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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

Kategorie: Sherlock Holmes (Seite 1 von 2)

Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures

Über 2500 Ergebnisse erhält, wer bei Amazon nach Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sucht. Weshalb also noch eine weitere englischsprachige Ausgabe? Die Lust, besonders schöne Bücher zu machen, kann es nicht gewesen sein, die die Herausgeber bewogen haben zwei Bände unter dem Titel „Sherlock – The Essential Arthur Conan Doyle“ als BBC Books zu veröffentlichen. Denn wie oft bei englischen Büchern ist weder die Qualität des Papiers noch die des Layouts – hin und wieder scheint der Text entweder gesperrt oder spationiert zu sein, damit er eine Zeile ausfüllt – das entscheidende Kaufkriterium. Doch die Titelbilder machen klar, dass es hier um den Kultfaktor geht, den die britische BBC-Serie „Sherlock“ unter Fans hat und diese Fans sind es auch, die die Macher als Käufer und Leser im Visier haben.

„Impossible not to love.“

Die Produzenten, Drehbuchschreiber und Erfinder des modernen Sherlock, Steven Moffat und Mark Gatiss, haben ihre Lieblingsgeschichten um den größten Detektiv aller Zeiten gesammelt und ihnen jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt. Und allein diese Einführungen sind trotz der Kürze wunderbar witzig und ironisch, aber auch gleichzeitig kenntnisreich. „Die Geschichte macht zwar nicht wirklich Sinn, sie ist aber atemberaubend frech, stimmungsvoll und furchterregend.“ („It makes no real sense but it’s breathtakenly cheeky, atmospheric and scary.“) schreiben die Autoren der Einleitung beispielsweise über „Das gesprenkelte Band“ („The Adventure of the Speckled Band“) und finden, dass man „Der blaue Karfunkel“ („The Adventure of the Blue Carbuncle“) einfach „lieben muss“ („Impossible not to love.“). Einiges, was in „Eine Frage der Identität“ („A Case of Identity“) auftaucht, haben die beiden für ihre Sherlock-Version verwendet und wenn man so will, eine Art Perlenpickerei („small gems“) betrieben.

Dass in der Fernsehserie zum Teil wörtliche oder abgewandelte Zitat aus einer der Originalgeschichten verwendet werden, merkt man freilich nur dann, wenn man den Kanon kennt. Oder doch zumindest die Geschichten, die Steven Moffat und Mark Gatiss als solche ausgemacht und in den beiden Bänden vorgelegt haben. Die insgesamt 19 Kurzgeschichten sind  auch ideal für Sherlock-Fans, die sich Arthur Conan Doyles Original nähern wollen, denn sie sollen schlichtweg Begleiter der BBC-Serie sein. Wer schon diverse Ausgaben im Regal stehen hat, wird sich über vergleichsweise günstige Buchzuwächse freuen. Dank der Buchcover, die Promo-Fotos zur Erstausstrahlung der vierten Sherlock-Staffel zieren, sind diese beiden Bände aber für Sherlock-Fans schon fast Pflicht.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

The Essential Arthur Conan Doyle Adventures, zwei Bände, BBC Books/Penguin, jeweils ca 8 Euro

Sherlock: Die sechs Thatchers

Das neue Jahr brachte eine neue Sherlock-Staffel – jedenfalls auf BBC One und zumindest dann, wenn man es auf welche Art auch immer schaffte, die erste Ausstrahlung zu besten britischen Sendezeit zu verfolgen. Wer also weise vorausschauend den Silvesterabend nicht allzu ausufernd verbrachte oder entsprechend lange ausschlief, der begegnete ab 20.30 Uhr britischer Zeit  in der ersten Folge der vierten Staffel „Die sechs Thatchers“ (Buch: Mark Gatiss) den geliebten Figuren genau dort wieder, wo er sie am Ende der dritten Staffel – in der Folge „Sein letzter Schwur“ –  verlassen hat: Sherlock (Benedict Cumberbatch) versucht, seine Sucht in den Griff zu bekommen, John (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) werden bald Eltern und Mycroft (Mark Gatiss) ist genauso clever, süffisant und perfekt gekleidet wie eh und je. Aber natürlich gibt es die Weihnachtsfolge „Die Braut des Grauens“,  (Erstausstrahlung in der BBC am 2. Januar 2016)  die entgegen den Aussagen der beiden „Sherlock“-Erfinder Steven Moffat und Mark Gatiss eben keine Folge ist, die völlig losgelöst vom Entwicklungsstrang der übrigen Folgen und natürlich den vorherigen Serien zu sehen ist.

Trotz allem: ein Mensch

„Die sechs Thatchers“  (deutsche Erstausstrahlung ARD, 4. Juni 2017) bringt eine völlig neue Wendung innerhalb der Serie als Ganzes und für die Figur Sherlock im Besonderen. Und so verfolgt der Zuschauer wie der einzige beratende Detektiv mit ungewohnten Situation und neuen Menschen, darunter einem Baby, zurechtkommen muss. Das geschieht in schnellen Rückblicken, die ein Fest für Fans sind, für Neulinge allerdings reinste Verwirrung. Natürlich verändern neue Bezugspersonen und neue Situationen Sherlock, es muss ihn verändern. Auch wenn er bisher alles getan hat, uns vom Gegenteil zu überzeugen, ist er doch letztlich ein Mensch und wie sich im Verlauf der Handlung herausstellt, einer mit sehr viel Mitgefühl. Freilich heißt das nicht, dass er nun plötzlich kein hochfunktionaler Soziopath mehr ist, der im Zweifel alle und alles überwacht und jede Telefonnummer gespeichert hat. Er ist genauso ungehobelt und unhöflich, hochintelligent und ein Schnelldenker wie immer. Und er ist ungefähr so aktiv  wie James Bond und mindestens genauso attraktiv.

Nicht zuletzt hat sich auch John Watson (wie immer perfekt: Martin Freeman) verändert – so wie es ihm Mrs Hudson (witzig und liebenswert: Una Stubbs) vorhergesagt hat: „Heirat verändert einen“, (meine Übersetzung) sagte sie in „Das Zeichen der Drei“ zu Sherlock und natürlich hat sie recht. Mary (souverän: Amanda Abbington) und John müssen sich um ihre kleine Tochter kümmern, wollen aber gleichzeitig auch mit Sherlock Kriminalfälle lösen. Zu den zweien, die gegen den Rest der Welt kämpfen, hat sich nun Mary gesellt. Und sie passt wunderbar in Sherlocks Welt, in der es vor allem um Intelligenz, schnelles Denken und Schlussfolgerungen geht. Kenner wissen aber natürlich, was mit  Marys  in den ursprünglichen Sherlock-Holmes-Geschichten des Erfinders Arthur Conan Doyle passiert.

Fazit: „Die sechs Thatchers“ haben alles, was man sich wünschen kann: Witz, Dramatik und Kulissen (Ausstattung: Arwel Wyn Jones), die so detailreich sind, dass man auch nach mehrmaligem Anschauen immer noch etwas neues entdeckt. Benedict Cumberbatch ist Sherlock. Er passt so perfekt in diese Rolle wie er in den berühmten Mantel (und die immer etwas zu eng sitzenden Anzüge) passt. Jeder seiner Szenen ist eine schauspielerische Glanzleistung. Martin Freemans John Watson und Amanda Abbingtons Mary sind viel mehr als Nebenrollen und Ergänzungen der Titelfigur. Beide entwickeln einzelne Stränge der Handlung weiter, die dann in den späteren Folgen vollendet werden.

Wie bei allen Staffel vorher ist auch in dieser ersten Folge der vierten Staffel Aufmerksamkeit beim Zuschauer gefragt. Wer nicht aufpasst und sich nur nebenher vom Fernseher berieseln lassen will, wird keine Freude an „Sherlock“ haben – unabhängig davon, welche Folge er anschaut. Denn der Witz der Dialoge und die Wortspiele sind nur scheinbar Geplänkel. Sie sind wichtig, um die Handlung zu verstehen. Wer allerdings erst mal seine Leidenschaft für diese Fernsehserie entdeckt hat, wird so schnell nicht mehr davon loskommen.

 

Dies ist die deutsche Version des ursprünglichen englischen Beitrags, den ich nach der Erstausstrahlung in der BBC geschrieben habe.

Sherlock: The Six Thatchers

The new year brought new Sherlock. And as always  the fans gathered round telly or any internet device to watch the first episode of series 4, „The Six Thatchers“. Written by Mark Gatiss this episode started where we left the beloved figures at the end of „His Last Vow“ (or is it „The Abominable Bride“?):  Sherlock, trying to fight his addiction, John and Mary, the soon-to-be parents, and Mycroft as dapper and clever as ever.  But of course there is the Christmas special „The Abominable Bride“ that first aired last year, and despite the fact that the creators Steven Moffat and Mark Gatiss wanted us fans to believe it is a stand alone film, it isn’t. So aren’t the previous series.

That’s why „The Six Thatchers“ is a totally new twist for the series as a whole and for Sherlock in particular. You see the only consulting detective in familiar scenes in flashbacks (confusing for newbies, a feast for fans) and you see him coping with new situations  and new figures – a baby only being one of them. Of course this changes him, it has to, just because Sherlock is human, no matter what he made anyone believe so far and  a very caring one as this episode unfolds. This doesn’t mean he stops being that high functioning sociopath (with your number). He is as rude and clever as ever. And he is more active in a James Bond-like way.

John Watson has changed, too, as Mrs Hudson predicted on the wedding day: „Marriage changes you“, she told Sherlock, and of course she is right. The couple has to care for their baby daughter while solving crimes together with Sherlock – the two of them against the rest of the world now are  three. And Mary? Well, she is smart and fits perfectly into Sherlock’s world. But you know what’s in the canon.

All in all this episode has anything you could wish for: humour, drama and settings with lots of details that clearly need lots of re watches to deduce all the hidden clues. Benedict Cumberbatch simply is Sherlock, he fits into the belstaff as perfectly as he fits into that iconic role, delivering a brilliant performance in every single second. Martin Freeman’s John Watson as well as Amanda Abbington’s Mary are more than just sidekicks. They are adding new lines to the story that set the path for the still unknown episodes to come. The week till episode 2 feels as long as the hiatus as a whole.

 

 

Sherlock Holmes neu übersetzt

Übersetzungen spiegeln wie das Original auch, die Zeit wider, in der sie entstanden sind und zum Glück immer noch entstehen (welch Segen, Bücher auf Deutsch lesen zu können, wenn man der Originalsprache nicht mächtig ist). Und so ist das beste, was einem Buch und dessen Autoren passieren kann, ein Übersetzer, der sein Handwerk versteht, der die Geschichte erzählt und es dem Leser im besten Fall nicht merken lässt, dass er eine Übersetzung liest. Im Falle der Sherlock-Holmes-Geschichten muss man wissen, dass der Stil von Arthur Conan Doyle ein ganz eigener ist. Wer Thriller mag, die einen atemlos werden lassen, wird enttäuscht werden, denn so umsichtig und analytisch wie der große Detektiv zu Werke geht, so schreibt sein Erfinder – fast möchte man sagen behäbig.

Schwierige Gratwanderung

Bei der jetzt vorliegenden Übersetzung von „Eine Studie in Scharlachrot“, die im Fischertaschenbuchverlag erschienen ist, merkt man wie Henning Ahrens genau diese Gratwanderung in seiner Arbeit absolviert. Vergleicht man sie mit der Ausgabe, die 2007 im Insel-Taschenbuchverlag erschienen ist und mit einer Originalausgabe werden die Unterschiede und leider auch Defizite deutlich. Denn im Versuch, Doyles Sprache zu modernisieren, wird sie zuweilen unkenntlich und falsch übersetzt. „Eine Studie in Scharlachrot“ ist die erste Geschichte, in der Sherlock Holmes auftritt. Sie legt deshalb die Grundlage für weitere Romane und Erzählungen und führt natürlich den Leser an den großen Detektiv heran und natürlich auch an Doktor John Watson, der als Versehrter aus dem afghanischen Krieg zurückkommt und auf der Suche nach einem Mitbewohner für eine Wohnung in London ist. „The campaign brought honours and promotion to many, but for me it had nothing but misfortune and disaster.“ heißt es im Original. „Während des Feldzugs ernteten viele Ehren und Beförderungen, aber für mich hielt er nur Unglück und Elend bereit.“ übersetzt Henning Ahrens. „Vielen brachte der Feldzug Auszeichnungen und Beförderung, für mich barg er jedoch nichts als Mißgeschick (!)“ heißt es in der Insel-Übersetzung von Gisbert Haefs.

Während diese Beschreibung  noch eng am Original ist, gibt es eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern, jedenfalls für mein Verständnis. Holmes und Watson treffen sich nämlich nicht „wie verabredet“ (Fischer) , um die Wohnung zu besichtigen, sondern weil es Holmes „festgesetzt“ (Insel), „arranged“ hat. Das mögen ebenso Kleinigkeiten sein wie die nächsten Gegenüberstellungen. Sie zeigen aber gerade in diesen Nuancen, dass Sherlock Holmes derjenige ist, der die Geschicke lenkt  – und seine Gewohnheiten hat:  „Er ging gegen zweiundzwanzig Uhr zu Bett“ (Fischer) –  „Selten war er nach zehn Uhr abends noch auf“(Insel) – „It was rare for him to be up after ten at night“.  Diese Nuancen sind es auch, die den Geschichten ihren unverwechselbaren Charakter geben, den sie auch aus ihrer Entstehungszeit beziehen. Daher scheinen unsere umgangssprachlichen Begriffe wie „weitergelatscht“ (für „strolling down“), „Der Roman ist ein echtes Brechmittel“ „hat mich wirklich krank gemacht“ (für „made me positively ill“) schlichtweg fehl am Platz. Leider gibt es auch Fehler in der Übersetzung: „An airy room“ ist ein „luftiger Raum“ (Insel) und nicht „gut zu lüftend“ (mal abgesehen davon, dass sich Watson und Holmes darüber wohl kaum Gedanken machen dürften) und ein „German name“ ist ein „deutscher Name“ (Insel) und nicht nur „deutsch klingend“.

Ist die Neuübersetzung nun schlecht? Sicher nicht – nur anders und man hat nun einmal mehr die Wahl, für welche Übersetzung man sich entscheidet.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

 

Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes; Eine Studie in Scharlachrot, Fischer Taschenbuch, 10 Euro, neu übersetzt von Henning Ahrens.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Fischer-Verlag zur Verfügung gestellt.

Sherlock: Die Braut des Grauens

Mit dem Special „Die Braut des Grauens“ verpflanzen die Macher die erfolgreiche britischen Serie von der Moderne in ihre Ursprünge. Am Ostermontag kommt die synchronisierte Fassung ins deutsche Fernsehen (ARD, 21.45 Uhr).

Was zunächst als Weihnachtsspecial angekündigt wurde, erblickte am 1. Januar 2016 das Licht der Fernsehöffentlichkeit. Oder zumindest der Öffentlichkeit, die auf welchem Wege auch immer die Erstausstrahlung im ersten Programm der britischen BBC anschauen konnte. Dem Rest der Fans blieb immerhin der zum Teil zeitversetzte Gang ins Kino, denn in vielen Ländern weltweit durfte die Originalfassung im Umfeld der Fernsehausstrahlung auf die große Leinwand – außer in den deutschsprachigen Ländern.

Denn in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die ARD die Erstausstrahlungsrechte an der synchronisierten Fassung und damit ganz offenbar das Recht, eine Kinoausstrahlung zu verhindern. Eine Ausstrahlung, die wohlgemerkt im englischen Original gezeigt worden wäre und somit ein anderes Publikum angesprochen hätte. Entsprechende Fragen verärgerter Fans beantwortete die ARD lediglich mit der Standardantwort eine Ausstrahlung im Kino sei nur in unmittelbarer Nähe zu einer Ausstrahlung im Fernsehen möglich (oder auch mit der Bitte später noch einmal nachzufragen)– was nach Recherchen der deutschsprachigen Webseite „Sherlock-DE“ so nicht stimmt. Immerhin wurde in China und Belgien „Die Braut des Grauens“ im Kino gezeigt, obwohl in beiden Ländern keine Termine für eine Fernsehausstrahlung feststehen. In Großbritannien war die Rückkehr des Meisterdetektivs auf die Fernsehschirme ein Quotenerfolg für die BBC, die eine Einschaltquote von 40,2 Prozent vermeldete. Über die Feiertage war „Sherlock“ sogar die am meisten gesehene Sendung. Trotz der zeitgleichen Ausstrahlung ließen es sich 18.500 Fans nicht nehmen, „Sherlock“ im Kino zu genießen.

Eine Verneigung vor den Fans

Und ein Genuss war es tatsächlich. Wer nach den ersten Gerüchten, die Erfinder des zeitgenössischen „Sherlock“ Steven Moffat und Mark Gatiss würden ihre Version ins viktorianische England zurückversetzen, der Überzeugung war, beide hätten wahlweise den Verstand verloren oder seien am Ende ihrer Ideen angekommen, wird schon nach wenigen Minuten eines besseren belehrt. Zahlreiche Anspielungen und filmische Zitate aus den vorherigen Staffeln sind vor allem in den ersten Szenen nichts weniger als eine Verneigung vor den zahllosen Fans der Serie. Der Fortgang der Handlung und ihre Auflösung sind eine liebevolle Hommage an den Sherlock-Holmes-Erfinders Arthur Conan Doyle. Die Details erschließen sich wie auch schon bei den vorherigen Folgen erst bei mehrmaligem Anschauen, zu vielschichtig und scharfsinnig sind nicht nur die Dialoge – bei denen wie immer Benedict Cumberbatch den meisten Text lernen muss und in der unglaublichen Geschwindigkeit Sherlocks präzise artikuliert spricht. Martin Freeman als Dr. John Watson ist ihm ein mehr als ebenbürtiger Sparringspartner, der auch im viktorianischen Tweedanzug mehr ist als ein Wortgeber und tollpatischer Bewunderer. Zusammen sind sie ein kongeniales Team, das an Drehorten und im Studio so wirkt, als würden sie in ihren Schauspielerleben nie etwas anderes tun.

Erfolgreiche Hauptdarsteller

Dabei haben es wohl beide Schauspieler nicht mehr nötig, in die berühmte Adresse Baker Street 221B zurückzukehren. Martin Freeman wurde spätestens mit der dreiteiligen Verfilmung des „Hobbit“ einem weltweiten Millionenpublikum bekannt, stand als „Richard III“ auf der Bühne und faszinierte in der ersten Staffel der Fernsehserie „Fargo“. Benedict Cumberbatch brach im vergangenen Jahr als „Hamlet“ die Vorverkaufsrekorde für Londoner Theater, erhielt für seine Darstellung des Codeknackers Alan Turing in „The Imitation Game“ eine Oscar-Nominierung und stand  gerade als „Doctor Strange“ für die Titelrolle des Marvel-Helden vor der Kamera. Die vollen Terminkalender beider Hauptdarsteller sind wohl auch ein Grund dafür, dass neue „Sherlock“-Folgen nur im zweijährigen Rhythmus ausgestrahlt werden – wenn die Fans Glück haben. Doch sowohl Benedict Cumberbatch als auch Martin Freeman mögen die Serie offensichtlich, und die Macher arrangieren die Dreharbeiten entsprechend: die vierte Staffel wird im April diesen Jahres gedreht, eine Ausstrahlung in britischen Fernsehen könnte Anfang 2017 folgen.

Den Trailer zur „Braut des Grauens“ gibt es hier.

You find my review of „The Abominable Bride“ here.

 

Sherlock – The Abominable Bride

When learning about a Sherlock special to be aired round Christmas, the speculations where afoot. A special! Not only way ahead of series 4 that will be aired some when on 2017 but a sort of stand alone episode settled in Victorian London! How would this fit into the beloved Sherlock situated in our times in London, with the beloved sociopath using every new gadget including the internet of course to help him finding the solution of his cases?

To be honest: Mark Gatiss and Steven Moffat not only created a good film that was entertainment. It was full of hints both to the original canon and the genius Sir Arthur Conan Doyle who created perhaps the most famous detective who has never lived and who will never die. It was also a bow to the fans offering them lots of hints to previous episodes. All in all „The Abominable Bride“ was a fantastic ride, although settled in an area without modern day’s stress and hectic but with cabs instead of taxis or the tube, with letters and telegrams instead of text messages or emails, that didn’t lose the dynamic that is one of the defining parts of BBC’s modern Sherlock. Together with the brilliant cast and crew that put all their love and abilities into every single scene, this episode has everything the fandom wanted. And so much more.

Sherlock und Deutschland

Es ist eines dieser Dinge, das ein ständiges Ärgernis ist, der Satz „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar.“ Nun mag es irgendwo in den Tiefen des Rechts berechtigte Gründe für diese Sperre geben. Unbegreiflich ist es, wenn solche Gründe, die Ausstrahlung einer weltweit populären Sendung wie das Weihnachtsspecial der erfolgreichen BBC-Serie „Sherlock – The Abominable Bride“ in Deutschland nicht nur im Fernsehen verhindern. Sondern auch wohl wegen des Erstausstrahlungsrechts der ARD eine zeitnahe Übertragung im Kino verbieten. Denn die deutsche Fassung, wird irgendwann (Vermutungen gehen Richtung Ostern) unter dem Titel „Die abscheuliche Braut“ synchronisiert laufen.

Wohlgemerkt: synchronisiert! Keine Zweikanaltonfassung obwohl das technisch gesehen – siehe Arte – keinerlei Probleme machen dürfte, keine OmU-Version in der Mediathek – siehe ZDF und das jüngste Beispiel „The Fall“. Auf Anfragen unter anderem der Fanseite „Sherlock DE“ gab es wohl keine Reaktionen. Auf meine E-Mail an die Zuschauerredaktion (siehe Screenshots) mit dem Hinweis darauf, dass echte Fans die Folge sowohl im Kino als auch später im Fernsehen anschauen und es daher sicher nicht zum Verlust von Einschaltquoten kommen würde, verbunden mit der Bitte, die negative Entscheidung doch noch einmal zu überdenken, bekam ich die die lapidare Antwort doch noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt nachzufragen. Die Tatsache, dass die Folge am 1. Januar ausgestrahlt werden würde, war der Zuschauerredaktion am 23. Dezember offenbar noch unbekannt.

Screenshot: Petra Breunig

Screenshot: Petra Breunig

 

 

Screenshot: Petra Breunig

Screenshot: Petra Breunig

Genauso unbekannt dürfte es offenbar den Veranwortlichen sein, dass Sherlock eine absolute Erfolgsserie ist – eine Tatsache, die noch am Tag danach beim Schreiben dieses Blogeintrags dadurch bestätigt wird, dass der Hashtag #Sherlock in den deutschen Twittertrends ist. Obwohl die BBC hierzulande offiziell nicht empfangbar ist. Was bleibt, ist die vage Hoffnung, dass Zuschauer irgendwann die Originalfassungen im Fernsehen gezeigt bekommen oder dass die BBC als Pay-TV das Licht deutscher Wohnzimmer erblicken wird. Bis dahin bleiben den Fans Livestreams und DVDs/Blurays. Denn wie Sherlock sagt: „You know my methods, John“.

 

Das Titelbild dieses Beitrags ist hier zu finden.

[Update: Laut dieses BBC-Entertainment-Journalisten haben 8,4 Millionen Zuschauer das Special bei der Erstausstrahlung in der BBC angeschaut. In diesen Zahlen sind spätere Aufrufe, etwa in der Mediathek der BBC, dem iPlayer, nicht enthalten.

[Update 5. Januar: Die ARD-Zuschauerredaktion hat mittlerweile auch mit eine Standardantwort geschickt. Auf weitere  Aspekte meiner E-Mail wird gar nicht eingegangen.

Screenshot: Petra Breunig

Screenshot: Petra Breunig

 

Screenshot: Petra Breunig

Screenshot: Petra Breunig

 

[Update 11. Januar: Die deutsche FanseiteSherlock_DE hat zu diesem Thema  einen offenen Brief and die ARD geschrieben. Er ist hier zu finden.

Bücher meines Jahres

Zum dritten Mal ziehe ich Buch-Bilanz (zum ersten Mal auf meiner eigenen Url) und wie auch schon in den Jahren 2013 und 2014 ist das Ganze wieder zutiefst subjektiv und bar jeglichen feuilletonistischen Anspruchs.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe ich heuer vier Bücher weniger gelesen, was vielleicht daran liegt, dass ich William Shakespeare’s Hamlet mindestens zweimal ganz und ein paar Stellen mehrfach nachgelesen habe – auf Deutsch und auf Englisch – als Vorbereitung auf den Besuch des Stücks im Londoner Barbican mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle.

Meine Bilanz sieht demnach so aus:

Gesamt: 34
Deutsch: 17
Englisch: 17
Kindle/Tablet: 3. (Mit Tablet meine ich, dass ich die Bücher bei Google gekauft und in der App auf meinem N7 gelesen habe – einfach deshalb, weil eines der Bücher dort früher erhältlich war und weil ich die App sehr schön gemacht finde. Mein Kindle ist ein mittlerweile vier Jahre alter Kindle Keyboard.)

Von den gelesenen empfehle ich diese Bücher:

Ian McEwan
Black Dogs, Atonement, Inbetween the Sheets, On Chesil Beach: IanMcEwan ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, der es schafft, selbst banalste Geschichten spannend und mit völlig überraschenden Wendungen zu erzählen. Auf Deutsch sind seine Werke mit durchwegs sehr guten Übersetzungen bei Diogenes erschienen.

Lukas Hartmann
Auch von Lukas Hartmann habe ich schon einiges gelesen und mag seinen Stil. Heuer waren es „Abschied von Sansibar“ (das ich schon mal gelesen habe, aber das Buch nicht mehr finden konnte) und sein neuestes Buch „Auf beiden Seiten“. Eine Geschichte aus der Zeit kurz vor und nach dem Mauerfall. Hartmanns Bücher sind ebenfalls bei Diogenes erschienen, darunter auch Kinder- und Jugendbücher. Eines davon, „AnnA“, hat mir besonders gut gefallen.

Donna Leon
Ich bin bekennender Guido-Brunetti-Fan, daher habe ich alle Fälle des Commissario gelesen. Diese Jahr gab es mit „Tod zwischen den Zeilen“ und „Endlich mein“ gleich zwei neue Bücher, die wie alle anderen ebenfalls bei Diogenes erschienen sind.

Alan Rusbridger
Der Ex-Chefredakteur des „Guardian“ beschreibt in „Play it Again– an amateur against the impossible“  (Deutsch: Play it Again – Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten“, Secession-Verlag) wie er versucht, trotz seiner stressigen Arbeit Zeit fürs Klavierspielen zu finden. Ein sehr privates Buch, das daran erinnert, dass man Zeit für etwas finden kann, wenn man nur will.

James Rhodes
Wer mit klassischer Musik nichts anfangen kann, sollte dem britischen Pianisten James Rhodes eine Chance geben und einer Auswahl seiner Stücke auf Soundcloud anhören. Und sein biografischen Buch „Instrumental: Violence, music and love“ lesen – oder zumindest die deutschsprachige Ausgabe „Der Klang der Wut – Wie die Musik mich am leben hielt“ (Nagel&Kimche), die im Februar 2016 erscheinen wird, auf seine Leseliste setzen. In dem Buch, das in Großbritannien erst nach einem Gerichtsverfahren erscheinen durfte, schreibt James  über seine Kindheit, in der er über Jahre vergewaltigt wurde, seine Zeit in der Psychiatrie und darüber, das Musik, klassische Musik, sein Leben gerettet hat. Es ist zutiefst erschütternd, gleichzeitig aber auch witzig und sehr direkt geschrieben. Wer James auf Twitter folgt, wird den Stil wiedererkennen.

Sherlock-Holmes-Pastiches
Anthony Horowitz‘ „Moriarty“ (deutsch: „Der Fall Moriarty“) ist ganz im Stile Arthur Conan Doyles geschrieben. Allerdings hat mir „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (Beide Insel) besser gefallen.
Nur etwas für echte Sherlock-Holmes-Fans ist „Sherlockian“ von Graham Moore.  Der Autor, der das Drehbuch zu „The Imitation Game“ geschrieben hat, taucht hier sehr tief in die Welt des großen Detektivs ein. Eine deutsche Ausgabe habe ich bisher nicht gefunden.

Neuentdeckt
Angharad Price: „Das Leben der Rebecca Jones“ ist ursprünglich auf Walisisch erschienen und wurde vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ein Glück, denn die Geschichte ist wunderbar erzählt und hat ein völlig überraschendes Ende.
Anthony Doerr: „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die man nicht weglegen möchte und die einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Donna Tartt: „The Secret History“ (Deutsch: Die geheime Geschichte, Goldmann) spielt an einem  College in Neuengland, an dem es scheinbar nur um alte Sprachen und Literatur geht. Netter Nebeneffekt: Die Hauptfigur erinnert an Sherlock Holmes.

Zum Immer-Wieder-in-die-Hand-nehmen:
Shaun Usher: Letters of Note II – eine Sammlung von Briefen, die ganz unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben haben und die zum Teil als Faksimile abgedruckt sind. Der erste Teil „Letters of Note – Bücher, die die Welt bedeuten“ ist auch auf Deutsch erschienen. Mehr über die unterschiedlichen Ausgaben des Buchs und über das Projekt „Unbound“, auf dessen Seite man Bücher crowdfunden kann, gibt es hier (auf Englisch).

Sherlock Holmes für Anfänger

Sherlock Holmes ist vielleicht die am meisten bekannte literarische Figur. Das ist auch im deutschsprachigen Raum so und selbst Menschen, die noch nie eine der Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle gelesen haben, wissen etwas mit dem Namen des genialen Detektivs anzufangen. Logisch also, dass es scheinbar ganze Bibliotheken voller Literatur über Sherlock Holmes gibt, wenn auch nicht immer auf Deutsch.

Dass Maria Fleischhack mit „Die Welt des Sherlock Holmes“ eine Ausnahme macht, ist daher löblich  – wenn man auch sagen muss, dass dieses Buch nur etwas für Anfänger ist. Die werden zwar einen guten Überblick über alle Geschichten des sogenannten Canons, die Figuren und ihre Adaptionen bekommen. Das ist aber leider auch schon alles. Denn das Buch wirkt als sei es schnell heruntergeschrieben, zu oft wiederholen sich Inhalte in aufeinanderfolgenden Passagen und einmal scheint es, als habe sich das Schreibprogramm geweigert, Wörter ordentlich durch Leerzeichen zu trennen.

Mögen das noch Flüchtigkeitsfehler sein, so sind aber diese Hinweise schlichtweg mangelnder Recherche geschuldet: Christopher Lee spielt nicht in der 16-teiligen BBC-Serie „Arthur Conan Doyle’s Sherlock Holmes“ aus den 1960er Jahren. Sherlock Holmes wird darin von Douglas Wilmer und von Peter Cushing verkörpert.

„Sherlock“ ist die erfolgreichste Serie der BBC, wie der Sender in seinem Jahresbericht selbst schreibt „and licensed to 224 territories“. Selbst wenn man „territories“ nicht mit „Ländern“ übersetzen mag, so führt die Seite Sherlockoloy.com in einer Übersicht deutlich mehr Länder auf, als die genannten 16, in denen laut Fleischhack „Sherlock“ ausgestrahlt wird. Oder sind da nur die Länder gemeint, in denen „Sherlock“ synchronisiert wird?

Die Behauptung, die vierte Sherlock-Staffel werde 2015 gedreht, mag dem Veröffentlichungsdatum des Buchs im März 2015 geschuldet sein, schließlich wurde in diesem Jahr „nur“ ein Sherlock-Special gedreht und vermutlich zu Weihnachten auf BBC One ausgestrahlt; eine Bestätigung steht aus. Die vierte Staffel jedenfalls wird im Frühjahr 2016 gedreht, wie Steven Moffat bestätigte. Dass die dann zumindest in Großbritannien im gleichen Jahr ausgestrahlt werden wird, ist bisher reine Spekulation.

Fazit: „Die Welt des Sherlock Holmes“ bietet eine erste Übersicht für Sherlock-Holmes-Neulinge. Wer tiefer einsteigen will, sollte es mit dem Buch zur Sherlock-Holmes-Ausstellung im Museum of London „Sherlock Holmes – The Man who never lived and will never die“ versuchen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

Maria Fleischhack: Die Welt des Sherlock Holmes, Lambert Schneider, 24,95 Euro.

„The Sherlockian“ for – Sherlockians

It’s all about diaries. At least the missing one (or a collection of papers) of Arthur Conan Doyle’s that inspired many Sherlockians for years. And it obviously inspired Graham Moore, the script author of the film „The Imitation Game“  to write the lovely novel „The Sherlockian“. As you may guess from the title: it really is a story that only true Sherlock Holmes-fans will appreciate.

He looked down at the tiny silver piece. It was a Victorian-era shilling, worth only five pennies in its day. It would be worth a lot more than that now, and to Harold it was worth a fortune. He blinked away the moisture that had formed in the corners of his eyes. The coin meant that he had arrived. That he had achieved something. That he belonged.

Harold White is a brand new member of the Baker Street Irregulars in New York and bursting with pride and excitement when he joins other members for a meeting. While he suddenly finds himself dealing with the murder of the leading Holmes scholar, he is sure to find the answers to that case in London.

In the London of the 1890/1900s, Arthur Conan Doyle has to deal with fans who wouldn’t accept that the author has killed Sherlock Holmes by throwing him into the Reichenbach Falls.

Arthur Conan Doyle curled his brow tightly and thought only of murder. „I’m going to kill him,“ Conan Doyle said as he folded his arms across his broad frame.

The story switches with every new chapter between modern times and the past and while you sometimes are about to either throw away the book or go straight to the next chapter because you just want to know what Doyle or Harold will do next. But of course you just go on reading simply because this book has hooked you from the beginning. At least if you are a Sherlockian.

Sherlockian

Cover of „The Sherlockian“ Foto: pb

Graham Moore: The Sherlockian, Hachette, 6,10€/ £8,40

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