Schlagwort: Bücher (Seite 1 von 2)

Bücher meines Jahres 2019

Bilanz zu ziehen am Ende eines Jahres gehört irgendwie dazu – für mich ist es die Bilanz über die Bücher, die ich im zu Ende gehenden Jahr 2019 gelesen habe. Im Vergleich zu 2018 habe ich tatsächlich ganze zehn Bücher mehr gelesen. Liegt es daran, dass ich mehr Bücher auf Deutsch gelesen habe oder schlicht daran, dass die Bücher nicht zu dick waren?

Meine Bilanz:
Gesamt: 46
Deutsch: 27
Englisch: 19
E-Books: 7 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Woran ich mich gerne erinnere
Kate Connolly: Exit Brexit – inmitten all der Irrungen und Wirrungen, in denen ich mehr über die britische Demokratie und deren parlamentarische Gewohnheiten (inklusive Mr Speaker John Bercow)  gelernt habe, als mir mitunter lieb war, bleibt das wunderbare Buch der deutschen Korrespondentin des Guardian ein liebenswerter Einblick in einen deutsch-britischen Haushalt. Und das Versprechen, dass die beiden Länder mehr verbindet als trennt.
Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft: Zugegeben, die Erinnerung von Hape Kerkeling habe ich erst gelesen, nachdem ich den wunderbaren gleichnamigen Film gesehen habe. Geliebt habe ich beides. Denn man lacht, man weint, man schüttelt den Kopf, nickt wissend und fühlt sich bestens unterhalten.
Tom Mole: The Secret Life of Books – weil man es mehrmals lesen muss, um die vielen interessanten Fakten über Bücher und weshalb sie uns begleiten, zu behalten.
Astrid Ruppert: Leuchtende Tage: Ein Roman über Frauen der Familie Winter, der ein vielversprechender Auftakt einer Trilogie ist, mit der man gerne Nachmittage verlesen will.
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten ist das beste Beispiel für ein Buch, das ich ohne den entsprechenden Buchtipp nie gelesen hätte.

Neue und alte Begleiter
Die Autoren Donna Leon, Ian McEwan und Lukas Hartmann, ihre Werke und Figuren begleiten mich seit Jahren. Relativ neue Bekannte sind André Aciman und Robert Galbraith.

Bücher für Weihnachten 2019

Es soll ja Leute geben, für die Bücher als Geschenke nicht in Frage kommen. Sei es, weil sie selber weder lesen noch überhaupt einen Bezug zu Büchern haben, sei es weil sie keinen zu Beschenkenden haben, der sich über Bücher freuen würde. Für mich – und hoffentlich auch für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs (Danke!) – sind Bücher etwas Wunderbares und als Geschenke immer willkommen.  Wer noch auf der Suche nach einem Buch ist, wird vielleicht hier fündig:

Neuentdeckung:
Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten  (dtv, 25 Euro) ist die Geschichte der Familie Sorensen. Die Eltern Marilyn und David sind nach 40 Ehejahren immer noch ineinander verliebt – ein Vorbild, das für ihre Töchter nicht immer leicht zu ertragen ist. Claire Lombardos Erstlingswerk ist ein wunderbarer Schmöker, leicht und dennoch nicht banal erzählt, den man nur ungern aus der Hand legt.

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage (dtv, 15,90 Euro) ist das, was man landläufig als “Frauenroman” bezeichnet, denn er erzählt die Geschichte der Frauen der Familie Winter über drei Generationen hinweg. Der erste Band einer Trilogie hat nur den Fehler, dass die Folgebände noch nicht erschienen sind.

Tom Mole: The Secret Life of Books (Elliott & Thompson, 16,40 Euro) – das es meines Wissens nicht auf Deutsch gibt – ist das Geschenk für den Buchliebhaber unter den Freunden, der bestimmt das ein oder andere lernen wird, das er noch nicht über Bücher gewusst hat.

Wiederbegegnung:
André Aciman: Fünf Lieben lang (dtv, 22 Euro): Wer  “Call me by your name – Ruf mich bei Deinem Namen” liebt, wird auch dieses Buch lieben, das aus fünf unterschiedlich langen Geschichten besteht.

Lieblingsschriftsteller:
Keine Buchtipps ohne einen Hinweis auf  Ian McEwan, dessen “Kakerlake“(19 Euro) gerade erst erschienen ist. Alle seine Bücher sind bei Diogenes in durchweg sehr guten Übersetzungen erhältlich.
Fehlen dürfen auch nicht Lukas Hartmann, der in diesem Jahr “Der Sänger” (Diogenes, 22 Euro) vorgelegt hat und Bernhard Schlink, dessen neuester Roman “Olga” heißt.
Wer London und Detektivromane mag, für den sind Robert Galbraiths Cormoran-Strike-Romane ein passendes Geschenk. Anfangen sollte man  mit dem ersten Band der Reihe “Der Ruf des Kuckucks” (Randomhouse, 10,99 Euro) und unbedingt die Verfilmung (unter dem Titel “Strike”) mit Tom Burke in der Hauptrolle anschauen.
Bisher nur auf Englisch erschienen ist “Playlist” (Wren & Rook, ca. 29 Euro) des wunderbaren James Rhodes.  Der englische Pianist bringt seinen Lesern auf seine ganz eigene Weise klassische Musik im wahrsten Sinne des Wortes nahe – ganz ohne schwarzem Anzug und Fliege.

Bücher meines Jahres 2018

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen – in Form von Büchern, die ich im fast abgelaufenen Jahr 2018 gelesen habe. Darunter sind Neuerscheinungen genauso wie Bücher, die mir aus dem ein oder anderen Grund als lesenswert erschienen. Insgesamt habe ich genauso viele Bücher gelesen wie 2017. Erstmals waren zwei Hörbücher dabei.

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Deutsch: 18
Englisch: 20
E-Books: 5 (auf dem Tolino gelesen)
Hörbücher: 2

Aus meinem Bücher-Jahr möchte ich diese empfehlen:

Deutschsprachige Autoren der Gegenwart:
Benedict Wells jüngste Sammlung von Kurzgeschichten “Die Wahrheit über das Lügen” hat nur den Nachteil, dass die Geschichten zu kurz sind –  zu gut und zu spannend sind sie geschrieben. Wer noch nichts von dem 34-jährigen Schriftsteller gelesen hat und erst einmal vorsichtig Kontakt aufnehmen will, sollte zu diesem Band greifen.
Bernhard Schlink und Lukas Hartmann haben  2018 beide Frauen als Hauptfiguren ihrer neuen Romane gewählt. Schlinks “Olga” setzt im Deutschland des 19. Jahrhunderts alles daran, als selbstständige Frau ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In Hartmanns “Ein Bild von Lydia” ist die reichste Frau der Schweiz im Zürich des Jahres 1887 in den Konventionen ihrer Zeit gefangen.

Die Sprache ist egal
jedenfalls wenn es um diese Autoren geht, deren Werke wunderbar ins Deutsche übersetzt wurden:
Ian McEwan ist eigentlich immer lesenswert, auch seine Kurzgeschichten wie “The Daydreamer“, “Der Tagträumer“, die aus der Sicht eines Jungen erzählt sind, der sich am liebsten in andere Personen oder Tiere hineinversetzt.
Matt Haigs “Notes on a nervous planet” erscheint im März unter dem Titel “Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten” bei dtv, wo auch die vorherigen Werke erschienen sind.

Hörbücher
sind eigentlich nicht unbedingt meine Welt, weil ich fürchte, wichtige Passagen zu verpassen. Immerhin habe ich zwei geschafft, was bei einem am Vorleser, beim anderen an einem Kinofilm liegt.
Carlo Rovelli: The Order of Time, vorgelesen von Benedict Cumberbatch  und
Dr. Seuss: How the Grinch stole Christmas, vorgelesen von Walter Matthau.

Ein neuer Privatdetektiv
Cormoran Strike, der in heutigen London unterwegs ist,  ermittelt in seinem mittlerweile vierten Fall “Lethal White”, “Weißer Tod“.  Wie bei anderen Reihen auch, sollte man aber am Anfang beginnen, in diesem Fall mit “Der Ruf des Kuckucks“. Actionfans werden allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, Fans von Donna Leons Commissario Brunetti eher schon.

Worauf ich immer hinweisen muss:
James Rhodes’ jüngstes Buch Fire on all sides, zu dem der britische Pianist auch eine Spotify-Playlist angelegt hat und in dem er beschreibt, welch Anstrengung es ihm unter anderem immer noch kostet, auf die Bühne zu gehen und das zu tun, was er am liebsten tut: Klavierspielen. Wer Lust hat, James live in Deutschland zu erleben, hat 2019 mehrfach die Chance.

Bücher meines Jahres 2017

Am Anfang eines neues Jahres ist es Brauch zurückzublicken – auch auf die Liste gelesener Bücher.
Meine Bilanz sagt mir, dass ich im Vergleich zum Vorjahr  ein Buch weniger gelesen habe. Ich tröste mich damit, dass ich 2017 ein paar dicke Wälzer gelesen habe. Und außerdem warten, während ich diese Zeilen schreibe, drei Bücher darauf, dass ich sie aufschlage und weiterlese. (Was die immerwährende Frage aufwirft, was die Figuren in den Romanen so treiben, wenn das Buch nicht gelesen wird.)

Meine Bilanz:
Gesamt: 38
Englisch: 14
Deutsch: 24
E-Bücher: 4 (nur eines auf dem Kindle gelesen, nur eines auf Englisch)

Am besten gefallen haben mir diese Bücher – wie immer rein persönlich und ohne Anspruch darauf, die Welt der Feuilletonisten zu erschüttern (naja, vielleicht ein kleines bisschen).

Meine Entdeckung:
Matt Haig: sein Kinderbuch “Das Mädchen, das Weihnachten rettete” ist eine wunderbare Weihnachtsgeschichte. Das Buch selbst ist liebevoll ausgestattet und ein echter Hingucker.
“How To Stop Time” ist ein Tipp für alle, die etwas für Mystery, Zeitreisen und eine Liebesgeschichte übrig haben. Wer das Buch nicht auf Englisch lesen kann oder mag, kann sich vormerken, dass im Frühjahr die deutsche Übersetzung unter dem Titel “Wie man die Zeit anhält” im dtv  erscheinen wird.
In “Reasons to stay alive”(Deutsch: “Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben”, dtv) beschreibt Matt Haig erschütternd offen und berührend wie es ist, mit einer Depression zu leben und zu überleben. (Es hat mich an Uwe Hauck: “Depression abzugeben” erinnert)
“Ich und die Menschen” ist die witzige und entwaffnende Geschichte eines Außerirdischen, der im Körper eines Mathematikprofessors die Menschen beobachtet – und eines dieser Bücher, das man am liebsten auf einmal lesen möchte.

Alte Freunde:
Ian McEwan: The Child in Time habe ich noch einmal gelesen, um mich auf die BBC-Verfilmung mit Benedict Cumberbatch vorzubereiten. Und die Geschichte um das Verschwinden eines kleinen Mädchens ist auch beim zweiten Mal berührend.
Donna Leon: Stille Wasser:  Das alljährliche Treffen mit dem venezianischen Commissario Guido Brunetti war auch 2017 liebenswert und beste Unterhaltung. Wer noch nie einen Krimi dieser Reihe gelesen hat, sollte am besten mit dem ersten Band “Venezianisches Finale” einsteigen.
Sherlock  – The Essential Arthur Conan Doyle Adventures – zusammengestellt von den Sherlock-Erfindern Mark Gatiss und Steven Moffat ist nicht nur für Fans der britischen Fernsehserie interessant. Wer noch nie eine Originalgeschichten gelesen hat, aber wissen will, was hinter der Serie steckt, findet dank der Vorworte einen guten Einstieg.

Für London-Fans:
Peter Ackroyd: London – The Concise Biography (deutsch: “London – Die Biographie”, erschienen im Albert-Knaus-Verlag) ist eine historische Fundgrube, die so gut wie alles behandelt, was in dieser faszinierenden Stadt passiert ist.
Anette Dittert: London Calling: Eine Liebeserklärung an die britische Hauptstadt, die hoffentlich auch nach dem Brexit gleichermaßen faszinierend, verrückt und liebenswert bleibt.
Und wer einen Reiseführer sucht, der sollte zum “MM-City London” gut greifen. Mein Blogbeitrag enthält auch einen Partnerlink zur Bestellseite des Verlags, die auch hier zu finden ist.

 

Die App Papego

Die Idee ist so einfach wie genial. Was, wenn ich ein Buch, das ist gerade anlog – also als gedrucktes Buch – lese, einfach auf meinem Smartphone oder Tablet weiterlesen könnte? An genau der Stelle, an der ich das Buch zugeklappt habe? Was bisher nur umständlich funktionierte, wenn man neben dem Buch auch noch dessen E-Book-Version gekauft und sich mehr oder weniger schnell zu der Stelle durchgescrollt hat, an der man weiterlesen möchte, erledigt die App Papego.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Verlage ihre Bücher für die App, die von der Hamburger briends gmbh in Zusammenarbeit mit Thalia entwickelt wird, freigeben – und dass die Leser darüber informiert werden, dass sie das gekaufte Buch auch digital lesen können. In meinem Fall war es zusätzlich zum Aufkleber auf der Folie, in die Klaus Cäsar Zehrers “Das Genie” (Diogenes) eingeschweißt war, noch ein Lesezeichen, das mich endgültig neugierig gemacht hat. “Lesen Sie jetzt wie Sie wollen” heißt es da. Was es mit dem Papego-Logo neben dem roten Diogenes-Schriftzug auf sich hat, wird auf der Rückseite ebenso erklärt wie die Handhabung der App, die man im Apple– und Google-Store herunterladen kann.

Erst scannen, dann lesen

Nach dem Installieren muss man lediglich die Seite das Papego-fähige Buchs scannen, auf der man digital weiterlesen will. Dass man das im Querformat tun muss und darauf achten soll, dass eine bestimmte Anzahl von Zeilen gescannt werden, zeigt die App, ehe sich nach dem erfolgreichen Scannen das Fenster schließt. Nach einer kurzen Zeit, in der die nächsten gut 100 Seiten heruntergeladen werden, öffnet sich die Seite, deren Anfang man gerade gescannt hat,  auf dem Smartphone oder Tablet. Die anfängliche Verwirrung, den Zeilen- oder Satzanfang zu finden, an dem man weiterlesen möchte, klärt sich schnell auf, denn in geschweiften Klammern sind im Text selber die Seitenzahlen des Buches zu finden, so dass man sich leicht orientieren und hin- und herspringen kann, obwohl die erste Zeile oben auf der virtuellen Seite nicht die gleiche ist wie die im gedruckten Buch. Zusätzlich werden jeweils unten die aktuelle Seitenzahl und die noch verbleibenden Seiten angezeigt.

Als Android-Nutzer kann ich das Verhalten der App auf Apple-Geräten nicht beurteilen. Auf meinem Nexus 7 mit Android 6.0.1 funktioniert die App ohne Hakeln. Lediglich beim schnellen Durchblättern wird die nächste Seite mit einer leichten Verzögerung dargestellt, was aber beim Lesen nicht auffällt. Auf meinem Pixel 5 mit Android 8.0.0 sind diese Verzögerungen praktisch nicht vorhanden. Die Darstellung ist im Vergleich zu anderen Lese-Apps – wie etwa der Kindle oder der von mir favorisierten Google-Play-Books – minimalistisch. Denn die Einstellungen ermöglichen es lediglich die Schriftgröße zu variieren. Der Zeilenabstand oder die Farbe des Hintergrunds können ebenso wenig verändert werden wie die Helligkeit innerhalb der App.

Fazit: Wer den dicken Schmöker nicht mitnehmen, aber nicht aufs Weiterlesen verzichten will, der sollte die kostenlose App ausprobieren. Zumindest solange bis man sich zum gedruckten Buch für wenig Geld auch die digitale Version dazukaufen kann. Freilich: perfekt wäre es, wenn man entweder auf seinem E-Reader oder in einer ohnehin schon vorhandenen App weiterlesen könnte. Und wenn noch mehr Bücher auf dieser Weise greifbar wären.

Eine Seite aus “Das Genie” im gedruckten Buch und in der Papego-App auf dem Nexus 7. Foto: Petra Breunig

Das Lesezeichen, das auf die App hinweist. Foto: Petra Breunig

 

Ach, hört doch auf!

Verallgemeinerungen regen mich auf. Denn es gibt weder die Netzgemeinde (die sich in diesem Internet ausnahmslos über ein Thema aufregt) noch die Frauen (die keine Ahnung von Technik haben) oder die Männer (die alle Fußballfans sind). Und es gibt schon gleich gar nicht Blogger im allgemeinen, die allesamt nicht schreiben können und Buchblogs, die außer Wohlfühlatmosphäre und Kitsch nichts weiter verbreiten, wie die Zeit kürzlich in ihrem Beitrag “Literatur als Deko-Soap” schreibt.

Es mag ja sein, dass sich nicht alle Blogs auf höchstem literarischen Niveau bewegen. Weshalb sollten sie das auch? Aber was berechtigt bitte jemanden,  das, was andere aus Leidenschaft tun, abzuwerten? Denn genau das ist Lesen und die Beschäftigung mit Büchern nämlich: eine Leidenschaft, die dank der modernen Technik eben ihren Niederschlag in Buchblogs findet – und wer auch noch auf  Instagram oder Facebook (beide sind böse, weil Internet) unterwegs ist, postet dort eben einen Link zu seinem Beitrag oder ein entsprechendes Bild. Dass Bücher  nicht verrissen werden, liegt daran, dass es um Buchtipps, also Empfehlungen, geht und nicht darum, ein Haar in der Suppe zu finden, sprich ein gutes Buch zu verreißen, weil man das so macht im deutschen Feuilleton. Denn wer von einem Buch begeistert ist und vielleicht noch  gute Gründe  dafür anführt, dem sollte man sicherheitshalber nicht über den Weg trauen und ihn als Lese-Enthusiasmierten bezeichnen, der den Blogbeitrag mit einer Tasse, in der farblich passender Tee dampft, illustriert.

Dass ich auf meinem Blog Buchfotos nicht so hübsch arrangiere wie das andere tun, liegt daran, dass ich nicht fotografieren kann und es mir mehr auf das Buchcover ankommt. Wer weiß, vielleicht überlege ich mir das aber noch, nur um Kritiker aufzuregen 😉

 

Bücher für den Sommer

Wenn der Jahresurlaub naht, überlegen sich auch Wenigleser, welche Bücher sie mit in den Urlaub nehmen wollen. Und auch wenn mittlerweile diverse Lese-Apps die von Werbemenschen gern zitierte Bibliothek in die Hosentasche befördern, so nehmen doch viele lieber das günstigere Buch mit an den Strand statt das teure Tablet. Wahlweise (und wegen der leichteren Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht) gerne auch einen E-Reader wie den Tolino). Was also lesen? Vielleicht eines dieser Bücher:

Berührend
Ian McEwan: The Child in Time (deutsch: Ein Kind zur Zeit, Diogenes, 12 Euro): Stephen und Julie führen ein perfektes Leben bis die dreijährige Tochter Kate beim Einkaufen im Supermarkt plötzlich verschwindet. Der Alptraum aller Eltern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihr weiteres Leben erzählt Ian McEwan mit viel Gefühl, aber ohne sentimentalen Kitsch. Mein ausführlicher Buchtipp steht hier.

Spannend
Robert Galbraith: The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet, 9,99 Euro): Der Privatdetektiv Cormoran Strike  beschäftigt sich mit dem tragischen Tod des berühmten Models Lula Landry, das von seinem Balkon im Londoner Mayfair in den Tod stürzt. Und damit, dass er sich eigentlich keine Sekretärin leisten kann. “Der Ruf des Kuckucks” ist der erste Band einer vorerst dreiteiligen Krimireihe, auf die ich schon mal hingewiesen habe.

Rosa
Martin Suter: Elefant (Diogenes, 24 Euro): Ein kleiner rosa Elefant tritt plötzlich in das Leben des Obdachlosen Schoch – und der Leser muss herausfinden, ob das kleine Wesen echt ist oder nur eine Rauschfantasie. Mehr zum Buch steht hier.

Ein Klassiker:
Stefan Zweig: Die großen Erzählungen (dtv, 9,90): Wer den Schriftsteller Stefan Zweig schon immer mal entdecken wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat, sollte zu dieser Ausgabe greifen, die unter anderem auch  “Die Schachnovelle” enthält und über die ich hier etwas ausführlicher geschrieben habe.

Bücher meines Jahres 2016

Es ist wieder Zeit, Bilanz zu ziehen  und zu schauen, welche Bücher ich in diesem Jahr gelesen habe. Meine ganz persönliche Statistik zeigt, dass ich 2016 fünf Bücher mehr gelesen habe als im Vorjahr, was vielleicht daran liegt, dass ich die vergleichsweise kurzen Stücke von William Shakespeare gelesen habe. Erstmals habe ich auch mehr Bücher auf Englisch als auf Deutsch gelesen – auch daran ist der große englische Dramatiker schuld und ein neuer Detektiv, den ich für mich entdeckt habe.

Meine Bilanz:
Gesamt: 39 Bücher
Englisch: 21
Deutsch: 18
E-Books: 4 – neben dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Kindle und meinem treuen N7 habe ich mittlerweile auch einen Tolino

Klare Leseempfehlungen gebe ich für diese Bücher. Aber Obacht: Bei meiner Auswahl habe ich weder Wert auf neue Bücher noch auf sogenannte wertvolle Lektüre wert gelegt:

Alte Freunde:
Henning Mankell: “Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein” und “Die schwedischen Gummistiefel” (beide bei Zsolnay erschienen) sind keine leichte Unterhaltung. In beiden geht es um das Altern, das Älterwerden und den Verlust von Freunden, aber auch von Fähigkeiten, die mit dem Verfall des Körpers einhergehen. Beide Bücher sind Mankells Vermächtnis und weder tieftraurig noch anklagend. Wer Mankell mag, muss sie lesen.

Ian McEwan: “Nussschale” (“Nutshell”). In seinem jüngsten Roman lässt der englische Schriftsteller ein ungeborenes Baby das Geschehen außerhalb des Mutterleibs kommentieren. Und das ist schockierend, witzig und niemals langweilig. Die wunderbare deutsche Übersetzung ist im Diogenes-Verlag erschienen.

Entdeckungen:
Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes)  ist für mich meine persönliche Entdeckung des Jahres 2016. Die Geschichte um drei Geschwister, die behütet aufwachsen und nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern mit einer völlig anderen Situation zurechtkommen müssen. Wells erzählt eigentlich eine alltägliche Geschichte.  Aber er tut das ganz wunderbar.

Robert Galbraith: “Der Ruf des Kuckucks” (“The Cuckoo’s Calling”), “Der Seidenspinner” (The Silkworm), “Die Ernte des Bösen” (“Career of Evil”). Die drei Romane um den Privatdetektiv Cormoran Strike haben das, was man von guten Krimis erwartet: Spannung, Humor und Figuren, die eine Vergangenheit haben und sich im Verlauf der Geschichte entwickeln. Und Londonfans können die Wege auf der Stadtplan verfolgen. Ich habe die Bücher auf Englisch gelesen. Die deutschen Ausgaben sind bei Blanvalet erschienen. Die BBC verfilmt die Bücher gerade mit Tom Burke als Cormoran Strike.

William Shakespeare:
Wahre historische Hintergründe, Mord, Intrigen, Liebe, Hass und Humor – wer das gerne liest, sollte William Shakespeare eine Chance geben. Ich habe in diesem Jahr die drei Teile von “Henry VI” und “Richard III” gelesen. Wer öfter hier reinschaut oder mir auf Twitter folgt, weiß, dass mein Lieblingsschauspieler Benedict Cumberbatch als “Richard III” seine bisher beste schauspielerische Leistung abgeliefert hat. Die Dramen sind in einer zweisprachigen Ausgabe bei Ars Vivendi und dtv erschienen. Die BBC-Verfilmungen sind als DVDs erhältlich, allerdings ist Richard III (als Teil der Hollow-Crown-Serie) nur auf Englisch mit englischen Untertiteln erhältlich.

 

Bücher für Weihnachten

Ach je. Bücher für Weihnachten, also Bücher als Weihnachtsgeschenke. Ich sehe schon, wie die ersten mit den Augen rollen und denken: “Auch das noch.” Denn beim Lesen all dieser Bücherlisten – so finde ich jedenfalls – kommt man sich immer dumm und ungebildet vor, weil man von den meisten der vorgeschlagenen Bücher weder etwas gehört hat noch den Autor kennt (das gilt auch für Autorinnen, ich weigere mich aber jegliche Form der Genderisierung zu schreiben). Also, welche Bücher sollte man denn nun verschenken? Nur die, die einen selbst gefallen haben. Das ist mein Prinzip, nach dem ich im Gedanken durchgehe, wer sich über welche Lektüre am meisten freuen würde.

Für Krimifans:
Robert Galbraith: “Der Ruf des Kuckucks” (Blanvalet Verlag, 9,99 Euro) ist der erste von drei Bänden, in denen der Privatdetektiv Cormoran Strike Fälle löst, versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen und dabei durch die Straßen Londons humpelt. Strike wurde im Afghanistan-Krieg (wer mag, kann darin einen Hinweis auf Arthur Conan Doyles John Watson lesen) so schwer verwundet, dass er seither auf eine Unterschenkelprothese angewiesen ist, um einigermaßen gehen zu können. Robert Galbraith – das Pseudonym von Joanne K. Rowling – schreibt so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte und erinnert im Stil an traditionelle Krimis, die ohne große Action auskommen und stattdessen mehr auf Taktik und Überlegung setzen.

Für Traditionalisten:
Siegfried Lenz: “Schweigeminute” (dtv , 7,90 Euro). Wer den Film, der kürzlich im ZDF lief, gesehen hat, sollte unbedingt die Novelle lesen. Denn in diesem Alterswerk des Autors wird so viel mehr erzählt und verdeutlicht, wie es in einem Film nie möglich ist. Denn vieles, was der Schüler Christian, der mit seiner Englischlehrerin Stella ein Liebesverhältnis hat, spielt sich gedanklich nur im Kopf des Jugendlichen und Ich-Erzählers ab. Ausgangspunkt ist die titelgebende Schweigeminute, bei der Beerdigung Stellas, die bei einem Schiffsunfall so schwer verletzt wird, dass sie an den Verletzungen stirbt.

Für Liebhaber englischer Literatur:
Ian McEwan: “Nussschale” (Diogenes, 22 Euro) ist das jüngste Werk des britischen Autors, der seine Geschichte dieses Mal aus der Sicht eines ungeborenen Kindes erzählt.

Für Entdecker:
James Rhodes: “Der Klang der Wut” (Nagel & Klimche, 22,90 Euro) ist, wie es James selbst sagen würde, ein Buch über Musik. Aber es ist auch die schreckliche Geschichte eines kleinen Jungen, eben James Rhodes, der fünf Jahre lang vergewaltigt wurde und der nur überlebte, weil er klassische Musik hört. Wer mag, sollte das Buch im Original lesen (“Instrumental”, Canongate, ca. 10 Euro), nicht um mit seinen Englisch-Kenntnissen anzugeben, sondern weil James’ Stil im Deutschen nur schwer erkennbar ist.  Heute ist James Rhodes ein erfolgreicher Pianist, dessen Konzerte genauso ungewöhnlich sind, wie sein Tweets.

Für Liebhaber von Briefen:
Petra Müller, Rainer Wieland (Hg): “Schreiben Sie mir oder ich sterbe” (Random House, 3 CDs, ca. 20 Euro): Hörbücher sind nicht jedermanns Sache. Man muss sich reinhören und konzentrieren, damit man nicht den Faden der Geschichte verliert. Praktisch sind aber kleinere Stücke, die man zwischendurch hören kann, wie diese Sammlung von Liebesbriefen berühmter Menschen.

Buchpassion: Lesend Welten entdecken

Bücher. Ich weiß nicht, ob es jemals eine Zeit gab, in der Bücher nicht für mich wichtig waren. Sobald ich lesen konnte und einen Leseausweis für die örtliche Bücherei hatte, gab es für mich nichts Schöneres als ganze Nachmittage zu verlesen, mich in immer wieder neue Geschichten und Figuren zu verlieren. Auch heute noch ist ein gutes Buch immer noch etwas, das es mit jedem Film aufnehmen kann. Jedenfalls für mich.

Faszination Lesen

Woher dieses Leidenschaft kommt, weiß ich nicht genau. Vielleicht war es das Lesen an sich, also die Fertigkeit, aus Zeichen Worte zu formen und sie zu verstehen. Denn seltsamerweise kann ich mich genau an das Gefühl erinnern, als Worte nur schwarzes Gekritzele in einem Buch waren. Es gibt sogar ein Buch, in dem ich –  noch des Lesens unkundig – die Leerstellen nach Absätzen mit unsicheren Kuli-Linien  bis zum Seitenrand füllte. Offenbar war es für mich vollkommen unverständlich, weshalb die schwarzen Zeichen einfach aufhörten. Als  aus den schwarzen Flecken Buchstaben, Wörter, Sätze und schließlich eine ganze Geschichte wurden,  war ich der Faszination Lesen erlegen und bin es bis heute.

Freilich hat sich meine Leidenschaft im Laufe der Zeit verändert. Ich habe mal mehr, mal weniger gelesen. Es kamen neue Autoren hinzu, während andere aus meinem Buchleben verschwanden. Gleichzeitig habe ich begonnen, mich für Technik und das Internet zu interessieren. Irgendwann legte ich meinen ersten Blog an, es entstand mein erster Blogeintrag und es kam ein Kindle, später ein Tablet hinzu (der neueste Zuwachs ist ein Tolino). Nach und nach habe ich wieder begonnen, Englisch zu lesen und zu schreiben, zuerst zaghaft auf Twitter, dann auf meinem Blog, zuerst über meine Lieblingsserie “Sherlock” und dessen Hauptdarsteller  Benedict Cumberbatch, dann über Bücher, auch über die,  die ich auf Englisch gelesen hatte – irgendwie fällt es mir leichter in der Sprache zu schreiben, in der ich die Bücher gelesen habe.

Eines ist aber über all die Jahre gleich geblieben: Lesend Neues entdecken, die Welt um mich herum völlig vergessen und nach Stunden wieder aus dem Buch auftauchen (wobei es nicht immer Belletristik sein muss, die ich spannend finde) und der Wunsch, das nächste Buch anzufangen.

« Ältere Beiträge

© 2020 die bedra

Based on the Theme by Anders NorenHoch ↑

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Du hier bleibst, stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. This site uses cookies. By continuing browsing, you are consenting to the use of cookies. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen