasserwaben, die die Uhrzeit zeigen, die für den jeweiligen Betrachter gerade wichtig ist, oder der Kraftsaftfruchtbaum mit seinen wunderbaren Früchten, die voller Kraft und Liebe stecken und die den zeigen, den man gerade am meisten vermisst.

Der Autor Stefan Reinmann zeigt im zweiten Abenteuer von Hannah Halblicht, dass es noch so einiges in Lumeria zu entdecken gibt und dass es Kindern mit neuen und vom ersten Teil her vertrauten Figuren sicher nicht langweilig werden wird. Obwohl beide Geschichten in sich abgeschlossen sind, lohnt es sich, Hannahs erstes Abenteuer zu lesen.

 

Stefan Reinmann: Hannah Halblicht und der Klang der Lichter, neobooks Self-Publishing. Den Link zu den entsprechenden Shops für alle gängigen Reader und Tablets gibt es auf hannahhalblicht.de.

Das Titelbild Screenshot: Petra Breunig

Das Titelbild Screenshot: Petra Breunig

Rebecca West: Die Rückkehr

Der Erste Weltkrieg brachte Leid, Tod und Schrecken eines bis dahin nicht gekannten Ausmaßes über die Menschen. Viele Soldaten, die zwar äußerlich unversehrt aus dem Krieg kamen, erholten sich nie mehr von ihren traumatischen Erlebnissen. So wie Chris Baldry, der wieder auf sein Landgut im Londoner Süden zurückkehrt und dort scheinbar auf sein altes Leben trifft.
Sein altes Leben – das sich in gewisser Weise in den drei Frauen ausdrückt, die den jungen Mann geprägt haben und noch immer prägen: Seine Jugendliebe Margaret, seine Frau Kitty und seine Cousine Jenny, die als Ich-Erzählerin die Dinge aus ihrer Sicht erzählt. Eine Sicht, die zutiefst geprägt ist von ihrer Zuneigung zu Chris, den sie am Anfang der Geschichte vermisst und inständig hofft, dass ihm nichts zugestoßen sein möge, denn in ihren Träumen sieht sie ihn in den Schützengräben.

„Ich sah Chris des Nachts über die braune Fäulnis des Niemandslandes rennen, kreuz und quer, weil er hier auf eine Hand trat und dort gar nicht erst hinsehen konnte, denn der Anblick eines abgetrennten Kopfes war zu unerträglich.“

Als die beiden Frauen erfahren, dass Chris nicht verwundet, sondern „versehrt“ ist, wissen sie zuerst nicht, welche Auswirkungen sein Granatenschock auf ihr Leben haben wird. Erst allmählich begreifen sie, dass Chris glaubt, die vergangenen 20 Jahre habe es nie gegeben und er sei immer noch mit Margaret, die mittlerweile selbst verheiratet ist, liiert.

Rebecca Wests Roman „Die Rückkehr“ wirkt wie ein Tor in die Vergangenheit, was natürlich am historischen Stoff liegt. Es liegt aber auch daran, dass die Sprache unverkennbar nicht eine moderne ist, auch wenn das keineswegs abwertend gemeint ist. Denn gerade in der bedächtigen Erzählweise mit ihren oft längeren Sätzen erschließt sich die Unfassbarkeit eines Krieges, der auch die scheinbar so abgeschlossene Welt eines englischen Landguts nicht verschont. Gerade diese Unaufgeregtheit macht das Buch so lesenswert.

Laut Klappentext ist „Die Rückkehr“, der 1918 erschienen ist, der einzige zeitgenössische Roman einer Frau über die Schrecken des Ersten Weltkriegs. 

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Rebecca West: Die Rückkehr, dtv, 16,90 Euro
(Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt)

Lesetipps für den Sommer

Die Ferienzeit ist nicht mehr weit, aber vielleicht braucht der ein oder andere ja jetzt schon etwas Lesestoff.

Meine neuesten Entdeckungen
Celeste Ng: „Was ich Euch nicht erzählte“ (dtv, 19,90 Euro) und Graham Swift: „England und andere Stories“, über das ich schon geschrieben habe (dtv, 21,90 Euro). Celeste Ng (gesprochgen Ing) erzählt einen ungewöhnlichen Kriminalfall. Das Mädchen Lydia kommt eines Morgens nicht zum Frühstück, um einen neuen Tag zu beginnen, der für die Familie Lee im kleinbürgerlichen Ohio der 70er typisch ist. Denn Lydia wird von ihrer Mutter Marilyn darauf gedrillt, später Ärztin zu werden. Einen Wunsch, den sie sich selbst nie erfüllten konnte. Wie die Geschichte aufgelöst wird, ist ungewöhnlich und spannend erzählt.
John le Carré ist freilich kein Unbekannter. Ich habe es aber Tom Hiddleston und der BBC-Serie „The Nightmanager“ zu verdanken, dass ich das gleichnamige Buch („Der Nachtmanager“, Ullstein, 9,99 Euro, Original bei Penguin) und damit den Autor entdeckt habe. Der Roman erzählt die Geschichte von Jonathan Pine, dem Nachtmanager in einem Luxushotel, der zufällig von verdächtigen Transaktionen eines reichen Geschäftsmanns erfährt. Und dann kommen auch noch Menschen in Pines Nähe um.

William Shakespeare
Rechtzeitig zum 400. Todestag von William Shakespeare habe ich nach „Hamlet“ im vergangenen Jahr  die Historien „Henry VI“ & „Richard III“ in den zweisprachigen Ausgaben des Verlags ars vivendi gelesen. Die Übersetzungen von Frank Günther sind modern, ohne zu modern zu sein und helfen über so manche Verstehenshürde hinweg, die Anmerkungen im Anhang tun ein Übriges.
Viel Wissenswertes über den englischen Dramatiker erzählt Frank Günther in „Unser Shakespeare“ (dtv, 14,90 Euro) mit viel Kompetenz, aber auch mit viel Leichtigkeit.
Stephen Greenblatts „Will in der Welt – Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde“ (Pantheon, 14,99 Euro) habe ich im englischen Original gelesen.  Mag sein, dass das Buch nicht streng wissenschaftlich und in vielem Spekulation ist. Mir hat es aber sehr gut gefallen, weil es mir den Menschen William Shakespeare näher gebracht hat.

Pflichtlektüre
Donna-Leon-Krimis sind für mich Pflichtlektüre und ich freue mich jeden Sommer auf den nächsten. In diesem Jahr ist es „Ewige Jugend“ (Diogenes, 24 Euro), der für Fans wieder ein paar angenehme Stunden mit Guido Brunetti verspricht.

Ungewöhnliche Biografien
Dass der ehemalige Chefredakteur des „Guardian“ schreiben kann, ist keine Überraschung. Dass Alan Rushbridger Klavier spielt, schon eher – zumal man sich auch als absoluter Musikdepp fragt, wie er es schafft, seinem enormen Arbeitspensum regelmäßige Übungszeiten abzuringen. In „Play it again – ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten“ (Secession Verlag für Literatur, 25 Euro) beschreibt Rushbridger sein Ringen am Klavier, aber auch am Redaktionsschreibtisch und vermittelt die Überzeugung, dass man jeden Tag etwas für sich persönlich tun kann, wenn man es nur will.
James Rhodes ist ein ungewöhnlicher Pianist. Der Londoner kommt nicht nur in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen auf die Bühne. Er erklärt auch dem Publikum, was er spielen wird und warum und weshalb der Komponist ausgerechnet dieses Stück auf diese Weise geschrieben hat. In „Der Klang der Wut“ (Verlag Nagel & Kimche AG , 22, 90 Euro, Original: „Instrumental“ verarbeitet er seine unfassbare Erlebnisse als Junge. Er wurde mehrfach vergewaltigt und ist sicher, dass er nur dank seiner Liebe zur klassischen Musik überlebte. Wer eine feinsinnige Abhandlung erwartet, sei gewarnt. James Rhodes schreibt so direkt, wie er twittert, wer kann, sollte dem Original eine Chance geben.

Donna Leon: Ewige Jugend

Der 25. Fall für Guido Brunetti ist vielleicht sein berührendster und gleichzeitig ungewöhnlichster. Das geht schon damit an, dass dieser Roman bereits der zweite in diesem Jahr ist – der Diogenes-Verlag feiert das Jubiläum entsprechend.
Doch die Geschichte selbst ist dieses Mal ungewöhnlich, auch wenn man als Kenner weiß, dass der venezianische Commissario unter den literarischen Kriminalern schon immer eine Sonderstellung eingenommen hat. Was vielleicht an den italienischen Verhältnissen im Allgemeinen und den venezianischen im Besonderen liegen mag.

Und so wird Guido Brunetti von einer Freundin seiner Schwiegermutter um Hilfe in einer privaten Angelegenheit gebeten. Manuela, die Enkelin der Contessa Lando-Continui, hatte vor Jahrzehnten einen Unfall und stürzte in einen der Kanäle Venedigs. Weil sie zu lange unter Wasser blieb, ist Manuela behindert und auf dem geistigen Stand eines Kindes. Die Contessa ist davon überzeugt, dass das kein Unfall war und möchte, dass Brunetti die genauen Umstände herausfindet.

„Eine alte Frau brauchte seine Hilfe, und er (Brunetti) leistete sie ebenso selbstverständlich, wie er sie auffangen würde, sollte sie die Treppe hinunterfallen.“

Brunetti wäre nicht Brunetti, wenn er der Bitte der alten Dame nicht Folge leisten würde und sich mit Hilfe seines Kollegen Vianello und Elettra, der Sekretärin seines Chefs, daran machen würde den alten Fall  wieder zu eröffnen. Elettra mit ihren geheimnisvollen Verbindungen zu  nicht immer legal arbeitenden Freunden ist die, die zwar scheinbar ihren Arbeitsplatz am Computer im Vorzimmer ihres Chefs nie verlässt, aber dennoch von überall her Informationen beschafft, die den beiden Männern weiterhelfen. Und ganz nebenbei wird sie nie müde, sich über die Unfähigkeit ihres Vorgesetzten Patta zu wundern und über bestimmte Verhaltensweisen Brunettis den Kopf zu schütteln. Etwa wenn der gesteht, er habe  keine private E-Mail-Adresse.

„‚Sie haben keine private E-Mail-Adresse?‘ echote Signorina Elettra in eine Ton, als habe er gestanden, er könne nicht mit Messer und Gabel umgehen.“

Das macht den Commissario ebenso sympathisch wie seine Familie, die der Leser natürlich auch im 25. Fall wiedersieht und wie seine Unsportlichkeit, die er zusammen mit einem alten Freund (der ihm in seinem Fall wichtige Informatioen gibt) beim Rudern ignoriert und prompt mit Muskelkater bestraft wird.  Seine Schmerzen versucht er solange mit einer heißen Dusche zu lindern, bis sich seine Frau Paola Sorgen macht. Erst später wird ihm bewusst, dass sie für ihn ein Buch von Henry James beiseitegelegt hat, dem Lieblingsautor der Literaturprofessorin.

Es sind genau diese kleinen Episoden, die so typisch sind für einen Commissario-Brunetti-Roman – ganz unabhängig vom Fall, der natürlich auch im neuesten Buch gelöst wird und der mit einer Wendung endet, die zu Tränen rührt.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Donna Leon: Ewige Jugend. Commissario Brunettis 25. Fall, Diogenes, 24 Euro.
(Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.)

 

Graham Swift: England und andere Stories

Bei manchen Büchern fragt man sich, weshalb man von ihren Autoren noch nichts gehört, geschweige denn etwas gelesen hat. Der Sammelband „England und andere Stories“, der jetzt im dtv auf Deutsch vorliegt,  ist so ein Buch, denn der englische Autor Graham Swift schafft es auf wenigen Seiten eine ganze Welt zu entfalten. Eine Welt, die zwar eine englische, aber dennoch eine universale ist.

„Jetzt waren sie verheiratet, und man hatte ihnen gesagt,
sie sollten ihr Testament machen.“

Eine Welt, die unser Alltag ist und deshalb gleichzeitig in dieser ganz eigenen Vertrautheit so faszinierend daherkommt, ohne banal und langweilig zu sein. Freilich kann das nur ein Schriftsteller leisten, der  alltägliche, kurze Szenen als Ausgangspunkt eines menschlichen Schicksals nimmt: Da ist der Mann von der Küstenwache, der auf dem Weg zur Arbeit an einem Pannen-Auto vorbeikommt und dessen Fahrer mit unterschiedlichen Stimmen zu sprechen scheint. Oder die beiden Frauen Holly und Polly, die sich bei der Arbeit als Embryologinnen kennen- und lieben lernen. Sie sind beide ausgebildet für eine Arbeit, „von der manche sagen, man spiele Gott“.

„Wir sind nicht Gott. Es ist auch kein Spiel.
Obwohl wir manchmal lachen müssen.“

Jede Geschichte hat ihre eigenen Charaktere, die sich in ihrer eigenen kleinen Welt bewegen. Klein deswegen, weil es „nur“ 25 Erzählungen sind, die in dem Band versammelt sind und man von so mancher Geschichte gerne mehr gelesen hätte. Das ist aber auch der einzige Mangel, denn Graham Swift ist ein meisterhafter Erzähler (ebenso meisterhaft übersetzt von Susanne Höbel), dessen Stil an den von Ian McEwan erinnert.

 

Graham Swift: England und andere Stories, dtv, 21,90 Euro
(Das Buch wurde mir freundlicherweise von dtv zur Verfügung gestellt.)

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Benedict Cumberbatch’s outstanding Richard III

Yes, I can hear them. Those critics, those self declared grail holders of every single tradition you can think of in cultural topics. They are about to start their writing software after they had difficulties to survive  „Richard III“, the third part of the second series of „The Hollow Crown“, screened over the last three weekends on BBC Two. After a certain Benedict Cumberbatch got his hands on William Shakespeare’s „Hamlet“ last year in London’s Barbican those purists had to endure beat after beat: People ran wild! Queued for tickets! Young folks watched a play live on stage for the very first time in their lives! How could that happen? And they still watch it whenever a live recording hits a cinema within reach.

And now it is Shakespeare all over again, three of his plays transformed into three 2 hours films, bringing the bloody Wars of the Roses into living rooms where the audience watched how a tyrant was made. A tyrant in the shape of Benedict Cumberbatch whose Richard III took over the screen  step by step in „Henry VI, 2“ until he rules it completely in the defining part of „Richard III“. And he does so by luring the audience into his thoughts, his grief and his rage, leaving you wondering if you should be appalled by a cripple who is so terrible deformed or if you should feel sorry for a man who had been an outsider for all his life. The very first scene where Richard has one of his soliloquies speaking directly to the audience reveals not only his violent ambitions. It also shows that he is a vulnerable human being – naked upwards from the waist, a deformed back, a hand he can’t use – desperately trying to find his path where Richard is only true to his only ally, the audience, addressed directly to the camera in his soliloquies.

„I, that am curtail’d of this fair proportion, deform’d, unfinished, sent before my time into this breathing world scarce made up – and that so lamely and unfashionable that dogs bark at me, as I halt by them.“ Richard III, I,1

All these different feelings, the cruelty of a man driven by ambition, hate, haunted by the ghosts of the men he killed are brilliantly performed by Benedict Cumberbatch who always is in control of the audience’s attention, who grabs their hands, takes them on a ride and leaves them crying for a king who died on a muddy battlefield. It seems that Benedict’s performance gets better and better with every new role. He clearly is on the height of his abilities, bringing every emotion you can possibly think of to life within the wink of an eye or the move of a hand. And of course his voice talking Shakespeare’s English –  making it vivid and just beautiful.

So may all of those professional critics analyse every letter, every scene, every move of the camera, may they shout at the BBC for tearing Shakespeare down to the small screen and may they shout at Benedict Cumberbatch for whatever reason they may possible find. One of his faults clearly is bringing a new audience to Shakespeare. If this is a fault, I can find more to blame this man for.

Hollow Crown, Shakespeare and Benedict Cumberbatch

No, I’m not a Shakespeare expert. Far from that. Although I can imagine that reading his works might be the same challenge for native English speakers as it is for me reading Goethe or Schiller, getting the meaning of Shakespearian English is indeed a challenge. And it doesn’t get easier watching a play live on stage or a film version.

Unless you have a production team and a broadcaster that have the courage to  throw two hours of a 400 years old play on their audience, including lots of artificial blood, mud, ancient buildings and a very fine crew of actors to bring William Shakespeare’s War of the Roses to life. The second series of BBC Two’s Hollow Crown has all this. And it has a Benedict Cumberbatch whose Richard (soon to be King in the third episode of this series) goes all the way from an awkward but still nice ish teenager – his first appearance is all cheerful – to a cruel villain ready to climb on England’s throne, killing everyone in his way. We watch a young man who loves and adores his father who considers himself as rightful heir to the throne, a young man who from the very first scene always stands a bit aside, limping with a stiff leg and a hunchback – and is mocked for this and the fact that his birth apparently wasn’t an easy one, leaving him disabled into a world full of warriors.

„This word ‚love‘ (…) be resident in men like one another, and not in me.
I am myself alone.“ Henry VI 3, V,6.

As if this isn’t enough to harm a man, Richard is an eye witness when his younger brother is killed. His shock and fear is the audience’s because it is all written in Benedict Cumberbatch’s performance and we know that this is the final reason that turns Richard into the monstrous villain.

„And am I then a man to be belov’d?
O monstrous fault to harbour such a thought.“ Henry VI 3, III,2

But it is not a villain that is totally disgusting and appalling. Richard is scaring, thrilling, seductive and – surprisingly enough  – funny and you realise you care for a man who admits all he longs for in the end is his brother’s crown no matter how many men he has to kill to reach that aim. But Richard is not only just bad. He’s a man who feels utterly alone since early childhood, a man who knows that he will not find true love because of his deformities.

If it is true that „Richard III“ is one of the most demanding roles for any actor, it’s not for Benedict Cumberbatch. Because he brings every tiny detail of that character to life without any visible effort, leaving his audience speechless in front of the telly (or where ever you have the good fortune to catch this film), realising that you haven’t moved since two hours – except for opening your mouth in disbelief, murmuring „Oh my God“ every once in a while and totally forgotten that you are watching a Shakespeare play normally considered as difficult stuff.  We don’t know if  William Shakespeare thought of a special actor when writing his play. But maybe you need a Benedict Cumberbatch to make a villain sexy.

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