diebedra.de

Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Bücher für Weihnachten

Ach je. Bücher für Weihnachten, also Bücher als Weihnachtsgeschenke. Ich sehe schon, wie die ersten mit den Augen rollen und denken: „Auch das noch.“ Denn beim Lesen all dieser Bücherlisten – so finde ich jedenfalls – kommt man sich immer dumm und ungebildet vor, weil man von den meisten der vorgeschlagenen Bücher weder etwas gehört hat noch den Autor kennt (das gilt auch für Autorinnen, ich weigere mich aber jegliche Form der Genderisierung zu schreiben). Also, welche Bücher sollte man denn nun verschenken? Nur die, die einen selbst gefallen haben. Das ist mein Prinzip, nach dem ich im Gedanken durchgehe, wer sich über welche Lektüre am meisten freuen würde.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: „Der Ruf des Kuckucks“ (Blanvalet Verlag, 9,99 Euro) ist der erste von drei Bänden, in denen der Privatdetektiv Cormoran Strike Fälle löst, versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen und dabei durch die Straßen Londons humpelt. Strike wurde im Afghanistan-Krieg (wer mag, kann darin einen Hinweis auf Arthur Conan Doyles John Watson lesen) so schwer verwundet, dass er seither auf eine Unterschenkelprothese angewiesen ist, um einigermaßen gehen zu können. Robert Galbraith – das Pseudonym von Joanne K. Rowling – schreibt so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte und erinnert im Stil an traditionelle Krimis, die ohne große Action auskommen und stattdessen mehr auf Taktik und Überlegung setzen.

Für Traditionalisten:
Siegfried Lenz: „Schweigeminute“ (dtv , 7,90 Euro). Wer den Film, der kürzlich im ZDF lief, gesehen hat, sollte unbedingt die Novelle lesen. Denn in diesem Alterswerk des Autors wird so viel mehr erzählt und verdeutlicht, wie es in einem Film nie möglich ist. Denn vieles, was der Schüler Christian, der mit seiner Englischlehrerin Stella ein Liebesverhältnis hat, spielt sich gedanklich nur im Kopf des Jugendlichen und Ich-Erzählers ab. Ausgangspunkt ist die titelgebende Schweigeminute, bei der Beerdigung Stellas, die bei einem Schiffsunfall so schwer verletzt wird, dass sie an den Verletzungen stirbt.

Für Liebhaber englischer Literatur:
Ian McEwan: „Nussschale“ (Diogenes, 22 Euro) ist das jüngste Werk des britischen Autors, der seine Geschichte dieses Mal aus der Sicht eines ungeborenen Kindes erzählt.

Für Entdecker:
James Rhodes: „Der Klang der Wut“ (Nagel & Klimche, 22,90 Euro) ist, wie es James selbst sagen würde, ein Buch über Musik. Aber es ist auch die schreckliche Geschichte eines kleinen Jungen, eben James Rhodes, der fünf Jahre lang vergewaltigt wurde und der nur überlebte, weil er klassische Musik hört. Wer mag, sollte das Buch im Original lesen („Instrumental“, Canongate, ca. 10 Euro), nicht um mit seinen Englisch-Kenntnissen anzugeben, sondern weil James‘ Stil im Deutschen nur schwer erkennbar ist.  Heute ist James Rhodes ein erfolgreicher Pianist, dessen Konzerte genauso ungewöhnlich sind, wie sein Tweets.

Für Liebhaber von Briefen:
Petra Müller, Rainer Wieland (Hg): „Schreiben Sie mir oder ich sterbe“ (Random House, 3 CDs, ca. 20 Euro): Hörbücher sind nicht jedermanns Sache. Man muss sich reinhören und konzentrieren, damit man nicht den Faden der Geschichte verliert. Praktisch sind aber kleinere Stücke, die man zwischendurch hören kann, wie diese Sammlung von Liebesbriefen berühmter Menschen.

Maria Dermoût: Die zehntausend Dinge

Es ist, als würde man ein Paradies fern der Wirklichkeit betreten. Sobald man das Buch „Die zehntausend Dinge“ aufschlägt (und sich vorher über das liebevoll gestaltete Buchcover gefreut hat), ist es, als würde man eine Welt betreten, die schon lange vergangenen ist, deren Geräusche und Düfte einem aber noch seltsam nah sind und an die man sich auch Jahrzehnte später noch insgeheim zurücksehnt.

„Der Garten hielt sie fest, kapselte sie nach und nach ein,
zeigte ihr Dinge, gab flüsternd seine Geheimnisse preis.“

Felicia muss als Kind die Gewürzplantage, die trotz ihrer Größe „Der kleine Garten“ genannt wird, verlassen. Sie zieht mit ihren Eltern nach Europa, aber sie geht mit dem sicheren Versprechen, dass ihre Großmutter bei ihrer Rückkehr auf sie warten wird.  Als Felicia Jahrzehnte später mit ihrem kleinen Sohn zurückkommt, scheint es fast so, als habe sei die Zeit stehen geblieben. Sitten und Gebräuche im und um den kleinen Garten an der Binnenbucht haben sich nicht geändert und auch die Alten, allen voran die Großmutter, sind noch da.

„Meine Großmutter wartet im Kleinen Garten
an der Binnenbucht auf mich.“

Maria Dermoût lässt eine längst vergangene Welt auferstehen, die für uns Europäer nicht nur den Reiz des Vergangenen, sondern auch den des Exotischen an sich hat. Sie tut das mit einer langsamen, ruhigen Sprache, die zwar dem Jahr der Ersterscheinung 1955 entspricht, aber gleichzeitig auch darauf abzielt, das Leben der Niederländer in Indonesien lebendig werden zu lassen. Wie der kleine Garten in der Geschichte, so ist der Roman selbst wie ein Zufluchtsort, der dem Leser Hektik und Stress der Gegenwart vergessen lassen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Maria Dermoût: Die zehntausend Dinge, dtv, 22 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise von dtv zur Verfügung gestellt.

Ian McEwan: Nussschale

Ein ungeborenes Kind mit dem Wissen und der Intelligenz eines Erwachsenen, das seine Umgebung mindestens genauso gut analysiert wie ein renommierter Intellektueller – und das die Geschichte erzählt. Dabei geht es nicht nur um die Beobachtung anderer Menschen. Ian McEwans neuem Buch „Nussschale“  handelt von einer gescheiterten Ehe, einer neuen Liebe und um Mord, bei dessen Planung der Leser dank des Babys im Mutterleib Zeuge ist. Und ja, es geht natürlich auch um William Shakespeares Hamlet – das Zitat, das dem Roman vorangestellt ist, stammt aus dem zweiten Akt – die Namen der Mutter und des Liebhabers Trudy und Claude sind ebenso Anspielungen auf das Stück wie das über die Welt nachdenkende und mit ihr hadernde Hamlet-Ungeborene selbst.

„O Gott, ich könnte in eine Nussschale eingesperrt sein.“
William Shakespeare, Hamlet, II,2

Doch man muss das alles nicht wissen, um „Nussschale“ zu lesen und sich zu amüsieren über die scharfsinnigen analytischen Fähigkeiten des Kindes, das über die Qualität eines Sauvignon Blanc urteilt („Nicht meine erste Wahl; ich hätte einen Sancerre bevorzugt, am liebsten aus Chavignol, dieselbe Trauben aber nicht so grasig im Abgang.“), seine Mutter mit ein paar Fußtritten wachboxt, damit sie Radio hört (man kann vermuten, dass Mutter und Kind die Podcasts von BBC Radio 4 lieben)

Begeistert, weil es Ian McEwan auch dieses Mal wieder schafft, den Leser mit einer Geschichte zu überraschen, deren Handlung auf den ersten Blick  im gewöhnlichen Alltag angesiedelt ist. „Nussschale“ ist dank der wunderbaren Übersetzung von Bernhard Robben  auch auf Deutsch von der ersten Seite an faszinierend und man legt das Buch nur ungern aus der Hand.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Ian McEwan: Nussschale, Diogenes, 22 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

Martin Luther und die Reformation

Es war eine Zeit des Umbruchs, in der vieles, was bisher selbstverständlich schien, in Frage gestellt wurde. Die Zeit der Reformation ist weit weg, aber dennoch sind uns die Ängste, die die Menschen vor 500 Jahren bewegten, seltsam vertraut. Martin Luther, ein unbekannter Mönch, wagt das Unfassbare: er legt sich mit Kaiser und Papst an und schafft eine neue Konfession, die bald europaweit Anhänger finden wird. Dabei ging es Luther gar nicht darum, die Kirche zu spalten.

„Reformation heißt wörtlich genommen, Rückformung, also Wiederherstellung. Schon das Wort zeigt, dass es Luther nicht um den kühnen Blick nach vorne ging, sondern um die Rückkehr zu einem ursprünglichen, vermeintlich besseren Zustand“, heißt es in dem Buch „Die Reformation – Aufstand gegen Kaiser und Papst“, das verschiedene Spiegel-Artikel zusammenfasst.  Das hat den Vorteil, dass das Thema Reformation von unterschiedlich langen  Beiträgen beleuchtet wird. Weil die Artikel von unterschiedlichen Autoren stammen, variieren Stil und Qualität. Für eine Einführung in das Thema und in das bevorstehende Lutherjahr 2017 ist das Buch dennoch gut geeignet.

Quelle: DVA

Quelle: DVA

Dietmar Pieper, Eva-Maria Schnurr (Hg): Die Reformation. Aufstand gegen Kaiser und Papst. Deutsche Verlagsanstalt, 19,99 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe

„Mein Engel, mein alles, mein Ich“  – Ludwig van Beethoven war nicht nur ein genialer Komponist. Er konnte auch Liebesbriefe schreiben. So wie viele andere berühmte Männer und Frauen, die auf den drei CDs „Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“ unter anderem von Sascha Rothermund, Götz Otto, Martina Gedeck und Anna Thalbach gelesen werden. Die unterschiedlich langen Stücke – meist sind es an die zehn Minuten  – geben Einblicke in sehr private Gedanken des jeweiligen Verfassers und gleichzeitig auch in eine Zeit, in der man sehnsüchtig auf Nachricht von einem geliebten Menschen gewartet hat, statt ihn jederzeit übers Internet kontaktieren zu können.

Spätestens seit ich die wunderbaren Bücher „Letters of Note“ und „Letters of Note II“ (beide Einträge sind auf Englisch) für mich entdeckt habe und die Veranstaltung „Letters Live“ in London erleben durfte, bin ich von historischen Briefen fasziniert. Diese drei CDs werden gleichermaßen ruhig und leidenschaftlich von wunderbaren Sprechern gelesen. Am Ende des eigentlichen Briefes wird jeweils der historische Kontext des Briefes erklärt. Diese hörenswerte Sammlung verkürzt nicht nur lange Bahnfahrten, sie macht Lust auf mehr.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe. Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer. Herausgegeben von Petra Müller und Rainer Wieland. Random House, 3 CDs, Laufzeit, 3 Stunden, 15 Minuten, ca 20 Euro.
Die CDs wurden mir freundlicherweise von Randhom House zur Verfügung gestellt.

Sherlock Holmes neu übersetzt

Übersetzungen spiegeln wie das Original auch, die Zeit wider, in der sie entstanden sind und zum Glück immer noch entstehen (welch Segen, Bücher auf Deutsch lesen zu können, wenn man der Originalsprache nicht mächtig ist). Und so ist das beste, was einem Buch und dessen Autoren passieren kann, ein Übersetzer, der sein Handwerk versteht, der die Geschichte erzählt und es dem Leser im besten Fall nicht merken lässt, dass er eine Übersetzung liest. Im Falle der Sherlock-Holmes-Geschichten muss man wissen, dass der Stil von Arthur Conan Doyle ein ganz eigener ist. Wer Thriller mag, die einen atemlos werden lassen, wird enttäuscht werden, denn so umsichtig und analytisch wie der große Detektiv zu Werke geht, so schreibt sein Erfinder – fast möchte man sagen behäbig.

Schwierige Gratwanderung

Bei der jetzt vorliegenden Übersetzung von „Eine Studie in Scharlachrot“, die im Fischertaschenbuchverlag erschienen ist, merkt man wie Henning Ahrens genau diese Gratwanderung in seiner Arbeit absolviert. Vergleicht man sie mit der Ausgabe, die 2007 im Insel-Taschenbuchverlag erschienen ist und mit einer Originalausgabe werden die Unterschiede und leider auch Defizite deutlich. Denn im Versuch, Doyles Sprache zu modernisieren, wird sie zuweilen unkenntlich und falsch übersetzt. „Eine Studie in Scharlachrot“ ist die erste Geschichte, in der Sherlock Holmes auftritt. Sie legt deshalb die Grundlage für weitere Romane und Erzählungen und führt natürlich den Leser an den großen Detektiv heran und natürlich auch an Doktor John Watson, der als Versehrter aus dem afghanischen Krieg zurückkommt und auf der Suche nach einem Mitbewohner für eine Wohnung in London ist. „The campaign brought honours and promotion to many, but for me it had nothing but misfortune and disaster.“ heißt es im Original. „Während des Feldzugs ernteten viele Ehren und Beförderungen, aber für mich hielt er nur Unglück und Elend bereit.“ übersetzt Henning Ahrens. „Vielen brachte der Feldzug Auszeichnungen und Beförderung, für mich barg er jedoch nichts als Mißgeschick (!)“ heißt es in der Insel-Übersetzung von Gisbert Haefs.

Während diese Beschreibung  noch eng am Original ist, gibt es eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern, jedenfalls für mein Verständnis. Holmes und Watson treffen sich nämlich nicht „wie verabredet“ (Fischer) , um die Wohnung zu besichtigen, sondern weil es Holmes „festgesetzt“ (Insel), „arranged“ hat. Das mögen ebenso Kleinigkeiten sein wie die nächsten Gegenüberstellungen. Sie zeigen aber gerade in diesen Nuancen, dass Sherlock Holmes derjenige ist, der die Geschicke lenkt  – und seine Gewohnheiten hat:  „Er ging gegen zweiundzwanzig Uhr zu Bett“ (Fischer) –  „Selten war er nach zehn Uhr abends noch auf“(Insel) – „It was rare for him to be up after ten at night“.  Diese Nuancen sind es auch, die den Geschichten ihren unverwechselbaren Charakter geben, den sie auch aus ihrer Entstehungszeit beziehen. Daher scheinen unsere umgangssprachlichen Begriffe wie „weitergelatscht“ (für „strolling down“), „Der Roman ist ein echtes Brechmittel“ „hat mich wirklich krank gemacht“ (für „made me positively ill“) schlichtweg fehl am Platz. Leider gibt es auch Fehler in der Übersetzung: „An airy room“ ist ein „luftiger Raum“ (Insel) und nicht „gut zu lüftend“ (mal abgesehen davon, dass sich Watson und Holmes darüber wohl kaum Gedanken machen dürften) und ein „German name“ ist ein „deutscher Name“ (Insel) und nicht nur „deutsch klingend“.

Ist die Neuübersetzung nun schlecht? Sicher nicht – nur anders und man hat nun einmal mehr die Wahl, für welche Übersetzung man sich entscheidet.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes; Eine Studie in Scharlachrot, Fischer Taschenbuch, 10 Euro, neu übersetzt von Henning Ahrens.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Fischer-Verlag zur Verfügung gestellt.

Sherlocked reloaded

Every once in a while, Sherlock fans leave their usual surroundings (which some strongly believe is the internet) to come together and chat about their favourite show in real life. A perfect date is the Sherlock convention – Sherlocked – that took place again in London’s Excel from 23rd to 25th September 2016. After Benedict Cumberbatch was announced only four days before the event, I decided to change my plans and attended Sherlocked for Saturday and Sunday.

I soon realised that it was the right thing to do because I wanted to get more of the talks, due to a very busy schedule last year I missed a few I was very interested in. So this time, I had a very relaxed Saturday, switched between main and second stage, listened to Una Stubbs, Wanda Ventham and Timothy Carlton, got lots of insights into the work of Arwel Wyn Jones, chatted with Michael Price and David Arnold – all of them were very lovely, kind and funny. Sunday was Benedict’s day, although I didn’t get a personal photo shoot with him, I was very happy walking into the Victorian set of 221B Baker Street where he was already sitting in Sherlock’s chair. Don’t know if it was because of the my tee (I wore one with „Proud member of Cumbercollective“ written on it – you can find similar ones on Redbubble) but Benedict smiled and seemed very happy to be around. „How are you?“ he asked in his familiar voice. „Where are you from?“ (Sorry, didn’t answer because I realised the question ages later) – the few minutes it took the photographer to take my pic were over. But I managed to say „Thank you, have a lovely day and take care“ while Benedict reached out to shake my hand. „Thank you. You too,“ he smiled while I desperately tried not to fall over my own feet and find my way out of the set.  Later I learned that his agency took a behind the scene shoot and tweeted the picture. My Twitter ran mad.

Madness and magic

Madness is probable the expression people have in mind when they learn that fans are travelling from all over the world to meet  Team Sherlock. And maybe you can’t explain the very special atmosphere that hovers around in that huge halls where Sherlocked happens. Beside the fact that you can dive totally into a fictional world and forget all your real life problems, you find people not only with the same obsession. You find a very special bunch of people, friendly, funny, interested in lots of different things and always ready for a chat. People who established friendships over frontiers and continents because of Sherlock and thanks to the internet.  And I have to write that it is always something very precious stumbling into people who recognise me from my Twitter. It’s sort of magic that hopefully will never end.

 

 

John Williams: Augustus

Als Julius Cäsar ermordet wird, muss sein Großneffe und Adoptivsohn Octavius dessen Erbe antreten, obwohl er eigentlich Gelehrter und Schriftsteller werden wollte. Doch der spätere Kaiser Augustus hat genug Durchsetzungskraft, um trotz eindringlicher Warnungen nicht nur die Nachfolge Cäsars anzutreten, sondern auch dem Römischen Reich Frieden zu bringen.

„Ich weiß, Dein erster Impuls wird sein, beides anzunehen, den Namen und das Vermögen, aber Deine Mutter fleht Dich an zu warten, zu überlegen und abzuschätzen, in welche Welt Dich das Testament Deines Onkels einlädt.“

John Williams beweist mit „Augustus“ einmal mehr, dass er ein meisterhafter Geschichtenerzähler ist, auch wenn dieses Werk im Gegensatz zu „Stoner“ und „Butcher’s Crossing“ nicht als fortlaufende Erzählung  geschrieben ist, sondern sich die Handlung in Form von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Senatsnotizen entwickelt. Das funktioniert, allerdings kommt man sich etwas verloren vor, wenn man sich in der Welt des Alten Roms nicht so auskennt, dass man die Namen sofort identifizieren könnte. Zwar gibt es eine Zweittafel, ein „Who’s who im Antiken Rom“ und ein Nachwort. Die hilft allerdings nur bedingt weiter.

Mir hat vor allem der dritte Teil gefallen – da finde ich den wunderbaren Erzähler Williams in den langen Briefen wieder.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

John Williams: Augustus, dtv, 24 Euro
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv zur Verfügung gestellt.

Henning Mankell: Die schwedischen Gummistiefel

Plötzlich ist alles weg. All die Dinge, die Fredrik Welin in seinem Leben  angesammelt und die er mit in das  Holzhaus auf die Schäreninsel gebracht hat. Dabei hat der ehemalige Chirurg nach seinem Entschluss, auf der Insel zu leben, schon einiges zurückgelassen. Aber die Situation jetzt ist eine völlig andere. Ein Brand, der ihn im Schlaf überrascht hat legt sein Haus in Schutt und Asche, alles, was er retten kann, ist das, was er auf dem Leib trägt: ein Regenmantel und Gummistiefel: „Das ist alles, was ich besitze, dachte ich. Zwei linke Stiefel.“

„Die schwedischen Gummistiefel“ könnte ein sehr trauriger, vielleicht anklagender Roman über das Alter, das Älterwerden und den damit verbundenen allmählichen Verfall des Körpers sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Fredrik sehr wohl Angst vor dem Alter und Sterben hat, dass ihm sehr wohl bewusst ist, dass sein Körper langsam, aber unaufhaltsam altert.

„Ich konnte nicht mehr in mein Boot springen, wie vor zehn Jahren. (…) Das Altern war ein Nebel, der still übers Meer herangezogen kam.“

Doch statt in Selbstmitleid zu verfallen und angesichts des unvermeidlichen Todes untätig zu werden, plant er sein Leben weiter. Mit Hilfe der Versicherung wird sein Haus wieder aufgebaut, er pflegt mitunter vernachlässigte Freundschaften, etwa mit dem ehemaligen Postboten Jansson,  knüpft neue, wie mit der Journalistin Lisa Modin, in die er sich verliebt. Und er begreift, dass seine schwangere Tochter Louise seine Familie ist, für die es sich lohnt, das Haus wieder aufzubauen und etwas an die nächste Generation weiterzugeben.

Henning Mankells letztes Buch ist ein nachdenklich machendes, aber keineswegs tieftrauriges oder gar anklagendes Buch über den Verlust, das Leben und natürlich das Alter. Wie schon in „Die chinesischen Schuhe“, dessen Geschichte  „Die schwedischen Gummstiefel“ weitererzählen, entfaltet Mankell die Charaktere, ihre Wünsche und Sehnsüchte, ihre Ängste und Probleme. Das tut er in seinem typischen Stil, in dem er schon seinen Kommissar Kurt Wallander in die Welt schickte. Mankells unverwechselbarer Stil wird fehlen. Das macht „Die schwedischen Gummistiefel“ so lesenswert und so traurig.

 

 

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Henning Mankell: Die schwedischen Gummistiefel, Zsolnay, 26 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Zsolnay/Hanser zur Verfügung gestellt.

James Rhodes: „Life’s too short to pretend“

Ahead of his upcoming tour in  Germany, Austria and Switzerland, James Rhodes kindly answered a few questions. No idea how he does it, but the answers hit my inbox in no time 😉

You have been on tour recently and will have a couple of concerts in Germany, Austria and Switzerland. Do you have time to stroll a bit through every town you are in? And if so are you looking for something typical in the town you are in?
I really hope so. Some days I’ll have more time than others but ideally I’ll always be able to stroll around and explore new places – most of these cities are new to me and I can’t wait.

How are you preparing for the concert in the evening? Is it important for you to relax, sleep in or are you too excited to be calm?
It’s a real mixture – on a perfect day I’ll be well rested and excited (in a call way!). But of course lots of the time I’ll be stressed and anxious and grumpy. But then I’m that way with everything not just concerts.

Is it difficult to concentrate when playing in a new hall?
Not usually. Sitting at the piano is the best place for me, whatever the hall is like.

You are quite active on Twitter where you are not only funny or chat about ordinary things. You are very open when it comes to topics such as depression or the abuse you suffered as a boy. Is it some kind of therapy for you? And are the internet/ social media stressful sometimes?
I love Twitter. I’ve met some wonderful people on there and been very lucky in that I haven’t come across much nastiness. I think loneliness can be really debilitating for people especially if they’re a bit wobbly emotionally (like me), so social media can be a really positive thing. I think it’s important to just be myself whether it’s with a friend in a cafe or online, it’s always the same me. Life’s too short to pretend.

When meeting fans it seems you are really enjoying it. Is there anything you want to tell them?
Thank you! That’s the main thing. It’s appreciated more than they know and it makes me feel all warm inside. Don’t ever feel shy about coming to say hello 🙂

I met James Rhodes in September 2015 after a talk at The Guardians' and asked for a selfie. Photo: Petra Breunig

I met James Rhodes in September 2015 after a talks at The Guardians‘ and asked for a selfie. Photo: Petra Breunig

——

You can find more about James Rhodes on his side where there are also links to tour dates, his Sound Cloud and his Twitter – and on this blog

All dates for his upcoming tour are in this poster: jamesrhodestourposter2016

« Ältere Beiträge

© 2016 diebedra.de

Theme von Anders NorénHoch ↑