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Bücher, Filme, Technik und Benedict Cumberbatch – auf Deutsch and in English

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Bücher meines Jahres 2018

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen – in Form von Büchern, die ich im fast abgelaufenen Jahr 2018 gelesen habe. Darunter sind Neuerscheinungen genauso wie Bücher, die mir aus dem ein oder anderen Grund als lesenswert erschienen. Insgesamt habe ich genauso viele Bücher gelesen wie 2017. Erstmals waren zwei Hörbücher dabei.

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Deutsch: 18
Englisch: 20
E-Books: 5 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Aus meinem Bücher-Jahr möchte ich diese empfehlen:

Deutschsprachige Autoren der Gegenwart:
Benedict Wells jüngste Sammlung von Kurzgeschichten “Die Wahrheit über das Lügen” hat nur den Nachteil, dass die Geschichten zu kurz sind –  zu gut und zu spannend sind sie geschrieben. Wer noch nichts von dem 34-jährigen Schriftsteller gelesen hat und erst einmal vorsichtig Kontakt aufnehmen will, sollte zu diesem Band greifen.
Bernhard Schlink und Lukas Hartmann haben  2018 beide Frauen als Hauptfiguren ihrer neuen Romane gewählt. Schlinks “Olga” setzt im Deutschland des 19. Jahrhunderts alles daran, als selbstständige Frau ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In Hartmanns “Ein Bild von Lydia” ist die reichste Frau der Schweiz im Zürich des Jahres 1887 in den Konventionen ihrer Zeit gefangen.

Die Sprache ist egal
jedenfalls wenn es um diese Autoren geht, deren Werke wunderbar ins Deutsche übersetzt wurden:
Ian McEwan ist eigentlich immer lesenswert, auch seine Kurzgeschichten wie “The Daydreamer“, “Der Tagträumer“, die aus der Sicht eines Jungen erzählt sind, der sich am liebsten in andere Personen oder Tiere hineinversetzt.
Matt Haigs “Notes on a nervous planet” erscheint im März unter dem Titel “Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten” bei dtv, wo auch die vorherigen Werke erschienen sind.

Hörbücher
sind eigentlich nicht unbedingt meine Welt, weil ich fürchte, wichtige Passagen zu verpassen. Immerhin habe ich zwei geschafft, was bei einem am Vorleser, beim anderen an einem Kinofilm liegt.
Carlo Rovelli: The Order of Time, vorgelesen von Benedict Cumberbatch  und
Dr. Seuss: How the Grinch stole Christmas, vorgelesen von Walter Matthau.

Ein neuer Privatdetektiv
Cormoran Strike, der in heutigen London unterwegs ist,  ermittelt in seinem mittlerweile vierten Fall “Lethal White”, “Weißer Tod“.  Wie bei anderen Reihen auch, sollte man aber am Anfang beginnen, in diesem Fall mit “Der Ruf des Kuckucks“. Actionfans werden allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, Fans von Donna Leons Commissario Brunetti eher schon.

Worauf ich immer hinweisen muss:
James Rhodes’ jüngstes Buch Fire on all sides, zu dem der britische Pianist auch eine Spotify-Playlist angelegt hat und in dem er beschreibt, welch Anstrengung es ihm unter anderem immer noch kostet, auf die Bühne zu gehen und das zu tun, was er am liebsten tut: Klavierspielen. Wer Lust hat, James live in Deutschland zu erleben, hat 2019 mehrfach die Chance.

Bücher für Weihnachten 2018

Bücher als Geschenke – was für den einen einfallslos sein mag, ist für den  Buchleser der Beweis dafür, dass er sich mit den Vorlieben des zu Beschenkenden auseinandergesetzt hat und aus der schier unerschöpflichen Auswahl an lieferbaren Büchern ein ganz bestimmtes ausgesucht hat. Und wer kurz vor knapp noch ein Geschenk braucht, kann sich damit entschuldigen, dass das Buch noch nicht auf Deutsch erschienen ist und er daher einen Gutschein überreichen muss.

Meine Empfehlungen aus Büchern, die ich heuer gelesen habe (und bei deren Auswahl ich gemerkt habe, wie unterschiedlich sie sind). Die jeweiligen Links führen zu ausführlicheren Blogbeiträgen:

Film-Entdeckung:
Mary Ann Shaffer: Deine Juliet (btb, 9,99 Euro): Als der Film in die Kinos kam, wusste ich nicht, dass er auf einem Buch basiert. “Deine Juliet” erzählt die überraschende Begegnung zwischen der Londoner Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Bücher mit Tiefgang:
Wendy Mitchell: Somebody I used to know (Bloomsbury, ca. 12 Euro; erscheint unter dem Titel “Der Mensch, der ich einst war: Mein Leben mit Alzheimer”, im Juni 2019 auf Deutsch bei  Rowohlt, 12 Euro): Der deutsche Titel nimmt vorweg, um was es in dem Buch geht: Alzheimer – und wie die Autorin Wendy Mitchell damit umgeht und versucht ihr Leben neu darauf auszurichten. Das ist weniger sentimental als gedacht, aber dennoch sehr berührend.

Anthony Doerr: Memory Wall (btb,8 Euro): Unsere Welt, unser Leben besteht aus Erinnerungen, so wie das Leben von Alma Konachenk, die das Gedächtnis verliert und in deren Erinnerungen irgendwo der Hinweis auf ein Fossil versteckt ist.

James Rhodes: Fire on all sides (keine deutsche Übersetzung bisher, Quercus, ab ca. 8 Euro). Der britische Pianist James Rhodes wurde als Kind mehrfach vergewaltigt. Dieses Trauma hat er keineswegs überwunden, wie er erschütternd offen, aber auch gleichzeitig witzig, frech und direkt in “Fire on all sides” schreibt. Unter dem gleichnamigen Titel ist auch ein Album erschienen, das das Buch sozusagen begleitet.

Lieblingsschriftsteller:
Ian McEwan: Der Tagträumer (Diogenes, 10 Euro/The Daydreamer, Vintage, ca. 10 Euro): Die Kurzgeschichten im dünnen Band “Der Tagträumer” (Link führt zu meinem englischsprachigen Beitrag) haben alle die gleiche Hauptfigur: Den Jungen Peter Fortune, der nichts lieber macht als sich in den Körper von anderen Lebewesen zu träumen.

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält (dtv, 20 Euro; How to stop time, Canongate, ca. 8 Euro): Der Roman erzählt die Geschichte von Tom Hazard, der zwar 439 Jahre alt ist – der aber äußerlich nicht altert. Das ist für Albas wie ihm ein Problem, denn natürlich merken die Menschen in seiner Umgebung, dass er anders ist.

Robert Galbraith: Weißer Tod (Blanvalet, 24 Euro, erscheint am 27. Dezember/Lethal White, ab 12 Euro): Der mittlerweile vierte Fall für den Privatdetektiv Cormoran Strike ist genauso spannend und gut geschrieben wie die vorherigen. Kennt der Beschenkte die noch nicht, mag aber Krimis, die zudem noch in London spielen, sollte man zum ersten Band  “Der Ruf des Kuckucks” (Blanvalet 10,99 Euro) greifen.

Bernhard Schlink: Olga (Diogenes, 24 Euro): Olga ist nach den Maßstäben am Ende des 19. Jahrhunderts zwar nur eine Frau. Aber sie weiß genau, was sie will. Selbstständig sein, eine Familie gründen – scheinbar unerreichbare Wünsche für eine Frau in Deutschland, in der immer radikalere Ansichten, die Politik bestimmen werden.

 

 

 

 

Mick Herron: Slow Horses

Ausgemustert und abgeschoben, das sind die Agenten, die Slow Horses – und River Cartwright ist einer von ihnen. Statt im aktiven Dienst in Regent’s Park zu sein, wurde er mit den anderen abgeschoben in eine Dienststelle in der Nähe des Barbican, dem Londoner Kulturzentrum, das ungefähr so hässlich wie groß ist. River ist hier, weil er bei einer Übung nicht verhindern konnte, dass einer der größten Bahnhöfe Londons, King’s Cross, zum Erliegen kommt. Zusammen mit den anderen ausgemusterten Spionen versucht er nicht nur die immer gleiche Routine zu durchbrechen, sondern auch wieder zurückzukommen in den aktiven Dienst.

Mick Herron lässt mit “Slow Horses” den Spionagethriller wieder aufleben, den manche wenn nicht mit dem Ende des Kalten Krieges, so doch spätestens mit den Werken des großen John le Carré für beendet erklärt haben. Dabei beeindruckt der Roman nicht so sehr durch turbulente Szenen, sondern durch eine durchdachte Handlung, die den Charakteren Zeit gibt, sich zu entwickeln.  London-Liebhaber werden als Extra-Bonus bekannte Straßen und Plätze vorfinden. Die wunderbare Arbeit von Stefanie Schäfer lässt einen fast vergessen, dass man eine Übersetzung liest.

 

Mick Herron: Slow Horses, Diogenes, 24 Euro.
Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

“Sherlock” und die Spekulationen

Als Fan der BBC-Serie “Sherlock” hat man es nicht leicht, wenn man im deutschsprachigen Raum lebt. Nicht nur weil das deutsche Fernsehen nach wie vor an der Synchronisation festhält und damit nicht nur die wunderbaren Stimme von Benedict Cumberbatchs Sherlock, sondern auch Dialekte plattmacht. Vom britischen Humor und sonstiger Anspielungen ganz zu schweigen.
Wenn also der Newsletter der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft (DSHG) im E-Mail-Eingang aufploppt, ist für “Sherlock”-Fans meist nichts Aufregendes dabei. Neues schon gar nicht. Im Jüngsten allerdings, datiert vom 3. September (9/2018), gibt es einen Absatz, über den man entweder den Kopf schütteln oder sich aufregen kann. Am besten beides.

Denn die DSHG beteiligt sich an den Spekulationen darüber ob und wenn ja wann sich Macher und Crew zu einer fünften Staffel der erfolgreichen Serie zusammenfinden könnten. Gleichzeitig wird unterstellt, dass Benedict Cumberbatch und Martin Freeman (der John Watson spielt) nicht besonders gut miteinander auskommen würden, “ihr Verhältnis (galt) schon immer als angespannt, während der Dreharbeiten soll eine unterkühlte Atmosphäre geherrscht haben”, schreibt die DSHG und beruft sich auf einen Artikel des Telegraph.

Was aber ist dran an diesen Spekulationen?
Die beiden Hauptdarsteller seien “frosty” schreibt der Telegraph  und beruft sich dabei auf die Sun, die ungefähr so seriös ist wie die Bild-Zeitung. Liest man den Artikel weiter, heißt es, Cumberbatch und Freeman seien keine Freunde, die nach den Dreharbeiten Zeit miteinander verbringen (“Benedict and Martin aren’t mates and they don’t spend time together away from the show”), sagt eine ungenannte Quelle laut Telegraph, der dann auch weiter fröhlich darüber spekuliert, dass es wohl 2018 (der zitierte Artikel ist aus dem Jahr 2017) keine weitere Staffel geben wird.
Und natürlich wird das Telegraph-Interview, in dem Martin Freemans Aussage “Being Sherlock isn’t always fun” (etwa: “In Sherlock zu spielen ist nicht immer ein Spaß”) ebenso zitiert wie Benedict Cumberbatchs Reaktion darauf. Der wiederum hatte ebenfalls im Telegraph gesagt “It’s pretty weak to blame that on fans” (“Es ist ziemlich schwach, den Fans die Schuld zu geben.”). Aber wofür genau soll Martin Freeman nicht den Fans die Schuld geben?

Um was geht es eigentlich?
Hätte die DSHG weiter recherchiert, wäre sie auf den sehr interessanten Artikel des Guardian vom 10. Mai 2018 gestoßen. Hier wird nämlich deutlich, um was es in dieser Angelegenheit geht: Es geht nämlich nicht so sehr um den Kultstatus, den die Serie bei Fans hat und den Bekanntheitsgrad, den vor allem die beiden Hauptdarsteller haben. Aus Sicht der Letzteren muss es freilich zuweilen nervig sein, wenn Fans ihre Idole auf der Straße erkennen und um ein Autogramm oder ein Foto bitten. Und es gibt sicherlich Situationen, in denen eine solche Bitte gerade nicht gelegen kommt oder sogar als unhöflich empfunden wird. Wer als Fan hier seinen gesunden Menschenverstand ausschaltet, muss sich nicht wundern, wenn die Bitte mehr oder weniger deutlich abgelehnt wird.
Nein, Martin Freeman bezieht sich auf eine recht große Gruppe von Fans (die “JohnLockers”), die sich nicht damit abfinden können, dass die vierte Staffel nicht so geschrieben wurde, wie sie es sich vorgestellt haben. Nun ist es völlig legitim, nicht von jeder Folge einer jeden Serie begeistert zu sein, auch wenn es die Lieblingsserie ist. Und auch unter den Fans, die sich selbst nicht den “JohnLockers” zugehörig fühlen, gibt es Kritik an der vierten Staffel, die sich von den vorherigen doch recht deutlich unterscheidet. Dennoch erreicht die Ablehnung eine komplett andere Dimension, wenn Fans Macher und Schauspieler beschimpfen und sogar bedrohen, nur, weil sie unbedingt wollen, dass Sherlock und John ein schwules Paar werden – was weder bei Sir Arthur Conan Doyle noch in “Sherlock” beabsichtigt war und ist. “Me and Ben, we have literally never, never played a moment like lovers. We ain’t f***ing lovers” (“Ich und Ben [Benedict Cumberbatch] haben niemals auch nur einen einzigen Augenblick so gespielt als seien wir Liebhaber. Wie sind verdammt nochmal keine Liebhaber”), sagt Martin Freeman im Radio-Times-Interview und macht klar, dass Vorstellungen, die in diese Richtung gehen, eben nur eines sind: Wunschdenken.

Die Äußerung des Speedy’s-Besitzers
Neben dem Verhältnis von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman zueinander, erwähnt die DSHG auch die Äußerung von Chris Georgiou über eine fünfte Staffel. Georgiou ist der Besitzer von “Speedy’s Café”, über dem Sherlock und Watson in der Serie wohnen und das tatsächlich in der Londoner North Gower Street existiert. Dieser will nun laut Time Out gehört haben, dass es eine fünfte Serie geben wird: “I probably shouldn’t be saying this, ‘but I’ve heard they’ll be coming back for a fifth season.” (“Ich sollte das wahrscheinlich nicht sagen, aber ich habe gehört, dass sie (die Filmcrew) für die fünfte Staffel zurückkommen.”). Abgesehen davon, dass Radio Times offenbar Time Out zitiert, was die DSHG nicht erwähnt, kann man daraus nicht schließen, dass sich die Crew langfristig angekündigt habe. Es heißt lediglich, dass in einer fünften Staffel auch Speedy’s wieder zu sehen sein wird, woran Georgiou natürlich genauso interessiert ist, wie daran “ein freundschaftliches, enges Verhältnis” zu den “Sherlock”-Machern zu haben. Schließlich hat die Serie sein Café zu einem Anlaufpunkt für Fans gemacht.

Was bedeutet das für eine “Sherlock”-Fortsetzung?

Nichts. Wie bei so vielem helfen Spekulationen wie diese nicht weiter. Sicher ist, dass sowohl Benedict Cumberbatch als auch Martin Freeman erst einmal mit anderen Projekten beschäftigt sind. Die Macher Mark Gatiss und Steven Moffat schreiben laut Radio Times (https://goo.gl/oF8qhU)  unter anderem für die BBC eine Dracula-Serie. Fakt ist, dass es keine definitive Aussage darüber gibt, dass es keine neue “Sherlock”-Staffel geben wird, weder von den Machern, noch von der BBC.  Und solange sich die Verantwortlichen nicht in die eine oder andere Richtung äußern, sind Spekulationen wenig hilfreich. Man kann lediglich vermuten, dass nicht zuletzt die BBC (https://goo.gl/oE5nrg und https://goo.gl/4foA4z ) als auftraggebender Sender ein Interesse daran hat, ihre äußerst erfolgreiche Serie fortzusetzen.

Screenshot: Petra Breunig

Der Abschnitt aus dem DSHG-Newsletter Screenshot: Petra BreunigDanke an Cumberlibrary für das Finden der Links.

 

Mary Ann Shaffer, Annie Barrows: Deine Juliet

Bücher sind etwas Wunderbares. Sie spenden Trost, sind ein Zufluchtsort, können Leben retten und Menschen zusammen bringen. Jedenfalls dann, wenn man dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf angehört. Oder wie Juliet von der Existenz dieser Gemeinschaft erfährt, die mindestens genauso interessant ist wie der etwas merkwürdige Name des Literaturclubs. Juliet Ashton, die 32-jährige Schriftstellerin, deren Londoner Wohnung durch Bomben im gerade zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, bekommt einen unerwarteten Brief von einem ihr unbekannten Mann. Dawsey Adams ist Bauer auf Guernsey und hat ihre Adresse aus einem Buch, das Juliet einmal gehört hat. Weil es auf der Kanalinsel keine Buchhandlung gibt, bittet er die frühere Besitzerin seines Buches, ihm eine in London zu nennen, bei der er weitere Werke von Charles Lamb – dem Autor des Buches, aus dem er die Adresse hat – bestellen kann. Aus dieser Gefälligkeit heraus entsteht ein reger Briefwechsel, den Juliet, die eigentlich ein Buch über englische Marotten schreiben soll, so interessant findet, dass sie beschließt, Dawsey und die anderen Mitglieder des Buchclubs, die sie nach und nach durch Briefe kennenlernt, zu besuchen. Juliet will nicht nur mehr über die Menschen und deren Club wissen, sondern auch über die Zeit der deutschen Besatzung auf der Insel.
“Für mich sind diese Leute und ihre Erlebnisse während des Krieges faszinierend und rührend.”
Er bleibt aber nicht der einzige Briefwechsel in “Deine Juliet”, denn in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sind Briefe, Telegramme und seltene Telefonate die einzige Möglichkeit, mit weit entfernt lebenden Menschen in Kontakt zu bleiben. Und so korrespondiert Juliet nicht nur mit Dawsey und den anderen Mitgliedern des Buchchlubs, sondern auch mit ihrem Verleger und gutem Freund Sidney Stark und dessen Schwester Sophie. Mary Ann Shaffer hat mit “Deine Juliet” einen Briefroman geschrieben, der so manchen Leser wegen der eher ungewöhnlichen Form abschrecken mag. Das wäre bedauerlich, denn der Roman, den die todkranke Mary Ann Shaffer nur mit Hilfe ihrer Nichte Annie Barrows fertigstellen konnte und dessen Erfolg sie nach dem Erscheinen der englischsprachigen Ausgabe 2008 (unter dem Titel “The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society” bei Bloomsbury) nicht mehr erlebte, hat einen ganz besonderen Charme, der perfekt passt zu einer Geschichte über Bücher, Liebe, der Frage nach dem Sinn des Lebens und liebenswerten Charakteren, die man am liebsten sofort auf Guernsey besuchen möchte. Bis man das schafft, hilft die Lektüre des Buches, die zum Glück in einer sehr guten Übersetzung vorliegt –  und der Gang ins Kino, wo der Film gerade mit Lily James als Juliet läuft.   Mary Ann Shaffer, Annie Barrows: Deine Juliet. btb, 9,99 Euro. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Ralf Nestmeyer: Die Toten vom Mont Ventoux

Um es gleich zu schreiben: Ich bin weder Sportfan noch frankophil, und wenn ich Krimis lese, dann eher italienische, britische oder schwedische. Deshalb habe ich “Die Toten vom Mont Ventoux” durchaus skeptisch zur Hand genommen, aber ich war neugierig, was Ralf Nestmeyer, dessen Reiseführer ich  schätze, geschrieben hat. Und ich wurde angenehm überrascht.

Angenehm überrascht, weil der Roman mehr ist als ein reiner Krimi. Freilich gibt es die – man möchte schreiben – obligatorischen Toten und natürlich werden die Morde aufgeklärt. Doch der Leser erfährt auch eine ganze Reihe über den Radsport, vor allem natürlich die Tour de France und über die idyllische Provence, in der Capitaine Olivier Malbec seit einiger Zeit lebt.

“Seit er nach Calmont-les-Fontaines gezogen war, liebte Malbec diesen Bummel über den Wochenmarkt. (…) Am Käsestand hatte man die Wahl zwischen zahlreichen Sorten Ziegen- und Schafskäse. Nur hier bekam er einen Brousse du Rove (…), der nach dem Ort Le Rove in den westlich von Marseille gelegenen L’Éstaque-Bergen benannt war.”

Überhaupt ist Malbec einer jener Kommissare, die eigene Persönlichkeiten mit einem Privatleben sind, Probleme haben und von denen man wissen möchte, wie es nach der Aufklärung des Mordfalls und dem Ende des Buchs weitergeht. Vielleicht wird Malbec ähnlich wie Donna Leons  Guido Brunetti, Robert Galbraiths Cormoran Strike  oder Henning Mankells Kurt Wallander Kult werden. Es wäre ihm und den Lesern zu wünschen.

 

Ralf Nestmeyer: Die Toten vom Mont Ventoux, Emons, 11,90 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Empfehlenswert ist auch Ralf Nestmeyers London-Reiseführer, der im Michael-Müller-Verlag erschienen ist und den man über diesen Partnerlink bestellen kann.

Angelesen: Ben Aaronovitch: Geister auf der Metropolitan Line

London, Verbrechen, ein Bobby – und etwas Magie, das ist der Stoff, aus dem die Romane von Ben Aaronovitch sind. Im mittlerweile siebten Band “Geister auf der Metropolitan Line” muss sich Constable Peter Grant mit Geistern beschäftigen, die in der Londoner Tube ihr Unwesen treiben. Nur gut, dass Grant auch Zauberlehrling ist. Seine Polizeiuniform verhilft ihm darüberhinaus auch zur Rushhour zu etwas mehr Bewegungsfreiheit, vielleicht weil die Pendler meinen, es bringe Unglück, einen Polizisten zu berühren? Wer eine Mischung aus Krimi und Fantasy, gewürzt mit dem Flair der britischen Hauptstadt mag, der wird  diese Geschichte um Peter Grant lieben. Wer den Kriminalisten noch nicht kennengelernt hat, sollte aber besser mit dem ersten Band der Reihe beginnen.

 

Ben Aaronovitch: Geister auf der Metropolitan Line, dtv, 8,95 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Ian Mc Ewan: The Daydreamer

Frequent visitors of my blog (hello again if you are one) or those you follow me on social media especially on Twitter (hiiii, nice to meet you over here) know that I have a soft spot for the British author Ian McEwan ever since I stumbled upon the film “Atonement” and decided to read the German translation of the book (for those of you moaning: I got my hands on the English one later as well). It not only offered the opportunity to dive into the novel the film is based upon (and of course a certain actor named Benedict Cumberbatch) but also introduced me to an author I’ve never heard of before (to my defence I’m not British, although this isn’t a good excuse given the fact that his works are available in wonderful German translations published by Diogenes.) Being late to the party isn’t that bad in this particular case because I don’t have to wait impatiently for the next book to be published (of course I do) but instead in every book shop I’m happily strolling to the shelves where Ian McEwan’s works are sitting and pick up the one that is lacking on my shelf.

“They thought he was difficult because he was so silent. That seemed to bother people. (…) He liked to be alone and think his own thoughts.”

My latest one therefore is “Daydreamer” which followed me from Waterstones Piccadilly (one of my beloved places in London) and which I finished only recently. Although it is a small one, the book is a collection of short stories that are  connected through the main figure Peter Fortune. The ten year old boy is the daydreamer, a silent boy that prefers to be on his own, reading and imagining the stories in the book. But Peter not only is imagining the stories, he always is part of them and tells them from his point of view. So when he dreams himself in being the  old cat William, he literally becomes the furry animal that has lived with Peter, his sister and his parents ever since William has been a young cat.

“It was the oddest thing, to climb out of your body, just to step out of it and leave it lying on the carpet like a shirt you had just taken off.”

Eventually Peter and William the cat will change bodies again in the end which is a sad one. But the story – and the six others – are so well written and intriguing that you sigh with delight and relief because even if there isn’t a happy end, there is too much joy in reading especially this story and the other. And the only sad thing about Ian McEwan’s short stories is – that they are too short.

Ian McEwan: Daydreamer, Vintage, 7,99 £

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält

439 Jahre. So alt ist Tom Hazard und als ob das noch nicht genug ist, altert Tom äußerlich nicht. Genau das ist das Problem für Menschen wie ihn, die Albas, denn je mehr Monate und Jahre ins Land gehen, umso auffälliger ist, dass die Zeit scheinbar spurlos an ihnen vorüber geht. Deshalb zieht Tom alle acht Jahre dorthin um, wo ihn niemand kennt und nimmt eine neue Identität an. Das geht so lange gut, so lange Tom keine Beziehung eingeht: “Die erste Regel lautet, du darfst nicht lieben”, sagt ihm Hendrich, der Chef der Alba-Gesellschaft, der mit seinen zahlreichen Kontakten dafür sorgt, dass Tom in London ein Leben als Geschichtslehrer führen kann, dort, wo er vor Jahrhunderten die Frau gefunden hat, die er aufrichtig geliebt hat und noch immer liebt.

“Die Vergangenheit bestand fort und klang weiter mit, während die Moderne voranstürmte.”

Matt Haigs neuester Roman “Wie man die Zeit anhält” ist eine Mischung aus Märchen, Science-Fiction und philophischen Gedanken über die Menschen und die Welt, in der sich leben. Doch es wäre kein Werk von Matt Haig, wenn es nicht auch eine wunderbare Erzählung wäre, die auf ihre ruhige und unaufgeregte Art vom ersten Satz an Neugierde weckt und den Leser in eine Handlung zieht, die man am liebsten auf einmal lesen würde – weil sie tief berührt, ohne kitschig zu sein, weil sie witzig ist und traurig. Und weil Matt Haig ein großartiger Erzähler ist, dessen Können durch die liebevolle Übersetzung von Sophie Zeitz nicht geschmälert wird.

“Jeder würde erleben, dass es nur eine Sache gibt, die den Menschen ausmacht, und das ist die Menschlichkeit.”

Das Buch wird mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle verfilmt, wie Matt Haig auf Twitter  (Englisch) unter Berufung auf Variety (Englisch) mitteilte.

Mehr über Matt Haig gibt es hier.

Matt Haig: Wie man die Zeit anhält, dtv, 20 Euro.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

You can find my verdict of “How To Stop Time” here.

Von der South Bank aus den Blick genießen

Von Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss bis hin zu Gegenden, die man als Neuling eher nicht auf der Liste hat, hat Ralf Nestmeyer für jeden London-Touristen Tipps bereit.

London ist zu groß und faszinierend, um sich die Stadt in einem Tag zu erschließen. Welche Tipps haben Sie aber dennoch für jemanden, der zum ersten Mal und nur für 24 Stunden in London ist?
Das ist keine leichte Frage. Ich würde vorschlagen, einen Spaziergang am Südufer der Themse zu unternehmen. Die South Bank genoss lange Zeit einen eher schlechten Ruf. Hier standen die lasterhaften Theater, an denen heute noch der Nachbau des Shakespeares Globe Theater erinnert, in den Schenken und auf den Straßen warteten die Prostituierten auf Kundschaft. Auch städtebaulich ist das Südufer lange Zeit vernachlässigt worden, erst durch die Tate Gallery of Modern Art oder den Bau des gläsernen Shard-Wolkenkratzer wurde das kleinbürgerliche Südufer aufgewertet. Zudem hat man der South Bank einen wunderbaren Blick auf die City, St. Paul’s Cathedral und die Londoner Skyline. Madame Tussaud ist hingegen überbewertet, da lässt sich der Eintrittspreis besser in ein leckeres Menüs investieren.

Wer regelmäßig kommt, hat immer noch nicht alles gesehen – was empfehlen Sie dem erfahrenen London-Touristen?
Das Geffrye Museum in Shoreditch beispielsweise. Untergebracht in einem 1714 errichteten Armenhaus samt modernem Erweiterungsbau, führt das Museum den Wandel der bürgerlichen Wohnkultur von der elisabethanischen Zeit bis in die Gegenwart vor Augen. Holzgetäfeltes neben innovativem Design. Nur wenige kennen auch das in einem georgianischen Zuckerspeicher in Greenwich gelegene Museum of Docklands. Es erinnert eindrucksvoll, dass die Themse jahrtausendelang die wichtigste Lebensader der Stadt war. Vom Alltag der Dockarbeiter bis zur Sklaverei spannt sich der Bogen der faszinierenden Dauerausstellung. Zuletzt noch ein Spaziergang durch Hampstead Heath, eine riesige Grünanlage mit Weihern, Grashügeln und kleinem Wald, selbst drei Badeseen gibt es. Man will es gar nicht glauben, wie ländlich London sein kann. Von dort ist es nur ein Katzensprung zum Highgate Cemetery. Die alten Steingrabmäler sind mit Efeu und Farnen überzogen, dazwischen schlängeln sich schmale Pfade hindurch. Immer wieder stößt man auf beeindruckende Mausoleen und Katakomben. Auch das monumentale Grabmal von Karl Marx findet man hier.

Jeder Stadtteil hat sein typisches Flair – welcher ist Ihr Favorit?
Ich mag das East End. Jack the Ripper treibt schon lange nicht mehr sein Unwesen. Im Gegenteil: Das East End erlebt derzeit einen tiefen Wandel, zusammen mit den angrenzenden Stadtteilen Shoreditch und Hoxton gilt es als eines der beliebtesten Londoner Szeneviertel. Es gibt noch immer alte Fabrikhallen, verwilderte Grundstücke, viel Graffiti und den Brick Lane Market, aber auch die Gentrifizierung ist in vollem Gange. Fast wöchentlich eröffnen neue Clubs und coole Bars. Dies führt allerdings dazu, dass durch die hohen Mietpreise die alten Geschäfte und die zumeist aus Bangladesch stammenden Immigranten verdrängt werden.

Der eine London-Fan besucht immer Borough Market, der andere die Tower Bridge oder – wie ich – die Houses of Parliament mit dem Elisabeth-Tower. Was ist Ihre Lieblingsort oder Lieblingssehenswürdigkeit, die Sie jedes Mal besuchen, wenn Sie in London sind?
Witzig. Der Borough Market gehört auch zu meinem Pflichtprogramm. Außerdem gehe ich jedes Mal in den auf Reiseliteratur spezialisierten Daunt Bookshop sowie in Europas größte Buchhandlung: Waterstones am Piccadilly Circus. Bei jeder Recherche schaue ich auch im Churchill Arms vorbei. Das Churchill sieht von außen aus wie ein ganz gewöhnliches Pub, doch wird im grün bepflanzten Hinterzimmer (wie auch im Pub) überraschenderweise eine hervorragende Thaiküche zu günstigen Preisen serviert. Und selbst wer nur Pub-Atmosphäre schnuppern will, wird nicht enttäuscht sein, der Laden ist abends immer voll.

 

Ralf Nest­mey­er ist His­to­ri­ker und lebt seit 1995 als frei­er Autor in Nürn­berg. Vom ihm ist unter anderem der Reiseführer London im Michael-Müller-Verlag erschienen.  Wer mag, kann den Reiseführer über diesen Partnerlink direkt beim Verlag bestellen.

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